Archive for the ‘Garten’ Category

14. August 1989 – Urlaub

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Tage mit F. und C. in Schmachte vom 4.8. bis 14.8.: Laubenbemalung, Spaziergänge, reichlich Pilze, täglicher morgenlicher Dauerlauf, abends Federball, Äppelklau, Baum gefällt (gefährlich nah in Richtung von Nachbars Laube), Baum zerlegt, Fahrradausflug zum Briesetal (am Sperrgebiet entlang).

C. mit Neigung zur Bissigkeit gegenüber F. (Sie meint, daß sie durch seine Gegenwart nicht genügend Zuwendung bzw. Zärtlichkeit von mir bekommt.) Nachts Feier-Radau, jetzt tags Baumenschen-Radau.

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Badefahrt zur Tongrube, abends Petroleumleuchte. Spazierfahrt zum Grabowsee, völlig verschmutzter Badestrand.

F.mit seiner Mutter nach Berlin zurück. Wehmütige Gedanken an F. beim Einschlafen. Trennungsgedanken. Lieber Urlub mit F. und mit C. getrennt machen.

Mit C. morgen zur 2. Etappe Urlaub nach Carwitz.

17. Juli 1989 – “Mirabeau”, Garten

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Freitagabend nun also “Mirabeau”. Wir sind nach der Pause gegangen. Keine Steigerung gegenüber “Judith”, viele Zitate und Selbstzitate, Routine!

# “Mirabeau” ist eine Oper von Siegfried Matthus…. Als ich das schrieb, hatte ich keine Ahnung, daß mein nächster Staatsopernbesuch erst 20 Jahre später folgen würde! #

Wir lesen an den Abenden im Nibelungenlied in der Nacherzählung von Franz Fühmann. Das ist fesselnd. Frühs am Samstag nach Schmachte. Es ist windig und kühl aber fast immer trocken. In Schmachte große Sensaktion. Kieslage für Badebecken, Weinpflege, Bau des ersten Anfangs vom Spalier. C. erntet von unseren jungen Beerensträuchern schöne wenige Beeren. Dill und auch Petersilie sind gut gekommen. Absprache mit Nachbar W. zwecks Fällung dreier Bäume. Einigkeit mit C. über Anpflanzung zweier Haselnüsse, einer Reneklode, weiterer Himbeeren und zweier Beerensträucher.

08. Juli 1989 - vom Abwürgen der Subventionsdiskussion

Mittwoch, Juli 8th, 2009

Spätabends gestern nach Skaby raus, Bad im fauligen Störitzsee. Heute fleißige Sensaktion bei drückender Hitze.

Angespannte, dabei gute Beziehung zu C. Angespannt wegen der Bedeutung der in mir gefallenen Entscheidung: Z. B. könnte ich einen Brief an das ZK schreiben, in dem ich meine Besorgnis über die Ersetzung von Überzeugung durch Diktat durch unsere Partei ausdrücke. Beispiele:

Sputnikverbot, Zurückziehen der sowjetischen Filme

Abwürgen der Subventionsdiskussion

Undurchsichtigkeit des Wahlergebnisses.

# “Subventionsdiskussionen” - ein schon groteskes Beispiel dafür, wie die DDR-Herrschenden sich selbst blockierten: Um jeden Preis wurde an den hohen Subventionen = niedrigen Preisen für bestimmte Waren und Leistungen des Grundbedarfs festgehalten (z. B. Brot, Mieten), weil so die Überlegenheit unseres Systems bewiesen werden sollte. Eine Diskussion über eine sinnvolle Anpassung der Preise an die Kosten wurde buchstäblich verteufelt, obwohl es bei vielen anderen Waren Preiserhöhungen gab und obwohl man ja soziale Härten durch Lohnerhöhungen oder Ausgleichszahlungen hätte vermeiden können. Die Unfähigkeit zum rationalen Umgang mit solchen, eigentlich ganz normalen Entwicklungsproblemen einer Gesellschaft, zeigte, welchen Grad der Dogmatisierung bis zur völligen Erstarrung des gesellschaftlichen Lebens der absolute Machtanspruch kleiner und kleinster Gruppen politischer Führer dem Leben aufzwingen wollte.

Meine Erwägung, einen Brief an das ZK zu richten, zeigt einerseits, daß mein Protest im Rahmen des Systems verblieb und andererseits, daß ich bereit war, den Fehdehandschuh hinzuwerfen, selbst wenn mir Ausschluß drohte. Das System bot keine wirkungsvolle Möglichkeit seiner eigenen Reformierung und zügigen Vervollkommnung.#

Jeder dieser Punkte reicht aus - hartnäckig vertreten -um aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Darüber besteht Klarheit.

