Archive for the ‘L.’ Category

19. Juli 1982 - Ein Hundewelpen und Feigheit

Donnerstag, Januar 31st, 2008

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Lesen: Burchard Brentjes:”Die Söhne Ismaels”
Ich reime: “horizontal”
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große Traumszenen, Traumflächen, Fahre mit Vati im alten DKW eine neugebaute Autobahn nach Eisenach, ein himmelsteiles Stück dabei, dass wir aber bewältigen.

Diskussion zur Kollektivarbeit.
Das alles lenkt mich von der Selbstbschäftigung ab, und ich fühle mich nachher viel besser als vorher. Bin ich nun wirklich so krank oder ist vieles davon eine ungute Selbstfixierung? (Die Taubheitsgefühle bleiben “zuverlässig”, die Schmerzgefühle sind sehr wandelbar.)

Habe G. nicht den Satz gesagt, dass ich mich entschuldige, seinen persönlichen Baustofftransporter für meine Behandlungstermine beansprucht zu haben. Habe gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Aus Feigheit? Passte es nicht zur Situation? Bin mir selbst nicht gut deswegen.

Peter Schwarzbach schickt ein Hundewelpen in unserer Wohnung. Ausgehend von Vroni läuft es über die Stationen Jakob - L. - Schwarzbach/Jakob - L. - Gerhard - Christine -L. - Balko - L. Keiner will es haben. Vroni hatte schonmal vor Jahren einige Küken ihrem Vergnügen geopfert.
Alle sind sehr für ländliche Romantik. Nur praktisch darfst nicht werden (L. nehme ich davon aus.)

18. Juli 1982 - Burchard Brentjes, Hans Mottek

Donnerstag, Januar 31st, 2008


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Lesen: Burchard Brentjes:”Völker am Jordan”
Hören: SFB III, Brechts Verhöre in den USA, Nordsee Verschmutzung
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Viel geträumt in der Nacht. Große ausgedehnte Szenarien, Fahren mit Rolf, erst Auto, dann Motorrad, in der Dunkelheit unter konspirativen Bedingungen, große Auseinandersetzungsszene zum Ende des Lehrgangs mit G. Habe keine Lust, mehr davon aufzuschreiben.
Fühle mich wieder schlechter, das Bein brennt. Die Taubheit erfasst alle 4 Zehen und den großen Onkel halb. Ob das von den Bädern und Einreibungen kommt? Das Warten und machtlose Registrieren nervt.

Das Buch von Brentjes entrollt ein großes Panorama. Ich erfahre von Kulturblüten, von denen ich nach wie vor viel zu wenig weiß. Das mal selbst erleben!

# Hier ist eine der seltenen Stellen, wo ich mal eingestehe, daß ich gern reisen würde. Die Felsenstadt Petra, von der Brentjes berichtet, hatte meine Phantasie  angeregt. Allerdings habe ich diese Reise bis heute nicht unternommen. #

Goethe, “West - östlicher Diwan”! Es ist ungemein befreiend, mal über unseren griechisch - römischen Kulturkreis hinaus etwas zu erfahren.
Jetzt hat es für mich einen Inhalt bekommen, wenn Motteks Schwester sagte, Begin sei ein Mystiker. Danach sieht tatsächlich die vorsätzliche Schreckenstat von Dar Yasin aus, die jetzige Blockade Westbeiruts hat etwas davon; ein imperialistischer Politiker, der zugleich in einem historischen Wahn handelt, darin Hitler ähnlich.

# Zu Prof. Dr. Hans Mottek siehe hier. L. hatte den Auftrag für ein Portät von Hans Mottek. Wir blieben darüber hinaus in freundschaftlichem Kontakt. Seine Schwester lebte in Israel. Wir lernten sie bei einem ihrer häufigen Besuche in der DDR kennen und tauschten natürlich intensiv unsere Meinungen aus. #

Borniertheit, Unwissen; Verachtung, nur weil etwas anders ist (die Bauarbeiter und der Barfuß-Mann am U-Bahnhof Thälmann Platz). Das materielle/politische Interesse und nicht die Einsicht!

