Archive for the ‘Gesundheit’ Category

21. Februar 1989 - angespannt

Mittwoch, März 11th, 2009


angespannte Tage (Gesundheit), Auseinandersetzungen um die Kollektivarbeit. Ich komme kaum dazu, die Statistik auf dem Laufenden zu halten, vom Protokoll ganz zu schweigen. Lehrgangsarbeit, WBA, APO. Grippe von C. und mir, Schwellung an ihrem Hals (operationsbedingt?). Bestes Verhältnis von uns beiden. Heute Abend WBA zum Wohngebietsfest.

03. Februar 1989 - “Winter ade”

Donnerstag, Februar 19th, 2009


Gestern im Bett, 7-, 8-mal ganz leichte, sozusagen “zarte” Herzstiche gespürt. Jetzt, 15.40 Uhr, wiederholte sich das. Ich weiß nicht so recht warum….

Herzbedrückung war geblieben. Aber dann bin ich mit dem Fahrrad gefahren, und das war, glaube ich, ein guter Ausgleich.

Gestern Abend “Winter ade” von Heike Misselwitz - sehr gut!


# Der Film wurde dieser Tage im Rahmen der Berlinale gespielt. #

06. Januar 1989 - “Dann ist die Liebe eben nicht so groß”

Freitag, Januar 16th, 2009


C. erzählte von ihrem Arztbesuch bei Dr. Jakob. Ab 16.1. ist sie für 6 Wochen 4-Stunden arbeitsfähig geschrieben.  Ich hatte ihr ein Blumensträußchen geschenkt. Unser Gespräch war kühl, vorsichtig, um Freundlichkeit bemüht.

Sie hat mir wieder eine Begegnung mit R. L. verheimlicht. Also wieder ein Zusammenstoß.

Ich ärgerte mich selbst über mich,… daß ich diese Problematik, die ich doch, wie mir scheint, begriffen habe, nicht besser “wegstecken” kann. Ich entschuldigte mich wenige Minuten später, und sie las mir noch interessante Artikel aus dem “Sonntag” vor.

101p1010001.jpg

 

 101bp1010002.jpg

# “Sonntag”, Wochenzeitung  des Kulturbundes; intellektuell, oftmals langatmig, wenig brisant. Hin und wieder aber war doch eine Perle versteckt. Über etliche Metamorphosen geht der heutige “Freitag” auf den “Sonntag” zurück. #

Wir schliefen dann harmonisiert ein. Vorm Einschlafen reflektierten wir noch ein wenig:

Sie stellte fest, daß durch ihr Vorlesen alles wieder geglättet worden sei. Ich erklärte sofort, daß sie meine Entschuldigung ganz vergessen habe. Ich qualifizierte diese Denkweise als Weiterbestehen des Schützengrabendenkens zwischen uns. Wir stellten fest, daß wir jeder sich selbst am meisten lieben.

Sie: “Dann ist die Liebe eben nicht so groß”.

Ich sagte, daß wir uns auf unsere Fähigkeiten mit Einsamkeit fertig zu werden viel einbilden. Ich: “Vielleicht hab’ ich noch gar nicht erfaßt, daß ich ohne dich nicht leben kann. - Ich glaube es ist so.” Daran, wie sie da meine Hand drückte, merkte ich, daß das vielleicht das wichtigste Wort war.

26. Oktober 1982 – Frauen, Kälte, Aussteigen

Samstag, Januar 3rd, 2009

Lesen: Gedichte Czechowski, Katalog IX Kunstausstellung

Gartenarbeit. Nach der Gartenarbeit heute bin ich völlig kaputt. Die Gesundschreibung erfolgte zu schnell.

Als nun älter werdender Einspänner wird’ ich wohl öfter Frauen treffen, die sexuelle Probleme haben. (Das könnte ein Grund sein, Witwen zu bevorzugen.) Eigentlich sind solche so genannten kalten Frauen wie Marita oder Heidrun tragische Figuren. Wie sie sich fiebernd endlos unterhalb des Gipfels quälen! Letztendlich freudlos an die Kette der Lust gelegt! Innerlich (einschließlich des sexuellen Reizes) bin ich mit Heidrun fertig. Nur eine Frau, die mich überwältigt, wie einst L. und nur solange sie es kann, kann mich leidenschaftlich sehn. Ist das nicht der Fall, ergibt sich spontan, daß ich mit großer Sympathie ihre Lebensgeschichte aufnehme, daraus Zärtlichkeit schöpfe und sobald die Wiederholungen deutlich werden, erkalte. Mein Interesse zieht diese Frauen an. Ich bin mir frühzeitig klar, daß keine Liebe bei mir ist. Was ist mein Motiv? Ein Grundbegehren ist sexueller Art, doch wird es interessanterweise von der zärtlichen Anteilnahme überformt, die wie eine Quasi-Liebe wirkt und den gedankenlosen sexuellen Genuß be- oder verhindert. Ja, das Grundbegehren ist wohl das nach zärtlicher Anteilnahme, gütig zu sein. Doch scheint es, als erweisen sich diese Partnerinnen als dafür nicht aufnahmefähig genug. Die bloße physiologische Befriedigung des Mannes ist nur wenig von der Frigidität der Frau verschieden.

