07. Oktober 1980 (Bulgarienreise)
„Tag der Republik“ früh im Interhotel „Astoria“in Dresden, nicht nur deutsche, sondern sogar sächsische Laute um mich.
Seit Warna kennengelernt G. T. aus R., die im VEB A. als Sekretärin des Absatzdirektors arbeitet. Sie war seit vergangenen Montag in Bulgarien, wo sie schon das 7. Mal ist.
Während des ganzen Fluges geschwatzt und im „Astoria“, wo es mit dem Zimmer klappte, auch noch bis gegen 1 Uhr.
Ein harmloses Gemüt, sehr verspannt, um nicht zu sagen verklemmt, kurz über die 30.
Sie war mit einem Westdeutschen in Warna. Keine Sache mit Zukunft, wie sie versichert.
Nach so langen Gesprächen könnte ich natürlich viel über sie schreiben, aber es lohnt sich eigentlich nicht.
Bei den Alten Meistern wieder beeindruckt von Tizian und auch von Jordaens „Diogenes sucht einen Menschen auf dem Markt“, natürlich auch von Mantegna.
Im Albertinum „Kunst im Aufbruch“. Es gibt viele beeindruckende Werke, die man sich leider nicht so genau merkt. Aber z. B: ein Palucca-Kopf von Kolbe hat mir sehr gefallen. Auch eine Schwangere, sitzend, von einer mir bisher unbekannten Frau gemalt.
Ist im Ganzen genommen diese Kunst nicht zu unfreundlich und deshalb nicht so geliebt? Sie hat immer etwas Schweres, Niederdrückendes, Bitteres. Man soll nicht sagen, die Zeit war so. Hatte vielleicht die Parteinahme der Künstler in dieser Zeit einseitige Züge? Hofer hat es anders gemacht, schöner gemalt. Die Blätter des Zyklus „Tiere und Menschen“ von Hans Grundig beeindruckten mich sehr.
(So endete meine einsame Bulgarienreise. Sie stand unter keinem sehr guten Stern. Wie in meiner Erläuterung zum 24.9.1980 schon bemerkt, wollte ich mit der Reise meiner Partnerin etwas „beweisen“. Das gelang nicht; mit der vorzeitigen Rückreise weniger denn je. Der schleichende Zerfall unserer Beziehung setzte sich fort und beschleunigte sich.)