16. Juli 1982 - “Liebe”

Dienstag, Januar 29th, 2008


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Lesen: Lunatscharski, “Lenin”
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Solche Nervenentzündung ist ein erstaunliches auf und ab. Hatte ich nachts nicht gut warm gelegen? War ich zu schnell zum HdM gelaufen? Das Hängen, der Rückweg waren eine Qual. Ja, selbst jetzt, nachmittags, reißt es enorm, wenn ich mal aufstehe (eigentlich brennt es).
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Wir gebrauchen die Begriffe der Wissenschaft sehr selbstverständlich in unserem Leben, überhaupt allgemeine Begriffe, Abstraktionen. Vielleicht sollten wir damit viel vorsichtiger sein, denn das Leben ist gar nicht abstrakt, und unversehens haben wir das ganz verzerrt bezeichnet und so missverstanden.
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Ein solcher Allgemeinbegriff ist z. B. “Liebe”. “Liebes”beziehungen waren für mich bisher beschränkt auf Christel und L. Und sprachlos war ich, um mein Verhältnis zu Annemarie, Margot, Helga, Karin zu bezeichnen (oder vielleicht auch das zu Marlies Glöß). Das Leben zwingt einfach dazu, nicht nur ein großes, umfassendes, “vollkommenes” Verhältnis als Liebe zu bezeichnen. Schon allein deshalb, weil sich diese Vollkommenheit doch als eine Frage recht kurzer Zeit erweist (2 bis 3 Jahre). Die Verhältnisse zu Margot oder Helga oder Annemarie hatten, haben von vornherein nicht diese Vollkommenheit. Sie erfassen nicht den ganzen Menschen. Aber dennoch: In bestimmter Hinsicht bin ich allen diesen Frauen “von Herzen gut”. Ich weiß, daß ich ihnen wehtue, sie vielleicht sogar quäle aber es tut mir leid (es quält mich selbst). Ich fühle mich kaum verantwortlich für solche Misere, nehme es wie Schicksal, dem wir alle unterworfen sind.
Es hat keinen Sinn, “Liebe” in schwindelnde Höhen zu heben und sich in der Zwischenzeit verschämt mit “Sex” zu begnügen. Liebe ist ein Feld, hat eine riesige Spannweite, viele Gesichter. Das Gemeinsame ist eine “völlige Intimität” im Menschlichen vermittelt durchs Geschlechtliche. Die “völlige Intimität”, die zwei Sonnen monate- oder jahrelang umeinander kreisen läßt oder als einmaliges, momentanes Streifen aneinander (und alles, was dazwischen liegt).

13. Juli 1982 - Zusammensein mit F.

Montag, Januar 28th, 2008


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Lesen: Musil, “der Mann ohne Eigenschaften”
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Die Versicherungstante gestern kam in Begleitung einer munteren, sehr jungen, dreisten Frau, ihrer Nachfolgerin? Fast noch knabenhafte Figur, sehr rote volle Lippen, dunkle lebhafte Augen, ein schönes Modell.

Viel geschlafen und viel geträumt in der Nacht. (Die ausgiebigen Träume bezogen sich auf das Zusammensein mit dem Lehrgang, ich war neuer Student in der Sowjetunion, Studentenheim, viele Leute) Woher so viel Schlaf? Erschöpfung vom Heimweg vom HdM und von der F. - Versorgung?

# HdM = “Haus der Ministerien”, in der dortigen Physiotherapie fanden meine Behandlungen statt. #

F. gestern Abend ist dreimal aufgestanden. War offensichtlich von der Gartentour stark beansprucht, müde und zapplig. Beim dritten Mal ließ ich ihn eine halbe Stunde neben mir liegen. Das war sehr schön! Wir pusten uns an. Er schmiegt sich an, kräuselt die Nase. Und immer wieder (auf das Aktfoto am Regal weisend):”Die Oma ist nackigt.” Sie hat Haare, Augen, Nase, Mund, “ist nackigt”. Drei-, viermal stellte er fest, dass die Oma nackigt sei (mit einem besonderen Ausdruck, Verschämtheit?).
Am Morgen hatte ich ihm gleich Stift und Papier geschenkt:”schrieben, Mama”. Mama entdeckt er auch auf dem Bild über meiner Tür, ich sage ihm, dass Sie bald wiederkommt. Sonst ist aber von ihr nie die Rede.

