Archive for the ‘Garten’ Category

18. September 1982 – in unseren Betrieben: Der Mensch zählt nichts

Donnerstag, März 27th, 2008

[…]  die täglichen Behandlungen, Lakenbad, Wickel, Schuheinlage basteln, Wechsel von Schmerzen und gutem Gefühl im Bein. Abends: Das Schmerzkarussell dreht sich wieder.

[…] Lesen: Dante, “Göttliche Komödie” „Das Paradies – 5. Gesang,

[…] 7 Zimmerkumpel anwesend, abends mit vier Kumpelinen aus dem Nebenzimmer;

[…] Hören: (Kopfhörer): „Rusalka“ von Dvorak, weiterer Dvorak, Debussy

 Schwester Karin, 25. J. Im Dienst, davon 10 Jahre Poliklinik, hat sich „mit dem Beruf ausgesöhnt“. Kann sich nun keinen anderen Beruf vorstellen.

[…] Mein gestriger Besuch im Garten, wo Vieles verwahrlost wirkt. Empfinde das schon, wie ein Fremder. Meine eigenen Bäume sind mir fremd geworden. Die Himbeerhecke ist hin. Bohemiens sind keine Gärtner. Es geschieht, daß das Bohemeleben auch Poesie produziert, doch es selbst ist noch lange nicht, nicht aus sich selbst, Poesie.

Die plastischen Entwürfe Fränzes (Kinder-Reliefs). Es ist etwas - „Pornografisches“ dabei und zugleich eine Wahrheit. (Es ist wohl Pornografie überhaupt eine Art von Wahrheit.) Wieviel höher die Bilder L.s von F.

 

Die schier „göttliche“ Poesie eines Dante, Homer, Goethe, Hölderlin, Gorki! Daran gemessen ist unsere tägliche Kunst auch allen Mängeln der Zeit unterworfen, gerade auch und je mehr sie sich anders gebärdet. (Wenn sie’s offen zugäbe, wäre ja nichts weiter dabei.)

Anneliese und Renate erzählten, daß Kaderleiter Schulze abgelöst wurde. Vielleicht erblindet er. Die Entscheidung wurde solange aufgeschoben, bis der Mensch kaputt war. Schrieb Kurt in seinem Brief, daß in den Betrieben nur noch technisch-ökonomische Probleme zählen, Fragen der Kultur überhaupt nicht, so kann man noch krasser sagen, daß allzu oft der Mensch gar nichts zählt. Die Arbeitsagonie des Heinz Schulz vor unser aller Augen (nur ich hab mal gewarnt), ist ein beredtes Beispiel. Eine spezielle (politisch-parteiliche) Verantwortung dafür trägt G.

Labilität des Erlebens der Kranken, ihrer Stimmungslage. […]  Die Leidenschaften der Faster nach 14 Tagen Fasten. Fastenkoller! Manche wollen alles haben, ohne viel zu tun. Sie wollen alles fressen, ohne dick zu werden, und schließlich soll sie der Arzt noch dünn machen ohne eigenes Zutun. Das geht mir zeitweilig auf die Nerven. Mancher – und Mancher ohne es zu wollen – lebt zu sehr auf Kosten anderer.

22. Juli 1982 - Lebensmitte

Samstag, Februar 2nd, 2008


[…]
Jetzt werde ich 42 Jahre alt: Das heißt, ich gehe in die zweite Hälfte des von mir anvisierten Alters (84).
Doch man kann es auch anders sehen: Bald gehe ich auf die 50, und lass es nicht zur 84 kommen, sondern nur zu, sagen wir, 75. Dann heißt das, ich bin schon weit in der zweiten Hälfte, gar schon beim letzten Drittel.
Als ich L. kennenlernte, war ich 35. Das waren noch die letzten Ausläufer des Jung-Mann-Alters. Sind es auch diese Dimensionen, die diese sechs Jahre so bedeutsam und ihren Verlust so schwerwiegend machen?
Mir scheint, dass jetzt jedenfalls eine neue Arbeit einen wichtigen Aufschwung bringen könnte.
[…]
Bisky stellt fest, dass heute viele Informationen des Rundfunks, auch zum Teil des Fernsehens beiläufig aufgenommen werden, als Nebenaktivität. Andersherum kann man sagen, viele Sendungen sind so flach, dass man sie überhaupt nur nebenher konsumieren kann.
Unsere Zeit der ewig hämmernden Beat-Schläge.

Dax # Freundin von L. # fragt (in L.s Gegenwart) was im Garten mir gehört. Ich sage:” Mir gehört hier gar nichts. Ist alles nur geborgt.”

# In den Garten, der L. gehörte, hatte ich viel Zeit aber auch einiges Geld eingebracht. #

 

19. Juni 1982 – Aktmodelle

Montag, Januar 14th, 2008


[…] mit Dieter Stiegemann nach Schmachtenhagen, […]

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Der Tag war lang und schön. Kabelgraben geschafft, mit den Nachbarn gesprochen. Bei Rolf Geburtstag gefeiert. Fühle mich auch körperlich wieder besser. Spätabends ein frivol-kriminalistischer Film, der auch ganz nette Szenen hat.

