Archive for the ‘Humor’ Category

27. Juni 1982 - Schmerzen

Samstag, Januar 19th, 2008


[…]
Das ist die schlimmste Nacht. Es ist 4:30 Uhr. Ich habe vielleicht zweimal 40 Minuten geschlafen, trotz zwei Zäpfchen. Das Bein brennt lokal wie Feuer.

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[…]
Die verfluchten Schmerzen sind in neuer Schärfe zurückgekehrt. Gestern Nacht nahm ich ein Zäpfchen. Heute nehme ich nochmal 3x 2 Voltaren, sozusagen, um ihnen die Spitze zu nehmen. Etwas anders liegen die Schmerzen übrigens, so, dass jetzt das Sitzen kaum möglich ist. (Das Sitzbad in der Dusche war kaum durchzuhalten.)
0:30 Uhr: die Schmerzen sind widerwärtig. Sie sind ja nicht so, dass ich brüllen müsste aber ständig zermürbend anwesend. Ich will schlafen und bin putzmunter und kann nicht stehen, gehen, sitzen, liegen.

26. Juni 1982 - Planwirtschaft

Samstag, Januar 19th, 2008

[…]

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[…]

11. Juni 1982 – Dummheit des Sports

Donnerstag, Januar 3rd, 2008


3.30 Uhr, Rotlicht

4.00 Uhr, schlaflos

7.20 Uhr Reizstrom (Die blonde Physiotherapeutin), dann Sauna, dann Ärztin Dr. Rose. […] Der schlechte Schlaf dieser Nacht hat mich völlig schwunglos gemacht, quäle mich (in größter Mißstimmung) durch die Sauna. […] Ekelhaft, mein ganzer psychischer Zustand schreit danach, schnell verändert zu werden, und zugleich muß ich auf die geringste Aktivität verzichten. Mein Unterschenkel brennt wie Feuer. […]

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Kürzlich Bilder vom Olympischen Tag gesehen, auch welche von der Olympia-Stafette aus Griechenland: Dummheit des Sports! Diese ausmodellierten großen Körper - wie Prachtwürste, die Geballtheit! Schlagfähigkeit! Dabei die Gesichter nicht unintelligent. Und dann diese immergleichen Bewegungen, immergleichen Spannungsmomente, seit Jahrzehnten gleichen Bilder: Die anlaufende Hochspringerin, der Hürden-Start, der Kugelstoßer, Einritt der “Giganten der Landstraße” auf die Aschenbahn und so weiter und so weiter. Gewiß gab es einige Sportler, die ihren Verrichtungen den Stempel ihrer Persönlichkeit aufdrückten: unerreicht: Täve Schur; heute aber wirken viele der Spitzen der Spitzen wie notwendige (und darum menschlich eher zufällige) Produkte ausgeklügelter Trainingssysteme. Es ist ungeheuer langweilig (auch weil die Leistungen das normale (eigene) menschliche Maß weit übersteigen). Massengenuss von Sport - das ist ein Gradmesser der Kulturlosigkeit der Masse.

Übrigens ist Jutta Langenau mit 48 Jahren gestorben.

# Jutta Langenau war nach meiner Erinnerung die erste Europameisterin der DDR im Schwimmen. Sie starb am 9.7.1982. Obigen Ergänzugssatz habe ich offensichtlich später ins Tagebuch eingefügt. #

14.20 Uhr: Eben, am hellichten Tag, kann ich vom Fenster aus eine Schlägerei „bewundern“. Ein feister, schon ziemlich glatzköpfiger Kerl von vielleicht 30 Jahren. Sein „Mazda“ steht am Straßenrand. Ein Zweiter bleibt darin sitzen. Der Andere ist ein Bengel von kaum 20 Jahren mit wildem Haarschopf. Er hat ein Fahrrad bei sich, das seine Kumpels halten (3, 4, auch Mädchen dabei, sehen eigentlich wie Schüler aus.) Sie boxen, treten, ringen (vor allem der Ältere) mit großer Aggressivität. Der Junge wird bleich wie die Wand, der Ältere wird rötlich. Es geht irgendwie Patt aus. Sie haben sich ineinander verkrallt und können nicht mehr weiter. Schließlich setzt sich der Froschköpfige in sein schickes Auto und fährt davon. !