Verrückter Traum heut Nacht: Vor einem Betrieb ein billiger Marktstand . Darauf Bücher aus der ZF-Bibliothek, Teilnehmerlisten der Lehrgänge, einige Grafiken von L. Alles wahllos angeboten. Als ich später aus dem Betrieb komme hatte es geregnet, und alles ist durchweicht. Ich nehme zuerst Grafiken an mich, schiebe sie vorsichtig in meinen schon recht vollen Campingbeutel, stopfe Bücher und vertrauliche Dokumente hinterher.

Gestern: Den Dichter Czechowski empfinde ich besonders in seiner Kritik an unserem Sozialismus als geistesverwandt. Ich fühlte mich bestätigt in Vielem und konnte nicht einschlafen. Meine freie Meinung zur IX. Kunstausstellung werde ich aufschreiben und als Brief an Bekannte schicken.

  • Ich möchte weiter eine verantwortliche, normale Arbeit machen. Wirkliche oder innere Emigranten, Ausflipper gibt es genug. Um Kritik dieser Gesellschaft konstruktiv machen zu können, muss man Teil dieser Gesellschaft, möglichst wesentlicher Strukturen dieser Gesellschaft bleiben, sein.

  • * Wenn die Arbeit bei Sero nicht klappen sollte, möchte ich trotzdem von der ZF weggehen, oder nein, genauer gesagt, kann ich an der ZF nicht so weiterarbeiten, wie bisher, werde ich eine prinzipielle Kritik geben und prinzipielle Vorschläge machen.

  • * Dies mir vorstellend, kommt mir zum 1. Mal der Gedanke (ernsthafter Gedanke), wenn notwendig auszusteigen. Kohlenträger kann ich nicht mehr werden. Vielleicht Imker? Wann kann dieses Aussteigen notwendig werden? Dieses Aussteigen wäre ein anderes Einsteigen!

11. Oktober 1982 – Ende des 5. Bandes

Dienstag, Dezember 2nd, 2008

 Abschiedsbesuch in Buch. Dr. Krause schreibt mich schon heute für den 23.10. gesund. Das ist überraschend für mich.

Treffen mit den Zimmerkumpels, dann mit Dr. Krause, Dr. Piotrowski, Dr. Hahn, Schwester Christa, Schwester Cordula, Frau Rudolph. Ich baue meine Geschenke auf: drei Flaschen Sekt, selbst gepflückter Blumenstrauß aus dem Garten, eine Grafik, mein Dankgedicht “Mein kleines Testament”.

Telefoniert mit Dr. Hahn, die sehr freundlich ist. Fester Händedruck mit ihr beim zufälligen Zusammentreffen. Ein Roman mit dieser Schönheit, das wäre….!

Eilbrief von H. Gross.

Zum ersten Mal lese ich marxistisch-leninistischer Philosoph etwas von Nietzsche, “Also sprach Zarathustra” – und bin verwundert.

Spätabends Kassette “Neue Deutsche Welle”, “Gehirnamputiert”, “Wir sind glücklich”, “Die Königin”, “Eiszeit”.

Damit schließt sich dieser Band des Schmerzes und des Duldens. Doch noch mehr war es eine Zeit neuer Menschen, neuer Verhältnisse. Es war eine interessante und oftmals schöne Zeit. Ich bin nicht unglücklich über diese zwei Monate.

Mit dem morgigen Tag beginnt ein neuer Abschnitt, denn ich melde mich beim GD Sero.

Morgen wahrscheinlich auch Treff mit Gross.

Und ich könnte wieder erblicken Evi und Dr. Hahn, zwei Kleinigkeiten, über die sich mein Herz am meisten freut.

