13. Dezember 1981

“… ich fühle eine tiefe Sehnsucht nach der Kraft, die aus Nüchternheit und Klarheit kommt, und bin dem Romantischen ziemlich gram. Ich spüre in dem schlechthin Echten, für das es wieder kein Erkennungszeichen gibt, das Wesen, auf das es bei allem Kunsttreiben und schließlich Leben allein ankommt. Der Grad Echtheit beim Menschen enthüllt sich vor Kunst, das Wesen richtet das Wesen, erkennt sich selbst wieder in der anderen Form; da, im immer reineren Herauskristallisieren will mir ein Sinn aufgehen, der das Leben zu höheren Stufen treibt. Mir wird Persönlichkeit immer wesenloser, immer wichtiger Hineingehen in ein Übersich…”

E. Barlach an K. Barlach 5.5.1922

“Ich bin oft empört über mich selbst; daß man das alles so hinnimmt, bin ich allein so, oder geht’s auch andern so? Aber die täglichen Nöte und Familiensorgen sind wichtig wie vorher, und die schwere Not der Allgemeinheit kommt eigentlich nur in kurzen Augenblicken wie eine Erscheinung von scheußlicher Gespensterhaftigkeit über mich. Da ich aber zu klein bin, sie so groß, so ist’s, als ob ich unversehrt durch sie dringe und weder von ihr verschlungen noch überhaupt bemerkt bin…”

E. Barlach an Fr. Düsel, 28.12.1918

Franzsprache. “Staubsauger” - “Stabauter”

Kaum sage ich “Staubsauger”, da schleppt er den Hocker und die Fußbank herbei und legt sie auf das Sofa.

Drei Grafiken von Gisela Neumann gekauft. Es war mir irgendwie wichtig, wohl auch, um L. zu erfreuen. Und doch wird mir klar, daß mir letzten Endes dieser Psychologismus zuwider ist, dieses Abbilden der Realität als Ausdruck des persönlichen Empfindens. Bei L. dagegen geht es (letzten Endes) um das Entdecken des menschlich Bedeutsamen in der Realität.

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