 

01. Juli 1989 – Garten

Samstag, Juli 4th, 2009

F. erhielt gestern sein Zeugnis, gut; aber mit drei in Mathematik (jedoch 2 in Mitarbeit). Dann zusammen mit C. nach Schmachte. Sensaktion in Sch., Freude am Garten, Vorlesen:”Die Regulatoren in Arkansasas”, Wasserspiele, Laubenbemalung von F., C. macht mit. Bewässerung - zugleich Entwässerung des Planschbeckens mittels Schläuchen. F. beschäftigt sich gern damit. Anfang der Beerenernte, gutes Wachstum der Pflanzen, auch der Weinreben.Vorstellungen der weiteren Gartengestaltung.

27. Juni 1989 – Garten und mehr

Freitag, Juni 26th, 2009

APO-Versammlung (Lethargie),

Film von A.. German “Straßenkontrolle” - wir gehen nach 1 Stunde - kein sehr bedeutendet Film. C. las gestern einen guten Text des Schriftstellers Saalmann, über den Moralzustand der DDR bzw. in der DDR.

Telefonat mir F., dem die Damperfahrt sehr gut gefallen hat. Er zählt eine Menge Daten des Dampfers auf (18kn).

Das Wochenende in Schmachte mit enorm viel Lesen der “Neuen Zeit”.

Weitere abschließende Arbeiten am Haus, Gartenpflege. Es leben erfreulich viele Farne. Der Wildwuchs der Gräser. Die junge einsame Heckenrose will sogar blühen. Der Garten ist grüner als zu erwarten war. Brennesseln vertilgt. Die Beerenbüche machen Freude. Der kleine (doppelt) geschädigte Weinstock scheint sich zu erholen. Glück gehabt: 35m 3/4-Zoll Gartenschlauch gekriegt. Die eigene Joghurtproduktion ist angelaufen.

# Zum Thema Versorgung: Meine Joghurtproduktion klingt nach Freude an “do it yourself”, war es aber nur zum Teil. Es ging auch darum, sich wirklich zuverlässig mit Joghurt zu versorgen. Selbst in dem bevorzugt belieferten Berlin konnte ich in letzter Zeit oft, wenn ich nach der Arbeit zur Kaufhalle ging, keinen Joghurt mehr bekommen. In hochsommerlichen Hitzeperioden war es normal, daß im Berliner Umland in den Lebensmittelverkaufsstellen nur einmal pro Woche Bier angeliefert wurde. Man kaufte dann gleich einen ganzen Kasten, hatte also zu Hause dennoch Bier vorrätig aber die Verkaufsstellen waren leer.#

Dieter Papsch sagte gestern, daß den SAB # Schwermaschinen- und Anlagenbau # seit vorigem Jahr 4100 Arbeitskräfte verlassen hätten. Das Getriebewerk Penig hat seit Ende 88 einen Abgang von 120 Arbeitskräften, überwiegend Produktionsgrundarbeiter, davon 20 Ausreiser.

28. Mai 1989 – Wochenenderholung in krisenhaften Zeiten

Dienstag, Juni 16th, 2009

Schönes Wochenende mit C. in Schmachte. Dach der Laube geteert, Pflanzenpflege. Mit den Nachbarn Autogeburtstag gefeiert. 2x zum Tonsee geradelt. Die Kinder dort sagen:”Die Russen haben Stickstoff reingeleitet.” Prompt wäscht sich, auf das Gerücht hin, C. gleich nach dem Baden.

Rückfahrt über den Heinersdorfer Garten, bei F. und L. vorbei.

Im Garten L.s Freundin Steinhöfel erzählte, daß der Freund ihres Sohnes Peter diesmal zusammen mit seinem Bruder erstmals wählen wollte (mit Rücksicht auf Freundin und Kariere). Dabei erfuhren sie (mit ihrer Wahlbenachrichtigungskarte in der Hand), daß sie schon im Sonderwahllokal gewählt hatten!

Abends in der Badewanne erbitterter politischer Streit mit C. um den Fragenkomplex Mehrparteien- oder Einparteiensystem im Sozialismus. C. meint, es müsse unbedingt mehrere gegensätzliche Parteien im Rahmen einer sozialistischen Verfassung geben. Ich meine, daß mir nicht genügend zwingende Kriterien gegeben sind, um diese Frage zu entscheiden.

