Archive for the ‘Führung’ Category

15. Januar 1990 – Tag des „Sturms auf die Stasizentrale“

Mittwoch, November 30th, 2011

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Soeben, in der Frühstückspause gehört, daß Modrow eine Stunde Zeit für den Runden Tisch hatte, seine Erklärung gehört.

Das ist ein Schritt, der uns weiterbringt!

Ich bin mit der Planungsarbeit für die nächste künftige zeit unserer Einrichtung beschäftigt.

Übrigens bei der gestrigen LL-Demo in Friedrichsfelde fiel uns eine Gruppe junger, sehr kurz geschorener Uniformierter mit den roten Barreten der Luftlandetruppen auf.

Übrigens beeindruckt von dem Artikel in Sonntag 2/90 “Mach das Brett auf”  (mein Zeitungsarchiv)

Abends überrascht von den Fernsehnachrichten der Ausschreitungen am Gebäude der Stasi in der Normannenstr. Fernsehdiskussion dazu, aus der mir noch einmal klar, wie gefährlich eng verknüpft Gewalt gegen Sachen mit der Gewalt gegen Personen ist. Danach sehr scharfe Auseinandersetzung mit C. zu diesen Vorgängen. Sie sagte, sie habe ursprünglich auch dorthin gehen wollen. Ich sagte (habe dabei im Auge, dass sie nicht zur LL-Demo gegangen war), sie müsse sich überlegen, wofür sie auf die Straße gehe.

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14. Januar 2011 – Kurzes Gespräch mit Gysi

Dienstag, November 29th, 2011

etzt zur Luxemburg/Liebknecht-Demo…

# C. kommt nicht mit. #

Die Luxemburg-/Liebknecht-Demo war groß aber nicht überwältigend. Die Erneuerung in der SED-PDS eilt und geht nur schwierig voran.

Gysi läuft mir persönlich in die Arme:

Ich sage: “Genosse Gysi!“

Er: „Ja“.

Ich: „Konsequente Erneuerung, konsequent!“

Er: „Ja“. 

Ich gehe ein großes Stück durch die Stadt spazieren. Der Wahlkampf vieler Gruppen regt sich, SED-PDS dabei wenig. Ich sehe den Schaukasten der WBA 55 und 56 in der Oderberger Str. Dort gibt es eine konstruktive örtliche Initiative.

# Papiere, wie das folgende, werden einem heute bei jeder Demo in die Hand gedrückt.  Damals war so etwas neu. Plötzlich wurden so viele politische Möglichkeiten feilgeboten. Ich mußte erst sortieren, was für mich von Belang sein konnte. #900114-1w.jpg900114-2w.jpg 

 

# Eine erste Wortmeldung des angesehenen  Historikers Wolfgang Ruge zur Auseinandersetzung mit dem Stalinismus # 

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13. Januar 1990 - Ein Versuch der Besinnung im Handgemenge – Vorschläge lokale Selbtverwaltung

Montag, November 28th, 2011

# Ich greife zur Orientierung beim Lesen noch einmal auf die kommentierende Bemerkung zurück, die ich bereits zum 8.12 1989 gepostet habe:

Die letzten Wochen des Jahres 1989 und die ersten des Jahres 1990 waren voller politischer (und auch menschlicher) Dramatik. Für mich persönlich war es die Zeit, in der mir klar wurde, daß die DDR untergehen würde. Mein Tagebuch zeugt von intensiver Informationsaufnahme. Es enthält besonders viele Zeitungsausschnitte (die ich hier nur in Auswahl posten konnte) und andere Dokumente. Eigene Notizen sind dagegen fast immer kurz und bruchstückhaft. Es war einfach nicht die Zeit für lange Betrachtungen. Die Ereignisse ermöglichten blitzartige, klare Einsichten. Aber auch verzerrte Wahrnehmungen und extreme Wertungen passierten mit mehrfach. Am 13. und 14. Januar fand ich erstmals ein wenig Zeit zur Reflexion was sich in einem längeren Text niederschlägt. #

Gestern Abschiedsbegegnung mit Dieter Papsch. Er hat einen Brief an Gysi geschrieben (Anlage dazu von Dr. Exner). Wider die Kadermafia des ZK. Papsch sympathisiert mit der Plattform Michael Brie. Er geht jetzt zum KAB # „Kraftwerksanlagenbau“#  -Beimlerstr.

