16. März 1982 - Alltag

Schöner Skat zum Tagesausklang. Mir gelingt ein großer Bluff. Als Spieler habe ich eine rot 10 zu dritt und spiele eine rot Lusche aus. Adlmeyer, der Fuchs, schindet sofort auf die 10. Der dritte Mann hat diese Farbe tatsächlich nur einmal. Er ist jetzt vorn, und auf seine Forderung werfe ich meine zweite rot Lusche weg, werde mir also die 10 blank! Adlmeyer denkt, daß ich die 10 gedrückt habe und gibt sein As auf diesen Stich. Das gab ein Hallo, als ich dann später mit der 10 rauskam. […]

Bei Hegrü war es „gelungen“, schön. Ich hab ihr gesagt, wie meine Lage ist, hab ihr auch gesagt, was mir an ihr gefällt. zugleich hab ich mich bemüht, keine Illusionen bei ihr aufkommen zu lassen. sie versuchte zunächst zurückhaltend zu sein, aber das bringt sie einfach mir gegenüber nicht fertig. Sie erzählte, wie über ihr das Alleinleben sei, von niemandem gebraucht zu werden. sie trägt sich damit, zu kapitulieren, ins enge Haus eines befreundeten Mannes zu ziehen, weiß aber jetzt schon, daß sie das nicht aushalten wird.

Unser „Beieinanderwohnen“ war von unerhörter Leidenschaft (oder Raserei?) erfüllt und mit großem Geschick (oder schon Raffinesse?) verbunden. Uns gelingt einfach alles. Doch woher diese Leidenschaft? Sie ist das Abbauen aller Spannungen, die seit einem Monat in diesem Buch fixiert sind. Ich habe danach - obwohl zu kurz - wunderbar geschlafen (sie auch). Danach ist das Gewissen wieder hörbar. Ich kann tatsächlich nicht solche Beziehung nebenher alltäglich aufrechterhalten.

Baldwin im Zug gelesen („Beale Street Blues“). Der erste, sehr gute Eindruck schwächt sich doch etwas ab:

- Tendenz zur Idylle, Sentimentalität („heile Familie“ Rivers)

- Tendenz zur Mystifizierung der Rolle des Mannes.

Interessant, welcher Grad von Gewalttätigkeit in diesem Lande normal ist. Beispiele: Niederschlagen der Mrs. Hunt durch ihren Mann, wie Fonny den Italiener niederschlägt u.a.

Im ganzen aber doch eine gute kleine Geschichte.

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