(Vermutlich hatten die Jungen den Autofahrer irgendwie behindert.)

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[…] 23.00 Uhr, ein wunderbarer Landregen fällt. Der Kleingärtner bedauert, daß die Obstbäume noch nicht gedüngt sind. Bestimmt werd’ ich morgen, wenn ich einmal im Garten bin (Garten und Regen!) auch noch anfangen, die Bäume zu spritzen und zu düngen.

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# Damit ist Band 3 des Tagebuchs zu Ende. #

06. Juni 1982 - Krankheitslamento und Rias in der Nacht und Womacka

Dienstag, Dezember 11th, 2007



1.30 Uhr, vor Schmerzen wach

2 Uhr Rheuma-Bad

5.30 Uhr, rumhängen, Rheuma-Bad

7.30 Uhr, Rheuma-Bad (Ich mache es der Schmerzen wegen, aber irgendwie macht es mich auch fertig.) großes Brandloch in meiner Bettdecke.

8.00 Uhr, aufstehen, im Moment des Eintauchens im Bad fühl ich mich wirklich befreit, doch jetzt diese Apathie.

10.00 Uhr, […], Bettzeug gewechselt (ganz schöner schaden. Da konnte auch mehr passieren.) Wäsche. Auf alles und jedes hab ich eine Wut im Bauch.

12.00 Uhr, in den Garten, rumhängen,

16.30 Uhr zurück, […]

19.30 Uhr, Rotlicht, Einreiben, […]

0.00 Uhr, Rheuma-Bad, Rotlicht, Massage

Ich esse einen Brotkanten, trinke einen Wasserkakao, knipse das Radio an:

Eine Werbung für das „Haus der Jungen Talente“ (Schöbel, Jazz). Danach Auszug aus einem Roman von Dieter „Oie“ (?) „Das Leben des Konstantin Ketzer“. (Wie er zum Spittelmarkt will, nach dem Gerücht, die „rolling stones“ würden auf dem Springer-Hochhaus spielen. Suchen, Finden, Verlieren - DDR konkret. Denn es ist Rias. - 2.00 Uhr. Der Klassenkampf geht weiter!

Die Grenze irgendwie (nicht unbedingt Grenzdurchbruch) überwinden - ein entscheidendes Stigma der DDR-Jugend.

Jetzt, 2 Uhr kommt die Rias-Hörer-Tip-Parade! Hier kommen Antworten und Ablenkungen, kurz Dienste für die, die aus welchen Gründen auch immer, schlaflos sind. All das nie bemerkt, höchstens mal geahnt, als ich bei der 1-Tags-Bekanntschaft in der Buchholzer Straße schlief (am Morgen gutes männliches Gefühl, hernach Fahrt nach Chorin, Zusammentreffen mit Semmelmann. Das ist alles sehr lange her.) Die Schlagerparade langweilt mich etwas, obwohl die Schlager ausgewählt sind („Dschingis Chan“, „Wir sitzen alle in einem Boot“) Aber das Programm ist für Leute gemacht, die wach, ruhelos sind (nicht für Leute, die den Tag arbeiten und nachts schlafen). Auch hier: „o Wirklichkeit, du Donnerwort.“

Die Straße ist momentan leer. 27°. Ich versuche es nochmal mit Schlafen.

Ich möchte irgend etwas mit meinem Körper machen, das ihn abstellt, funktionieren läßt. Aber das gibt es nicht. Ich stehe wieder auf zum Baden. Wenn ich taumelig gegen irgend etwas renne, ist stets eine auffahrende Wut in mir.

