26. Mai 1982 - Aktmodell
[…] Ausstellungsbesuche: G. Thieme und M. Schwimmer („Palast der Republik“), Hans Purrmann
[…]
Heute soll es wieder ein warmer Tag werden: An solchen Tagen bringen mich die Brüste mancher Frauen schier um den Verstand. Heute früh eine sehr junge Frau, blond, an der Straßenbahn (leider mit ihrem Macker). Unter einem dünnen weißen Hemd waren ihre wundervollen Brüste und deren Warzen schöner zu sehen und modelliert, als wären sie nackt gewesen. So etwas würde ich auch gern als Fotomodell studieren.
Und damit bin ich beim Thema des Tages. „Sie“ hat geschrieben (Vergl. 30.4. und 1.5.), Bettina, halbkonspirativ!
Was ist auf diesem Gebiet eigentlich verboten und was nicht? Sicher ist Pornografie verboten. Das will ich auch nicht. Import westlicher Aktphotos sicher auch, die will ich auch nicht. Für mehr als gelegentliche Modellstudien brauchte sie sicher eine Steuer-Nr. aber für gelegentlich? So werde ich mich weiter einlassen auf diesen Pfad. Wie etwa könnte eine Antwort aussehen? […]
Vom Band Aktfotografie bin ich angeregt.
Die Ausstellung Max Schwimmer wirkt danach wie eine Bestätigung (Man darf alles, wenn man es kann.) Danach sehe ich H. Purrmann und bin sofort von dieser Qualität überzeugt. Zu dieser Ausstellung muß ich noch einmal wieder, wenn ich mich darauf konzentrieren kann. Jetzt schwirrt mir zu viel Aktfotografie, auch in Hinblick auf meinen Antwortbrief im Kopf herum.
Punkte des Antwortbriefs:
- meine Einstellung auf sie, Vorbereiten, Einsehen, räumliche Bedingungen
- ihr Typ, ihre Grundhaltung
- Anwesenheit Dritter
- Halbackt, Details, Milieu.
Eigentlich brauche ich eine Phase, in der ich sie erst „beschnuppere“, eine Beziehung gewinne. […]
Antwort etwa so:
Liebe Frau Bettina!
Vielen Dank für Ihre Zeilen. Ich habe mich darüber gefreut, auch darüber, daß Sie bereits einige Erfahrungen als Aktmodell haben. Ich bin an einer Zusammenarbeit zu den von Ihnen genannten Bedingungen interessiert, und wir sollten einen ersten Versuch machen. Allerdings halte ich die unmittelbare Anwesenheit eines Dritten für störend, habe aber selbstverständlich nichts dagegen, wenn Ihr Mann während der Studien jederzeit für Sie erreichbar ist.
Weitere Vorstellungen zu äußern fällt mir schwer, da ich gar keinen bildlichen Eindruck von Ihnen habe und Ihren Typ, Ihre körperlichen Vorzüge, Ihr Temperament usw. nicht kenne. Vielleicht können Sie mir einige Aufnahmen von sich oder von anderen Frauen ihres Typs schicken, die mir die Einstellung erleichtern?
Als eine erste Möglichkeit erscheinen mir Studien in Ihrem Wohnmilieu ohne zu großen technischen Aufwand (Kleinbildkamera, Tageslicht).
Ich hoffe, daß meine Vorstellungen nicht unbescheiden sind und sehe Ihrer Antwort entgegen.
Mit freundlichem Gruß

