Archive for the ‘Literatur’ Category

11. Juni 1989 – Urlaub, Trifonow über Faschismus

Dienstag, Juni 23rd, 2009

Trifonow: “Faschismus ist das Hochkommen der Schlimmsten” und “Faschismus ist Straflosigkeit” (dies aus “Twerskoi Boulevard - 3″)

# Vielleicht ist unverständlich, warum ich diese einfachen Formulierungen als etwas Besonderes empfand. Sie erschienen mir bemerkenswert, weil der Faschismus hier in keinem Bezug zu Klasseninteressen verstanden wurde. Diese Auffassung ging also über die bei uns herrschende, auf Dimitroff zurückgehende Faschismusdefinition, hinaus. #

Und dieser Liedtext:

“Mein Pferd ist gesattelt, vom Hof geht’s hinaus.

An die stille Donau soll mein Rappe mich tragen.

Dort werde ich stehen, was ich tun soll mich fragen:

Erhängen oder ertränken oder zurückkehren nach Haus…”

Sehr schöner Radausflug. Pfarrer Palmer in Neuburg.

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06. Juni 1989 – Urlaub - Wismar; Peking

Sonntag, Juni 21st, 2009

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Gestern in Wismar beeindruckt durch Hafen (Taucher), Fischverkaufsstellen, Kirchen und Kirchenruinen, Portal des Fürstenhofes sehr schön, sympathische belebte Stadt, Ausstellung Arno Schmidt, Fischrestaurant, Theaterkarten für “Figaro” am 8.6., vergeblicher Versuch, ein Kofferradio in der Preislage bei 500,-M zu kaufen, Joghurtbereiter für 48,-M gesehen, noch nichts fotografiert.

Im Westfernsehen Berichte von Peking, Chomeinis Tod, Wahlen in Polen, Unglück im Ural.

Gelesen fast bis zu Ende Gorbatschhows Rede vor dem Deputiertenkongreß. Der Bericht im ND von diesem Kongreß wirkt deprimierend. (Sich diesem Gefühl nicht überlassen!)

Abends weiter Trifonow: “Das umgestürzte Haus”, sowie aus “Zeit und Ort”.

13. März 1989 - Fahrt zur Leipziger Messe

Sonntag, Mai 10th, 2009


890313blogp1010007.jpgTechnische Messe:

Kooperation mit BRD bei Baukema

# Ein Kombinat unseres Industriebereichs Schwermaschinen- und Anlagenbau (SAB). “Baukema” steht für “VEB Kombinat Bau-, Baustoff- und Keramikmaschinen”. Es war, wenn ich mich richtig erinnere, das kleinste Kombinat des SAB, mit etwa 8000 Beschäftigten (verteilt auf eine ganze Anzahl Betriebe). #

Perfekte Kommerzialiät bei den westlichen Ausstellern.Dagegen wir, dagegen SU, überhaupt der sowjetische Pavillon!

20,-M Strafe wegen Straßenbahn ohne Fahrschein

Buchmesse: Der Kim-Kult der Koreaner! Bernd Wagners erstes BRD-Buch

Im Rundfunk abends hören wir von einer Ausreiserdemo am Nachmittag in Leipzig

Die Zeitung “ND” entblödet sich nicht, den Messerundgang der Partei- und Staatsführung mit 39! - neununddreißig - Abbildungen Honeckers zu dokumentieren.

Auch diese Art Differenzierung der Anreden finde ich nicht wenig peinlich.

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04./05. März 1989 - Rückblick 1951

Freitag, März 13th, 2009

Der 44. Lehrgang ist gut angelaufen, die erste PC-Abend-Veranstaltung bei ZF.

Nach Skaby raus. Lange geschlafen - der Streß der Woche. Schnittarbeiten am Skaby-Weinstock, Fenterputzen.