08. Juli 1982 - nach einer Trennung

Donnerstag, Januar 24th, 2008


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Fernsehen: endlos Fußball, WM Halbfinale Polen - Italien, BRD - Frankreich

Kann ich mich zu einer neuen Einstellung gegenüber L. erheben? […] Wenn wir miteinander fertig sind, wenn ihre Liebe seit langen und ganzen naturwüchsig erkaltet und gestorben ist, wenn nicht das inzwischen ebenso und auch in seiner Notwendigkeit empfinde (nicht nur rational einsehe), dann sollte ich doch ihre ferneren Handlungen nicht mehr auf mich beziehen und immer wieder neu verletzt sein. Dann sollte ich mich doch über das, was ihre positive Qualität ausmacht, freuen (und als Befreundeter oder Fremder aneignen) und zugleich froh über meine Freiheit von ihren negativen Zwängen sein.
So könnte ich ein sachlich - korrektes und zugleich ihr positiv zugewandtes Verhältnis zu haben.[…]

Kurzer Traum von Heidi: drückte sie (prüfend) an mich und war überrascht von der Fülle ihrer Brüste. (Vor paar Tagen war mir eingefallen, dass ich gar keine Vorstellung von ihren Brüsten habe.) Auf dem Kopf hatte sie eine dunkle Perücke mit drahtigen, eng das Gesicht umrahmenden Haaren.

28. Juni 1982 - Moczarski “Gespräche mit dem Henker”. Die Mauern von Chikago.

Sonntag, Januar 20th, 2008

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Hauptetappen meines Lebens lassen sich durch Frauen markieren:
Christel (16 bis 35 Jahre), eine Zeit des Pflichtbewusstseins, der Ernsthaftigkeit in der Anwendung des Gelernten, der strengen Familienorientierung, beginnender Zweifel und Einsichten.
L. (36 bis 42 Jahre), Traum meines Lebens.
Interregnum (42 bis 50/55) Kennenlernen, Studieren der Besonderheiten, Nischen, Abwege. Entdecken ausgefallener Lust, Schwäche zu großer Bindung, intensivste Arbeit, die mich auch verändert.
Abendliebe (50/55 bis Schluss) schöne begrenzte Liebe, sich Bescheiden mit dem Möglichen, das zum Wirklichen wird. Abschied vom unendlichen Glück, Frieden im bescheidenen Glück.

Beim Psychologen-Treff spreche ich mit Inge über Angelika. Nach dem was ich schildere (Badeszene), meinte sie, dass es doch ziemlich ernst sei und sie in ärztliche Behandlung müsse. Man solle solche Leute straff, energisch, ernsthaft, aber nicht kränkend anfassen.

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Im Westfernsehen zum ersten Mal eine Hitler Wochenschau ganz gesehen. 30 Minuten das Gloria der deutschen Heere, danach schwätzen 1, 2 Engländer über die damaligen Kämpfe um Tobruk (1, 2 Russen über die Kämpfe um Sewastopol lassen sie nicht auftreten), wegen der Objektivität! Seit Jahren sind diese Sendungen alltäglich. Seit Jahren also ungebrochene Tradition zur deutschen faschistischen Wehrmacht selbstverständlich. Konsequentes Verdecken von Zusammenhängen und Ursachen, wie auch in der nachfolgenden Sendung “Hedonismus”.
Imperialistische Ideologie: das (dosierte) Darstellen von Erscheinungen kann sehr weit gehen, wenn zugleich gesichert wird, dass das Wesen unerkannt bleibt!
Das Verdecken von Zusammenhängen und Ursachen ist auch bei Fassbinder typisch, für den wieder Gedenksendung. Mit ihm ist Ihnen wirklich ein ideologisches Zugpferd ausgefallen.