Am Bahnhof Prenzlauer Allee sehe ich ein junges Ding (keine 18) in Begleitung, mit frechem, bereits schön durchgeformten Körper, hübschem Gesicht, die vor meinen Augen sofort als Aktmodell posiert - ein junges Weibsstück, das mit Bewusstsein und Freude ihre geschlechtlichen Vorzüge aufreizend zur Schau stellt. (Das ist jetzt nicht bloß ohnmächtige Fantasie, sondern ich weiß jetzt, dass es das gibt!) […]

Interessant, dass ich mich durch die Aktfotos und die Beschäftigung mit ihnen weniger subjektiv gefesselt fühle als durch meine früheren, nur in meinem Kopf kreisenden sexuellen Fantasien.

Heute Brief von Gerlinde Wirschal.

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13. Juni 1982 – Libanonkrieg

Montag, Januar 7th, 2008

[…]

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Ein frischer, kühler Morgen. Nachts hat es geregnet. Der Kleingärtner denkt an seinen Dünger, an die heutige Schädlingsbekämpfungsaktion.

Gestern, vorm Schlafen gehen, sehe ich in Nr 22, Hofseite, zum ersten Mal ein nacktes Paar (nicht beim Geschlechtsverkehr). Es ist ein Wandeln in der Wohnung, vorm Schlafen, schön.

Habe 2 Kirschen, die Reneklode und die Aprikose mit Bi 58 EC behandelt. Melonen in Plastetüten gepackt, Spargel geerntet, Pflegearbeiten, Buschbohnen gelegt. Zu Mittag Milchreis mit Erdbeeren. F. Ist begeistert.

# Ich war zwar immer ein neugieriger, experimentierfreudiger Gartenfreund, damals war ich aber noch sehr traditionell eingestellt und habe rücksichtslos die „chemische Keule“ eingesetzt. #

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[…] So etwa werde ich an die „Fotografie“ schreiben: Werter Redakteur!

In einer der letzten Nummern ihrer Zeitschrift ist mir die Serie „Graugußputzer“ von Dikran Stambolian aufgefallen. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Weiterbildungseinrichtung für Leitungskader des Industriebereichs Schwermaschinen- und Anlagenbau, zu dem auch Gießereien gehören und möchte in den Räumen unserer Einrichtung mit Hilfe des Bildautors eine Ausstellung dieser Serie organisieren und auch einige Fotografien erwerben. Würden Sie mir bitte mitteilen, wie ich mit Herrn Stambolian in Verbindung treten kann?

Gleichermaßen bin ich an der Adresse von Herrn Günter Rössler interessiert, dessen Aktstudien ich ganz besonders schätze, so daß ich – als Anfänger auf diesem Gebiet – in Briefkontakt mit ihm treten möchte. Können Sie mir helfen?

Mit freundlichem Gruß

(Am 14.6. eingesteckt.)

Begin verkündet, nun werde es bald Ruhe im Libanon geben, nachdem die Wurzeln der PLO herausgerissen seien. Die Welt schaut zu, wie ein Volk vernichtet wird. Wieder beweist sich: Nicht die Größe der Leiden, der Greuel rührt zu Taten der Verhinderung. Nur das Bewußtsein ihrer Ursachen und die organisierte und materielle Kraft dagegen (die richtig geführt wird), kann etwas ausrichten. Die Schwäche dieser nationalen Revolution resultiert aus der Schwäche ihres proletarischen Kerns (im ganzen arabischen Raum). Wie schnell aber kann es durch ein Feuer in diesem Raum, durch eine „horizontale Integration“ (so der „Fachausdruck“) zu einem Flächenbrand um den ganzen Erdball kommen.

Junge Künstler der DDR haben ja palästinensische Lager bereist und irgend etwas abgeliefert (Bechtle, der „abstrakte“ Neubrandenburger, F. Behrend, andere) aber wie verquast, oberflächlich, nichtssagend, formal, routinehaft sind die Ergebnisse.

Andere (so auch L.?) fahren gar nicht erst hin. Und größere Ergebnisse würden das Publikum kalt lassen. (?) Wie kommt das?

Doch denke ich an manches von Heynowski & Scheumann und die Resonanz bei uns.

# Die Dokumentarfilmer Heynowski & Scheumann waren eine DDR-Institution. Sie haben, angefangen mit „Kongo-Müller“ („Der lachende Mann“), eine Reihe beeindruckender Filme geschaffen, die eine breite Resonanz erzielten und viele Menschen für die Befreiungskämpfe in fernen Ländern sensibilisierten. #

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Hebbel: Kleists Arbeiten starren von Leben.

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Ein Bildchen, das zeigt, daß nicht nur Aktfotos sexy sein können; ein Motiv, das hinsichtlich seines sexuellen Reizes vielfältig abgewandelt und gesteigert werden könnte.