Abends versucht mit C. “Die Kommissarin” # bedeutender sowjetischer Film #, ist aber ausverkauft. Zurück: Gelesen in “Budapester Rundschau” und Polemik dazu.

Halsschmerzen.

Gutes, bestes Verhältnis zwischen uns, schon seit langem.

dokumentiert: “Sonntag” 10/89

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# Ein Auszug aus der Wochenzeitung des Kulturbundes (einst auf Initiative von Johannes R. Becher gegründet). Diese kulturpolitische Zeitung hat nach dem Untergang der DDR als “Freitag” überlebt. Kürzlich in den Besitz von Herrn Augstein jr. übergegangen, ist sie gerade in Verwandlung begriffen.

Der hier reproduzierte Auszug bringt einige historische Fakten von 1951, der Zeit der Formalismusdiskussion in der DDR, also der - sage ich verkürzt -stalinistischen Phase der Kulturpolitik der SED. Ich erinnere mich, daß mich damals bei ruhigem Lesen verwundert hatte, welch bedeutende künstlerische Leistungen in dieser Zeit, 1951, vollbracht wurden. Um welchen Preis?

Die Oper von Brecht/Dessau “Die Verurteilung des Lukullus” ist ein grandioses Werk. Wolfgang Staudtes Film “Der Untertan” ist, ebenso wie Heinrich Manns Roman, einfach wunderbar. Ich bekenne es den Heutigen, den Nachgeborenen - solche Werke tief in sich aufgenommen zu haben, das gehört maßgeblich zu meiner DDR-Identität.

Das erwähnte “Hochhaus an der Weberwiese” war ein populärer Neubau im Hinterland der Stalinallee. Noch im Ohr ist mir ein flotter Schlager: “Was ist den an der Weberwiese los, dort steht ein Haus ganz riesengroß…” Eines Nachts, Ende der 60-er Jahre, habe ich im Schatten des Hochhauses an der Weberwiese (ich bin geschwätzig) zum ersten Mal meine Frau betrogen. #

 

27. Februar 1989 - “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” Brigitte Burmeisters Roman

Mittwoch, März 11th, 2009

Der 43. Lehrgang ist inzwischen abgeschlossen. Übermorgen beginnt der 44. Die Zeit seit dem Wasunger Kurzurlub war angefüllt mit dem Kampf gegen die Grippe (Cs und meine eigene), dem Kampf mit dem von mir nicht gut genug geführten Lehrgang, der Hilfe für Cs. neue Arbeitsaufgabe (den Kontenplan machen), vielen Sorgen und Auseinandersetzungen, Belastungen zur Politik. Große, uneingeschränkte Harmonie zwischen C. und mir in dieser Zeit.

Wir lesen viel Politisches (”NZ” 7/89, voriger Woche ist nicht ausgeliefert worden) und “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” - ein hervorragendes Buch.

# Bis heute ist für mich Brigitte Burmeisters 1987 im Verlag der Nation, Berlin, erschienener “kleiner Roman” das beste Buch über “die Stasi”. Heute habe ich mir vorgenommen, ihn unbedingt noch einmal zu lesen. Im Zusammenhang mit diesem Posting, habe ich Brigitte Burmeisters schöne Website entdeckt. Auf ihr macht sie den Roman “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” online verfügbar! #

Cs. Schwellung am Hals hat uns sehr beunruhigt. - Ein durch die gewesene Grippe geschwollener Lymphknoten oder? Sie war deshalb am Freitag bei Dr. Jakob. Beobachten, Warten, Hoffen.

Vorgestern in Schmachte. # mein außerhalb Berlins gelegenes Gartengrundstück. Heute lebe ich hier. # Alle Obstbäume und -sträucher geschnitten. Schön war’s dort.

C. (und S., # ihre Mutter #) waren den ganzen Tag mit Westberliner Verwandten zusammen.

 

08. Februar 1989 - Brecht-Briefe

Dienstag, März 10th, 2009

Lektüre der Brecht-Briefe von 1913-1956, eine Ausgabe, von problematischen Dingen fein säuberlich amputiert. Neu für mich: Maria Osten Lebensgefährtin von M. Kolzow.