Die Einen denken lange nach über den Sinn des Lebens und finden, daß er darin besteht, zu leben.

Die Anderen leben einfach.

(Diese Beobachtung ist schon einige Tage bewußt. Sie wird sicher im neuen Band ihre Rolle spielen.)

Möge dieser bildarme Band mit einer anspruchslosen Freude fürs Auge enden.

blogletztesbildvonpr05pa184460.jpg

 

07. Oktober 1982 – Heiner Lau

Donnerstag, Juni 26th, 2008


[…]

Wehmut nach dem Krankenhaus, d.h. nach den einfachen, mit viel Sympathie angereicherten Beziehungen dort. Hier muss ich erst lernen, mich richtig (gut für die Gesundheit) zu verhalten. Hab’ ziemlich viel geackert, um das Zimmer ein wenig zu säubern und herzurichten, hoffentlich nicht zu viel.

[…]Schwester Cordula, Heiner Lau - zwei Menschen, die einen völlig deprimierten, sogar gebrochenen, Eindruck machten. Bei H. Lau hab’ ich dies nur gespürt und verdrängt.

 

# Heiner Lau ist einer der Menschen, die ich getroffen und nicht begriffen habe, ein Mensch, zu dem eine Beziehung entstanden ist, die aber nie wirklich ausgesprochen bzw. definiert wurde. Er war ein grundoptimistischer, lebensfroher Typ.

 

 

Erstmals begegnet sind wir uns in jungen Jahren während unseres freiwilligen NVA-Dienstes (1958-1959). Er wurde zum FDJ-Sekretär unserer Batterie gewählt und versuchte, etwas „Schwung in den Laden“ zu bringen. Ich gehörte auch zur FDJ-Leitung, und unser gemeinsames Anliegen war es, eine interessante Wandzeitung zu machen. Eines Tages überraschte er uns damit, daß er eine neue Wandzeitungstafel mitbrachte – in ovaler Form, mit einem Loch darin. Wir diskutierten skeptisch, ob eine Wandzeitung solche Form haben dürfe (!) und „wagten“ schließlich das Experiment. (Einige Ausgaben unserer Wandzeitung wurden schließlich richtig populär, weil wir das Zeichentalent eines unserer Soldaten entdeckten und seinen Karikaturen viel Raum gaben.)

 

Unser Politoffizier, zu dem ich ein richtiges Vertrauensverhältnis hatte, war Heiner Lau gegenüber immer skeptisch eingestellt (ohne eine Begründung zu nennen). Ich verstand das nicht, übernahm aber tendenziell (in abgeschwächter Form) diese Haltung.

 

Nach der Armeezeit traf ich Heiner Lau, der ebenfalls in Berlin studierte und später dort als Dolmetscher oder Übersetzer arbeitete, gelegentlich in Berlin. Er war immer sehr erfreut, mich zu sehen. Beruflich kam er nur unter Schwierigkeiten voran. Seine Hoffnungen auf Auslandseinsätze erfüllten sich nicht. Gab es da eine republikflüchtige (wie es damals hieß) Schwester? Gab es da einen kirchlichen Hintergrund der Eltern?

 

 

Ich verspürte von seiner Seite mir gegenüber Offenheit, ich dagegen hielt immer eine gewisse Distanz. Weil mir seine Zuwendung zu heftig war? Weil ich vom „Politmißtrauen infiziert“ war?

 

Seit unserer Zufallsbegegnung während meiner letzten Krankenhaustage 1982 habe ich ihn nicht mehr gesehen. #

Als ich es bei Schwester Cordula verspürte, hab’ ich ein paar gute Worte gesagt. Es freut mich, daß L. (die all dies genauso empfindet) für Schwester Cordula eine Grafik zu überbringen hat.

Zum „Tag der Mitarbeiter des Gesundheitswesens“ werde ich „meine Klinik“ bedenken, das ist am 11.12.

Nun zu hause werden auch wieder Bilder usw. in dies Buch einkehren.

Fühle mich in einem Schwebezustand nicht belastender, fast schon wohltuender Einsamkeit.

Von Evi (und ihrer Generation) möcht’ ich wissen, wofür sie sich leidenschaftlich einsetzen.

Kollwitz, zum Kriege 1914-18, interessiert sie nicht.

W. Borchert, „Draußen vor der Tür“, interessiert sie nicht.

Sie wirkt eigenartig abgeklärt (sich nicht übernehmen). Für den Frieden kann man nichts tun. Ihre Freude an handwerklicher, dekorativer Arbeit.