Eine ungewöhnliche Nacht, meinetwegen eine schlimme Nacht für mich, aber wichtiger: Wann denke ich schon mal an die Ruhelosen?

Wortwechsel mit Arne Zimmermann über Womacka, dessen (Arnes) Borniertheit mich reizt. Womacka kennt nicht den, der mal eine Nacht schlaflos lag, der „sein Brot mit Tränen aß“, für den 1000 Schritte zu gehen ein unlösbares Problem ist. Das sind nicht Wenige. Womacka ist für die Satten, Zufriedenen, deren größtes Problem darin besteht, ihre 5 oder 10 kg Übergewicht abzunehmen.

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Ich bin im ekelhaftesten Zustand, dem einer „Jammerapathie“. Die Nacht war scheußlich. Die Schmerzen sind kräftig. Ins Bett hab ich mit Rotlicht ein großes Loch gebrannt. Werde jetzt essen, Musik hören, um wieder ins Geschirr zurück zu kommen.

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Klebe jetzt hier was hin, weil das auch mal wieder sein muß. Meine Sinne sind völlig unbeteiligt.

[…]

Alles in allem tut das Ruhen gut. […] Gewiß geht es heute besser als Freitag. Der Schmerz ist nur noch im Unterschenkel, Taubheit geht zurück. Aber Intensität des Schmerzes ist nicht verringert.

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Irgendwer sagte:“Sprache, die für uns dichtet und denkt.“ Das ist weiterzutreiben. In den letzten Tagen empfand ich: „Fahrrad, des für mich fährt und lenkt.“Überhaupt, die Dinge, auch wenn sie vom Menschen nicht besonders geschickt gebraucht werden, neigen dazu, sich ihrer Funktion entsprechend zu verhalten. […] Lese gerade von Ziergerüsten und Pergolen. Warum nicht den so notwendigen radikalen Rückschnitt der Pflaumen an unserem Sitzplatz vornehmen und die entstehende Kahlheit durch ein pergolenartiges Gerüst, also eine entsprechende Bepflanzung zwischen Pflaume und Hauswand überbrücken.[…]

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Kein Bildchen, was mich aufregt. Aber den Gedanken des Verhüllens und Enthüllens aufgreifen, nur viel radikaler, schärfer.

 

 

05. Juni 1982 - Schmerzen

Sonntag, Dezember 9th, 2007


 

5.30 Uhr aufgewacht. Meine Rechnung von gestern ist z. T. aufgegangen. Aber noch sind Arsch- und Wadenschmerzen und auch Zäpfchenwirkung groß. Jetzt Zähne putzen, Rotlicht, Bad ist vorbereitet, weiter abruhen.

10.00 Uhr, ich steh auf. Zwischendurch war Bad und Schlaf. Die Zäpfchenwirkung (Trunkenheit) ist doch stark. Ab sofort nur noch 1 Zäpfchen, 1 Tablette. Fühlbare Besserung, von Schmerzfreiheit kann aber noch keine Rede sein.

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30° im Schatten, heute in den Garten. […]

20.20 Uhr; die Ischiasschmerzen lassen alles in allem erheblich nach. Aber große Schwäche, Tapsigkeit, weiter Schmerzen. Nach Bad, Wäsche, werde ich weiter Briefe schreiben. […]

Im Garten habe ich u.a. Tomaten betuttelt. Es war schön, obwohl mit mir nichts los. Die Kirsche „Morellenfeuer“ hat einen schönen, starken Ast verlosen. L. weiß nicht, welcher Idiot das war.

