30. Januar 1989 - parteiinternes Material
Freitagabend mit C. gemeinsames Lesen der sexistischen Geschichten von A. Nin.
Wir lesen später Kljamkin (”Kunst und Literatur” 1/89) # sowjetische Kunstzeitschrift #
Samstagvormittag gehe ich Quartierwerben für das Pfingsttreffen und zum Wahlkreisstützpunkt (H. Sauerbrey)
Zusammen mit F. ins “Colosseum”, polnisch-amerikanischer Film, modernes Märchen “Der weiße Drache”. Abends mit C. viel gelesen (Kljamkin)… und mit großem Gewinn einen Artikel G. Popows (”Kunst und Literatur” 5/88) über das “Administrative System” in A. Beks Roman “Die Ernennung”.
# “administratives Kommandosystem” - der Begriff wurde in dieser Zeit vor allem von sowjetischen Autoren zur kritischen Analyse des sowjetischen Sozialismus verwendet. In der DDR war der Begriff verpönt. #
Parteiinternes Material zur ideologischen Arbeit.
# Die parteiinternen Materialien der SED sind ein Kapitel für sich. Sie waren, wie der Name sagt, zum parteiinternen Gebrauch bestimmt, wurden aber nicht jedem Genossen zur Verfügung gestellt (bei 1 Mio Mitgliedern, hätte man sie dann gleich auf der Straße verteilen können.), sondern nur einem kleineren Kreis, meist Funktionären bestimmter Nomenklatur, die sie dann nach eigenem Ermessen (oder nach Anweisung der Partei) auszuwerten hatten. Es gab interne Materialien verschiedener Vertraulichkeitsstufen, die ich aber im Einzelnen nicht kennen gelernt habe. Als “einfacher Genosse” war man immer jieprig auf parteiinterne Materialien (an die man in der Regel nicht herankam), um zusätzliche Informationen, Klartext, Hintergründe zu erfahren. Ich hatte im Laufe der Jahre zunehmend das Gefühl, daß die parteiinternen Materialien früherer Jahre interessanter, offener waren und daß sie in den letzten Jahren der DDR immer weniger problematisierten und durch zusätzliche Informationen überzeugen wollten, sondern nur noch disziplinieren sollten. #