22. Mai 1989 – Gartenwochenende

Montag, Juni 15th, 2009


herrliches Wetter, fleißig gesenst, Dach ausgebessert, Waschtisch gebaut, Baumpflege.

Lampenkauf in der Prenzlauer Allee: Die vollbusige Verkäuferin, tiefausgeschnitten, aufreizend, geile Phantasien. Beim Bezahlen schaut sie mir fest in die Augen und - gibt falsch heraus.

11. März 1989 - im Garten

Sonntag, März 29th, 2009


In Sch. Die beiden bedrohlich in die Telegrafenleitung hineinwachsenden Pappeln gefällt. Komposthaufen wieder mal verlegt. Haselnuß ausgelichtet, Pfähle für Zaunausbesserung vorbereitet.

 

In der S-Bahn auf der Rückfahrt bedauernswerter Invalide.

Übrigens gestern abend erstmals wieder Dauerlauf nach langer Zeit, 10 Runden im Cantian - 30 min + Hin- und Rücklauf sind das etwa 7km.

27. Februar 1989 - “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” Brigitte Burmeisters Roman

Mittwoch, März 11th, 2009

Der 43. Lehrgang ist inzwischen abgeschlossen. Übermorgen beginnt der 44. Die Zeit seit dem Wasunger Kurzurlub war angefüllt mit dem Kampf gegen die Grippe (Cs und meine eigene), dem Kampf mit dem von mir nicht gut genug geführten Lehrgang, der Hilfe für Cs. neue Arbeitsaufgabe (den Kontenplan machen), vielen Sorgen und Auseinandersetzungen, Belastungen zur Politik. Große, uneingeschränkte Harmonie zwischen C. und mir in dieser Zeit.

Wir lesen viel Politisches (”NZ” 7/89, voriger Woche ist nicht ausgeliefert worden) und “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” - ein hervorragendes Buch.

# Bis heute ist für mich Brigitte Burmeisters 1987 im Verlag der Nation, Berlin, erschienener “kleiner Roman” das beste Buch über “die Stasi”. Heute habe ich mir vorgenommen, ihn unbedingt noch einmal zu lesen. Im Zusammenhang mit diesem Posting, habe ich Brigitte Burmeisters schöne Website entdeckt. Auf ihr macht sie den Roman “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” online verfügbar! #

Cs. Schwellung am Hals hat uns sehr beunruhigt. - Ein durch die gewesene Grippe geschwollener Lymphknoten oder? Sie war deshalb am Freitag bei Dr. Jakob. Beobachten, Warten, Hoffen.

Vorgestern in Schmachte. # mein außerhalb Berlins gelegenes Gartengrundstück. Heute lebe ich hier. # Alle Obstbäume und -sträucher geschnitten. Schön war’s dort.

C. (und S., # ihre Mutter #) waren den ganzen Tag mit Westberliner Verwandten zusammen.

 

25. September 1982 – „Klim Samgin“

Donnerstag, Mai 1st, 2008


[…]
7 Zimmerkumpel
Behandlungen:Lakenbad, Wickel
[…]
Lesen: „Neues Leben“ (Jugendmagazin), Gorki „Klim Samgin“ (127-131, begeisternd), Hebbel Tagebuch (Einleitung)
Hören: (Kopfhörer): Schostakowitsch, Sinf. Nr. 5 Op.47, (schönes Scherzo), Oratorium „Savonarola“ eines modernen Ungarn.
Im Garten: Weinstock, Apfel „Auralia“, Schattenmorelle, „Ostheimer Weichsel“, alle geschnitten.

Hebbel:
„Die Masse macht keine Fortschritte“ (S.162)

„Die meisten Menschen haben gar nicht das Bedürfnis, klar über ihre Zustände zu werden; sie wollen nur hindurch, wie etwa durch eine Krankheit. Diese gewinnen im Leben keine Resultate, sie machen nicht einmal Erfahrungen; ihr ganzes Leben ist vielmehr eine immer währende Flucht durch Gefängnisse, und sie täten wahrlich wohl, sich an das erste beste zu gewöhnen, weil sie dann doch einen Standpunkt hätten, von dem aus sie die Welt, gut oder schlecht, betrachten könnten.“ (!48f)
Hebbels Gedanken über den Massenmenschen sind für mich immer etwas wert, Nachholeerkenntnisse, auch wenn sie das geschichtliche Schöpfertum der Massen nicht abbilden. Heute wollen die o.g. Menschen ebenso unbewußt wie früher durch ihre Zustände hindurch, aber weniger wie durch Krankheiten als vielmehr wie auf einer Lustreise, weniger Flucht als Wettlauf. Doch letztlich ist das kaum ein Unterschied.

