18. April 1982 - eine Schande
6.00 Uhr, mal munter
8.10 Uhr, endgültig aufgewacht, langsam mache ich Marita munter. Wir spielen und finden kein Ende.
10.20 Uhr, Duschen, Frühstück
11.00 Uhr, Fahrt zur Jugendweihefeier von Clemens
11.15 Uhr, während der Fahrt entschließe ich mich, nicht hinzugehen (ich bin zu spät dran, bin unrasiert, unpassende Kleidung, keine Blumen), Bummel durch Karlshorst.
[…]
Clemens ist mein dritter Sohn. Wie hatte ich mich über seine überraschende Einladung zu seiner Jugendweihe gefreut. (Nach der Scheidung von meiner Ehefrau 1975 hatte sie alles getan (mit Erfolg), um mir die Kinder zu entfremden. Clemens, der Jüngste, hatte anfangs einige rührende Aktionen dagegen unternommen. Ich hatte es im Laufe der Zeit aufgegeben, die Kinder immer weiter in Konflikte zu stürzen und mich vollständig zurückgezogen.)
Die Einladung von Clemens so mißachtet zu haben, verzeihe ich mir nie.
Ein langer Abend mit Marita, in dem ihre Sprödigkeit anfangs groß ist, und dann ganz schwindet. […]
Sie erzählt viel, ich höre, höre und bin manche Strecke hingerissen. Was sie mit dem Sterben ihres Mannes durchmachte! Wie verständnisvoll sie über ihre Mutter (und wie sie geworden war) sprach. Wie sie ihre Kur-Liebe und ihr Ende erlebte, wie es mit dem Mann war, bei dem sie zum ersten Mal einen Orgasmus erlebte, wie ihre Arbeit ist, das Leid, das sie kennt, wie gehemmt sie ist (Liebkosungen in der Öffentlichkeit, vor ihrer Tochter), das Wichtige, das sie mir über mein Liebhaberverhalten sagt (die geringe bzw. nur gelegentliche Sinnlichkeit […]). Ich sage manches darüber, wie ich sie sehe, was zu treffen scheint.
Es fangen an, sich die Herzen aufzuschließen. […]