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# Aus einem Brief an Freundin M. #

[…] Bei geöffnetem Fenster sitze ich hier. Es ist abends 1/2 10, und das Thermometer zeigt 32°. Neben mir gut gekühlter Tomatensaft (jetzt auch ein Schwapps auf diesem Brief) und aus dem Radio Bach. So bin ich guter Hoffnung. Ja, guter Hoffnung, denn seit Wochen habe ich mit lästigen Kreuzschmerzen zu tun und seit etwa 10 Tagen mit einem ordentlich entzündeten Ischiasnerv. Heute ist der erste Tag, an dem die Schmerzen zurückgegangen sind. […]

Die letzten Tage habe ich mich immer mit doppelter Portion „voltaren“ und vierfacher Zäpfchendosis „oramon“ beholfen und nachts doch nur zweistundenweise geschlafen. Das ging wirklich nicht mehr lange so weiter. Krank machen konnte ich nicht, weil ich gerade den Chef vertrete, der sich ein Bein gebrochen hat, ja ich mußte sogar paar Tage auf Dienstreise nach Magdeburg. Hab’ ich geplagtes Wesen Dir nun genug vorgejammert? […]

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1.00 Uhr, schon der 6.6. Wieder bin ich vor Schmerzen hellwach. Pustekuchen! Wie ein Besoffener, mit Augenschlitzen torkle ich durch die Wohnung, stelle die Dusche an, bereite ein Bad vor. Entweder bringt mir ein Bad die entscheidende Linderung. Oder ich werde so munter, schreibe, daß die Schmerzen vom Verstand ins Korsett genommen werden. (Dieser Zustand ist jetzt fast erreicht.) Oder ich esse - mit demselben Ergebnis.

Komisch: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.“ - Daß das auch biologisch stimmt! Ich werde willenlos herumgewirbelt, bewege mich ruckartig und heftig und viel, also gerade unvernünftig. Irgendetwas Physisches, in meinem Zustand also Schmerzhaftes, regiert mich.

Ich war mir immer nicht im Klaren, ob die Schmerzen nachts so viel größer sind. Aber nein, jetzt, wo sie wieder unter Kontrolle gekommen sind, merk ich, daß es in der Intensität kaum einen Unterschied zum Tag gibt. Die Nacht, der Schlaf, ist das Leben des unmittelbar Physischen. Da, wo die Physis leidet, bist Du dem nachts völlig ausgeliefert. Natürlich kannst Du Dich völlig munter machen, es so beherrschen, wie ich jetzt, aber was ist da gewonnen? Du brauchst ja die Regeneration der Physis in ihrer Uneingeschränktheit, verschiebst es also nur. Gegenüber spielt jetzt übrigens ein Radio.

Ich möchte ruhig schlafen!

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01. Juni 1982 - eine Grafik

Montag, Dezember 3rd, 2007



saumäßig geschlafen, mit vielen Schmerzen und Aufwachen […] abends Bestrahlung […]

L. beschäftigt das Thema eines Raubvogels, der sich in einen Leichnam krallt; überhaupt Bedrohung auch in anderer Form (spielendes Kind, ahnungslos, wird von einer wolfsartigen Bestie belauert), Schmerz, Bedrohung, Niederlage, Ausgeliefertsein.

# Später hat sie mir das o.g. Bild, eine große Schwarz-/Weiß-Lithografie, geschenkt. Eine Abbildung davon wird hier noch eingefügt. #

Mich beschäftigt auch mein Schmerz, wahrscheinlich ist Ischias sein Name. Ich möchte nur ruhen und mich wärmen.

Mit Kurt viel erzählt: Ehrenburg-Memoiren, Besuchsplanungen, meine Arbeitsziele (Kaderdirektor), ihre Walzstahleinsparungen in seinem Betrieb und daß davon die Bezirksleitung und Kreisleitung der Partei nichts weiß!