06. Oktober 1982 – „Benny, komm heimgehen!“

Mittwoch, Juni 25th, 2008


6 Zimmerkumpel,

Behandlungen: Gymnastik, Lakenbad, Wickel,

überraschend die Entlassung

[…]

Gestern Abend beim Spazierengehen: Tiefe Dämmerung, fast Dunkelheit, zwei Kinder (4-5 Jahre) spielen in einem tiefen Wiesengraben, fast Hohlweg. Vier Erwachsene kommen schräg über die Wiese. Sie rufen:“Benny, komm heimgehen! Es ist schon dunkel.“ Benny will nicht. Ein Erwachsener ruft sehr laut und energisch:“Benny, heimkommen!“ Zu seiner Frau sagt er: „Hier halt mal den Drachen, gib mir mal den Stock.“ (Er hat keinen Stock. Es ist humorvoll gemeint. Aber die Ungeduld klingt dahinter hervor.) Benny kommt angerannt. Die Frau sagt:“Da ist ja noch einer.“ Er:“Der geht uns nichts an. Wir sollen nur auf Benny aufpassen.“ Und sie gehen mit Benny heim und lassen das andere Kind in der Dunkelheit stehen.

05. Oktober 1982 – Traum

Mittwoch, Juni 25th, 2008


6 Zimmerkumpel,

großer Einstand von Alex Schwarz, 107 kg, Dolmetscher bei Intertext

Dr. Krause verbietet Privatfernsehen

[…]

Hören: (Kopfhörer): Kassette, „Neue Deutsche Welle“

Behandlungen: Gymnastik, Lakenbad, Wickel, Periost, EKG, Perl

[…]

Ich hoffe auf baldige Entlassung, doch Dr. Steglich schockiert mich mit der Eröffnung, daß bis Ende Oktober noch zu rechnen sei. Ich sei zwar über den Berg aber die Muskelkräftigung, um einen Rückfall zu vermeiden, müsse sehr sorgfältig erfolgen. (Hoffentlich reichen zwei Wochen aus, wie Dr. Piotr. andeutete.)

 

Wirre Traumgeschichten. Ich bin bei einer Geburtstagsfeier von E. Honecker, zu der Massen von Menschen eingeladen sind und massenhaft verköstigt werden (in Massenqualität). Honecker ist jugendlich und zugleich steif in den Äußerungen. Ich bin in seiner unmittelbaren Nähe.

Auslöser? Vorgestern las ich eine Nummer der „fotografie“, in der G. Murza über seine Arbeit als Honeckerfotograf berichtete; auch Gespräche im Zimmer darüber, daß solche oberen Funktionäre persönlich sehr menschlich seien.

 

 

03. Oktober 1982 – Traum

Mittwoch, Juni 25th, 2008


5 Zimmerkumpel,

[…]

Hören: (Kopfhörer): Klaviersonate op posthum von Schubert

Behandlungen: Sonntagsruhe, Gymnastik, Duschen,

Traum: Familienspaziergang (Meine Frau ist klein, ähnelt aber L.) Die Straßen sind spiegelglatt vereist. Mit bloßen Schuhen kann man wie mit Schlittschuhen laufen. Ich sause los, die Kinder auch. Ich komme zurück, schnappe mir Christof, er ist so groß, wie jetzt F., und wir laufen zusammen. Er klammert sich begeistert an mich. Dazu erklingt Musik:“Vöglein, sie singen so schön…“ und noch etwas im ¾-Takt, nach dem wir weit schwingend laufen.

[…]

Die langen Ausflüge gestern und heute überstehe ich gut, so daß die Entlassung auf die Tagesordnung kommt. Stationäre Behandlung ist nicht mehr notwendig.

[…]

Kinder und Alte haben viel Möglichkeit, wenig Wirklichkeit, aber aus entgegengesetzten Gründen.

02. Oktober 1982 – „Kleines Testament“

Donnerstag, Mai 22nd, 2008

[…] 5 Zimmerkumpel,

[…] Hören: (Kopfhörer): Haydn, Oratorium

Behandlungen: 3/4 Bad, Wickel, Gymnastik,

[…] Mit Schwester Evi im Alten Museum, Orgelvesper in der Marienkirche, Grillrestaurant im Palasthotel. Ein schöner Nachmittag, nicht enttäuschend aber anstrengend. Wir sind beide geschafft. Natürlich ist sie 2 Stufen „einfacher“ als ich, doch ein „kompletter Mensch“. Sie ist keine Intellektuelle („von Natur aus“).