12. Juni 1982 – Stoph, Vogeler, Faßbinder

Montag, Januar 7th, 2008



[…]

 

Im Garten alle Obstbäume mit „Piaphoskan rot“ gedüngt (Pflaumen dabei zu kurz gekommen), Blaubeeren mit „Aziplex” und Schwefel. Erste Erdbeeren. […]

Wiedermal ‘ne Sendung im Westen über „Stadtstreicher^“: Personen, die ständig am Bahnhof Zoo „aufenthaltlich“ sind, „Nichtseßhafte“, „Unterprivilegierte“.

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F. vergnügt sich auf der Spielwiese am Weißen See. Das Planschbecken ist gefüllt. Viele Kinder spielen, wie sich die Erwachsenen dazu verhalten! Das muß ich mal genauer beobachten (Man könnte es auch fotografieren. Aber wenn man es aufschreibt, ist es leichter, eine eigene Wertung mit hineinzubringen.) F. spielt nicht drauflos. Er guckt immer wieder viel und erobert sich Schritt für schritt, besser Kreis für Kreis die Rutschbahn, den Planschsee. All das macht viel Spaß. Motive auch für Maler.

Im Fernsehen Bericht vom Lehrertag. Man zeigt ein „Gespräch“ Stophs und M. Honeckers mit zwei Lehrern, die gerade aus Beirut zurück kamen. Stoph wirkt dümmlich erstaunt als der Lehrer vom Bombardement berichtet. 500 m entfernt seien die Bomben eingeschlagen, wird auf eine entsprechende Frage Stophs geantwortet. Stoph sagt irgendsoetwas, wie „Na, so was“, hätte auch sagen können „ganz schön schon“ oder „nit mööglich“. Schmerzhaft, diese Unfähigkeit zu einer normalen menschlichen Reaktion. Von der eigentlich notwendigen Reaktion eines „Volkstribunen“ (Lenin: „Was tun“) ganz zu schweigen.

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H. Vogeler ist mir sehr unbekannt. Das Wenige, was ich kenne (im „Alten Museum“, Berlin), spricht mich nicht an. Aber wichtig sind allein schon die enormen Wandlungen dieses Lebens.

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[…] Im Westfernsehen Faßbinders Film: „Ich will doch nur, daß ihr mich liebt.“ Nach der ersten Dreiviertelstunde breche ich den Fernsehgenuß ab. Er stellt die Menschen so dar, als sein ihnen ihr sozialer Sinn völlig amputiert, ihr soziales Bewusstsein. Das ist geradezu seine Manie, das soziale Unterbewusstsein darzustellen. Das ist sein BRD-Realismus. (Dabei ist er genau und wahr.) Das macht ihn für die Mächtigen so brauchbar. Vielleicht provoziert seine Genauigkeit dabei einstmals ein schlagartiges Erwachen (Daß sich die Leute an den Kopf schlagen:“Wie konnten wir nur so beschränkt sein.“) Faßbinder – der Widerspiegler des Denkens der Unbewußten, der BRD-Gehirnamputierten.

11. Juni 1982 – Dummheit des Sports

Donnerstag, Januar 3rd, 2008


3.30 Uhr, Rotlicht

4.00 Uhr, schlaflos

7.20 Uhr Reizstrom (Die blonde Physiotherapeutin), dann Sauna, dann Ärztin Dr. Rose. […] Der schlechte Schlaf dieser Nacht hat mich völlig schwunglos gemacht, quäle mich (in größter Mißstimmung) durch die Sauna. […] Ekelhaft, mein ganzer psychischer Zustand schreit danach, schnell verändert zu werden, und zugleich muß ich auf die geringste Aktivität verzichten. Mein Unterschenkel brennt wie Feuer. […]

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Kürzlich Bilder vom Olympischen Tag gesehen, auch welche von der Olympia-Stafette aus Griechenland: Dummheit des Sports! Diese ausmodellierten großen Körper - wie Prachtwürste, die Geballtheit! Schlagfähigkeit! Dabei die Gesichter nicht unintelligent. Und dann diese immergleichen Bewegungen, immergleichen Spannungsmomente, seit Jahrzehnten gleichen Bilder: Die anlaufende Hochspringerin, der Hürden-Start, der Kugelstoßer, Einritt der “Giganten der Landstraße” auf die Aschenbahn und so weiter und so weiter. Gewiß gab es einige Sportler, die ihren Verrichtungen den Stempel ihrer Persönlichkeit aufdrückten: unerreicht: Täve Schur; heute aber wirken viele der Spitzen der Spitzen wie notwendige (und darum menschlich eher zufällige) Produkte ausgeklügelter Trainingssysteme. Es ist ungeheuer langweilig (auch weil die Leistungen das normale (eigene) menschliche Maß weit übersteigen). Massengenuss von Sport - das ist ein Gradmesser der Kulturlosigkeit der Masse.

Übrigens ist Jutta Langenau mit 48 Jahren gestorben.

