24. Oktober 1989 - Krenz Staatsratsvorsitzender. Ernüchterung
Parteifunktionäre, Gerechte wie Ungerechte, führen den Dialog auf “Teufel komm raus”. Diffenreziert sich schon, wer es ernst meint und wer nicht? Der Bericht von Hagers Auftreten bei den Unterhaltungskünstlern zeigt ihn als einen aalglatten Taktiker. Ein alter Fuchs!
A. erinnerte an die Januarberatung in Dresden auf Modrows Initiative!
Klaus-Peter Schlesinger rief an, und als ich abnahm, begrüßte er mich mit den Worten: “Na, bist Du noch im Amt?” Alltägliche Floskel? Oder Döringsche Quatscherei?
Heute nun war Krenzwahl zum Staatsratsvorsitzenden (mit etlichen Gegenstimmen, was gleich als demokratisches Selbstbewußtsein zählt). Seine Erklärung ist ernüchternd. Mir scheint, meine geringen Erwartungen werden noch unterboten.
Zu den Polizeiübergriffen nimmt der Staatsrat einen Bericht des Generalstaatsanwalts entgegen und informiert dann darüber. (Damit ist ein vernünftiger Vorschlag der Akademie der Künste und von Künstlerverbänden nicht aufgegriffen.) Das ist alter Stil. Zu den Wahlen (denen von 1991) werden die Verantwortlichen aufgefordert, alle Erfahrungen (auch Eingaben) gründlich auszuwerten und - “falls erforderlich” - auch im Wahlgesetz zu berücksichtigen. (D. h. möglichst alles beim alten lassen.) Zur Erklärung gibt es kein Wort Aussprache. (Waren die Gegenstimmen nicht fähig zum Dialog?) Es werden eine Reihe eher kümmerlicher organisatorischer Vorschläge gemacht.
Sehr schnell werden die Blütenträume auf’s reale Maß gestutzt.
