06. März 1982 - Hebbel-Tagebücher
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Hebbel BdI S7f: „Es ist merkwürdig, wie die Frauen, die am Mann doch nur eben das lieben, was ihrer Natur gerade entgegengesetzt ist, ihn doch so gern zu dem machen wollen, was sie selbst sind; sie sind Göttinnen, die nur seine Sünden vergöttern und ihm diese Sünden dennoch nie vergeben.“
Unser gesellschaftliches Leben ist demokratisch, „breit dahingelagert“, horizontal gegliedert. Unserem Leben ist Bestialität wesensfremd. Es ist weniger auf Hierarchien zugeschnitten, die in dramatischen Konflikten bestätigt oder gestürzt werden. (Ich schreibe das alles im Bewußtsein des demokratischen Zentralismus.) Kommt daher auch eine Undramatik der Kunst, ein vielfaches Variieren und Abwandeln? Das denke ich bei Goltzsche, auch bei L. u.v.a. Und auch dieses Tagebuch ist so angelegt, sich in die menschliche Vielfalt zu vertiefen. Wir sind auf individuelle Befriedigung gerichtet. Weil unsere Gesellschaft geregelt ist?
Ich beschreibe Symptome eines Stagnationszustands aber - wie sich 1989/90 erwiesen hat - ohne zu begreifen, wie weit fortgeschritten er schon war und ohne die geringste Vorstellung, wie rasant der Umschlag in dramatische Verfallsprozesse vor sich gehen würde.
Hebbel BdI S23: „Nur die nächst Folge einer Tat darf dem Menschen zugerechnet werden, alles andere ist Eigentum der Götter…“.
Zur Sprache sagt Hebbel (17.7.35):“…unsere Sprache deutet eher auf einen Mangel unseres Ichs, als auf einen Vorzug desselben hin, indem sie uns nur als ein Mittel der Erweiterung und Läuterung unserer Ideen … durch Besprechung mit unseresgleichen gegeben ist; hätten wir absolute Begriffe, so würde sie uns sehr entbehrlich sein…“
ebenda S. 11, 29.7.1835: In Gott treffen sich die physischen und psychischen Kräfte in höchster Potenz:
„der Geist ist selig in Hervorbringung der Ideen, der Körper in Hervorbringung der Körper,…“
Hebbel-Splitter:
„Augen, die für nichts und wieder nichts glühen.“
„Die einsame Sonne, das einsame Meer. Sonne, flutest und wogst du ebenso mit deinen Flammen., wie unten das Meer? Die einsame Katze darunter.“
„Das aus dem Wagen eines Schlachters gehobene schlafende Kalb.“
„Das Weib gebiert den Menschen nicht einmal, sondern zweimal. Auch die geistige Wiedergeburt durch die Humanität ist ihr Werk.“
„Leidenschaft begehr keine Sünde, nur die Kälte. Brich jede Blüte, selbst, wenn du sie nicht für ewig ins Wasserglas zu stellen gedenkst, nur dufte sie dir!“
„Die Natur - man darf’s in guter Gesellschaft freilich nicht sagen - spricht sich in höchster Naivität in einem Hund aus, der eine Petze, die, bevor sie seine Triebe befriedigt hat, ihm fortrennen will, ins Ohr beißt.“
„Wenn einem Philosophen ein Licht aufgeht, ist’s für den anderen immer ein Schatten.“