05. Juni 1982 - Schmerzen
5.30 Uhr aufgewacht. Meine Rechnung von gestern ist z. T. aufgegangen. Aber noch sind Arsch- und Wadenschmerzen und auch Zäpfchenwirkung groß. Jetzt Zähne putzen, Rotlicht, Bad ist vorbereitet, weiter abruhen.
10.00 Uhr, ich steh auf. Zwischendurch war Bad und Schlaf. Die Zäpfchenwirkung (Trunkenheit) ist doch stark. Ab sofort nur noch 1 Zäpfchen, 1 Tablette. Fühlbare Besserung, von Schmerzfreiheit kann aber noch keine Rede sein.
30° im Schatten, heute in den Garten. […]
20.20 Uhr; die Ischiasschmerzen lassen alles in allem erheblich nach. Aber große Schwäche, Tapsigkeit, weiter Schmerzen. Nach Bad, Wäsche, werde ich weiter Briefe schreiben. […]
Im Garten habe ich u.a. Tomaten betuttelt. Es war schön, obwohl mit mir nichts los. Die Kirsche „Morellenfeuer“ hat einen schönen, starken Ast verlosen. L. weiß nicht, welcher Idiot das war.
# Aus einem Brief an Freundin M. #
[…] Bei geöffnetem Fenster sitze ich hier. Es ist abends 1/2 10, und das Thermometer zeigt 32°. Neben mir gut gekühlter Tomatensaft (jetzt auch ein Schwapps auf diesem Brief) und aus dem Radio Bach. So bin ich guter Hoffnung. Ja, guter Hoffnung, denn seit Wochen habe ich mit lästigen Kreuzschmerzen zu tun und seit etwa 10 Tagen mit einem ordentlich entzündeten Ischiasnerv. Heute ist der erste Tag, an dem die Schmerzen zurückgegangen sind. […]
Die letzten Tage habe ich mich immer mit doppelter Portion „voltaren“ und vierfacher Zäpfchendosis „oramon“ beholfen und nachts doch nur zweistundenweise geschlafen. Das ging wirklich nicht mehr lange so weiter. Krank machen konnte ich nicht, weil ich gerade den Chef vertrete, der sich ein Bein gebrochen hat, ja ich mußte sogar paar Tage auf Dienstreise nach Magdeburg. Hab’ ich geplagtes Wesen Dir nun genug vorgejammert? […]
1.00 Uhr, schon der 6.6. Wieder bin ich vor Schmerzen hellwach. Pustekuchen! Wie ein Besoffener, mit Augenschlitzen torkle ich durch die Wohnung, stelle die Dusche an, bereite ein Bad vor. Entweder bringt mir ein Bad die entscheidende Linderung. Oder ich werde so munter, schreibe, daß die Schmerzen vom Verstand ins Korsett genommen werden. (Dieser Zustand ist jetzt fast erreicht.) Oder ich esse - mit demselben Ergebnis.
Komisch: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.“ - Daß das auch biologisch stimmt! Ich werde willenlos herumgewirbelt, bewege mich ruckartig und heftig und viel, also gerade unvernünftig. Irgendetwas Physisches, in meinem Zustand also Schmerzhaftes, regiert mich.
Ich war mir immer nicht im Klaren, ob die Schmerzen nachts so viel größer sind. Aber nein, jetzt, wo sie wieder unter Kontrolle gekommen sind, merk ich, daß es in der Intensität kaum einen Unterschied zum Tag gibt. Die Nacht, der Schlaf, ist das Leben des unmittelbar Physischen. Da, wo die Physis leidet, bist Du dem nachts völlig ausgeliefert. Natürlich kannst Du Dich völlig munter machen, es so beherrschen, wie ich jetzt, aber was ist da gewonnen? Du brauchst ja die Regeneration der Physis in ihrer Uneingeschränktheit, verschiebst es also nur. Gegenüber spielt jetzt übrigens ein Radio.
Ich möchte ruhig schlafen!