# Jutta Langenau war nach meiner Erinnerung die erste Europameisterin der DDR im Schwimmen. Sie starb am 9.7.1982. Obigen Ergänzugssatz habe ich offensichtlich später ins Tagebuch eingefügt. #

14.20 Uhr: Eben, am hellichten Tag, kann ich vom Fenster aus eine Schlägerei „bewundern“. Ein feister, schon ziemlich glatzköpfiger Kerl von vielleicht 30 Jahren. Sein „Mazda“ steht am Straßenrand. Ein Zweiter bleibt darin sitzen. Der Andere ist ein Bengel von kaum 20 Jahren mit wildem Haarschopf. Er hat ein Fahrrad bei sich, das seine Kumpels halten (3, 4, auch Mädchen dabei, sehen eigentlich wie Schüler aus.) Sie boxen, treten, ringen (vor allem der Ältere) mit großer Aggressivität. Der Junge wird bleich wie die Wand, der Ältere wird rötlich. Es geht irgendwie Patt aus. Sie haben sich ineinander verkrallt und können nicht mehr weiter. Schließlich setzt sich der Froschköpfige in sein schickes Auto und fährt davon. !

(Vermutlich hatten die Jungen den Autofahrer irgendwie behindert.)

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[…] 23.00 Uhr, ein wunderbarer Landregen fällt. Der Kleingärtner bedauert, daß die Obstbäume noch nicht gedüngt sind. Bestimmt werd’ ich morgen, wenn ich einmal im Garten bin (Garten und Regen!) auch noch anfangen, die Bäume zu spritzen und zu düngen.

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# Damit ist Band 3 des Tagebuchs zu Ende. #

08. Juni 1982 – F. Bacon über Garten

Samstag, Dezember 22nd, 2007


 

 

[…]

Bacon Essays S. 191: „Gott der Allmächtige pflanzte zuerst einen Garten.“ (Moses II Seite acht) „… und in der Tat ist dies die reinste aller menschlichen Freuden.: es ist die größte Erfrischung für den Geist des Menschen, ohne welchem alle Gebäude und Paläste nur rohe Machwerke sind; und man wird stets finden, dass die Menschen mit dem Fortschritt der Jahrhunderte zur Bildung und Verfeinerung zuvor prachtvolle Bauten aufführen, ehe sie schöne Gärten anlegen als ob der Gartenbau eine höhere Entwicklungsstufe wäre.“

Ein Garten, der in jedem Monat höchste Schönheit entfaltet. Man kann sich tatsächlich einen „ewigen Frühling“ verschaffen (Vergil, Gedicht vom Landbau), wenn man sich nach dem richtet, was der Boden jeweils bringt…“

Interessant ist die Arbeit mit den Kaderakten. Mit nicht zu überbietender Ignoranz werden alle Genossen entgegen der Weisung des Ministers delegiert. Und die Verantwortlichen der Kaderabteilungen lassen sich das ohne ein Zucken bieten. Es ist eine unglaubliche Schlamperei. Erstes Gespräch mit einem der Neuen. Er ist F- und E-Ingenieur und hat schon 1625,-M. Natürlich ist der an einer Arbeit im MSAB, überhaupt an echter Leitungstätigkeit (wenn sie über den Gruppenleiter hinausgeht) nicht im geringsten interessiert. In Leitungstätigkeit freilich könnte er noch reinschlittern, aber für das MSAB besteht keine Chance.

Neuer Krieg Israels. Es klappt wieder anscheinend alles.

Reagan reißt in London das Maul auf, speziell gegen die Mauer in Berlin, für einen („friedlichen“) Kreuzzug gegen den Bolschewismus, für ein Fernsehduell (!!!) mit Breshnew. Er ist doch wirklich ein Superarsch. Bilder: R. zu Pferde, in Westminster, er platzte schier, der Frosch.

Und doch bleibt für die Menschen nur das maßgebend, was sie eingedroschen kriegen, zumindest, was sie im Bauch, im Schwanz usw. verspüren.

Das Gegeneinanderleben gegen L. ist belastend, dies besonders heute zu spüren, wo sie eine Art Zeichenfete im Garten machen; ihr verkniffener Mund, aus dem jede Wärme getilgt ist (ich zu ihr genauso). Nicht nur, dass nun wohl schon seit Monaten Sex überhaupt nicht mehr stattfindet. Darüber hinaus gibt es keine emotionale Gelöstheit, kein zu Hause mehr. Der Mensch braucht aber Momente mit einem anderen Menschen, in denen er ganz ohne rationale Steuerung sich geben kann. Vielleicht kann mancher dies in die Arbeit, in ein Werk packen, das sich vielleicht sogar aus dieser ungestillten Sehnsucht speist. Meine Lösung ist das letztlich nicht. (Auch um den Preis, dass mir letztlich F. entzogen wird, denn das wird die letzte Rache sein.) F. ist ganz besonders erfreut und lieb zu mir, als ahnte er, dass ein Ende mit dem Papa kommen wird.