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Immer wieder fällt auf bei Leuten, die nicht aus L.s Umgebung kommen, sondern meiner die Unsinnlichkeit, Blindheit beziehungsweise allenfalls schematisierte Sinnlichkeit (zuletzt beim Psychologen-Treff, z. B. Nichtbeachtung der Blumen).

Zu “Gespräche mit dem Henker” von K. Moczarski: Frau Käthe Stroop kommt aus der Kulturintelligenz. Wahrscheinlich auch eine Bestätigung dafür, wie die ästhetische ohne entsprechende politisch - ethische Bildung zum Schlimmsten passt.
“Ein Leiter ist auch dafür verantwortlich, was die von ihm Geleiteten tun.” Die Tiefe dieses Leninsche Satzes ist mir jetzt nach der “Stroop-Lektüre” erst richtig aufgegangen. Bei der Darstellung durch Mocz. stehen Momente der Führungstätigkeit im Vordergrund. Das bedingt eine gewisse Abstraktheit und drängt die wirklichen Folgen der Handlungen der Befehlenden (und erst von Schreibtischtätern!) in den Hintergrund, macht sie unwirklich. Um das Handeln solcher Leute auch emotional richtig zu werten, müssen neben dem Wesen ihrer Führungs- und Leitungstätigkeit auch immer typische Erscheinungen, Einzelheiten dessen dargestellt werden. Typische Erscheinungen, denn nicht für alle Erscheinungen ist der Leiter verantwortlich.

Gute Stimmung beim Psychologentreff. Heidi freut sich über ein kleines Kompliment, dass ich ihr mache. Sie scheint und wirkt so herb. Und das täuscht. Wie ein Schwamm saugt sie Lob, Dank, Aufmerksamkeit auf. Sie will gewärmt werden.
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24. Juni 1982 - Sorgen um Angelika

Samstag, Januar 19th, 2008



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Angelika gestern spät abends lud ich zu Gespräch, zu Flasche Wein ein, damit sie nicht 23:30 Uhr noch in die Nacht irrt. (Sie suchte ewig ihren Skizzenblock, wollte L. und Christine vom Zeichnen abholen.) Sie lässt sich auf kein Gespräch ein, ist von großem Misstrauen erfüllt, geht schließlich. Ich kann nicht einschlafen.[…]

0:30 Uhr rammelt L. laut die Wohnungstür zu, die Angelika angelehnt hatte. Werde davon wieder ganz munter, kriege mit, dass Angelika nicht mit zurückgekommen ist. Informiere L., dass sie sich um Georg kümmern muss. L. sagt, das Angelika sie wohl nicht angetroffen habe, da sie noch Bier trinken waren. Ich sage L., dass Angelika “verrückt ist”, dass sie “verwirrt ist”. Sie sagt, dass sie (L. und Christine) darüber auch gesprochen hätten. Wieder Wachzeit, dann höre ich Angelika kommen. (Ich hatte alle Türen aufgeschlossen.) Sie tappst auch in mein Zimmer, fragt mich, warum ich unten schlafe, lässt alle Lichter brennen.
Früh vor 6:00 Uhr geht sie mit dem weinenden Kind, dem sie seine Flasche gegeben hat, aus dem Haus, “zu Ursel”. Lege L. einen Zettel mit dieser Information hin. Auf dem Weg zur Arbeit treffe ich Angelika unschlüssig, bzw. zurückkommend. Sie wolle noch die zum Trocknen aufgehängten Sachen von Georg mitnehmen.
Abends hatten wir uns noch kurz über Georgs Geburtstag unterhalten. Sie versichert, dass er zu früh gekommen sei. Sie haben das alles schriftlich. Sie habe für so was alles Bescheinigungen.
- offensichtlich eine geistige Verwirrung im Zusammenhang mit der Niederkunft - zum Kotzen diese Weiber,
Angelika die das Kindabenteuer haben muss,
Christine in ihrer christlichen, egoistischen Hartherzigkeit,
L., die an Erdbeeren, Zeichnen, an sonstnochwas denkt, aber nicht mitkriegt, dass sie es mit einer Kranken, teilweise Unzurechnungsfähigen zu tun haben. (Schließlich sind sie schon einen Tag unter halbe Nacht mit ihr zusammen gewesen.)
Erinnerung an “die Marianne” in Wümbach steigt auf.
Geo ist ein sympathisches, munteres Baby. Unerträglich, welch brüchigem Schutz diese schutzlosen Kinder ausgeliefert sind. Hier liegt schon ein ganzes Schicksal vorgezeichnet.