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Mit C. „Juvenilmeer“ # Platonow # weiter gelesen.

Nach WB, Ausstellung der Russin Werefkin (Jawlenski) im Haus am Waldsee (Empfehlung von L.) Es war nichts Besonderes. Danach sind wir um den Schlachtensee spaziert.

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Flugblatt des NF hier im Wohngebiet, Leerstandswohnungen betreffend. Ich bin unheimlich ärgerlich auf mich – da haben sie uns mit unseren eigenen Waffen mich auf meinem ureigensten Gebiet geschlagen. – (Daraus muß gelernt werden!) 

„ND“ meldete am 11.1.90 den Zusammenschluß von Bürgerinitiativen zur Stadterneuerung. Das berührt sich direkt mit meinen Vorstellungen vom Bürgerrat. Auf diesen – jetzt in Bewegung kommenden Zug – werden wir WBA 12 (und wenn er mitmacht der WBA14) aufspringen zur Frage: Endgültige Gestaltung des Wohngebietes Arkonaplatz. Eine große Einwohnerversammlung vorbereiten.

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 Und das gehört noch zur Informationsflut des Tages:

-                      die Neugründung der SPD aus der SDP

-                      die Gründung einer Deutschen Gesellschaft (für die Helga Schubert erklärt, dass sie nicht noch einmal ein Sozialismusexperiment erleben möchte)

-                      die offene Situation nach Gorbatschows Besuch in Litauen.

-                      der beginnende Krieg zwischen Armenien und Aserbaidshan. Der Zerfall (zumindest der bisherigen) Sowjetunion wird Realität.

-                      unser Spaziergang durch das Nobelwohngebiet Zehlendorf (Haß und zunehmendes Gefühl d Ohnmacht gegenüber dieser Ausbeuterwelt)

-                      die Erfahrung der „Baugrube“

-                      die bundesdeutschen Politiker und Industrieherren, die sich in unserem Fernsehen wie die Herren aufführen, die sich mit gerade noch geduldeten Statthaltern abgeben.

 

Meine Urlaubswünsche: 2.- 4.5. – 3 Tage, 28.4. – 6.5. – Rügen, 15.8. -7.9. – 18 Tg. Bulgarien, 27. u 28.12.  – 2 Tg Skaby

 

Wo hat unsere Niederlage angefangen?

Vielleicht mit dem Einsatz von Gewalt gegen persönliche Arbeit (vgl. „Baugrube“)?

Mit der Abkehr von Lenins „festen Stegen der materiellen Interessiertheit“ (Okt. 21) und der Ersetzung durch Stalins Marsch der Gewalt?

 

Für mich ist dies eine durchaus schwere, persönlich tiefgreifend krisenhafte Situation.

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Auf der ganz allgemeinen Ebene meiner Ideale wird es anscheinend Verschiebungen geben (ich möchte ja im Sinne Tucholskis sehr radikal prüfen). Es geht um die Bedeutung dieses Gefühls „der Freiheit im Blut“ # Siehe Artikel Weltbühne 2/90 #.

Es geht um die „Souveränität des Individuums“ als dem Grundwert.

Ist es nicht erst dieser Ansatz, der es dem Marxismus erlaubt, auch eine vollgültige Theorie des Überbaus zu entwickeln? Es kann doch kein Zufall sein, daß es der Marxismus zu einer solchen Theorie nicht gebracht hat.

Nach der Anerkennung der Souveränität des Individuums (die aber absolut notwendig ist) folgt dann gleich die Krux:

Souveränität des ausbeutenden Individuums versus

Souveränität des ausgebeuteten Individuums. 

Ich spreche nur von einer Verschiebung des Ideals, denn angenähert an diesen Standpunkt bin ich schon lange.

Die großen Veränderungen, keine Verschiebungen, sondern wahrhaft einen Zusammenbruch, gibt es hinsichtlich der REALITÄT meiner Ideale. 