Frühmorgens, auf Arbeit, R. kommt gerade zur Tür herein, erzählt sie gleich einen Sextraum, den sie mit mir hatte. Es ging Vieles durcheinander. A. schwirrte herum. Neger schwirrten herum, dann wieder in meinem Bürozimmer. Ich massiere ihr von hinten die Brüste, und wir sind darüber hinaus (besser: darunter hinaus) im schönsten Vollzuge als in der Wand eine Luke aufgeht und die Küchenhilfe der “Mutter“ hereinschaut, was uns aber nicht stört, fortzubumsen. Ja, nicht nur mir ist heiß.

# „Mutter“ war die Betreiberin der Imbissstube in unserem Bürogebäudet. #

 

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Nebenstehender Akt übrigens gefällt mir nicht so sehr. Natürlich ist er ganz schön aggressiv. Aber die betonte Handsprache ist mir zu geziert. Das Drumherum zeigt mir, in welch eigentlich „schwüler„ Atmosphäre auch fotografiert werden kann. Man muß (und kann) sich wirklich alles erlauben (wenn man bedenkt, dass dies ohne weiteres veröffentlicht wird.) Ich muß mich hüten, dass mein Aktinteresse nicht eine neue Art von Ersatzbefriedigung wird.

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06. Juni 1982 - Krankheitslamento und Rias in der Nacht und Womacka

Dienstag, Dezember 11th, 2007



1.30 Uhr, vor Schmerzen wach

2 Uhr Rheuma-Bad

5.30 Uhr, rumhängen, Rheuma-Bad

7.30 Uhr, Rheuma-Bad (Ich mache es der Schmerzen wegen, aber irgendwie macht es mich auch fertig.) großes Brandloch in meiner Bettdecke.

8.00 Uhr, aufstehen, im Moment des Eintauchens im Bad fühl ich mich wirklich befreit, doch jetzt diese Apathie.

10.00 Uhr, […], Bettzeug gewechselt (ganz schöner schaden. Da konnte auch mehr passieren.) Wäsche. Auf alles und jedes hab ich eine Wut im Bauch.

12.00 Uhr, in den Garten, rumhängen,

16.30 Uhr zurück, […]

19.30 Uhr, Rotlicht, Einreiben, […]

0.00 Uhr, Rheuma-Bad, Rotlicht, Massage

Ich esse einen Brotkanten, trinke einen Wasserkakao, knipse das Radio an:

Eine Werbung für das „Haus der Jungen Talente“ (Schöbel, Jazz). Danach Auszug aus einem Roman von Dieter „Oie“ (?) „Das Leben des Konstantin Ketzer“. (Wie er zum Spittelmarkt will, nach dem Gerücht, die „rolling stones“ würden auf dem Springer-Hochhaus spielen. Suchen, Finden, Verlieren - DDR konkret. Denn es ist Rias. - 2.00 Uhr. Der Klassenkampf geht weiter!

Die Grenze irgendwie (nicht unbedingt Grenzdurchbruch) überwinden - ein entscheidendes Stigma der DDR-Jugend.

Jetzt, 2 Uhr kommt die Rias-Hörer-Tip-Parade! Hier kommen Antworten und Ablenkungen, kurz Dienste für die, die aus welchen Gründen auch immer, schlaflos sind. All das nie bemerkt, höchstens mal geahnt, als ich bei der 1-Tags-Bekanntschaft in der Buchholzer Straße schlief (am Morgen gutes männliches Gefühl, hernach Fahrt nach Chorin, Zusammentreffen mit Semmelmann. Das ist alles sehr lange her.) Die Schlagerparade langweilt mich etwas, obwohl die Schlager ausgewählt sind („Dschingis Chan“, „Wir sitzen alle in einem Boot“) Aber das Programm ist für Leute gemacht, die wach, ruhelos sind (nicht für Leute, die den Tag arbeiten und nachts schlafen). Auch hier: „o Wirklichkeit, du Donnerwort.“

Die Straße ist momentan leer. 27°. Ich versuche es nochmal mit Schlafen.

Ich möchte irgend etwas mit meinem Körper machen, das ihn abstellt, funktionieren läßt. Aber das gibt es nicht. Ich stehe wieder auf zum Baden. Wenn ich taumelig gegen irgend etwas renne, ist stets eine auffahrende Wut in mir.

Eine ungewöhnliche Nacht, meinetwegen eine schlimme Nacht für mich, aber wichtiger: Wann denke ich schon mal an die Ruhelosen?

Wortwechsel mit Arne Zimmermann über Womacka, dessen (Arnes) Borniertheit mich reizt. Womacka kennt nicht den, der mal eine Nacht schlaflos lag, der „sein Brot mit Tränen aß“, für den 1000 Schritte zu gehen ein unlösbares Problem ist. Das sind nicht Wenige. Womacka ist für die Satten, Zufriedenen, deren größtes Problem darin besteht, ihre 5 oder 10 kg Übergewicht abzunehmen.

