Archive for the ‘Allgemein’ Category

11. April 1989 - Hortobagy

Donnerstag, Juni 4th, 2009

Vier Stunden Dokfilm bei den Ungarn über das Lager Hortobagy. Aussprache mit C.

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# “Bei den Ungarn” heißt: Im Berliner “Haus der ungarischen Kultur”. Es sei daran erinnert, daß es in (Ost)-Berlin außerdem das “Haus der Polnischen Kultur” und das HDSWK, “Haus der sowjetischen Wissenschaft und Kultur” gab. Außerdem das Französische Kulturzentrum. Alle diese Einrichtungen brachten vielfältige kulturpolitische und künstlerische Programme, verkauften (deutschsprachige) Bücher und Zeitschriften und standen allen Interessierten offen. Die törichten Versuche der SED, meiner Partei, die DDR-ler von den innersozialistischen Veröffentlichungen und Diskussionen abzuschirmen, mußten erfolglos bleiben. #

 

04./05. März 1989 - Rückblick 1951

Freitag, März 13th, 2009

Der 44. Lehrgang ist gut angelaufen, die erste PC-Abend-Veranstaltung bei ZF.

Nach Skaby raus. Lange geschlafen - der Streß der Woche. Schnittarbeiten am Skaby-Weinstock, Fenterputzen.

Abends versucht mit C. “Die Kommissarin” # bedeutender sowjetischer Film #, ist aber ausverkauft. Zurück: Gelesen in “Budapester Rundschau” und Polemik dazu.

Halsschmerzen.

Gutes, bestes Verhältnis zwischen uns, schon seit langem.

dokumentiert: “Sonntag” 10/89

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# Ein Auszug aus der Wochenzeitung des Kulturbundes (einst auf Initiative von Johannes R. Becher gegründet). Diese kulturpolitische Zeitung hat nach dem Untergang der DDR als “Freitag” überlebt. Kürzlich in den Besitz von Herrn Augstein jr. übergegangen, ist sie gerade in Verwandlung begriffen.

Der hier reproduzierte Auszug bringt einige historische Fakten von 1951, der Zeit der Formalismusdiskussion in der DDR, also der - sage ich verkürzt -stalinistischen Phase der Kulturpolitik der SED. Ich erinnere mich, daß mich damals bei ruhigem Lesen verwundert hatte, welch bedeutende künstlerische Leistungen in dieser Zeit, 1951, vollbracht wurden. Um welchen Preis?

Die Oper von Brecht/Dessau “Die Verurteilung des Lukullus” ist ein grandioses Werk. Wolfgang Staudtes Film “Der Untertan” ist, ebenso wie Heinrich Manns Roman, einfach wunderbar. Ich bekenne es den Heutigen, den Nachgeborenen - solche Werke tief in sich aufgenommen zu haben, das gehört maßgeblich zu meiner DDR-Identität.

Das erwähnte “Hochhaus an der Weberwiese” war ein populärer Neubau im Hinterland der Stalinallee. Noch im Ohr ist mir ein flotter Schlager: “Was ist den an der Weberwiese los, dort steht ein Haus ganz riesengroß…” Eines Nachts, Ende der 60-er Jahre, habe ich im Schatten des Hochhauses an der Weberwiese (ich bin geschwätzig) zum ersten Mal meine Frau betrogen. #

 

19. Januar 1989 - Leiten

Mittwoch, Februar 11th, 2009

Gestrige WBA-Beratung erfolgreich…

Heute Einweisung KA weitergeführt.

# KA- Kollektivarbeit. Unsere Kollektivarbeiten habe ich hier bereits einmal erläutert. Für mich, eigentlich Theoretiker und jetzt neu als verantwortlicher Leiter, war es immer eine besondere Herausforderung, unsere Lehrgangsteilnehmer/gestandene Praktiker für eine relativ aufwendige empirische Analyse eines Leitungsproblems qualifiziert anzuleiten. #

Gute Stimmung im Lehrgang (die aber gegenwärtig auch gute “Heimatort”bedingungen haben ) (Ich muß kräftig die Anforderungen erhöhen! - langfristige Linie!)… Habe das Gefühl, die Aufgaben zunehmend zu beherrschen. Meinen Leitungsstil muß ich noch finden. aber ich glaube er “geht”. (Ein Stil, der auf Vertrauen und Freiwilligkeit baut.)

 

Was es so gibt.

