30. September 1982 - „Wohin soll das noch führen?“
6 Zimmerkumpel, 1 Neuer. Er ist Syrer.
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Hören: (Kopfhörer): Mahler, 8. Sinfonie,
Behandlungen: Lakenbad, Wickel, Gymnastik, Blutzucker
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Reportage in der „für dich“ über Wanderimker.
Wenn ich Rentner bin (und noch rüstig) werde ich Wanderimker. Daran ist mehr als ein Gramm Ernst. Dann schreibe ich das Buch meines Lebens, besser: Ich stelle es fertig, denn schon heute schreibe ich daran. Sein Thema ist die Einheit von Wissenschaft und Kunst, von Prosa und Poesie im Leben. […]
Dieter Stiegemann, bei seinem Besuch am 27.9. sagte mir, wie ihn (und auch Siegfried Both) der Mißbrauch, den der Chef mit „Tulli“ treibt, befremdet.
# Dieter St. und Siegfried B. sind die Ehemänner meiner Arbeitskolleginnen. “Tulli” wurde unser Kraftfahrer genannt. Ein eigener Kraftfahrer war in unserer kleinen Einrichtung überhaupt nicht nötig, zumal unser Chef zugleich noch als sogenannter “Selbstfahrer”seinen persönlichen Dienst-Pkw hatte. Die Ausstattung der Dienststelle hatte das Prestige des Chefs zum Ausdruck zu bringen. Der zeitweilige besondere Mißbrauch “Tullis” bestand darin, daß der Chef als er sein Wohnhaus baute, ihn schrankenlos für sich persönlich als Arbeitskraft einsetzte. #
Es ist überall so, sage ich. Er fragt mich: „Wohin soll das noch führen?“ Ich weiß keine Antwort. Ich sage es und: „Nach Polen“. Ich fühle mich mitschuldig und hilflos. […]
Eine Fastergruppe sammelt sich, „organisiert“ sich (findet Regeln und hält sie ein) und löst sich wieder auf, zerflattert – wie jede Vereinigung von Menschen.
# Oft beinhalten meine Tagebucheintragungen ja tägliches zufälliges Einerlei. (Manchmal frage ich mich, ob ich das wirklich alles abschreiben und veröffentlichen soll.) Manchmal aber, so heute, bin ich doch erstaunt, welch klarer “Subtext” da zu lesen ist - Die allgegenwärtige kleinbürgerliche Schändlichkeit des Systems, die Schwierigkeit und Feigheit dagegen etwas zu unternehmen, meine Realitätsflucht (Wanderimker), das “Lebensthema” Wissenschaft und Kunst, also Wahrheit und Schönheit, eine Perspektive , die zugleich Möglichkeit und Selbstbetrug war. #