Die christliche Christine - was ist denn christlich an ihrem Verhalten? Sie lebte sehr subjektiv, sehr egoistisch, hält sich aus allem heraus. Dafür liefert die Kirche ihr Erbauung und nimmt ihr das Denken ab.

Jetzt werde ich langsam kribbelig wegen der Ministerbestätigung für unsere Kollektivarbeit…..
Es hat den Tag “gekribbelt”, und nun, kurz vor Feierabend ist endlich, endlich die bestätigte Aufgabenstellung da (bestätigt ohne jede Rückfrage oder Bemerkung). Jetzt können unsere Gruppen mit vollem Recht losmarschieren, und jetzt müssen sie auch Tritt fassen. Aber noch einmal werde ich nicht so “auf Rand genäht “eine Aufgabenstellung erarbeiten. Sinnvolle Reserven müssen sein.

Die “Morgenpuppe” - eine schöne, sehr wohl geformte Frau um die 40 Jahre. Sie kommt mir oft auf dem Wege zur Straßenbahn entgegen, geht meist auf der anderen Straßenseite, blickt sich um, kurz, das ist aber nicht kontaktsuchend, sondern nur “Bewunderung heischend”. Heute fällt mir auf, als wir auf gleicher Höhe sind, dass ihre herrlichen Formen dabei sind, üppige Formen zu werden (und eines Tages vielleicht ausladenden Formen).
Die Bewunderung ihrer sexuellen Reize (und das Spiel mit ihnen) muss im Verhältnis zu einer solchen Frau doch einfach eine überragende Bedeutung bekommen.
War heute Mittag kurz im Café im Handelszentrum. Viele hübsche junge Frauen sitzen da und blicken interessiert. Immer wieder frappierend, welchen Eindruck doch moderne, schicke Kleidung macht, wie man ganz anders angesehen wird!

Sicher, in der Aktfotografie darf man alles zeigen. Aber es geht wohl darum, dass immer irgend eine (innere) Position der Frau zum Ausdruck kommt, eine Position - da stimme ich Burkhardt bei - die menschlich noch würdig ist.
Eine Darstellung völligen, willenlosen Ausgeliefertseins liegt wohl nahe am Pornographischen (und zwar gleichgültig, ob dabei “alles” sehen ist oder nicht). Auch das Sichausliefern wäre darstellbar, zum Beispiel wenn es Ausdruck leidenschaftlicher Hingabe ist. Oder auch Ausliefern der intimsten Körperteile an die Kamera aus einer Neugierde heraus, aus dem Spiel mit diesem Mysterium, aus dem Wagen und so weiter. In solcher Stellung wird vielleicht der Blick der Frau die Schranke vor dem Pornographischen sein. Anders dieselbe Stellung, wenn ihr Sinn darin besteht, der Frau Profit zu bringen aus ihrem Verkauf - das ist wohl wieder anrüchig. (Obwohl wahrscheinlich das Motiv sich zu verkaufen oft gekoppelt ist mit dem Stolz auf den eigenen schönen Körper.)

Schon immer liebte Angelika das Spiel mit dem Paradoxen. Nun sind die Paradoxien dabei, sie beherrschen zu wollen. Etwa sehr Egenartiges haben solche Menschen, die zum Teil in der normalen und zum Teil in einer “verrückten” Welt leben.
Individuen, die aus dem Realen flüchten, nicht die Kraft haben, sich darin zu halten, die dafür keine Antriebe haben. Woher kommen die Antriebe?