# Mein Freund Kurt war damals Planungsleiter in einem großen Maschinenbaubetrieb. Die Memoiren von Ilja Ehrenburg “Menschen - Jahre - Leben” (die in der DDR mit großer Verzögerung erschienen) spielten eine enorme Rolle dabei, schrittweise einen realistischeren Blick auf die Sowjetunion zu gewinnen. #

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29. Mai 1982 - erotische Fotografie

Sonntag, Dezember 2nd, 2007

[…] acht Stunden im Garten,

abends Lektüre Lenin-Briefe und -Biografie (> Ines Armand) […]

 

Heute hab’ ich die letzten 4 Tabletten Phenylbutazon weggeschmissen, nachdem ich deutlich den Eindruck habe, daß sie, ohne viel zu helfen, eklige Schmerzen verursachen. Vor allem nach dem Mähen merke ich das Bein sehr. Im übrigen ein sehr tätiger Tag, der mich jetzt kaputt sieht.

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Aktfotos älterer Menschen, Akte von Männern, von Paaren. Rühren die Schwierigkeiten nicht daher, daß unsere Aktphotografie nach wie vor viel zu unerotisch ist? Ein bestimmtes Körperideal find’ ich nun mal nur bei der jungen Frau. „Ideale Akte“ also nur mit ihr. Erotik dagegen finde ich bei allen, auch bei den Alten, bei den „Häßlichen“. Und menschliche Erotik, denke ich, sollte etwas Schönes haben. Dies also sollte fotografiert werden. Also paradox: Gerade der erotische Akt führt mich zur Aktfotografie für alle Menschen.

Die Frage wäre es nun, die spezifische Schönheit der Erotik anderer Menschen zu entdecken, z. B. von Margot, z. B. von Hegrü. Der Pfad, um diese Problematik zu meistern, wird, glaub ich, immer schmaler, je älter die Leute. Aber es gibt ihn! Wahrscheinlich darf das Körperliche, so wie es in ihrer Erotik wohl kaum dominiert (ohne daß es fehlt) auch im Aktfoto nicht dominieren (jedoch auch nicht fehlen).

Die konsequente Orientierung auf den erotischen Akt, öffnet aber auch der üblichen Aktfotografie (schöner Frauen) neue Räume. Das heißt auch, einen menschlichen Sinn freimütig ausbilden!

Ich hab’ jedenfalls nicht die Absicht, Achsel- oder Schamhaar kürzen zu lassen.

 

Übrigens sind fast 50,-M/Std ein Professorenhonorar, dafür dürfte es wirklich nichts (Fotografisches) geben, was sie nicht bereit ist zu bieten.

 

28. Mai 1982 - systematische Tätigkeitserfassung

Sonntag, Dezember 2nd, 2007



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[…]

Hepa hab’ ich gestern zum Theater am 2.6. eingeladen (J. Hart im BE). Sie hat sich gefreut. Eine Frau, die ich wohl sehr sinnlich, doch auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit begehre. Bloß ihre ewige Melancholie, Depressivität geht mir auf den Geist. Wahrscheinlich kennt sie sich, ist „ein gebranntes Kind“ und hat daher Hemmungen vor völliger Hingabe und Lust. (Auch sie will „was für’s Leben“.)

Ständiges Thema ist ihre Arbeitsstelle, und nun erwähnt sie auch politische Verwicklungen von Freunden, […] irgendein Zusammenhang mit Biermann. Wie sie sagte, war sie noch nie im Theater in Berlin (weil sie allein nicht geht). Erwähnte einen langen Abend mit jemand von der bulgarischen Botschaft (anscheinend eine „Sie“). Sie hat immer das Bedürfnis zu sprechen. […]

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Brief an Bettina Sahm, unglaublich, wie sehr einem dabei das sinnlose Gefühl anhängt, etwas Widriges zu tun.

 

Aus meinem Literaturstudium der letzten Tage entwickle ich ein Klassifikationsschema meiner Tätigkeiten, nach dem ich die Zeitverteilung seit Beginn dieser Aufzeichnungen analysiere (sowie Schlußfolgerungen für künftige Protokolle ziehe).