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# Diese, heute würde man sagen, “läppische” Meldung hielt ich der Beachtung wert. Bis dato war es  absolut ungewöhnlich, daß Presseagenturen “sozialistischer Bruderländer” sich gegenseitig widersprachen.#

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 Kunst zum kleinen Preis.

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Was es auch noch gibt: Am Montag, glaube ich, ein Dementi der TASS-Meldung über die Rettung von weiteren sechs Erdbebenopfern in Armenien. Diese stellte sich als Ente heraus. (Schade, daß ich den Zeitungsausschnitt nicht aufgehoben habe.) Auf jeden Fall wirft dieser Vorgang ein Schlaglicht auf die Qualität mancher sowjetischer Berichterstattung. Daran läßt mich auch der Artikel denken, den ich morgen einklebe.

# Dementis in den Massenmedien. Bisher galten sie als unfehlbare “Sprachrohre der Partei”. Solche Veränderungen wurden sensibelst registiert. #

 

4.1.2009 - 4.1.2009 - 4.1.2009 - ein Zeitsprung

Sonntag, Januar 4th, 2009

# Wir schreiben den 4. Januar 2009, und ich unterbereche die Wiedergabe meiner Tagebücher von 1982.

Ich setze in diesem Jahr mein Prinzip außer Kraft, meine Tagebücher in der chronologischen Reihenfolge hier online zu stellen und springe jetzt zum 1. Januar 1989.

Wie überall angekündigt wird, soll 2009 das Jahr des großen Gedenkens an die Zeit vor 20 Jahren werden. “Die friedliche Revolution der Ostdeutschen” hat ein rundes Jubiläum.

Seit Jahren werden massive Anstrengungen unternommen und gefördert, die Erinnerung an die DDR auszulöschen bzw. den Maßgaben der herrschenden Ideologie anzupassen. Dabei wird nicht nur die so notwendige kritisch-produktive Auseinandersetzung mit dem, was die DDR war, auf’s Gröbste behindert. Es wird die DDR zu einem einzigen “Nichtlebensland” umgedeutet.

In dieser Situation möchte ich nicht schweigen.

Die geschichtswissenschaftliche Abhandlung ist meine Sache nicht. Was ich an ideologischer Polemik aktuell äußern möchte, findet sich weiterhin im opablog. Was ich zur Erinnerung an das Jahr 1989 beitragen kann, ist einfach, den Spiegel meines damaligen Lebens herzuzeigen.

Den Kampf mit denen, die mir heute erzählen, was war und was nicht, möchte ich mir restlos ersparen. Was ich berichte ist die Wahrheit meines damaligen Lebens. Dafür bürge ich und benötige ich keinerlei Erlaubnis.

Ich hatte meine Tagebücher von damals seitdem so gut wie nie angesehen. Ich weiß heute, daß manches, was ich wiedergebe, mir heute eine Zumutung ist.  Viel Bitterböses, wie es das Leben eben so will. Auf manches bin ich ein wenig stolz.

Kaum Stoff für hochnotpeinliche Gerichtsverhandlungen und Urteile aber reichlich Stoff, wie ich finde, nachzudenken und sich in Bescheidenheit zu üben. #

25. Oktober 1982 – Fliegenjagd

Samstag, Januar 3rd, 2009


Lesen: “Deine Gesundheit”, Gedichte von Heinz Czechowski,

Kopfschmerz,

Gartenarbeit: Laube streichen, Obstbaumschnitt

Fliegenjagd

Fliegen, diese Bestien, sind ganz schön gewitzt. Unser Kampf dauerte eine Viertelstunde, enorm, wenn man bedenkt, wie betagt dieses Exemplar schon war. Ich gönnte ihm keine Ruhepause. Es brummte auch gar zu anmaßend. Sie erkannte mich genau. Auch mit einem großen Heft in der Hand konnte ich sie nicht treffen. An der Zimmerdecke setzte sie sich zur Pause. Ich nahm ein langes Brett, mehr um sie aufzuscheuchen, an schnelles Zuschlagen war nicht zu denken (zumal sie auf der elektrischen Leitung saß). Dies Brett begriff sie offensichtlich nicht als Gefahr, machte keinen Fluchtversuch, es war im letzten Augenblick eher ein müdes Beiseiterücken, da aber war es schon zu spät.

