20. Oktober 1989 - die Wende

Die ersten Aktivitäten von Krenz sind ermutigend. Länger als eine Stunde habe ich das heutige ND gelesen. Deutlich, daß da wirklich eine Wende eingeleitet wird. Auf dem neuen Weg müssen dann alle Fragen, auch die tiefsten, gelöst werden.

Für mich gilt (und das überall sagen): Ich muß auf drei Ebenen arbeiten:

- auf der Ebene meiner unmittelbaren Verantwortung (als Mitarbeiter, als WBA-Vorsitzender). Es geht um die tägliche eigene Kleinarbeit.

- Ich muß zu den aktuellen Grundfragen der Politik meine Position einbringen (von den Medien über die Reisen und Ausreisen bis zu den Polizeiübergriffen), kurz, zu den Themen, die die Parteiführung Dank neu gewonnener Einsicht nun zur Diskussion freigibt und

- - dies ist in gewisser Weise das Wichtigste- ich muß Vorschläge zur Systemveränderung machen, zur Systemqualifizierung, damit künftig derartige und jedesartige Irrwege und Machtmißbräuche und Entartungen unmöglich werden.——————————————–

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Es bleibt eine gravierende Tatsache: Nicht die tausendfachen Informationen und Hinweise der Parteibasis, nicht die Hinweise und Vorschläge aus den verbündeten Parteien und den gesellschaftlichen Organisationen haben Leute im Politbüro zur Besinnung gebracht.

Das waren 100 000 Ausreiser und 100 000 Demonstranten in Leipzig.

Und die Ausreiserwelle haben die Ungarn in Gang gebracht.

Interessante Anschläge am Wandbrett der Mensa. Aufruf des “Neuen Forum” im Kunstbuchladen “Unter den Linden” gefunden und mitgenommen.

Meine 12 Thesen habe ich an Kurt und an R.s geschickt. Ich suche die Diskussion. Ich entschließ mich, meine “12 Thesen” zur Grundlage meines Parteigesprächs an die APO-Leitung zu geben. Als ich das A. und R. sage, sind sie erschrocken.

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