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Ich bin im ekelhaftesten Zustand, dem einer „Jammerapathie“. Die Nacht war scheußlich. Die Schmerzen sind kräftig. Ins Bett hab ich mit Rotlicht ein großes Loch gebrannt. Werde jetzt essen, Musik hören, um wieder ins Geschirr zurück zu kommen.

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Klebe jetzt hier was hin, weil das auch mal wieder sein muß. Meine Sinne sind völlig unbeteiligt.

[…]

Alles in allem tut das Ruhen gut. […] Gewiß geht es heute besser als Freitag. Der Schmerz ist nur noch im Unterschenkel, Taubheit geht zurück. Aber Intensität des Schmerzes ist nicht verringert.

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Irgendwer sagte:“Sprache, die für uns dichtet und denkt.“ Das ist weiterzutreiben. In den letzten Tagen empfand ich: „Fahrrad, des für mich fährt und lenkt.“Überhaupt, die Dinge, auch wenn sie vom Menschen nicht besonders geschickt gebraucht werden, neigen dazu, sich ihrer Funktion entsprechend zu verhalten. […] Lese gerade von Ziergerüsten und Pergolen. Warum nicht den so notwendigen radikalen Rückschnitt der Pflaumen an unserem Sitzplatz vornehmen und die entstehende Kahlheit durch ein pergolenartiges Gerüst, also eine entsprechende Bepflanzung zwischen Pflaume und Hauswand überbrücken.[…]

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Kein Bildchen, was mich aufregt. Aber den Gedanken des Verhüllens und Enthüllens aufgreifen, nur viel radikaler, schärfer.

 

 

04. Juni 1982 - Nach der Exkursion

Freitag, Dezember 7th, 2007

[…]

20.30 Uhr. Nach dem Tag, anstrengendem Rheuma-Bad, 1 Std. Schlaf fühle ich mich jetzt ganz zerschlagen. Aber jetzt beschäftige ich mich, denn jetzt zu schlafen wäre Garantie für eine unerträgliche Nacht, und die fürchte ich sowieso.

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Schmerzen, Anstrengungen, Hitze, Medikamente haben mich in einen kollapsähnlichen Zustand versetzt. In den letzten 10 Minuten sind mir mindestens 1 Dutzend Gegenstände aus der Hand gefallen, darunter eine volle Tasse Kaffee. Mein Phlegma reicht aus, nichts an die Wand zu schmeißen. Ich sehe verschwommen, und die Augen brennen. Doch jetzt höre ich Musik und schreibe, denn ich muß wieder Fuß fassen. Jetzt zu schlafen wäre Wahnsinn. Das Telefon strafe ich wutentbrannt mit Nichtachtung.

Seit einer Woche haben wir Temperaturen von 30°, jetzt zeigt das Thermometer 34°! Und ich konnte noch nicht einmal ins Wasser.

Orchestersuite Nr. 2 von Bach, die immer wieder geeignet ist, einen Menschen wieder aus mir zu machen.

Rothensee: Habe noch nie eine so gewaltige, so technisierte Gießerei gesehen. Da ist die Kraft der Arbeiterklasse materielle Gewalt geworden. (Auch in WD # Westdeutschland # gäbe es eine solche Gießerei nicht.) Die Redensarten mancher Künstler, L.s, („Dann sollen sie es doch nicht machen.“) können einem da nur ein müdes Lächeln entlocken.

Wirklichkeit einer solchen Industrieanlage,

Wirklichkeit einer Aktstudie (meiner Intension) oder Wirklichkeit eines Orgasmus mit HeGrü!

Wirklichkeit der Orchestersuite Nr. 2 von Bach!

Oh Wirklichkeit, Du Donnerwort!!

Und weiter: Wirklichkeit einer Rhönwiese im Mai, Wirklichkeit der neu gepflanzten Stachelbeere, die wir Blatt um Blatt durchbringen werden.

Ich bleibe weiter der ganzen Wirklichkeit verschrieben, zugetan, offen; auch um den Preis, daß ich es auf keinem Gebiet zu einer großen Leistung bringe. […]

Jetzt geht es auf 22 Uhr. Das Thermometer zeigt weiter 28 oder 29°. Doch mir geht es besser. (Bin wieder im Geschirr des Geistes. Dieses Geschirr ist nachts, im Schlaf, abgelegt. Darum herrscht dann der Schmerz so unumschränkt. Heute will ich ihn überlisten: Ich bleibe lange auf, schreibe noch Briefe, wenn ich dann sehr müde bin noch ein Rheuma-Bad, 2 Zäpfchen und dann wird wohl der Schlaf herrschen.)

Die Platte bringt gerade aus der 3 Orchestersuite ein Stück… - Ich denke an den toten Helmut.

# Helmut war der erste Mensch, der mir vor Jahren Bach nahegebracht hatte. #

Er bleibt einer der Menschen, dessen Tod für mich immer etwas Unwirkliches, nicht ganz Ernstzunehmendes hat. Irgendwie bleibt er gegenwärtig als das Leben selbst. Seinen Freund Hans Dy werd’ ich mal besuchen.