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21. Juni 1982 - immer noch, immer wieder - Trennung

Mittwoch, Januar 16th, 2008



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Zu den Beziehungen zwischen Fotograf und Modell drückt sich der sittsame Burkhardt # Vergleiche: # zurückhaltend aus. Aus der Versicherung, dass sie keineswegs immer eine erotische Beziehung haben müssen (sinngemäß) schließe ich eher, dass es recht häufig ist, vielleicht sogar die Regel, dass sie miteinander schlafen. (Zumindest bei etwas ausgedehnterer Zusammenarbeit.) Aber ich bin wirklich gespannt auf die eigenen Empfindungen in diesem Studienprozess. Wenn man gelöst ist, kann man wohl nicht anders als auch begehrlich ein. […]
L. erzählt, dass Burgholder, wie nun erwiesen sei, ihren Ausweis geklaut hatte. Ich bin wenig interessiert, was sie auch feststellt, beziehungsweise mir vorwirft. Ich hätte ja noch nie Interesse für ihre Dinge gehabt. Vorwürfe, Angriffe zu machen, das ist ihre Art, sich nähern zu wollen. Ich verstehe es, doch all das haben wir hinter uns. Es kommt nichts dabei heraus, wenn ich einlenke. Sie kann nicht bitten, wie sie sagt. Ich kann bitten aber wofür?
Ob mein forciertes Akt - Interesse nicht eine Art Betäubung ist? (An die Stelle des verlorenen Interesses setze ich etwas anderes, was mich wirklich (was ist wirklich?) zumindest aber stark fesselt.)
Das Trennen der Küchen (Ich kaufte dafür die ersten Utensilien.) trennt mehr als ich vermutete.
Abends sitze ich allein im Garten und beginne auch hier, Abschied zu nehmen - Abschied, abscheiden, mein Inneres scheidet sich ab von dem, was mir bisher das Herz erfreute. Die mit Liebe und Hoffnung gesetzten und gepflegten Bäumchen entlasse ich ins Fremdsein. Sie werden Gehölze wie andere auch, wir trennen uns. - Dieser Prozess ist noch nicht vollzogen. Aber zum ersten Mal sein Anfang konkret gedacht, erlebt.
(Ich erinnere mich meiner nächtlichen Flucht im August vorigen Jahres in den Garten. […]
Das war damals auch noch nicht soweit, es war “nur” der konkrete Anfang dieses Prozesses beziehungsweise seiner dramatischen Phase.) Schlimmstenfalls endet dieser Prozess mit der Entfremdung von F. Doch vielleicht ist das nicht unausweichlich. Gebs Gott! […]
Dass man doch in solchen verworrenen Situationen die Zuspitzung als eine Erleichterung empfinden kann (Flucht nach vorn). Das eindeutig Negative ist leichter zu ertragen als endloser Zweifel, enttäuschtes Hoffen. Nun, das Hoffen ist lange aufgegeben. […]

18. Juni 1982 – Nacktfotos

Samstag, Januar 12th, 2008



[…]

interessanter Tag, die Gespräche in Halle sind fruchtbar, wenn auch noch nicht unmittelbar für den 31. Lehrgang. Ich gehe mit der erneuerten Sicherheit: Das (Kaderdirektor) kannst du auch.

# Gespräche in der Kaderdirektion des Kombinates KPV, „Pumpen und Verdichter“, zur Verbesserung der Delegierung von Nachwuchskadern an unsere Weiterbildungseinrichtung #

In der Mitropa eine Kellnerin, ganz flink in der Bedienung und mit dem Mundwerk, blond, mit hellen grauen Augen; direkt, fröhlich, kräftig. Sie erinnerte mich an Annemarie ebenso wie an Margot. Sie war vielleicht 35-40, mit nicht besonders guter Figur, aber da war Sympathie. Wir wären bestimmt ein Paar geworden. Ich hab’ keine Zeit. Noch beim Bezahlen spendiere ich ihr einen Klaren (was sie zuerst mißversteht). Als ich aufstehe, begreift sie erst: „Ach, das ist aber lieb… Sie kennen wohl meinen Geschmack?“ Ich: „Na, klar!“ […]

