21. Juni 1982 - immer noch, immer wieder - Trennung



[…]
Zu den Beziehungen zwischen Fotograf und Modell drückt sich der sittsame Burkhardt # Vergleiche: # zurückhaltend aus. Aus der Versicherung, dass sie keineswegs immer eine erotische Beziehung haben müssen (sinngemäß) schließe ich eher, dass es recht häufig ist, vielleicht sogar die Regel, dass sie miteinander schlafen. (Zumindest bei etwas ausgedehnterer Zusammenarbeit.) Aber ich bin wirklich gespannt auf die eigenen Empfindungen in diesem Studienprozess. Wenn man gelöst ist, kann man wohl nicht anders als auch begehrlich ein. […]
L. erzählt, dass Burgholder, wie nun erwiesen sei, ihren Ausweis geklaut hatte. Ich bin wenig interessiert, was sie auch feststellt, beziehungsweise mir vorwirft. Ich hätte ja noch nie Interesse für ihre Dinge gehabt. Vorwürfe, Angriffe zu machen, das ist ihre Art, sich nähern zu wollen. Ich verstehe es, doch all das haben wir hinter uns. Es kommt nichts dabei heraus, wenn ich einlenke. Sie kann nicht bitten, wie sie sagt. Ich kann bitten aber wofür?
Ob mein forciertes Akt - Interesse nicht eine Art Betäubung ist? (An die Stelle des verlorenen Interesses setze ich etwas anderes, was mich wirklich (was ist wirklich?) zumindest aber stark fesselt.)
Das Trennen der Küchen (Ich kaufte dafür die ersten Utensilien.) trennt mehr als ich vermutete.
Abends sitze ich allein im Garten und beginne auch hier, Abschied zu nehmen - Abschied, abscheiden, mein Inneres scheidet sich ab von dem, was mir bisher das Herz erfreute. Die mit Liebe und Hoffnung gesetzten und gepflegten Bäumchen entlasse ich ins Fremdsein. Sie werden Gehölze wie andere auch, wir trennen uns. - Dieser Prozess ist noch nicht vollzogen. Aber zum ersten Mal sein Anfang konkret gedacht, erlebt.
(Ich erinnere mich meiner nächtlichen Flucht im August vorigen Jahres in den Garten. […]
Das war damals auch noch nicht soweit, es war “nur” der konkrete Anfang dieses Prozesses beziehungsweise seiner dramatischen Phase.) Schlimmstenfalls endet dieser Prozess mit der Entfremdung von F. Doch vielleicht ist das nicht unausweichlich. Gebs Gott! […]
Dass man doch in solchen verworrenen Situationen die Zuspitzung als eine Erleichterung empfinden kann (Flucht nach vorn). Das eindeutig Negative ist leichter zu ertragen als endloser Zweifel, enttäuschtes Hoffen. Nun, das Hoffen ist lange aufgegeben. […]

Leave a Reply