13. März 1982 - Literatur
[…] Die Faust-/Mephisto-Konstellation trifft nicht ganz unsere Zeit, mich.
Faust war hoffnungslos und lieferte sich bedingungslos Mephisto aus. Ich bin von vornherein in anderer Kampfposition, habe ein Gutteil Mephisto in mir; will zwar die Welt ganz und gar erfahren, jedoch hab’ ich dabei ein paar Instrumente (Dialektik, Materialismus), auf die ich mich stütze, die bisher nicht versagt haben und die ich im Grunde erproben und schärfen will. […] Ich liefere mich nicht aus. (Nicht aus Angst - ich brauche es einfach noch nicht - aber in Auerbachs Keller ging es Faust so ähnlich.)
Ich bemühe die Gestalt des grenzenlos suchenden Faust und schirme mich zugleich von ihr ab. Ich habe noch gar nicht kapiert, wie brüchig der Boden bereits ist, auf dem ich stehe. Ich bin noch weit davon entfernt, alles zu wagen.
Meine „Instrumente“ Dialektik und Materialismus schätze ich auch heute noch. Aber ich weiß, in welch vernachläßigtem Zustand sie sind.
[…] Werner beunruhigen die „selbständigen Frauen“. Er preist den unverbildeten Sex der 18-jährigen Ärsche. Ich bin für, entschieden für die „selbständigen Frauen“, Frauen, die sich selbst den Mann erwählen (und verstoßen). Freilich weniger bequem für olle Adam. Er muß sich in zweierlei Richtung bewegen: Partner für diese Frauen werden, auf der neuen Freiheitsebene, die sie nun erreicht haben und ihr Risiko nicht unnötig erleichtern wollen; mit ihren neuen Freiheiten sollen sie auch neue Risiken tragen. (Das hat nichts mit Roheit zu tun.)
[…]
Hebbel (S49-51): „Wenn auch bei Jean Paul Formlosigkeit ist, so ists ein Ozean, der über alle Grenzen hinausschwellt und die Unendlichkeit repräsentiert; geringere Geister aber sind, wie ein Bach, der nur durch seine Ufer schön wird.“
„Wirf weg, damit du nicht verlierst! ist die beste Lebensregel.“
„Der Witz ist das einzige Ding, was um so weniger gefunden wird, je eifriger man es sucht.“
Ich bin keiner von den Leuten, die Alkohol brauchen, um Wahrheiten zu denken und auszusprechen. Hoch die heilige Nüchternheit!
Alim Keschokow:
Frauenlist
Ein Narr, wer sich vermißt,
der Frau Verschlagenheit je zu ermessen,
denn unergründlich ist der Frauen List,
ein Narr, wer diese Wahrheit will vergessen.
Doch eher lacht der Pessimist,
und eher läßt die Kreise sich der Weise stören,
als daß das Weib mit seiner List
es aufgibt, unsereinen zu betören.