 

# Ich beginne hier mit einem Versuch, dem ich jahrelang viel Aufmerksamkeit geschenkt, dann aber unterbrochen, wenn nicht abgebrochen habe.

Dieser Versuch ist Ausdruck des persönlichkeitstheoretischen Interesses, das von vornherein mit meinem intensiven Tagebuchschreiben verbunden war. Während im Tagebuch fortlaufend Gedanken, Erfahrungen und Erlebnisse, also vor allem psychische Wiederspiegelungen meines realen Lebens, festgehalten wurden, ging es mir mit der Tätigkeitserfassung darum, mein empirisches Verhalten in relativ kurzen Zeitabschnitten (anfangs 10 Minuten-, später 30 Minuten-Einheiten), klassifiziert in fünf Hauptkategorien, die in mehr als 50 Unterkategorien aufgeschlüsselt waren (wie in den folgenden Bildern zu sehen ist) lückenlos zu dokumentieren.

Es war meine Absicht, über Jahre ein sehr umfangreiches empirisches Material der Selbstbeobachtung zu gewinnen, um daraus in späterer Zeit (Rentenalter) eine Einzelfallstudie zu entwickeln. In diesem Sinne (mit Weiterentwicklungen dieses Ansatzes, die ich zu gegebener Zeit darstellen werde) habe ich jahrelang gesammelt.

Immer lag dem ganzen Unterfangen die Doppelmotivation zu Grunde: Einerseits Selbsterkenntnis, andererseits Erkenntnis des „wirklichen Verhaltens und Denkens“ eines Individuums im Sozialismus (mit Zugriff auf eine große Datenbasis, die mir unabhängig von offiziellen Genehmigungen zur Verfügung gestanden hätte). In Letzterem liegt ein subversives Moment, obwohl ich mir keineswegs eine Widerständlerpose zuschreibe.

Nach 1990 ist mein Interesse an einer derartigen Einzelfallstudie erheblich zurückgegangen. Die Datenmassen liegen „unaufbereitet bereit“. Das öffentliche Reproduzieren großer Teile des Tagebuchs hat für mich absolute Priorität gewonnen. #

 

Das Klaassifikationsschema sieht wie folgt aus:

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[…] Die erste Auswertung (17.2.-21.2.1982) habe ich gemacht. Das kann interessant werden. Jedoch: Lehren:

1. Die Auswertung unbedingt wöchentlich vornehmen

2. Die Kontakte in die Auswertung einbeziehen

3. Die Inhalte irgendwie mit erfassen, verallgemeinert bezeichnen.

[…]

Seit ich 24.5. beim Arzt war, werden die Schmerzen eher stärker. Die Schwester sprach zwar davon, daß Phenylbutazon „höllisch“ zu spüren sei. Das konnte ich im Augenblick der Spritze nicht bestätigen. Aber seitdem zeitweilig durchaus. Oft wird das ganze linke Bein, von der Arschbacke bis zu den Zehen taub. Na, bald sind die Tabletten alle. Oder hängt diese Wirkung damit zusammen, daß ich meist vor den Tabletten 1,2 Bier getrunken hatte? Oder weil ich in der eigentümlich angespannten Stellung des Mähens gewesen war? Sei’s drum, eine Verbesserung verspür’ ich z. Z. noch nicht, und der Reizstrom beginnt erst später.

 

A., die in ihren Kurschatten kräftig verliebt ist, hat ganz „beseelte Augen“, als sie mit ihm telefoniert.

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Einer der schönsten und wichtigsten Akte des Magazins. Das will in der (bewältigten) Kühnheit erstmal erreicht sein.