Brechts Telegramme an Benesch, Einstein, ebenso manches an Grotewohl, bissel lächerlich.

Der Stratege des Papiers, des Dramas, vergißt, daß in Wirklichkeit andere Kräfte wirken. (Er hält sein Wort für eine Gewalt.) Seine Affinität zu Kuhhandeleien.

03. Januar 1989 - Zukunft mit C.?

Donnerstag, Januar 15th, 2009

Protokolle Band 33

# So sieht er aus, der äußerlich etwas lädierte 33. Band meiner Tagebücher. #

 

 

…  Am Wochenende sprachen wir über das Altern, über die Situation im Alter. C. erzählte, daß sie sich darüber auch mit Wulf unterhalten habe (sicher ausgehend von Bernlef).

# J. Bernlef: “Hirngespinste”, ein Roman aus der Spektrumreihe von Volk und Welt, Berlin 1988. Bernlef ist ein niederländischer Autor (geb. 1937), über den Google auch heute noch nicht viel mitzuteilen hat. “Hirngespinste” beschreibt den geistigen und körperlichen Verfall eines Einundsiebzigjährigen aus der Sicht dieses Einundsiebzigjährigen. Das Buch hat mich tief beeindruckt. #

Bernlef

 

Er habe ihr gesagt, sie C. sei dann vielleicht ähnlich wunderlich geworden, er, Wulf, sei dann vielleicht bewegungsunfähig (# W. war früher Spitzensportler, Leichtathlet über 400 m. #) und mich gäbe es dann wohl gar nicht mehr in ihrem Gesichtskreis.

Das ist ein anschaulicher Einblick für mich in die Art und den Inhalt ihrer Beziehung - eine Beziehung, in der für mich kein Platz ist .

Und weiter: C. kultiviert Beziehungen bzw. eine Lebensvariante ohne mich. Zu ihrer Sicherheit hat sie immer eine Variante ohne mich.

 

26. Oktober 1982 – Frauen, Kälte, Aussteigen

Samstag, Januar 3rd, 2009

Lesen: Gedichte Czechowski, Katalog IX Kunstausstellung

Gartenarbeit. Nach der Gartenarbeit heute bin ich völlig kaputt. Die Gesundschreibung erfolgte zu schnell.

Als nun älter werdender Einspänner wird’ ich wohl öfter Frauen treffen, die sexuelle Probleme haben. (Das könnte ein Grund sein, Witwen zu bevorzugen.) Eigentlich sind solche so genannten kalten Frauen wie Marita oder Heidrun tragische Figuren. Wie sie sich fiebernd endlos unterhalb des Gipfels quälen! Letztendlich freudlos an die Kette der Lust gelegt! Innerlich (einschließlich des sexuellen Reizes) bin ich mit Heidrun fertig. Nur eine Frau, die mich überwältigt, wie einst L. und nur solange sie es kann, kann mich leidenschaftlich sehn. Ist das nicht der Fall, ergibt sich spontan, daß ich mit großer Sympathie ihre Lebensgeschichte aufnehme, daraus Zärtlichkeit schöpfe und sobald die Wiederholungen deutlich werden, erkalte. Mein Interesse zieht diese Frauen an. Ich bin mir frühzeitig klar, daß keine Liebe bei mir ist. Was ist mein Motiv? Ein Grundbegehren ist sexueller Art, doch wird es interessanterweise von der zärtlichen Anteilnahme überformt, die wie eine Quasi-Liebe wirkt und den gedankenlosen sexuellen Genuß be- oder verhindert. Ja, das Grundbegehren ist wohl das nach zärtlicher Anteilnahme, gütig zu sein. Doch scheint es, als erweisen sich diese Partnerinnen als dafür nicht aufnahmefähig genug. Die bloße physiologische Befriedigung des Mannes ist nur wenig von der Frigidität der Frau verschieden.

