13. Juli 1982 - Zusammensein mit F.
[…]
Lesen: Musil, “der Mann ohne Eigenschaften”
[…]
Die Versicherungstante gestern kam in Begleitung einer munteren, sehr jungen, dreisten Frau, ihrer Nachfolgerin? Fast noch knabenhafte Figur, sehr rote volle Lippen, dunkle lebhafte Augen, ein schönes Modell.
Viel geschlafen und viel geträumt in der Nacht. (Die ausgiebigen Träume bezogen sich auf das Zusammensein mit dem Lehrgang, ich war neuer Student in der Sowjetunion, Studentenheim, viele Leute) Woher so viel Schlaf? Erschöpfung vom Heimweg vom HdM und von der F. - Versorgung?
# HdM = “Haus der Ministerien”, in der dortigen Physiotherapie fanden meine Behandlungen statt. #
F. gestern Abend ist dreimal aufgestanden. War offensichtlich von der Gartentour stark beansprucht, müde und zapplig. Beim dritten Mal ließ ich ihn eine halbe Stunde neben mir liegen. Das war sehr schön! Wir pusten uns an. Er schmiegt sich an, kräuselt die Nase. Und immer wieder (auf das Aktfoto am Regal weisend):”Die Oma ist nackigt.” Sie hat Haare, Augen, Nase, Mund, “ist nackigt”. Drei-, viermal stellte er fest, dass die Oma nackigt sei (mit einem besonderen Ausdruck, Verschämtheit?).
Am Morgen hatte ich ihm gleich Stift und Papier geschenkt:”schrieben, Mama”. Mama entdeckt er auch auf dem Bild über meiner Tür, ich sage ihm, dass Sie bald wiederkommt. Sonst ist aber von ihr nie die Rede.