04. Januar 1989 - Angst in unserer Partnerschaft

…  Ich bin enttäuscht von C.

Ich muß ihr meine Meinung klar machen, ohne dabei Vorwürfe zu erheben.

Angst und Schwäche sind starke Komponenten, Hauptkomponenten ihrer Person. Das ist mir vielleicht jetzt erst richtig bewußt geworden. Ich möchte hier viel Rücksicht nehmen, viel verstehen - aber natürlich gibt es dafür Grenzen.

Ich werde ihr die Feststellung nicht ersparen, daß sie sich von uns weg bewegt hat, seit der Auseinandersetzung von Sonntag, nicht auf den Partner zu, wie ich es versucht habe.

18.20 Uhr: Von der Kreisschule Marxismus-Leninismus kommend bin ich seit anderthalb Stunden in weitem Bogen hierher gelaufen, habe berührt Haus der jungen Talente, Fernsehturm, ungarisches und polnisches Kulturzentrum, französisches Kulturzentrum, Becherclub und etliche Cafes - immer in der Hoffnung (aber dies natürlich absurd) auf C. in Begleitung zu stoßen. Dabei natürlich viel Zeit zum Nachdenken (und immer Belastung im Magen). Ergebnisse bis hierher: Momentan scheint mir C.s ganze Lebensstrategie ganz entscheidend auf Angst und der “Rettung” vor der Angst gegründet und zwar Letzteres durch

a.) Verdrängung und

b.) Sicherung von Alternativen (fast um jeden Preis).

In beiden Fällen Vermeiden des Durchlebens existentieller Angst.

Auf diesen Grundpunkt gestellt, scheint mir fast alles folgerichtig erklärbar.

Als wir uns kennenlernten, fragte ich sie beim ersten Konflikt, ob sie einen Anderen liebe. Das verneinte sie. Mit der heutigen Lebenserfahrung würde ich darüber hinaus zu ergründen suchen, ob sie sich ein vollkommenes Lieben (in Liebe aufgehen) für sich überhaupt vorstellen könne.

Zur Angst C.s in unserer Beziehung:

Gibt es eine Entwicklung, Vertiefung, Festigung unserer Beziehung? Ich möchte “ja” sagen. Mein Gefühl sagt das deutlich. Praktische Beweise sind wesentlich dünner gesät.

Ihre Worte letzten Sonntag, daß sie, wenn ich so spreche, Angst vor mir habe, haben dies zum ersten Mal so deutlich verbalisiert. - Ist das ein Vertrautheitsbeweis? War es nur ein spontaner Leidensausbruch?

Unsere ernste Auseinandersetzung hatte große Schärfe, auch Einsicht und führte so relativ schnell, noch am selben Abend uns in Richtung Versöhnung. War das für sie zu schnell? Hat sie selbst ihrem Wunsch nach Zueinander zu schnell nachgegeben, so daß sie die Abwendung der letzten beiden Tage machen mußte?

Liegen noch tiefere Angstpotentiale/Sachkonflikte zwischen uns? Ich glaube ja.

Es geht um die Frage der Gewalt, gar des Terrors, für den Sozialismus. Kann sie dem von ihrer tiefsten Lebenswurzel aus nicht zustimmen?

Wenn es so ist, haben wir dann überhaupt eine Chance?

# Heute, mit dem Wissen, wie sich alles weiterentwickelt hat, finde ich es immer noch bedrückend aber auch verblüffend, was da so fundamental in unser Leben hineinwirkte und von uns nicht begriffen oder “bewältigt” werden konnte. #

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# Ein  interessantes Thema in der Zeitung und Theaterkarten. Niemals vorher oder nachher besuchte ich soviel Kulturveranstaltungen aller Art. #

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