 

27. Mai 1982 - Akt fotografieren

Donnerstag, November 29th, 2007

[…]

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# Eine der beliebten ironisch-erotischen Pinselzeichnungen von Kurt Klamann. #

Heute, 14 Uhr könnte ich mich mit Blanka Stazke treffen. Ich werd’ es sein lassen. Als ich sie Dienstagabend traf, war sie angetrunken und besonders kontaktfreudig. Sie ist Witwe, später noch geschieden, keine Kinder, hat in Buch eine 1-R-Wohnung, Neubau. Die Wohnung ist ihr stolz, mit einem lebensgroßen Bild von Elvis. „Früher war ich vermögend.“ Ein slawischer Typ, Brüste, Hintern sind akzeptabel aber der Bauch ist unförmig. Mund ist schön, erinnert etwas an Hegrü. Im Bett sicher hingebungsvoll und geschickt. Taxierte mich auch gleich („bei so vielen Kindern haben Sie sicher wenig Geld“). Sie sei Hausfrau, nicht berufstätig. Was macht sie? (Diese Frage ist eigentlich die aufreizendste.) Sie ließ sich küssen, bremste dann aber kräftig. Ein Schmusweibchen, das mit Zärtlichkeit gerne genommen werden möchte.

[…]

Wenn ich mal Akt photografiere, hat das zum geringeren Teil den Sinn, Schönes an der Frau zu entdecken. Es soll mir noch mehr helfen, zu begreifen, welche Art Erotik bzw. Sex ich brauche.

Weitere Überlegungen zu möglichen Aktmotiven:

Gewagtes versuchen, z. B. mehr oder weniger gespreizte Schenkel ins Bild bringen, das Geschlechtsteil soll sichtbar (jedoch nicht aufdringlich) sein. Ein Maßstab ist dabei der Akt von Seite 37.

Auch die nebenstehende (eigentlich liegende) Pose ist ungemein reizvoll.

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Wie wäre sie abzuwandeln?

 

 

 

Auch in dieser Richtung scheint Vieles möglich.

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Durch Kleidung enthüllen. (Gewiß liegt die Gefahr der Spekulation nahe, Beispiel: kurze Pelzjacke, Stiefel, entblößter Schoß.) Doch was ist noch vertretbar? Der Ruf straffer Brustspitzen durch die Kleidung! Die „satte“ Wölbung des Schamhügels, das Schamhaar unter Grobgestricktem kaum verborgen?

Ein weites Feld des Gewagten wären Akte mit reifen oder gar überreifen Fotomodellen. (Wie sie kriegen?) Wahrscheinlich muß hier ein deutliches Bekenntnis zu Erfahrung und Sinnenlust ausgedrückt werden. Und der Ausschnitt wird besonders wichtig (um partielle Verbildungen wegzunehmen).

Sehr steigerungsfähig scheinen mir Motive nach Art des Aktes von Seite 9. Eine mehr oder weniger scheue, betroffene, schamhafte Frau, die nackt ist aber ihren Schoß verhüllen wollte. […]

 

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Vielleicht stand dieses Foto Pate bei meiner Vorstellung vom Spiel mit dem Hemd. […]

 

Die Einladungen zum „Psychologen-Treffen“ am 25.6. sind heute raus.

 

 

# Aus der Einladung zum Treffen der Teilnehmer des Verhaltenstrainerlehrgangs in Herlasgrün ..## #

 

„In Erwägung , daß die Zeiten eilen,

kann die Reflexion nicht herlasgrün verweilen.

In Erwägung, daß es eine Hauptstadt gibt,

rufen wir zum Pankow-Treff all jene, die’s beliebt.

In Erwägung des Problemes Sommerzeit

sind wir freitags (25.6.82) ab 18.00 Uhr bereit.

In Erwägung unveregeßner Zwiebel-Phantasien

ist’s ein Gartenfest, nicht ohne Knoblauchgrün.

Unbezweifelt wohlerwogne Gastlichkeit

stellt für Auswärtige Quartier bereit.

In Erwägung von sehr unerwünschten Vorbereitungsnöten

wird um eine schnelle Rückantwort gebeten….“

[…]

Fliegender Wechsel ins neue Buch.