Der Glaube, wir würden uns auf dem Weg der Verwirklichung dieser Ideale befinden, d.h. wir hätten bestimmte Grundwerte (Enteignung des Privateigentums an den Pm als Grundlage der Gesellschaft) unumkehrbar gesichert, dieser Glaube ist im Begriff völlig zusammenzubrechen. Zumindest die reale Möglichkeit, dass wir alles Erreichte, die doch wichtigen Grundlagen des Sozialismus verlieren (nämlich die Entmachtung des Privateigentums), diese reale Möglichkeit muß ich anerkennen.

Für mich persönlich kann das bedeuten, mich in der Position eines deutschen Kommunisten der 20er Jahre wieder zu finden. 

Da ist es schade, dass ich schon 50 Jahre alt bin. Meine 20, 25 besten Jahre sind verschlissen. Ich glaube, weder die geistige Frische noch die physische und nervliche Kraft für einen großen Aufbruch zu haben. Da ist Müdigkeit. Da fehlt der Tatenmut, einfach frei ins Ungewisse zu handeln. Jetzt sich an den Anfang eines Handlungsbogens stellen, der erst jenseits meines 80. Jahres wieder den Boden berühren würde? Nein, das wäre töricht.

Nein, ich kann nur – ohne jede Illusion über meine realen Wirkungsmöglichkeiten – das mir Mögliche beitragen:

-                      indem ich für eine wahre Erneuerung meiner Partei eintrete

-                      indem ich versuche, meine Stimme in meiner Partei hörbar zu machen (im Rahmen der Plattform 3. Weg)

-                      indem ich in neuer, viel kühnerer Weise versuche Bürgerinteressen zu kennen, zu formulieren, zu organisieren.

 

Es geht um den Bürgerrat „Arkonaplatz“ und um eine Konzeption zur Selbstverwaltung des Wohngebietes Arkonaplatz.

Was gehört dazu?

-                      Abriß des Holzteils der Baubaracke

-                      Umwandlung des massiven Teils der Baubaracke in ein Wohngebietszentrum mit guter Speisegaststätte

-                      gärtnerisch-kulturelle Ausgestaltung des Platzes (Pergola, Sitz- und Spielmöglichkeiten, Konzerte)

-                      Eröffnung von Läden in unmittelbarer Nähe des Arkonaplatzes

-                      Fortführung der Buslinie bis zum Grenzübergang Eberswalder Str.

-                      großzügiger Ausbau einer verkehrsberuhigten Zone vom A. bis zur Mauer bei gleichzeitiger Entwicklung eines Gestaltungskonzepts für das Grenzgelände/Mauerstreifen. (Diese Gestaltung sollte Park- und Kinderspielzonen vorrangig berücksichtigen daneben aber auch Raum für kommunale Dienste, Handwerker, Gewerbe schaffen.

-                      Erarbeitung eines entsprechenden Gesamtkonzepts Arkonaplatz als Bestandteil eines Projektes „Stadterneuerung“.

-                      Konstituierung eines (ehrenamtlichen) Bürgerrates „Arkonaplatz“, (der in sich wesentliche Teile der Wahlkreise 3 und 4 vertritt) und ein Mitspracherecht bei der bei der Planung und Durchführung des o.g. Konzepts hat (und überhaupt bei allen kommunalpolitischen Fragen im allgemeinen und das eigenen Gebiet betreffend)

-                      Sicherung der materiellen und finanziellen Bedingungen des Bürgerrates, hauptamtlich ist der Sekretär des Bürgerrates (der bisherige staatliche Beauftragte)

-                      Fixierung der Stellung und Kompetenz gewählter (im wesentlichen auf Wahlkreisebene) Bürgerräte in einer neuen Kommunalverfassung („Legislative zum Anfassen“). (Die gewählten Mitglieder der Bürgerräte sind zugleich Abgeordnete der Stadtbezirksversammlung (Personenwahl) und beanspruchen 50% der Mandate. Die andere Hälfte der Mandate wird von den Parteien nach der Verhältniswahl belegt.

-                      Die Bürgerräte entscheiden selbständig über den lokalen Haushalt und setzen lokale materielle und finanzielle Kapazitäten selbständig ein. Sie verfügen (u.a.) auch über eigene lokale Einnahmequellen.

-                      Vergesellschaftung (Vergenossenschaftlichung) der KWV in Korrespondenz mit der Entwicklung eines Hof- und Hausmeistersystems.

