30. März 1982 - Trainerlehrgang Verhaltenstraining


Ich fahre zu einem Lehrgang für die Ausbildung zum Verhaltenstrainer. Mit mehreren von Psychologen durchgeführten einwöchigen Verhaltenstrainings (zur Entwicklung von Kreativität, zur Bewältigung von Konfliktsituationen) hatten wir in unseren Lehrgängen beste Erfahrungen gemacht. Die hohen Honoraraufwendungen für die Trainer sprengten aber unseren Etat. Ich bemühte mich daher, auf der Grundlage meiner Schmalspur-Psychologie-Ausbildung während meines Studiums sowie meiner langjährigen Erfahrungen in der Erwachsenenbildung, selbst eine Trainerlizenz zu erwerben. Das war eigentlich unmöglich, weil nach den Festlegungen der Gesellschaft für Psychologie der DDR nur Diplom-Psychologen nach entsprechender Weiterbildung Verhaltenstrainer werden konnten. Es gelang mir eine halboffizielle Vereinbarung mit dem Leiter der Arbeitsgruppe „Verhaltenstraining“ bei der Gesellschsaft für Psychologie zu erwirken, mit der unter bestimmten Auflagen meine Ausbildung zum Verhaltenstrainer genehmigt wurde. Ein einwöchiger Lehrgang in Herlasgrün/Vogtland im Kreis von 9 Psychologen war der Beginn meiner Ausbildung zum Verhaltenstrainer.

0.00 Uhr Bahnfahrt, 2.45 Uhr Ankunft Leipzig, Mitropa, Essen, Kaffee, Protokoll, 3.55 Uhr DR nach Reichenbach. 5.00 Uhr, Pause, 7.10 Uhr im Schulungsheim Herlasgrün.

Rückenschmerzen[…]

Eigentümliches Gefühl, als ich morgens (mitternachts) auf Reisen gehe. Wieder diese Divergenz zwischen realem und psychischem Geschehen. Ich rede mir ein, daß ich geschlafen habe und mein Arbeitstag beginnt. Wie gleichmütig würde ich morgens früh durch die Straßen laufen. So aber fühle ich mich als einzelner Mensch in der Dunkelheit „vor mir stehen“ und Einsamkeit ist außerhalb des Kreises, den ich mir selbst erhelle. (Doch das ganze nicht dramatisch, eher kriechend.) Eigentlich wollte ich Mitternacht etwa in Herlasgrün ankommen, aber die leidenschaftliche Diskussion der Wahlversammlung der APO (Abteilungsparteiorganisation), in der ich mich auch festlegte, konnte ich nicht wie ein Bürokrat zur vorher festgelegten Stunde verlassen. H. Schulze, der überfordert ist, muß abgelöst werden. Warum quälen wir, warum quält er selbst diesen Menschen so?

 

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