17. Juni 1982 – Brief nach Maputo

Mittwoch, Januar 9th, 2008



[…] von R. Gehaltsstreifen, Vertretung des Chefs seit 18.3.82, + 2327,-M, […]
in Schmachte graben für E-Leitung, […]

17. Juni – einst ein brisanter Tag - - -

etymologisch:”Bastard” - der auf dem Sattel gezeugte! (”horizont” 25/82)

Aus einem alten Magazin entnahm ich diese interessanten Informationen.

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Interessant diese Rhythmik. Sie zeigt, dass hier Arbeit stattfindet; die Ströme sind natürlich nur eine Erscheinung. Welche Arbeit hier geleistet wird, was da rhytmisch korrespondiert, das ist natürlich noch sehr unklar. Zu denken ist aber, dass noch viel mehr als die beiden hier aufgedeckten Rhytmen sich überlagern und zu verschiedener Zeit verschieden überlagern.

Welche Rhytmik der Geschlechtsorgane? Das ist kein einfaches Triebanschwellen, etwa nach dem Schema:

1. - Befriedigung, Triebruhe,

2. - abstraktes erotisches Interesse,

3. - konkretes sexuelles Interesse.

Es gibt auch das Zurückspringen von der dritten Stufe auf die zweite. Ganz abgesehen davon, dass es zwischen Befriedigung und Triebruhe (Stufe 1) auch deutliche Unterschiede gibt. Die Befriedigung ist eigentlich nur eine kurze Ruhe, Erschöpfung eines gerade abgearbeiteten, im Ganzen aber höchst aktiven Organs (in dem recht bald auch wieder das Blut wärmt, bald vibriert, selbst wenn nicht wieder ein starker sexueller Motoren arbeitet), während Triebruhe langdauernd Untätigkeit ist, wie ein Winterschlaf, fast wie ein Absterben.

Eine interessante Formulierung für eine andere Seite dieser Antriebsproblematik fand ich im “Filmspiegel”:

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Während man dieser Mosambiqueanischen Tänzerinn kaum Antriebsprobleme zutraut.

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Da ich den Brief an Karl-Heinz L. ohne Durchschlag geschrieben habe, hier eine verknappte Wiedergabe:

# Karl-Heinz L war ein früherer Lehrgangsteilnehmer, der eine enge Bindung an unsere Dienststelle bewahrt hatte. Da er als Exportkaufmann viel im Ausland tätig war, pflegten wir unsere Verbindung durch mehr oder weniger humorvolle oder auch anzügliche Briefe. #

Lieber Karl-Heinz!

Als viel beschäftigter Chef “auf allen Strecken” möchte ich mich auch am “Nord-Süd Dialog” beteiligen.

Du wirst sicher denken: “viel beschäftigt “- der soll erst mal Arbeit kennenlernen. Dazu muss ich erklären, dass die meiste Beschäftigung mir zur Zeit meine “kernige Gesundheit” macht. Seit nun schon vielen Wochen schleppe ich einen steifen Rücken herum, und als ich mich endlich entschlossen habe, zum Arzt zu gehen und mir eine Spritze verpassen ließ, bekam ich postwendend einen Nervenentzündung/Ischias im ganzen linken Bein, die mich nun wirklich ernsthaft ärgert. Seit einigen Tagen scheint nun endlich, wenn auch langsam, eine wirkliche Besserung einzutreten. Jedenfalls habe ich die Schlussfolgerung gezogen, bei solchen Leiden künftig nicht auf Selbstheilung zu warten, sondern frühzeitig und massiv die - geringen - Mittel des ärztlichen Handwerks zu nutzen.

Im übrigen habe ich mich in letzter Zeit darauf konzentriert, den kommenden Lehrgang besser vorzubereiten, viele Gespräche zu führen (fahre deshalb morgen auch nach Halle), denn schließlich brauchen wir im Ministerium Strategen, die den NSW-Export zu ungeahnten Höhen führen und nicht Globetrotter, die den gewalttätigen Eingriffen des Klassenfeindes in die unberührte Natur von Cabora Bassa zujubeln.

Du siehst, es gibt schon Einiges, womit man sich die Zeit vertreiben kann. Daß damit ein Nachlassen der Wachsamkeit verbunden ist, kann gut sein, daß freilich diese Entwicklung schon im fernen Maputo die Klapperschlangen rasseln lässt, ist höchst beunruhigend. Daher werde ich Deine Hinweise aus dem letzten Brief sehr ernst nehmen und danke Dir dafür. Die Frage bleibt aber:”wie”? Da ich im ganzen vier Söhne habe, weiß ich zwar mit einem Sack voll Flöhe umzugehen, wie man aber einen Kugelblitz zusammen mit einem […] Junigewitter unter Kontrolle hält, dazu müsstest du mir vielleicht noch ein paar heiße Tipps vermitteln. Vielleicht gibt dazu die ins Auge gefasste Feier Gelegenheit.

