17. September 1982 – das GANZE leben

[…] die täglichen Behandlungen, Lakenbad, Wickel, Perl, Periostmassage;

# Dr. Krause erläutert mir ausführlich die Bedeutung des verkürzten Beins. #

Zum Orthopäden, Schuh bestellen, zum Friseur, Abstecher in den Garten;

[…] Lesen: Zeitungen und Zeitschriften – BZ, Magazin, Weltbühne. NBI;

Dante, “Göttliche Komödie” „Fegefeuer“ Ende,

[…] 7 Zimmerkumpel anwesend, Skat;

[…] Hören: (Kopfhörer): J. K. Forest, Schubert, Vivaldi, Brahms

[…] Schwester Evi, geb. 1961, 1967 bis 1972 im Heim, ab 1972 bei Pflegeeltern (Lehrer (gestorben) Erzieherin), Pflegemutter ist jetzt 40 Jahre, seit einem Jahr in Berlin, Evi seit 2 Jahren in Berlin. Sie hat im Armaturenwerk Herzberg Dreher/Schleifer gelernt. Ihr Pflegevater starb 1980, 44-jährig.

Aus der Stadt zurück, bin ich ganz erschöpft – bis zur Deprimiertheit. Anfangs hatte ich erhebliche Schmerzen, doch ab Mitte der Strecke merkte ich, daß ich mehr humpelte als Not tat.

Das Leben „drin“ und „draußen“ hat ganz verschiedene Gesetze, ist ganz verschiedenes Leben. Wie kann man so leben, daß einem immer das ganze Leben gegenwärtig ist?

(Das war eine Funktion, die früher der Gottesdienst hatte. Einmal in der Woche Besinnung. Welchem Gott dienen wir ähnlich bewußt? (Im Reclam-Bändchen über Käthe Kollwitz S. 50 wird die Kraft der Einheitlichkeit des katholischen Glaubens, die sich in den Kirchen verkörperte, hervorgehoben!)

Freilich, so auf das Ganze gerichtet leben zu wollen, kann heißen, in einer Welt der Einseitigkeit zwischen allen Stühlen zu sitzen, recht einsam zu sein.

Auch diese Unwiderruflichkeit: Das Ganze zu wollen, heißt irgendwann auch, nur noch das Ganze zu können.

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