Eindrücke in Rothensee:

Politische Losungen, mit Kreide an die Wand gemalt: „Laß das Atom zu friedlichen Zwecken!“

„Gegen NATO-Raketen“

In einer anderen Abteilung kriege ich (zum ersten Mal in meinem Exkursionsleben?) Dreck in den Rücken geschmissen.

Ein flott und sinnvoll arbeitender Roboter! […]

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# Aus einem Brief an U., Witwe des erwähnten Helmut. #

„… Ich schreibe, höre dabei Bach, und auf einmal ist mir (das geschieht nicht zum ersten Mal) der tote Helmut ganz und gar gegenwärtig. Ich empfinde wieder, wie von der ersten Stunde an, daß dieser Tod etwas Unwirkliches, nicht ganz Ernstzunehmendes hat. Nach so langer Zeit schreibe ich das natürlich nicht als billigen Trost (zudem sinnlosen), als Versicherung. („Er lebt in uns fort.“) Nein, es ist einfach eine erstaunliche und höchst freudige Feststellung: Beweglichkeit dieses Kerls, einschließlich gewisser Moralitäten und Amoralitäten, sind einfach nicht totzukriegen. Da ist er wie das Leben selbst. („Tod, wo ist Dein Stachel, Hölle, wo ist Dein Sieg?“)

All das soll nicht billige Verklärung sein. Zum Schluß hätte er wohl gern all das hingegeben, wenn er noch hätte einen Monat leben dürfen. Er hat von solcher Wirkung nichts, ja, keiner wußte, keiner weiß, ob er solche Wirkung auslöst.

Nein, ich will den Toten ihre Ruhe lassen, will nicht so tun, als könnt ich die Tragik versüßen. Doch es ist eine Tatsache, daß doch etwas von dem Schönstmöglichen eingetreten ist - sich ein bißchen in seiner Pflicht zu fühlen, ein Winziges für sein Hoffen zu tun.

Eine Tatsache ist es: Wenn eine Karriere für mich völlig reizlos ist, und wenn ich manchmal die Kraft habe, etwas nur aus Gewissen zu tun, selbst für Nachteile ( - und das ist ja eine ziemliche Freiheit, die man sich da schafft - ), so ist es ebenso wohl Leben, wie Sterben von Helmut, das mit dabei wirklich nachdrücklich hilft.

Leicht wäre es mir jetzt, gewisse gemeinsame Erlebnisse, Szenen heraufzubeschwören, die sehr erfüllt waren, die in mir bis an Ende meiner Tage leben werden, ganz Alltägliches, warum nur? Wahrscheinlich sind es oft solche Winzigkeiten, wie die Sandkörnchen am FKK-Strand von Rosenort, die zu den Sternstunden eines Lebens gehören und irgendwann auf unerforschlichen Wegen in’s Bewußtsein treten…“

# Aus einem Brief an die Eltern von L. #

„Wenn ich Euch schreibe, möchte ich mich auch ablenken. Mein Ischias/Nervenentzündung macht mir doch ziemlich zu schaffen, da ich den letzten Tage auch tatsächlich nicht die Zeit hatte, […] ihn mit Ruhe und Wärme zu kurieren. So fresse ich z. Z. ´Tabletten, doppelte Portion und nachts Zäpfchen, vierfach, und komme dann in den letzten Nächten doch immer nur zweistundenweise zum Schlafen. Jetzt am Wochenende schone ich mich aber und hoffe nun endlich über den Berg zu kommen. […]

Gerade höre ich von draußen ein klatschendes Geräusch, während vom Plattenspieler die Matthäuspassion erklingt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht ein junge Frau, die sich das Gesicht hält und schluchzt. Auf unserer Seite steht ein angetrunkener Kerl. Er ruft rau:“Komm her!“ Sie antwortet etwas und geht weiter. Er nochmal: „Komm her!“ Dann sucht er irgend etwas, wie eine Scheibe, sucht aber noch weiter. Dann pißt er umständlich mit starkem Strahl an den Baum vor unserer Haustür. Dann geht er umständlich schwankend ihr nach. Viele Fenster sind geöffnet. Aus meinem klingt kulturvoll Bach, wie gesagt, aus den anderen verschiedene Fernseh-Krimis - Berliner Szene! […]

Mein herzliches Dankeschön für das Hemd und die Socken im West-Paket! Alles paßt wie angegossen, steht mir und kann ich gut gebrauchen, wenn ich zu L.s Verdruß z. B. festlich in’s Theater gehe. […]

Im übrigen bin ich gespannt, wie es im Garten weiter gegangen ist (Dienstag war ich zum letzten mal da.) Bei dieser Wärme, und L. hat sicher viel gegossen! (Das ist bei uns ja das A und O.) Es ist ungeheuer, welche Produktivität aus jedem Winkel hervorbricht. Am meisten ans Herz gewachsen ist mir aber ein scheinbar völlig verdorrtes Stachelbeerhochstämmchen, das ich trotzdem nach Ostern und ohne rechte Hoffnung pflanzte. Es hat ganz zögernd Knospen schwellen lassen, schließlich einige Blätter getrieben, so daß es erstmal zum Überleben reicht. Jetzt scheint gar ein neuer Trieb hervorbrechen zu wollen. (Ich hatte extrem kurz geschnitten.) Damit wäre es ja über den Berg für die Zukunft! Alles übrige aber steht kraftvoll, auch z. B. „Jonathan“ und „Ostheimer Weichsel“ (die auch geblüht, aber nichts angesetzt hatte). Naja, Garten ist ein unerschöpfliches aber für Euch nicht gerade neuartiges Thema.

