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7 Zimmerkumpel
Behandlungen:Lakenbad, Wickel
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Lesen: „Neues Leben“ (Jugendmagazin), Gorki „Klim Samgin“ (127-131, begeisternd), Hebbel Tagebuch (Einleitung)
Hören: (Kopfhörer): Schostakowitsch, Sinf. Nr. 5 Op.47, (schönes Scherzo), Oratorium „Savonarola“ eines modernen Ungarn.
Im Garten: Weinstock, Apfel „Auralia“, Schattenmorelle, „Ostheimer Weichsel“, alle geschnitten.
Hebbel:
„Die Masse macht keine Fortschritte“ (S.162)
„Die meisten Menschen haben gar nicht das Bedürfnis, klar über ihre Zustände zu werden; sie wollen nur hindurch, wie etwa durch eine Krankheit. Diese gewinnen im Leben keine Resultate, sie machen nicht einmal Erfahrungen; ihr ganzes Leben ist vielmehr eine immer währende Flucht durch Gefängnisse, und sie täten wahrlich wohl, sich an das erste beste zu gewöhnen, weil sie dann doch einen Standpunkt hätten, von dem aus sie die Welt, gut oder schlecht, betrachten könnten.“ (!48f)
Hebbels Gedanken über den Massenmenschen sind für mich immer etwas wert, Nachholeerkenntnisse, auch wenn sie das geschichtliche Schöpfertum der Massen nicht abbilden. Heute wollen die o.g. Menschen ebenso unbewußt wie früher durch ihre Zustände hindurch, aber weniger wie durch Krankheiten als vielmehr wie auf einer Lustreise, weniger Flucht als Wettlauf. Doch letztlich ist das kaum ein Unterschied.
„Oft ist es, als ob im Menschen ein hohes geistiges Bedürfnis erwachte, in dem er ein körperliches befriedigt. Gewiß ist die Sinnlichkeit die Klaviatur des Geistes.“ (S.150)
Fastertypen:
Peter Ripke, der Bahnpostbeamte, Trinker, 4 Kinder, er kam mit ins Orgelkonzert, ein krankhafter Angeber, Wichtigtuer, nicht besonders intelligent dabei.
Männe (Manfred Krüger), er ist im Käfig seiner Roheit gefangen (Neger = „Preßkohle“, magerer Mensch = „Buchenwaldprothese“), die sich unversehens mit Sensibilität beißt.
Dr. Ingo Heda, der feige Schwadroneur, Frauentyp, Zuhältertyp, ob er zu Hause was zu melden hat?
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# Aus einem Brief an die Eltern. #
„… Nachdem ich nun 12 Wochen Krankenlager hinter mir habe, ist wohl doch ein Ende abzusehen. Seit einer Woche gehe ich täglich etwa zwei Stunden spazieren, fahre Hometrainer und tue einiges mehr, um wieder ganz ins Lot zu kommen. Eine Ursache für diese ganze Entwicklung scheint darin zu liegen, daß mein rechtes Bein 1-2 cm kürzer ist als das linke. Das hat, zusammen mit Abnutzungs- und Belastungserscheinungen zu der seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule geführt. Diese ist nun schon weit zurück gegangen aber halt immer noch nicht ganz verschwunden. Krankenhausmühlen mahlen langsam (zumindest bei mir wohl zu Recht) und so muß ich immer noch nach Wochen und kann noch nicht nach Tagen rechnen. Das Spazierengehen, In-den-Garten-Fahren, sogar mal nach Hause oder in die Stadt zu fahren, genieße ich aber sehr…“
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# Aus einem Brief an einen Freund. #
„… Was die Klinik hier angeht, so bin ich, ohne zu idealisieren, des Lobes voll. Es wird intensiv gearbeitet in einer ruhigen, ja fröhlichen Atmosphäre. Viel könnte man dazu im Einzelnen sagen aber wichtig ist das Summa Summarum, ein - ich nehme ein sehr großes Wort – gelebter Humanismus, ein alltäglich spürbarer. Beeindruckt hat mich das Ethos einiger Mitarbeiter hier (Schwestern, Physiotherapeuten, Küchenkräfte, Ärzte). Daß für relativ wenig Geld so hart so gerne gearbeitet wird!…“
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Beim Kranksein ist mehr als nur geduldiges Ertragen möglich. Man kann sich Mühe geben, Anderen Freude zu machen, gut zu sein, kann sich für die anderen zusammennehmen. Wenn ich’s recht bedenke ist das für mich ein starker Antrieb und ein möglicher Sinn des Krankseins. (Dies ist kein eingebildeter Sinn! Einstmals Marita und vor kurzem Schwester Grit erzählten mir, wie besonders sympathische Kranke, die dann starben, sie beeindruckt haben. So kann man (als Kranker) dann doch über seinen Tod hinaus leben.) Also auch hier: Aus dem Käfig heraus!
„Klim Samgin“ I, S. 127-130
Auf drei Seiten hintereinander kann ich nur sagen: Genial! Wunderbar! Ein Empfinden hab ich, wie bei den allergrößten Kunstwerken (aber wohl noch nie bei einem Roman): Atemberaubend; die Schönheit, Bewußtheit, Menschlichkeit, die ich hier spüre, ahne und nicht erklären kann, verschlägt mir einfach den Atem.
Die Eisenringe ums Herz:
Als ich L. kennen- und lieben lernte, spürte ich diese Ringe springen, die sich während der Ehe um’s Herz gelegt hatten; Ringe der Traurigkeit, des Deprimiertseins. Nach L. trage ich keinen neuen Ringe. Ich halte das Herz ohne sie im Gleichgewicht, ertrage das zitternde, bloße Herz. (Stimmt, was ich schreibe?)
In meiner Ehe gab es eine lange, lange Agonie.
Mit L. gab es eine solche Agonie nicht. Es war ein bewußter herbeigeführtes Ende.