Deutlicher möchte ich mich nicht ausdrücken, denn zu bedenken ist, dass meine Post an Dich zweifellos mehrere Kontrollen im Vorzimmer durchläuft, und wenn es auch Tatsache ist, daß das Interesse der Kolleginnen für alle so ernsthaften Fragen der Arbeit mit den Lehrgängen konsequent unter einem unteren Grenzpunkt verharrt, ist es doch nicht auszuschließen, dass die Eine oder die Andere zwischen zwei Telefonaten (Manche Telefonanrufe kommen bei uns an, trotz unzuverlässiger Technik.) stutzig wird, wenn dieser Brief nicht meine in letzter Zeit typisch griesgrämige Laune zum Ausdruck bringt.

Damit aber genug von unseren mehr oder weniger kleinen und alltäglichen Sorgen beim Kampf im entwickelten Sozialismus. Deine Erlebnisschilderungen sind immer sehr interessant für uns alle, und nicht nur R. möchte manchmal so richtig mitgehen. Das allerdings der Karate-Hit:”Über 1000 Brücken musst du gehen” sich auch in Maputo durchgesetzt hat, hat mich doch überrascht. Vielleicht kannst du den Jungs noch paar andere exotische Tipps geben, zum Beispiel:

“Komm, oh komm, du kleine Schnalle,

greifen wir uns ‘ne Koralle.”

Oder etwas gehobener als Walzerlied:

“Lass uns im Ozean schäumen,

wieg uns in südlichen Träumen… “

Aber vergiss nicht, Dich anständig an den Tantiemen beteiligen zu lassen, sonst musst du weiterhin Jahr für Jahr zwischen Mexiko und Mosambik pendeln.

Nun aber genug, sonst muss ich noch Überstunden machen. Also weiter:

“Meistre Brücken,

ohne Krücken,

sollst durch Briefe uns entzücken (alle)

und ab Juli sogar drücken (nicht alle)!”

 

In der Mittagspause wackle ich mal zur” Galerie unter den Linden” und sehe - einer Womacka - Ausstellung. Es bleibt einem nichts erspart. Vor manchen der Aquarelle fuhr es direkt aus mir heraus:”So ein Blödian”. Der öffentlich anerkannte W. bezeichnet einen Tiefpunkt, den die Malerei in der Öffentlichkeit erreichen kann, bzw. Tiefpunkt des Bewusstseins der Öffentlichkeit (bzw. Herrschender) von Malerei.

 

Die Frauen # A. und R., Sekretärin und Haushaltssachbearbeiterin # loben mich wegen meiner Briefe (der Brief an Karl-Heinz ist der Anlass). Wir “hecheln” Vieles durch. Sie sind, wie immer und wie immer nicht ohne Grund, empört über Privilegien, die es in unserer Gesellschaft für die herrschenden Funktionäre gibt. Anlass für manches gibt hier immer wieder auch Günthers Verhalten.

Mich beeindruckte L.s Erzählen von Lenins Leben im ihm fremden und von ihm unberührten Schloss in Gorki. Und dagegen das, was mir Jörg Heiko Bruns von den Festen mancher Kreisfunktionäre im Schloss Molsdorf erzählte.

 

R. erzählt, dass die neuen Kartoffeln zwar unverändert 4,05 M kosten, das in einem von ihr ausgewogenen Beutel aber nur acht Pfund waren (gegenüber 10 Pfund früher).

 

11. Juni 1982 – Dummheit des Sports

Donnerstag, Januar 3rd, 2008


3.30 Uhr, Rotlicht

4.00 Uhr, schlaflos

7.20 Uhr Reizstrom (Die blonde Physiotherapeutin), dann Sauna, dann Ärztin Dr. Rose. […] Der schlechte Schlaf dieser Nacht hat mich völlig schwunglos gemacht, quäle mich (in größter Mißstimmung) durch die Sauna. […] Ekelhaft, mein ganzer psychischer Zustand schreit danach, schnell verändert zu werden, und zugleich muß ich auf die geringste Aktivität verzichten. Mein Unterschenkel brennt wie Feuer. […]