 

08. Januar 1990 - Dynamik der Ereignisse

Sonntag, November 27th, 2011

Ausgiebiges Lesen „ND“, Vorstandstagung der Partei,

Kohlenkarten für WB12; Vorbereitung 10.1.,  Handel und Versorgung-Brinkmeier ist aus der Partei ausgetreten. Im Fernsehen Gespräch mit Krusche. Montagsdemo in Leipzig: deutschnational (Arbeiter).900108-1w.jpg

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21. Dezember 1989 - Privilegien der Führung

Donnerstag, November 24th, 2011

ND von heute:

Die 14 Autos des Erich Honecker.

10 Farbfernseher/Jahr kaufte die Sippe Mittag (NSW-Erzeugnisse 1:1 + 50% Handelsspanne).

Von Sept. bis Nov. kaufte die Familie Sindermann 4 westl. Farbfernseher.

Hamsterkäufe einiger Familien, nachdem angekündigt worden war, dass das NSW-Sortiment zum letzten Mal verkauft wird.

Welch eine moralische Degradation!

Meine hier mehrfach geäußerte Entrüstung über die moralische Degradation unserer Führer verlangt nach Erläuterung:

Die Privilegien der Machthaber im Sozialismus waren immer ein wunder Punkt. Erzogen wurden wir mit Bildern von der spartanischen Lebensweise Lenins. Offiziell war das damit gesetzte Leitbild nie zurück genommen worden. Freilich hatten wir die Gleichmacherei, die Missachtung des Leistungsprinzips der frühen Jahre nach der Oktoberrevolution in unserem ideologischen Selbstverständnis seit langem „überwunden“ und damit war grundsätzlich klar, dass hochrangigen Leuten hochrangige Einkünfte zustanden. Kein Diskussionsgegenstand waren auch Vergünstigungen, die Widerstandskämpfern gegen den Faschismus gewährt wurden.

Leider wurden aber all diese Verhältnisse nie offen gelegt, Durchsichtigkeit war nie gegeben. Aber immer wieder wußte jemand von Beispielen offensichtlich ungerechtfertigter, keineswegs durch das Leistungsprinzip gedeckter Begünstigungen, die für unerfreuliche Diskussionen sorgten. Jedem waren solche Beispiele bekannt und als „guter Genosse“ musste man es eben schlucken, in einer ärgerlichen Defensive zu sein und die ganze Problematik mit mehr oder weniger schlechtem Gewissen verdrängen.

Zu meiner eigenen Orientierung (oder Beruhigung) hatte ich mir in diesem zwiespältigen Bereich zwei, drei Kriterien festgehalten: Für unberechtigt und kritikwürdig hielt ich die quasi private Nutzung des ganzen Ferienhaus-, Gästehaus-, Tagungshauswesens. Deren ganzes Ausmaß war mir bis zum Ende der DDR nicht bekannt. Und für verwerflich hielt ich die Beziehungs- und Beschaffungsmentalität, die sich in der Versorgung ganzer Familien- und Freundesclans ausdrückte. Schließlich war ein dritter Aspekt schwer erträglich: Die Konsumwünsche unserer Oberen und ihres Familienanhangs richteten sich fast ausschließlich auf Westwaren und zwar, wie ich erst gegen Ende der DDR erfuhr, nicht nur auf westliche Gebrauchsgüter, sondern auch auf Perlen der westlichen Ideologieproduktion, Pornofilme eingeschlossen.

Die jetzt gemachten Enthüllungen und gleichermaßen die miesen Vertuschungsversuche bewiesen, dass die moralische Integrität der Führungsschicht zerstört war. An dieser Stelle mischte sich in meine Empörung Selbsthass – weil ich mich solange gescheut hatte, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Freilich, die Korruptheit der politischen Elite der DDR in den gegenwärtigen realkapitalistischen Rahmen gestellt, sieht mickrig aus. Selbst einer der intelligentesten Korrupten – Schalck-Golodkowski – hat kaum mehr zusammengerafft als heute ein zweitklassiges Fußballidol. Doch solche Relativierung setzt den Maßstab der bürgerlichen Gesellschaft voraus. Wir aber mühten uns um den Aufbau des Sozialismus. Noch in der Missachtung und Zerstörung sozialistischer Werte durch Kommunisten, wie sie 1989/90 ans Licht kam, leuchtete auf, dass sie zeitweilig gesellschaftliche Geltung erlangt hatten.

