14. Juli 1982 - Kranksein
[…]
Radio: der Westen bringt massive Meldungen und Kommentare über einen Krieg Irans gegen Irak. Auch über Afghanistan und PLO.
Lesen: Musil, “Der Mann ohne Eigenschaften”
[…]
Abends, nachts, morgens tut mein Bein ziemlich weh. Ich spüre deutlich die Belastung der täglichen HdM-Reise, die ich G. verdanke.
[…]
Es wurde festgestellt, zum Beispiel von Günter Kunert, dass wir uns vor dem Tod, vor unseren Toten scheuen, sie ignorieren. Bezogen auf einen Großteil der Arbeitskollegen (besonders E. Grohs, H. Wietschke) muss ich das sogar auch für einen Kranken feststellen.
Wie möchte ich als Kranker behandelt werden? Das wichtigste, was im allgemeinen zu wenig gemacht wird, ist Zuwendung, Zeit haben für den Kranken. Zeit für Reden über die Krankheit, besonders mögliche eigene Beiträge des Kranken zur Besserung, Zeit für geistige Probleme (da ich viel lese und höre, (hören ist das wichtigste) und Zeit für Zerstreuung, denn es gibt Langeweile.
Wichtig sind auch Versorgungsleistungen (Essen, Getränke Früchte Bett machen und so weiter). Eine abstrakte, wenig sinnvolle Verhaltensweise ist das bloße Bedauern, und nicht viel besser sind bloße Versorgungsleistungen. Grundsätzlich ist es notwendig, sich konkret auf die Krankheit einzustellen (welche Seiten sind krank, welche als normal ansprechbar) und ebenso auf die gesamte Persönlichkeit des Menschen vor seiner Erkrankung. Krankheiten, bei denen es selbstverständlich ist das man wieder gesund wird, sind etwas ganz anderes als Krankheiten bei denen man das nie mehr wird.