17. Oktober 1982 – Sex mit Heidrun
Das erste Zusammensein mit H. läßt bei ihr Wünsche offen. Sie vermißt Leidenschaftlichkeit. (“Überlegst Du Dir immer vorher, was Du tust?”) Sie möchte mich “richtig erleben”. (Ob ich durch das Onanieren an einen phantasielosen, langweilig-zärtlichen Vollzug gewöhnt bin?) H. ähnelt in ihrer Aktivität/Raserei Marita, ist jedoch, mehr als diese, zum Genuß von Zärtlicheit fähig. Mir scheint es wohl möglich, daß sie Probleme hat, den Orgasmus zu ereichen, ich möchte es aber nicht vorschnell annehmen. (Ihr Zögern, das Bett zu bauen. Sie wollte lieber in quasi wilder Manier auf den Polstern genommen sein.) Sie braucht wohl das Gefühl, Verbotenes zu tun, vielleicht sogar, Gewalt zu erleben, zumindest aber, überascht zu werden. (Wer sie überrascht, hat er gewonnen?) Auch die Heimlichtuerei vor Kind und Mutter ähnelt haargenau Marita. Verdrängen des Sexuellen über weite Strecken, nicht unbefangen. Überraschend dann ihre Hemmungslosigkeit mit dem Mund. Ich fragte, ob sie lange keinen Mann hatte (denn sie war erregt, wie die Schwellung bewies, jedoch ziemlich trocken). Ob die entsprechenden Sekretionsbahnen etwas “eingerostet” waren. So erlebte ich zumindest mich selbst.
Die Frage beantwortete sie nicht. Könnte sie ob der Direktheit verletzt gewesen sein? Ich glaube eher, daß sie sexuelle Kontakte hat, deren sie sich schämt, die sie verdrängt.
(Erinnerung: Die ungestüme Art, wie sie sich mir im August vorigen Jahres in die Arme gab (nach den Disziplinierungen des Tages) stieß mich ab, empfand ich als berechnend. In Wirklichkeit war es die Aufforderung, zum sexuellen Teil überzugehen.)
Ihre erstaunliche Kälte nach beendeter Aktion, schon der Abschied vor einer Woche und diesmal:”Ich will ja nicht unhöflich sein, aber ich muss jetzt schlafen, und das können wir hier nicht beide.” Das ist köstlich in seiner Deutlichkeit. Dazu paßt nur der Mann, der kommt, seinen Samen abschlägt und wieder geht.
Aber widersprüchlich: Denn zugleich will sie mich ja an sich binden für länger. […] Ich sagte ihr Warmherzigkeit zu, was sie bezweifelte.
Warum ist eine so schöne, vitale Frau jahrelang allein? Vielleicht weil ihr Sexualleben einer Zwanghaftigkeit unterliegt. Ihre längeren Beziehungen waren dramatisch unbefriedigend, vielleicht hatte sie einige Abenteuer, nach denen sie sich verachtete? Daher könnte ihre tiefe Depressivität kommen, zumindest dadurch verstärkt sein. […] Während ich dies schreibe: erneut erregt, Lust auf sie.