Verrückter Traum heut Nacht: Vor einem Betrieb ein billiger Marktstand . Darauf Bücher aus der ZF-Bibliothek, Teilnehmerlisten der Lehrgänge, einige Grafiken von L. Alles wahllos angeboten. Als ich später aus dem Betrieb komme hatte es geregnet, und alles ist durchweicht. Ich nehme zuerst Grafiken an mich, schiebe sie vorsichtig in meinen schon recht vollen Campingbeutel, stopfe Bücher und vertrauliche Dokumente hinterher.

Gestern: Den Dichter Czechowski empfinde ich besonders in seiner Kritik an unserem Sozialismus als geistesverwandt. Ich fühlte mich bestätigt in Vielem und konnte nicht einschlafen. Meine freie Meinung zur IX. Kunstausstellung werde ich aufschreiben und als Brief an Bekannte schicken.

  • Ich möchte weiter eine verantwortliche, normale Arbeit machen. Wirkliche oder innere Emigranten, Ausflipper gibt es genug. Um Kritik dieser Gesellschaft konstruktiv machen zu können, muss man Teil dieser Gesellschaft, möglichst wesentlicher Strukturen dieser Gesellschaft bleiben, sein.

  • * Wenn die Arbeit bei Sero nicht klappen sollte, möchte ich trotzdem von der ZF weggehen, oder nein, genauer gesagt, kann ich an der ZF nicht so weiterarbeiten, wie bisher, werde ich eine prinzipielle Kritik geben und prinzipielle Vorschläge machen.

  • * Dies mir vorstellend, kommt mir zum 1. Mal der Gedanke (ernsthafter Gedanke), wenn notwendig auszusteigen. Kohlenträger kann ich nicht mehr werden. Vielleicht Imker? Wann kann dieses Aussteigen notwendig werden? Dieses Aussteigen wäre ein anderes Einsteigen!

24. Oktober 1982 – Heidrun; Maxi Wander: “Guten Morgen, Du Schöne”

Samstag, Januar 3rd, 2009

Lesen: “Guten Morgen, Du Schöne”, “Deine Gesundheit”

Der platte Chatterly-Film. Meine Abneigung äußere ich so eindeutig, daß Heidrun sich nur anschließen kann. Aber ein bisschen so geliebt werden möchte sie doch (mit Blumen auf der Haut).

Der Abend brachte ganz deutlich unsere Entfernung zum Ausdruck. Sie leidet sichtbar darunter. Das Spiel der Geschlechter ist für sie diesmal schließlich weitaus befriedigender als je zuvor (bei uns). (Da sie immerfort einen Schuldigen finden muss, findet sie ihn diesmal bei sich.)

Mein armer malträtierter Körper! Es steckt viel “Arbeit” in meinem Tun, von Glück gibt es da nichts zu reden, aber es ist doch ein gesundes Gefühl, sich rechtschaffen sattgefickt zu haben

(Anblick des schlafenden Marcel-Kindes auf der Liege.)

Wichtig gestern im Kino der Vorfilm über Goethes italienische Reise.

# Damals fragte ich mich mit Bedauern, ob ich Italien wohl jemals sehen würde. #

Originalität F.: Das kaputte Auto muss “operiert” werden. Ein Stück Russisch Brot hält er sich als Brille auf die Nase.

Die Protokolle der Maxi Wander sind schon aufschlussreich; jedoch nicht überschätzen! Diesen Monologen fehlt der Widerpart, der Aussagen auch relativieren kann, auf’s Objektive festnageln könnte. Wann sagen die Frauen Wahrheiten und wann Illusionen? – d. i. schwer zu unterscheiden. Das Buch enthält auch ‘ne Menge Klatsch – hart gesprochen. (Und daraus, wie sich Klatsch und Bedeutendes mischen, zieht es seine Lebensnähe.)