 

# Damit endet der 2. Band meines Tagebuchs. #

 

 

25. Mai 1982 - Womacka-Ausstellung

Donnerstag, November 22nd, 2007



[…] Zum ersten Mal, so lang ich denken kann, sehe ich Spargel in manchen Schaufenstern, zum Kilopreis von 13,- bis 16,-M.

Erscheinung-Wesen-tieferes Wesen: Auf den ersten Blick erscheint Marita charmant, freundlich, von überströmender Herzlichkeit geradezu. Wesentlich ist ihr zwanghaftes, auf Sieg gerichtetes, Verhalten. Noch tiefer liegt ihre Einsamkeit, ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, nach dem Geben und Nehmen tiefer Liebe.

Diese drei Ebenen sind in einem ziemlichen Spannungsverhältnis. Es herrscht aber die zweite Ebene (zumindest im Verhalten gegenüber Männern).

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L. träumte von zwei Kindern, die aneinandergekettet waren, an einer Haltestelle lagen und schliefen.

Die Womacka-Ausstellung verschlägt mir Naivling wieder mal die Sprache. - Zum Kotzen! # Vergl. meine Bemerkung vom Vortag. # b820525-2.jpg

Doch ist das ja nur die eine Seite. Die andere fast noch schlimmere ist seine offizielle Wertschätzung (von wem ausgehend?). Was kann man dazu sagen, ohne nur zu Schimpfen und seinen Widerwillen auszudrücken? „Gußeiserne Sensibilität“? Hohn ausdrücken! Die Vorbilder, die überall durchkommen (Picasso, Leger (?), Sitte, Modigliani, wer noch?) erspart es, diese Originale zu sehen, „Sternstunde realistischer Malerei“, bunt, bunt, bunt ist die Welt (Er kennt auch drohendes Schwarz, aber weiß, wohin es gehört.). Manche Bilder werden gleich doppelt gehängt. (Erika Steinführer - der Beifall ist gewiß, der Thematik wegen.) Bewegt sich erfolgreich auf allen Kunstmärkten (Sammlung Ludwig Aachen). Berliner Stadtlandschaften; ein Mann in allen Sätteln gerecht; kleine, ausgesucht gerahmte Kostbarkeiten (unter Glas). Tripticha - links Müll, Mitte Kampf, rechts ideale Perspektive (doch bei E. Steinführer nicht - also der geniale Neuerer). Kinder in Blumen - wer kann danach noch ruhig schlafen? Ein Mann, der sich nicht festlegen läßt > Chile-Grafiken - Köpfe im Netzwerk der Strahlen, der Diktator aber in gekrümmten Linien. Sittlichkeit - am Strand, Akte mit Höschen; frühe Zeichnungen beweisen: Am Anfang war auch hier Talent.

# Meine Abneigung gegen Womacka war nicht nur in dessen schlichter/schlechter Malerei begründet. Sie resultierte auch daraus, daß er eine der offiziellen Ikonen der Kunstpolitik war UND, daß er ein beträchtliches Maß von Popularität erreicht hatte, die ich immer als Volkstümlichkeit für den sozialistischen Spießer empfand. Wie ich bei Wikipedia las, habe er nach 1990 vermehrt „sozialkritische und politisch motivierte“ Werke geschaffen. Seine schöne DDR-Malerei finde ich auch heute noch sterbenslangweilig. Seine Werke nach 1990 möchte ich mal sehen. #

Im BE „Turandot“, b820525-1.jpg

danach habe ich das Gefühl, daß Brecht hier große Möglichkeiten verschenkt hat. Der Grundgedanke - der Abend dieser Art Vernunft - ist sehr bedeutend; aber im Ganzen, wie im Detail, reißt die „Realisierung“ dich nicht vom Stuhl. Vielleicht zu spät oder zu früh geschrieben dies Stück? Und außerdem des eigenen Könnens zu sehr bewußt?

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