09. Juni 1982 – Purrmann


 

[…] Der zweite Blick auf Purrmann. Natürlich stimmt, was alle Leute sagen: Farbschönheit! Komposition! Einheit des Kunstwerks! Jedoch: Gesteigert bis zur Aggressivität des Schönen, Penetranz des Schönen, das gewaltsam überall herausgekitzelte Schöne, gewalttätige Schönheit. Das Schöne, das sich auf sich selbst gründet, sich selbst genug ist, kippt hin zum nicht menschlichen. Hesse, Rilke, Nietzsche. Irgendwann am Ende steht (wenn nicht bloße Dekorativität) die Bestialität des Schönen, die schöne Bestie. (Gewiß, davon ist P. weit weg – jedoch provoziert er solche Gedanken.)

 

Frühmorgens steigt eine gedrungene Frau, noch keine 40, in die Straßenbahn. Mit riesiger Brust, feistem Arsch, zwei, drei dicken Fettwülsten um den Bauch. Aber mit dem sichersten und zufriedensten Gesicht der Welt. Es sagt: „Na und? … So wie mein Alter mich fickt, weiß ich, daß ich nicht 1 Pfund zu viel habe.“

 

Schöne Frauen mit zärtlichen Brüsten. Frauen in phantasievollen Kleidern (nicht selten, wenn auch nicht oft), und einige andere, die aufgezäumt sind, wie Zirkuspferde.

 

Diew Kadergespräche für den 31. Lehrgang sind interessant. Vielfalt des Lebens! Es läuft nichts, wenn es in ein Schema gepreßt ist. Wir werden verschieden reagieren. Ich werde einen Brief an die Generale entwerfen.

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