Ein Bedenken zum Schluss: Sollte ich mit dem ganzen schwer fassbaren Thema der Moralität nicht viel vorsichtiger umgehen? Verlange ich gar, dass Politiker, Menschen wie du und ich, Edelmenschen sein sollen? In der Tat geht es mir nicht um Moral in ihren vielen Aspekten, sondern um einen ganz bestimmten Zusammenhang, jenen Bereich, den jeder sozialistische Politiker verantworten muss – das Verhältnis des Einzelnen zur privaten (und das heißt wörtlich räuberischen) Aneignung von gesellschaftlichen Gütern und Leistungen. In dieser Frage bleibt jeder Sozialist, auch und gerade ein verdienter Politiker, voll und ganz verantwortlich. Die Erfahrung bestätigt, dass jede soziale Bewegung, die sich nicht von ihren Privatisierern frei macht und frei hält, verloren ist. #

# Auch im opablog Dezember 2011 beschäftigt mich das Thema. #

# Ein Zeitungsausriß  aus der “BZ” zum Kohl-Auftritt in Dresden # 

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13. Dezember 1989 - Privilegien

Montag, November 21st, 2011

Am Montag ist Großvater H. gestorben.

Am Montagabend bei D. zum Geburtstag. Absprachen zu unserer Fahrt am kommenden Wochenende nach Coburg.

Zugespitzte politische Situation.

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Vorbereitung der morgigen WBA-Sitzung. Übrigens reist Familie Pötter aus.

# Herr Pötter war einer meiner aktivsten HGL-er (HGL-Hausgemeinschaftsleitung). Er redete nicht viel aber er hatte „goldene Hände“ und tat in Haus und Hof etwas damit. #

# Die folgenden beiden Blätter liegen nur als Kopie ohne Herkunftsangaben in meinem Tagebuch. Hoffentlich ist die kleine Schrift lesbar. Sie bringen sehr konkrete Informationen von den Auseinandersetzungen im FDGB-Bundesvorstand. Brandheiß war das Thema: Privilegien/Verwendung der Gelder der Gewerkschaft. #

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07. Dezember 1989 - schwere Arbeit - Zeitungsschau

Dienstag, Dezember 8th, 2009

Schwere Arbeit! (9 1/2 Stunden), 20 Kunden mit Geflügel beliefert (Trinkgeld 17,-M:2, zwei Mahlzeiten).

# Vielleicht erscheint es als Zumutung nachfolgend einen Zeitungsausschnitt nach dem andern einzustellen. Mein Tagebuch sieht wohl deshalb so aus, weil ich von der Arbeit wirklich erschöpft war und keine Kraft zu langen Einträgen hatte. Andererseits waren die Zeitungen voller bisher ungehörter Stimmen, und ich verfolgte sie intensiv. Es herrschte das Gefühl eines unerhörten Tempos. Das Leben schien sich täglich zun beschleunigen. Ohne mein Zutun. #

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# Gibt es eine gründliche, wissenschaftliche Darstellung und Analyse der Arbeit des Ausschusses zur Untersuchung der Ereignisse vom 7. und 8. 10.1989? Ich weiß es nicht. Wie hier schon früher dargestellt, haben auch mich diese Ereignisse stark beeindruckt und beeinflußt. Den Untersuchungsprozeß habe ich nur am Rande verfolgt, bin aber sicher, daß er prinzipielle Einsichten in die Denk- und Verhaltensweisen von Mächtigen in der Endphase der DDR ermöglicht. #

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# Solche Bedenken waren neuartig. Beobachtungen einer Telnehmerin an den Leipziger Montagsdemonstrationen. Ein Bild von Differenzierung, wie es heute nach 20 Jahren längst unter die Räder der offiziellen “historisch-heroischen Erinnerung” gekommen ist. #

 # Es folgt ein repräsentatives Meinungsbild der DDR-Bevölkerung von Ende November 1989.#

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# Und zwei interessante, sensible Stimmen, die im “Sonntag” (Vorläufer des “Freitag”) zu finden waren. #

02. Dezember 1989 - Die “Linken” in der SED rühren sich

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

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Tag des Saubermachens!

