07. März 1982 - Sinn meines Tagebuchs
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Hebbel S. 17, 24.10.1839: Aufgabe der Kunst ist Darstellung des Lebens, d.h. Veranschaulichung des Unendlichen an der singulären Erscheinung.“ S. 18:“Ich halte es für die größte Pflicht eines Menschen, der überhaupt schreibt, daß er Materialien zu seiner Biografie liefere. Hat er keine geistigen Entdeckungen gemacht und keine fremden Länder erobert, so hat er doch gewiß auf mannigfache Weise geirrt, und seine Irrtümer sind der Menschheit eben so wichtig, wie des größten Mannes Wahrheiten.“ (Tagebücher als Barometer des Jahreszeitenwechsels der Seele und rückblickend Entdeckung geistiger Wendepunkte) S. 20: Das erste und einzige Kunstgesetz: An der singulären Erscheinung das Unendliche veranschaulichen.
Auch ich will am Einzelfall das Allgemeine erfassen, aber durchaus nicht in künstlerischer Gestaltung. Für mich ist das Tagebuch nicht Hintergrund, Gegenpart eines künstlerischen oder wissenschaftlichen offiziellen Werkes. Für mich ist es Selbstdarstellung und Selbstverständigung zugleich die Basis des wissenschaftlichen Werkes selbst. Daher ist das oberste Gesetz dieser Darstellung: uneingeschränkte Wahrheit. Ich bin mir bewußt, daß ich mit jeder Notiz empirische Daten für spätere wissenschaftliche und das heißt natürlich historisch-materialistische Verallgemeinerung schaffe.
Deshalb kann ich nicht so sehr Schlußfolgerungen oder gar Aphorismen bieten, mir kommt es darauf an, Sachverhalte möglichst genau und aktuell (also immer unter Zeitdruck) festzuhalten.
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Über einige abstrakte theoretische und weltanschauliche Potenzen dieser Sache bin ich mir durchaus im Klaren. Hier wird der Mensch direkt gefaßt. Hier wird er als Ganzer gefaßt (nicht Teilung in verschiedene Wissenschaften, Künste, Biologie, Ideologie, Politik usw.), hier werden gesellschaftliche Tabus bzw. Verbote unwirksam. Es gilt auch mehr berühmte Tagebücher zu lesen. Auch „Anne Frank“, „Tagebuch der Armut“. Denkbar wäre es auch, dazu mal in einer Zeitschrift („Neues Leben“, „Magazin“) zu schreiben, z. B. berühmte Tagebücher vorstellen und sagen wie und warum ich selbst schreibe.
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