15. April 1982 - meine Frauen



[…] Wenn sich mein Geist auf’s Handeln richtet, ist die Ausbeute für dieses Buch gering. Nicht, daß dabei im Geist nichts vorsichgeht. Aber, was da vorsichgeht ist nicht so problematisch, daß es tief zergliedert und dadurch objektiviert werden müßte. Es objektiviert sich in der Tat, in dem „Strom namens Fakt“ [Majakowski].

Beim Nichtstun aber ist nur der Geist in Bewegung. Die Klärung dieser Bewegung produziert das Tagebuch. Ist diese Bewegung geklärt, im Subjekt objektiviert, kann die Tat folgen, also das Objekt subjektiviert werden. Die Tat kann nicht nur, sie sollte unbedingt folgen.

Die Psyche, die Logik des Mannes ist anders als die der Frau. […] Das kommt, weil auch das Verhalten des Mannes anders ist. Die Frau ist mehr passiv, abwartend, beobachtend. Der Mann aktiv, tätig, zuspitzend. Insofern ist es immer der Mann, der sich entblößt und die Frau, die im Geheimnisvollen bleibt. Wenn ich mich mal bewußt abwartend verhalte und die Frau „kommen lasse“, spüre ich sofort, wie sich auch die psychische Situation umkehrt. […]

Welche Frauenbeziehungen habe ich? Wie gehe ich praktisch (der ich voller Frauenhochachtung stecke von Jugend an) mit Frauen z. Z. um?

L. ist die Frau, die ich eigentlich als die Frau meines Lebens lieben möchte. Das ist nicht möglich. Den Prozeß, mich in diese Notwendigkeit zu fügen, habe ich zum größten Teil bewältigt (mit Schmerzen und Narben aber - so hoffe ich - ohne tiefere Schäden).

Helga ist die Frau, die (in vollkommener Weise) meine ganze angestaute Sexualität befriedigte. Sie ist das dienstbare Fleisch für meine Triebbefriedigung. Dabei empfinde ich Mitleid mit ihr. Schlimm, was ihrem guten Herzen zugemutet wird, doch dies Mitleid ist ohnmächtig, nicht tätig; leise klopft das Gewissen, doch was kann ich dafür, daß sie so gerne immer vom eigenen Lustbegehren überschwemmt wird.

Margot ist ein so guter Kamerad, daß mein Verhältnis zu ihr partiell in Liebe umschlägt. Sie hat manchmal eine Enge und Berechnung, auch Unbildung, von ihrem Alter abgesehen, daß eine große, tiefe Beziehung immer an wichtigen Gliedern amputiert wäre. Aber zu Vielem, was sie zeigt, zu ihrer Stärke und großen erstaunlichen Zartheit in der Beziehung zum Partner, wächst eine Zuneigung in mir, die mich selbst überrascht und die tatsächlich beglückend ist. Ich bin tatsächlich von ihrem Alter von 50 Jahren (und sie sieht in manchem eher älter aus) gehemmt.

Marita ist noch sehr unbekannt. Sicher keine Offenbarung. Aber voller Überraschung und zweifellos besonders geübt im Liebesspiel. Diese verhärtete, verquere, fast kranke Frau zum liebenden Weib zu machen (ohne daß ich mir vorstellen kann, sie wirklich tief zu lieben), das gäbe nicht nur Freude und Genuß, sondern auch Triumph.

Anneliese ist die begehrte Kurtisane. Wann wir verschmelzen, ergibt der Zufall. Es kann nicht geplant werden. Das wird raffinierter erotischer Genuß.

Eine Frauen- oder Mädchenbeziehung steht mir eventuell über W. W. bevor. Eine Beziehung des eigenen und fremden Zynismus; zumindest der Betäubung? Ein Abenteuer, das W. in L.s Bett bringt (bzw. schneller dahin bringt)? Oder einfach bedenkenloser Genuß der Jugend?

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