Auf der ganzen Rückfahrt bin ich gefesselt von K. Moczarski, „Gespräche mit dem Henker“. S92:“… der rasche Deformierungsprozeß, überall dort, wo Menschen wenig festen Charakters plötzlich in den Genuß besserer Existenzbedingungen kommen, wo eine Privilegierung und Separierung von der bisherigen Umwelt eintritt.“ - eine wichtige Beobachtung.

Als ich zu Hause ankomme, finde ich im Briefkasten einen Einschreibebrief von H. Gross. Darin befinden sich […] 10 Aktfotos, […] sowie ein zweiter Umschlag, in dem Gross sein Angebot an Aktfotos unterbreitet. […]

Sie haben mich also finanziell korrekt und mit richtig gewählten Bildern (nicht allzu gewagt und doch einiges versprechend), sowie mit dem weiteren Angebot erstmal in den Kundenkreis aufgenommen, und davon bin ich sehr angetan. […]

 

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Aktfotografie1 von H. Gross

Übrigens werde ich hier ins Protokollbuch nur wenige (und nicht die besten) dieser Originalfotos einkleben, denn, wenn das mal eine reizvolle Sammlung werden soll, darf ich die Bilder nicht zerstreuen.

Es sind keine künstlerischen Aktfotos, sondern erotisch reizende Bilder von nackten Frauen, und genau das ist es, was ich wünsche bzw. wo meine Wünsche ansetzen und weitergehen, einmal in Richtung des erotisch bzw. sexuell gewagten Fotos und zum anderen in die Richtung des künstlerischen Akts. Beide Richtungen werde ich verfolgen.

Erfreut bin ich übrigens auch über die erschwinglichen Preise, über die korrekte Verhaltensweise mit den 20,- M und überhaupt darüber, daß es – bei aller beachteten Diskretion – geklappt hat.

Interessant übrigens, wie ich mich doch nur langsam von meinen Hemmungen frei mache. L. hat längst von sich Aktfotos machen lassen, in recht krassen Stellungen. Wie ich doch bei jedem Schritt Skrupel zu überwinden habe!

 

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Aktfotografie 2 von H. Gross

Erfreulich ist die Gelöstheit der Modelle. Die Szenen sind nicht peinlich. Das Modell mit den langen Haaren ist sogar sehr sympathisch, die von ihm aufgenommenen Bilder sind sehr zurückhaltend. Die andere […] posiert erotisch wesentlich „schärfer“, aber nichts von unangenehm. Es ist halt eine junge, schöne, sehr selbstbewußte Frau. […] Sie erinnert mich übrigens an Hegrü, mit deren Brüsten sie aber (obwohl Helga doch viel älter ist) keinesfalls konkurrieren kann.

Klar – das sind Bilder zum „Anfüttern“ (zugleich sich Absichern). Gespannt bin ich auf die Steigerungen. Antwortbrief an Gross. […]

# Der Kontakt zu Gross hatte sich dadurch ergeben, daß ich auf die Zeitungsannonce eines Fotomodells geantwortet hatte. Durch dessen Absage und Weitervermittlung war ich vorerst nicht bei einem Aktmodell, sondern bei einem Kleinhändler für Nacktfotos gelandet. Aus heutiger Sicht eine völlige Harmlosigkeit. Für mich damals ein aufregendes, halblegales Unterfangen, auf das ich mich vorsichtig einließ, zumal ich nicht abschätzen konnte, ob ich in eine Grauzone von käuflichem Sex geraten würde. #

 

10. Juni 1982 – Akt fotografieren

Mittwoch, Januar 2nd, 2008



[…] interessante Annoncen!

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Wieder so ein Pärchen?