Ich war jetzt zwei Tage zu Besuch in der Stahlgießerei Magdeburg-Rothensee. Das waren imposante Eindrücke (und auch einfach gute Eindrücke) in dieser wohl größten Stahlgießerei Europas. Wenn man solche Produktionsstätten sieht und was die „hinten rausschmeißen“ begreift man gegenständlich, warum unsere Wirtschaft/Staat trotz der vielen Lücken einfach nicht totzukriegen ist. Riesige Hallen, in denen die Technik und wenige Menschen arbeiten. Leicht war es nicht, 40° die Sonne + 8 Elektroschmelzöfen.

Und erst die Schicksale, die an solchem Betrieb hängen, einige kenne ich zufällig näher: Der Betrieb produziert seit 10 Jahren. Vor 15 oder 17 Jahren war Grundsteinlegung. Erinnerungsfoto: Der Minister - ist inzwischen mit Herzinfarkt Rentner, der damalige Generaldirektor, zwischendurch Herzinfarkt, abgelöst, wieder eingesetzt, heute Invalidenrentner mit freier Arbeitszeit, sozusagen z.b.V. beim Betriebsdirektor. Ich kannte ihn noch unmittelbar als „General“, heute führte es unseren Lehrgang, vermittelte Erfahrungen, auch welche, die man nirgends lesen kann.

Schade, all das kein Gegenstand für Künstler! Weil 95% von ihnen (oder 99%?) von diesem menschlichen Leben so viel verstehen, wie der Esel vom Integral. Aber was hilft das Klagen. Materielle und künstlerische Produktion gehen weiter ihre getrennten Wege, und irgendwann haben beide eine Reife, die eine Art Verschmelzung ermöglicht (in fernen Zeiten, die dann das Ende mancher Borniertheit bringen).

Ich grüße Euch alle herzlich.“

 

30. Mai 1982 - Garten, Kino

Montag, Dezember 3rd, 2007



[…] viel im Garten: Gegen Blattläuse Bi 58 EC bei „Morellenfeuer“, „Jonathan“ und „Ostheimer Weichsel“ mit Pfählen versehen, gerichtet, beschnitten, Gurken auf dem Kompost gelegt, Pflaumen gewässert, gemäht, weiter aufgeräumt (für das Kinderhaus, für „Mesopotamien“)

# „Bi 58 EC“ war ein fürchterliches, systemisch wirkendes Schädlingsbekämpfungsmittel, eine „chemische Keule“, die ich später nie mehr verwendete, „Ostheimer Weichsel“ ist eine Sauerkirsche, die ich von L.s Vater, der sie selbst kultiviert hatte, geschenkt bekam und die ich gleichsam als sein Vermächtnis bewahre, nach zweimaligem Umpflanzen übrigens bis auf den heutigen Tag. „Mesopotamien“ war eine Anlage für die Kinder aber welcher Art, weiß ich nicht mehr. #

[…] Kino: „Kagemusha - der Schatten des Kriegers“ […]

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Die letzten Tage bei schönstem Wetter im Garten, viel Tätigsein. Rücken- und Beinschmerzen machen mir das Protokollieren fast unmöglich.

[…]

F. turnt herum, bezeichnet sich als Sportler, danach sagt er „Sportfenster“, kommt wohl von „Sportfan“(ster). Heut’ morgen sind wir auf dem Sprung zu gehen, sagt er: „Heide, zu Hause bleiben, aufräumen.“ Ein Pfiffikus, agil im Garten, wasserwild, abgehärtet.

„Kagemusha“ weckt in mir ähnliche Empfindungen wie „Iphigenie“, keine euphorische Begeisterung. Aber das Gefühl, daß hier etwas Fremdartiges, teilweise mir Unverständliches, gemacht wurde, woran ich nicht achselzuckend vorbei kann. Dazu z. B. „Iwan der Große“ von Eisenstein - das sind große historische Filme ohne Äußerlichkeit. (?)

Der Weg zum und vom Kino wird mir zur Qual.

War mit H. da, in allerkürzester Zeit geht mir dieser Mensch auf die Nerven, obwohl ich doch manches an ihr schätze und sie umgekehrt auch. Es ist auch nicht nur die Manie, immer das Negative einer Sache zu sehen, es ist auch ihre spezielle Art von Dummheit und die Art, wie sie ihr bewußt ist, sie sie erträgt, bzw. sie sich zäh dabei selbst behauptet. Phlegma, das unheimlich aufreizend ist.

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