Über Rundfunk erfahre ich: Heute Abend 18.00 Uhr zum ZK.

F. bei uns.

Kundgebung vor dem Haus des ZK. Wir „Linken“ fordern den Rücktritt von Krenz mit dem Politbüro.

Biermann (u.a.) - Konzert im Fernsehen. Beeindruckend: Bettina Wegner.

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01. Dezember 1989 - Die Krise der SED treibt zum Höhepunkt

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

Konzeption ZF mit N. # meinem Chef # abgestimmt. # Hat was Groteskes, das wir weiter an der Zukunftskonzeption unserer Einrichtung gearbeitet haben. #

Skandal Gotsch/Lauck um Parteitagskandidierung, Achim Döhler ist auf Draht. Charakteristisch Wohlbür und Fischer Franz.

# Plötzlich erscheinen in meiner Abschrift Namen statt nur Anfangsbuchstaben. Zugleich keine Beschreibung der Vorgänge. - Ich möchte damit die Turbulenz der Ereignisse dieser Tage andeuten. Der Wirbelsturm ist jetzt im Innern der Partei und langsam beim letzten Genossen angekommen. Jetzt beginnen die Kämpfe “mit Haken und Ösen” ums eigene Überleben.

Zugleich gibt es Andere, denen es weiter, vielleicht mehr denn je, um “die Sache” geht. Man muß sich die eigentlich unglaubliche Situation klar machen, daß die sog. ehrlichen Genossen, “die Linken in der SED”, wie ich sie nenne (und zu denen ich mich zähle) bis zu diesem Tag noch in keiner Weise öffentlich sichtbar, selbständig aufgetreten sind. Meine illusionslose Kritik der Führer des realsozialistischen Kommandoapparats muß ich erweitern auf die eigene Unfähigkeit, eine durchdachte Alternative zu formulieren und laut und deutlich politisch wahrnehmbar zu vertreten. #

Volkskammer zu Verbrechen – Krenz erweist sich als unfähig.

Der verzweifelte Genosse Arbeiter im Ratskeller am Bersarinplatz!

30. November 1989 - “Für unser Land”

Dienstag, Dezember 1st, 2009

891129.jpg# Die Zeitungen bringen den Entwurf eines Reisegesetzes, das diesen Namen verdient. Jetzt, nachdem “alle Messen gesungen” sind! Das Trauerspiel in mehreren Akten um das DDR-Reisegesetz verdiente eine gesonderte Darstellung. Es veranschaulicht und beweist die totale Unfähigkeit des Machtapparates und der amtierenden Führung, das Unaufschiebbare und Notwendige zu tun. #

Gestern zum Gespräch in F.s Schule.

Auf Einladung von C. bei Gilbert. Er ist Kontaktmann für „Neues Forum“ im Prenzlauer Berg.

# In Zeitungen (Vergl. die folgenden beiden Ausschnitte) haben diejenigen, die verantwortungsbewußt auf wirkliche Erneuerung drängen Stimme und Tribüne. Die Macht haben sie nicht. Die realsozialistische Apparate- und Funktionärsmacht ist nicht fähig, den Weg zu etwas Höherem einzuschlagen. Sie klammert sich an den alten Stand. Später wird sie radikal beseitigt werden durch die BRD-Macht, eine andere alte Macht. Diese “radikale Beseitigung” ist ein deutsches, insofern historisch zufälliges Phänomen. In den anderen Ländern des Realsozialismus verwandelt sich die alte Apparate- und Funktionärsmacht in die neue alte Macht des Realkapitalismus. Das geschieht in der Form chaotisch, im Wesen bruchlos und geschmeidig. #

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# Eben habe ich noch den revolutionären Charakter des Prozesses beschworen, den ich miterlebe, da wird das “Entweder Oder” offen ausgesprochen. Meines Wissens wurde der Aufruf “Für unser Land” bis Anfang März 1990 von 1,5 Mio Menschen unterzeichnet (was ich natürlich nicht beweisen kann). Wikipedia spricht (ebenfalls ohne Quellenangabe) von 200000 Unterzeichnern. #

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