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Kürzlich Bilder vom Olympischen Tag gesehen, auch welche von der Olympia-Stafette aus Griechenland: Dummheit des Sports! Diese ausmodellierten großen Körper - wie Prachtwürste, die Geballtheit! Schlagfähigkeit! Dabei die Gesichter nicht unintelligent. Und dann diese immergleichen Bewegungen, immergleichen Spannungsmomente, seit Jahrzehnten gleichen Bilder: Die anlaufende Hochspringerin, der Hürden-Start, der Kugelstoßer, Einritt der “Giganten der Landstraße” auf die Aschenbahn und so weiter und so weiter. Gewiß gab es einige Sportler, die ihren Verrichtungen den Stempel ihrer Persönlichkeit aufdrückten: unerreicht: Täve Schur; heute aber wirken viele der Spitzen der Spitzen wie notwendige (und darum menschlich eher zufällige) Produkte ausgeklügelter Trainingssysteme. Es ist ungeheuer langweilig (auch weil die Leistungen das normale (eigene) menschliche Maß weit übersteigen). Massengenuss von Sport - das ist ein Gradmesser der Kulturlosigkeit der Masse.

Übrigens ist Jutta Langenau mit 48 Jahren gestorben.

# Jutta Langenau war nach meiner Erinnerung die erste Europameisterin der DDR im Schwimmen. Sie starb am 9.7.1982. Obigen Ergänzugssatz habe ich offensichtlich später ins Tagebuch eingefügt. #

14.20 Uhr: Eben, am hellichten Tag, kann ich vom Fenster aus eine Schlägerei „bewundern“. Ein feister, schon ziemlich glatzköpfiger Kerl von vielleicht 30 Jahren. Sein „Mazda“ steht am Straßenrand. Ein Zweiter bleibt darin sitzen. Der Andere ist ein Bengel von kaum 20 Jahren mit wildem Haarschopf. Er hat ein Fahrrad bei sich, das seine Kumpels halten (3, 4, auch Mädchen dabei, sehen eigentlich wie Schüler aus.) Sie boxen, treten, ringen (vor allem der Ältere) mit großer Aggressivität. Der Junge wird bleich wie die Wand, der Ältere wird rötlich. Es geht irgendwie Patt aus. Sie haben sich ineinander verkrallt und können nicht mehr weiter. Schließlich setzt sich der Froschköpfige in sein schickes Auto und fährt davon. !

(Vermutlich hatten die Jungen den Autofahrer irgendwie behindert.)

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[…] 23.00 Uhr, ein wunderbarer Landregen fällt. Der Kleingärtner bedauert, daß die Obstbäume noch nicht gedüngt sind. Bestimmt werd’ ich morgen, wenn ich einmal im Garten bin (Garten und Regen!) auch noch anfangen, die Bäume zu spritzen und zu düngen.

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# Damit ist Band 3 des Tagebuchs zu Ende. #

28. Mai 1982- Ein Blick weit zurück - sportlich

Freitag, November 30th, 2007


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# So sieht Band 3 meines Tagebuchs aus, mit dem ich nun beginne.

 

Als ich das Buch aufschlage, erlebe ich eine Überraschung. Der erste Eintrag ist von 1970. Auf den ersten 15 Seiten habe ich Notizen von meinen Waldläufen und anderen Ausdaueraktivitäten der Jahre 1970 bis 1976 festgehalten. Auch eine Anzahl Urkunden und Teilnahmebestätigungen sind beigelegt. Erst danach geht es mit dem Protokoll vom 28. Mai 1982 weiter.

 

 

 

 

Nun also ein Exkurs in eine Zeit, in der ich noch nicht systematisch Tagebuch führte.

Als ich 30 Jahre alt geworden war, hatte ich das Gefühl, ich müsse etwas gegen das Einrosten tun; dies umso mehr, als befreundete Nachbarn begeisterte Sportler waren. Eine schöne Waldstrecke in der Nähe unserer Wohnung war bald gefunden (und vermessen - eine Runde war 1280 m lang) und das regelmäßige Laufen, gemeinsam oder einsam, begann. Hier meine Ergebnisliste von 1970:

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Mein bester Freund lebte in Stralsund. Er begeisterter Ausdauerschwimmer. Ich begeisterter Ausdauerschwimmer. Was lag näher, als gemeinsam am jährlichen Sundschwimmen, der Durchquerung des Strelasund von Altefähr auf Rügen nach Stralsund-Badeanstalt, teilzunehmen? In den Anfangsjahren lag der Termin oft so früh, daß es manchmal lausig kalt war. War das Wasser kälter als 15°C, hätte das Schwimmen ausfallen müssen. Undenkbar bei dieser populären, über Monate vorbereiteten, Veranstaltung. Am Tag des Schwimmens war das Wasser IMMER mindestens 15,5 °C, manchmal auf wundersame Weise, wenn es am Vortag noch zwei Grad kälter gewesen war. Teilnehmerzahl war auf 300 begrenzt, aber es wurde keiner abgewiesen, der kurzfristig angereist war. Helden waren natürlich immer die ältesten TeilnehmerInnen (über 80-Jährige) und ein Teilnehmer ohne Arme, der Jahr für Jahr die Strecke bewältigte. Bei Google findet man viel Aktuelles über das Sundschwimmen.

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Eine Zeitlang nahm ich an Leistungswanderungen teil. Von einer der schönsten Wanderungen stammt diese Urkunde:

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Ich lernte das Völkchen der Sportwanderer kennen. Man wetzte mit 5 bis 6 km/h durch die Landschaft „Rund um Berlin“. Bei meiner letzten Wanderung - es ging über hundert Kilometer von Strausberg nach Wandlitz - kam mir das Ganze plötzlich albern vor, und ich hörte mittendrin auf. Die körperliche Anstrengung für den Zeitaufwand eines ganzen Tages war mir zu gering, und der Gewinn an Landschafts-/Kultureindrücken bei knapp 6km/h über Stock und Stein (also mit dem Blick zu Boden) gleich Null.

Soweit ein Rückblick. Mit dem nächsten Posting geht es wieder mit dem Mai 1982 weiter. #

 

09. Mai 1982

Sonntag, November 11th, 2007



[…]

Der Inhalt dieses Buches: Ich, Ich, Ich. - Gute Nacht!

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28. April 1982 – Kunst

Samstag, November 3rd, 2007



[…]

Film „Stalker“ im Kino Babylon (der mich stark beeindruckt)

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# Die Eintrittskarte zu diesem Filmerlebnis. Ist sie nicht typisch DDR? Klein, mies billig, schmuddelig und doch der Zugang zu einem großen Inhalt und einem großen Erlebnis. „Stalker“ habe ich in der Folgezeit, ganz gegen meine Gewohnheit, noch drei-, viermal gesehen. #

[…] Leute, mit denen man monatelang, jahrelang umgeht und mit denen man nie ein ganz offenes Wort wechselt, z. B. Hartmut Lobeck, Peter Schwarzbach, Tannert u.v.a.

Meinen vor einiger Zeit L. gemachten Vorschlag, längere Studienaufenthalte zu machen, lehnt sie ab, da sie den F. nicht solange entbehren könne.

Sie vermutet, dass ich sie am liebsten nach Leuna schicken würde und sagt darauf: „Da wäre ich völlig fehl am Platze. Ich kenne meine Grenzen genau und habe nicht den Ehrgeiz, sie unbedingt zu überschreiten.“

# Ein Hinweis auf lebhafte Diskussionen zur bildenden Kunst, die wir in dieser Zeit hatten und die auch für Spannungen zwischen L. und mir sorgten.

Ich bemängelte eine verbreitete Innerlichkeit, mangelnde historische Konkretheit vieler Berliner Künstler, ihre Beschäftigung mit „gesellschaftlich unbedeutenden Gegenständen“. Meinen Standpunkt brachte ich auch in einem Leserbrief über die Berliner Kunstausstellung zum Ausdruck, der aber nicht veröffentlicht wurde.

Eine interessante Frage aus heutiger Sicht ist, inwieweit ich eng oder dirigistisch an Kunst heranging und sie instrumentalisieren wollte. Daß das zumindest nicht vordergründig der Fall war, beweist meine Hochschätzung u.a. von Sterl, Quevedo, Hans Vent; auch Lothar Böhme, Dieter Goltzsche, Wolfgang Leber.

Andererseits hatte ich damals die Größe Cezannes noch keineswegs begriffen. #

 

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Dies Bild hat mich lange ziemlich gelangweilt. Weder die Figur noch die Art der Photografie hat sich meinem derben Sinn erschlossen. Mehr aus Prinzip – weil ich kein Aktphoto aus diesem Buch ausklammern will, wenn ich es erreichen kann – hab’ ich es hier aufgenommen. Heute empfinde ich einen starken erotischen Reiz.

[…]