„Oft ist es, als ob im Menschen ein hohes geistiges Bedürfnis erwachte, in dem er ein körperliches befriedigt. Gewiß ist die Sinnlichkeit die Klaviatur des Geistes.“ (S.150)

Fastertypen:
Peter Ripke, der Bahnpostbeamte, Trinker, 4 Kinder, er kam mit ins Orgelkonzert, ein krankhafter Angeber, Wichtigtuer, nicht besonders intelligent dabei.
Männe (Manfred Krüger), er ist im Käfig seiner Roheit gefangen (Neger = „Preßkohle“, magerer Mensch = „Buchenwaldprothese“), die sich unversehens mit Sensibilität beißt.
Dr. Ingo Heda, der feige Schwadroneur, Frauentyp, Zuhältertyp, ob er zu Hause was zu melden hat?

[…]

# Aus einem Brief an die Eltern. #

„… Nachdem ich nun 12 Wochen Krankenlager hinter mir habe, ist wohl doch ein Ende abzusehen. Seit einer Woche gehe ich täglich etwa zwei Stunden spazieren, fahre Hometrainer und tue einiges mehr, um wieder ganz ins Lot zu kommen. Eine Ursache für diese ganze Entwicklung scheint darin zu liegen, daß mein rechtes Bein 1-2 cm kürzer ist als das linke. Das hat, zusammen mit Abnutzungs- und Belastungserscheinungen zu der seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule geführt. Diese ist nun schon weit zurück gegangen aber halt immer noch nicht ganz verschwunden. Krankenhausmühlen mahlen langsam (zumindest bei mir wohl zu Recht) und so muß ich immer noch nach Wochen und kann noch nicht nach Tagen rechnen. Das Spazierengehen, In-den-Garten-Fahren, sogar mal nach Hause oder in die Stadt zu fahren, genieße ich aber sehr…“
[…]

# Aus einem Brief an einen Freund. #

„… Was die Klinik hier angeht, so bin ich, ohne zu idealisieren, des Lobes voll. Es wird intensiv gearbeitet in einer ruhigen, ja fröhlichen Atmosphäre. Viel könnte man dazu im Einzelnen sagen aber wichtig ist das Summa Summarum, ein - ich nehme ein sehr großes Wort – gelebter Humanismus, ein alltäglich spürbarer. Beeindruckt hat mich das Ethos einiger Mitarbeiter hier (Schwestern, Physiotherapeuten, Küchenkräfte, Ärzte). Daß für relativ wenig Geld so hart so gerne gearbeitet wird!…“
[…]
Beim Kranksein ist mehr als nur geduldiges Ertragen möglich. Man kann sich Mühe geben, Anderen Freude zu machen, gut zu sein, kann sich für die anderen zusammennehmen. Wenn ich’s recht bedenke ist das für mich ein starker Antrieb und ein möglicher Sinn des Krankseins. (Dies ist kein eingebildeter Sinn! Einstmals Marita und vor kurzem Schwester Grit erzählten mir, wie besonders sympathische Kranke, die dann starben, sie beeindruckt haben. So kann man (als Kranker) dann doch über seinen Tod hinaus leben.) Also auch hier: Aus dem Käfig heraus!

„Klim Samgin“ I, S. 127-130
Auf drei Seiten hintereinander kann ich nur sagen: Genial! Wunderbar! Ein Empfinden hab ich, wie bei den allergrößten Kunstwerken (aber wohl noch nie bei einem Roman): Atemberaubend; die Schönheit, Bewußtheit, Menschlichkeit, die ich hier spüre, ahne und nicht erklären kann, verschlägt mir einfach den Atem.

Die Eisenringe ums Herz:
Als ich L. kennen- und lieben lernte, spürte ich diese Ringe springen, die sich während der Ehe um’s Herz gelegt hatten; Ringe der Traurigkeit, des Deprimiertseins. Nach L. trage ich keinen neuen Ringe. Ich halte das Herz ohne sie im Gleichgewicht, ertrage das zitternde, bloße Herz. (Stimmt, was ich schreibe?)
In meiner Ehe gab es eine lange, lange Agonie.
Mit L. gab es eine solche Agonie nicht. Es war ein bewußter herbeigeführtes Ende.