24. Februar 1982
Für L.
Einst erfüllten wir einander ganz.
Jede Zeit hatte unser Maß.
Jeden Raum dehnten unsere Seelen.
Jede Farbe spiegelte unseren Sinn.
Einem hellen Wasser gleich
ergoß ich mich auf tausend Bahnen
in Dich lichten Kontinent.
Fülle wurde uns zuteil;
für manches Leben übergenug.
Wir aber wollen unersättlich sein.
Doch plötzlich - ist es ein Traum? -
sind Grenzen ringsum aufgepflanzt.
An enger Pforte bricht sich das Meer.
Wer hat die Schleusen verrammelt?
Ich schleich im Vorgebirge herum,
quäl mich durch Schluchten und Sümpfe,
während die Sonne hinter den Gipfeln entschwindet.
Soll fortan Verzweiflung das Siegel meiner Liebe sein?
Verzweiflung neben Dir?
Verzweiflung in der Straßenbahn?
Verzweiflung beim Essen, Trinken, Lachen?
Verzweiflung, wenn ich in fremdem Schoß erwache?
Heiß preßt das Blut die Herzkammern.
Leg ich Dir mein zuckend Herz zu Füßen? -
Wir danken heut für solchen Überschwang.
Doch fassen will ichs,
den warmen roten Quell bewahren,
möcht Mut und Güte schöpfen,
die unsere ganze Hoffnung sind.