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Egal: Ich schreibe auf jede derartige Annonce. Jetzt will ich wissen, was sich tut.[…]

 

Interessante Meinungsäußerungen übrigens im Gästebuch der Purrmann-Ausstellung. Für viele, die da schreiben, ist es Selbstdarstellung, wie überhaupt solche Notizen immer wie Rufe in die Leere wirken. Viel Begeisterung (z. B. Inge Keller), Genörgel, daß man diese Landschaften erst als Rentner sehen wird, P. wird der Nichtskönner und Schmierfink Womacka gegenübergestellt (dabei haben sie einen Berührungspunkt: die Dekorativität). Bevor man Purrmann glorifiziert - gegenüber Cezanne ist er nichts. Hofer, der natürlich ganz anders ist (spezifische Vorzüge Purrmanns nicht hat), ist natürlich viel wichtiger.

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Die Bemühungen derer, die über Aktfotografie schreiben, kontrastieren mit der Gier, mit der derartige Bücher (z. B. Burkhardt: “Aktfotografie”) gelesen und behandelt werden (viele Seiten rausgerissen) und sie demzufolge von den Bibliotheken weggeschlossen werden.

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Burkhardt enttäuscht. Natürlich gibt es immer Bedenkenswertes, mein Zugang jedoch ist das erotische Interesse. (Übrigens bin ich immer mehr von den Akten Günter Rösslers angetan.) Mein Interesse ist erotisch, ja z. T. von sexueller Nichtbefriedigung geprägt. Aus diesen Wurzeln allein werd ich keine guten Aktfotos machen. Jedoch gibt es eine starke Komponente des Erkennenwollens des Menschen dabei, in seiner Intimität, in seinem Geheimnis (nicht aus Lust an der Zerstörung des Geheimnisses oder gar des Menschen), und das ist die tragfähige Seite. Ich hoffe, daß in der Praxis dann das Ungesunde ausgärt.

 

Erstaunlich, welche Kontraste die Menschen selbst darstellen und ausdrücken können.

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Die Arbeit mit den Kandidaten des 31. Lehrgangs macht mir Spaß, auch die Zusammenarbeit mit Goli. Jetzt würde ich es bedauern, wenn es mit dem Kaderdirektor nicht klappte. Werde im Ergebnis unserer Gespräche einen Ministerbrief aufsetzen.

Ich schätze neu die einfache, nützliche (Leninsche) Arbeit und bin von erneutem, vertieftem Mißtrauen gegen die Selbstzwecklichkeit der Kunst erfüllt. (Das vertieft den Graben zu L.)

[…]

Widerliche Fernsehschauspiele des Westens in diesen Tagen. Reagan, Thatcher präsentieren sich, zugleich werden die Bilder von ihren Kriegen gesendet und Haß auf die Sowjetunion geschürt. Dieser Auswurf der Menschheit! Will es das Schicksal, daß die Welt noch einmal, ein letztes Mal, ihre Eiterbeulen auf den Rücken der Russkis gesundet?

Die Wachen sind wach. Die schlafen, schlafen tief.

 

Faßbinder gestorben, mit 36 Jahren, auch so ein Einschläferer, Boys und viel zu viele andere Clowns in der großen Bonner Friedensdemonstration.

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[…] Burkhardt „Aktfotografie“ Halle 1958:

B. ist halt schon sehr alt. Jedoch:

S. 61: „Die pornographische Darstellung ist lebenszerstörend, lebensverneinend.x Die edle Aktdarstellung ist lebensfördernd, lebensbejahend.“

S. 57: Die künstlerische Erhöhung der Nacktheit zum Akt.

S. 64: Aktaufnahmen aus erotischen Interessen, aus erotischem Interesse Modellstehen für Aktaufnahmen.

S. 67: Der Fotograf als Psychologe gegenüber dem Modell, Einfühlung, der sinnliche Aktfotograf!

S. 69: Auch das „an sich nicht Schöne“ kann gut gestaltet werden

S. 70: Aktfilm

S. 70f: gute weite Auffassung davon, was alles Akt sein kann (eigentlich alles)

X Damit ist sie nicht nur ästhetisch, sondern sittlich verurteilt.