21. März 1982 - Elisabeth Shaw


Einer schrieb mal (war es Hebbel?), daß es wichtig sei, das Negative nicht zu vernichten; zwar von mir abzutun (zu überwinden) aber in seinem Recht bestehen zu lassen. (Unterschied von absoluter und dialektischer Negation.)

Nach dem Abendessen entdeckte F. sein Küken unter dem Tisch. Er holte es hoch, fütterte es, gab ihm zu trinken, zeigte auf sein Hinterteil: „A, a“ Ich: „Muß das Küken auch a, a machen?“ Er kletterte vom Stuhl, holte seinen Topf aus dem Nebenzimmer und „setzte“ das Küken darauf. „Küken macht a, a, macht eine „Dampfwurst“, „macht viel“, erklärte er immer wieder. „Küken macht auch pinke“. Großes Lob für das Küken, für seine „Dampfwurst“. Schließlich überrede ich ihn, daß das Küken nun genug gemacht hat. „Nun den Topf ausleeren“ und gemeinsam leeren wir den (leeren) Topf in sein mittlerweile fertiges Badewasser aus. Dann bringt er den Topf wieder ins Nebenzimmer, das Küken läßt er achtlos wieder unter den Tisch fallen.

Hebbel: „Für den Menschen, der Geist und Herz möglichst nach allen Seiten sich frei erhalten, oder befreit hat, ist jede Zeit schlimm, denn jede führt, da sie auf bestimmte Interessen verwiesen ist, etwas Ausschließendes mit sich. Die aber ist die schlimmste, die wegen wirklicher oder vermeintlicher Schwäche ihres Fundaments, Mut und Kraft verdammt, so daß nur Kranke und Verschnittene ihr Dienste tun können oder dürfen.“ (S66)

„Jean Paul nennt Ludwig XIV. Ludwig den Vergrößerten“ (66)

„Damit sich der Mensch in seiner ganzen Menschheit, d.h.zur Persönlichkeit ausbilde, ist es notwendig, daß er alle verschiedenen Lebensperioden, die jener letzten, worin er stehen, wirken und genießen soll, voraufgehen, mit angemessener Freiheit durchgenieße. Erstlich die Periode der Passivität, wie ich sie nennen möchte, weil sie den Menschen mit Leben und Welt überschüttet.“ (68)

Erstaunlich, daß die Natur in irgendwelchen Nischen immer auch gleichartige, „nichtsnutzige“, fruchtbare, robuste Lebewesen hervorbringt: Spatzen, Brennesseln, Fliegen, Mäuse.

Was gefällt mir an E. Shaw?

Die beiden folgenden Seiten stammen aus dem “Magazin” vom Mai 1980. Der Elisabeth Shaw würdigende Text ist vermutlich von Herbert Sandberg, Zeichner und Karikaturist, Kommunist, der im “Magazin” eine endlose Serie “Der freche Zeichenstift” betreute. Wikipedia kennt sowohl E. Shaw als auch H. Sandberg! Eine schöne Website zu E. Shaw und ihren Mann Rene Grätz hat ihr Sohn gestaltet.

 

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