Gefährliche Gedankenspiele: Wenn es Intellektuelle und Nichtintellektuelle sui generis gibt, so käme es darauf an, die Nichtintellektuellen in solche Verhältnisse zu versetzen, daß sie zu Fortschritt und Wohlfahrt der Menschen maximal beitragen, während Intellektuelle sich über die gegebenen Verhältnisse erheben können (oder darunter bleiben).

# Mein Abschieds- und Dankgedicht an die Mitarbeiter des Krankenhauses #

Allen, die ihre Kunst an mich gewendt

vermache ich mein kleines Testament:

 

Ich bitte sehr, mir zu verzeihn,

besonders bitte ich den alten Franz.

Mit Mühe find’ ich hin und wieder einen Reim,

jedoch die Melodie gehört ihm ganz.

 

Verzeih er mir, Herr Chefarzt Dr. Steg

(„lich“ passte in die Zeile nicht mehr rein).

Gekrümmt, gebeugt, so eilt er seinen Weg.

Wer weist ihn mal in eine Klinik ein?

 

Mit Dr. Krause bin ich quitt.

Anfangs er schweigend nur Visite schritt.

Mich tröstete manch mitternächtlich Plausch,

doch den durchkreuzt’ er – schweigend – auch.

Nun köpf’ er Sekt, die Flaschen gleich zu drein.

Die Rache mag er mir verzeihn.

 

Reich an Erfahrungen im Schwesternstand

hält Christa fest die Zügel in der Hand,

packt selber jugendfrisch mit zu,

sorgt da für Tempo, dort für Ruh!

Für Ilse, Karin, Monika,

Petra, Martina, Barbara,

für jede ein Poem (und sei’s auch klein)

blieb ungereimt. - Das ist nicht zu verzeihn.

 

 

Frau Piotrowski möcht verzeihn,

die jeden Krankentag wie eignen Kummer spürt.

Man richtet gern sich auf neun Wochen ein,

wird man so kenntnisreich mit soviel Ernst geführt.

(Doch nur für mich gesagt und im Vertraun:

Mit ihrer Folgefrau tät ich ‘ne 10. Woche baun.)

 

Mit kluger Hand, handfestem Geist

Frau Rudolph manchen noch vom Messer reißt,

und fällt ‘ne Therapie ihr vor den Ärzten ein,

wenn ihr mich fragt, ich täts verzeihn.

 

Frau Beyer mit dem Lakenbad

vollbracht’ an mir manch gute Tat.

Sie riss mich in den starken Arm,

da wurd’ mir schwarz (kurz vorher warm)

und sich drückt sie ‘ne Rippe ein.

War’s Leidenschaft? - Wir wolln verzeihn.

 

Doch nun sei alle Witzelei vergessen.

Gesund und schmackhaft war das Essen.

Nur einmal quält ich mir’s mit Mühe rein.

Daß ich den Kürbis beigeschafft, sollt ihr verzeihn.

 

Besingen würd’ ich gern ihr weiches Haar,

jedoch sie quasselt, redet immerdar.

Ich sags wie’s ist, wenn auch nicht fein.

Ach“, Schwester Heidi, „Können Sie verzeihn?“

 

Gleich alle Kranken lächeln mit,

wenn freundlich auftaucht Schwester Grit.

Sie wird ‘ne Kleinigkeit verzeihn.

Welche genau? Das bleibt geheim.

 

Lieb’ Schwester Anmut hat nichts zu verzeihn.

Ihr bin ich einfach gut.

Dem brech’ ich alle Knochen kurz und klein,

der ihr was tut.

Doch dieses Prahlen lauthals in die Luft hinein,

wird sie’s verzeihn?

 

Annettchen in der Küche schafft,

arbeitet und schimpft mit gleicher Kraft.

Ich überhörte manchmal ihren Reim.

Das bitte ich sie zu verzeihn.

 

Daß Schwestern, Ärzte, Physios, Küche, Bad

ich hab’ gepresst in einen Raum hinein,

das ist vielleicht die allerschlimmste Tat.

Auch diese solltet ihr verzeihn.

 

Wer unerwähnt blieb, bitte, muss verzeihn!

Der Dichtergeist war allzu träg und dumpf.

Wen freut ein schlecht gefügter Reim?

Doch alle hebt das Glas auf Eure Zunft!