 

15. Oktober 1982 – Neue Deutsche Welle. Und Hebbel

Montag, Dezember 8th, 2008

Gymnastik,

Lesen: “Sinn und Form”, 5/82, “Weltbühne” 41/82, BZ, “Budapester Rundschau”, “Kleingarten”

Noch einmal zum Hebbel-Bild des Menschen als Fluß:

Ja, und selbst ist man wie ein Wanderer, der die Flüsse quert. Ich steige in den Fluß hinein, er erscheint mir breit, unendlich wie das Meer (besonders, wenn ich halb verdurstet und in Finstern einstieg), seine Strömung trägt mich; doch schwimme ich unablässig weiter, so kommt das andere Ufer in Sicht, ich gehe an Land und überschaue rückblickend von der Uferhöhe den ganzen Strom in seiner Breite (während seine Länge, sein Lauf weiter Geheimnis bleibt).

Heute früh kommt L. Auf die “Spitzenklöpplerin” zurück. Die unerfüllte Sehnsucht sei die wirklich vollkommene, ideale Liebe (sinngemäß). Sie hebt am stärksten empor und läßt die größte Kunst entstehen. Ich vergaß, daran zu erinnern, daß nur die Erfüllung wirkliche Kinder zeugt, was in gewisser Weise über jedem Kunstprodukt steht. […]

Alles in allem: Ich vertrete das übergreifende, das goethesche, das faustische, realistische Ideal; das Werden und Vergehen, das Sehnen (Knospen)/Blühen/Reifen/Sterben (Winterschlafen). Poesie im ganzen Kreislauf, also subjektive Erhöhung, Belichtung, Vergeistigung des ganzen profanen Prozesses, während andere (L.) mit einer Art poetischen (oder auch ängstlichen?) Starrsinns auf der Phase beharren, die alles Schöne im Kern enthält (ohne seinen Untergang mitzufühlen, ohne sein Janusgesicht zu erkennen….

Mit der idealen Sicht zerbricht die Sicht oder es kommt die freie Sicht.

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Else Lasker-Schüler, um 1905

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Neue Deutsche Welle:

Wir sind glücklich!

Solange der Bildschirm die Träume uns gibt,

Solange der Kanzler uns so innig liebt,

Solange die Hoffnung im Frühformat winkt,

Solange die Sonne im Osten versinkt…

[…]

Ein Lied der aufs Streckbett gespannten Ironie, nicht das einzige dieser Art; wieviel noch deutlichere mag es geben, die nicht gesendet werden?

Auch das Lied “Vergiß es, vergiß es…” drückt durchaus “Zeitgeist” aus, besonders der Refrain:

Vergiß es, das Leben geht weiter,

bis zur Grenze, dann kommt mal’n Ende.

Vergiß es, vergiß es, es kommt, wie es kommt,

Ist doch klar, daß nicht jeder oben schwimmt.”

Gehirnamputiert”

Da war so ein Traum.

Es ist was Tolles passiert,

Ganz aus Versehen, gehirnamputiert.

Nie mehr Probleme,

Egal was passiert,

Bist Du gehirnamputiert.

 

Durch Realität schon völlig frustriert,

Doch dann dieser Traum gehirnamputiert.

Problemloses Dasein ist garantiert,

Bist Du gehirnamputiert.

 

Du fühlst Dich wohl, es geht Dir gut,

nie mehr Probleme,egal, was passiert

bist Du gehirnamputiert.

 

Warum wurde diese “Welle” produziert? Wird sie mit Kohl als Bundeskanzler weiter produziert?

Die ausgewählten Texte repräsentieren aber nicht das ganze Gesicht dieser Welle. Sie deuten mehrt an, woran die Manipulatoren anknüpfen.

 

Und das Meisterstück, textlich, wie musikalisch, wie interpretatorisch, das “Lied von der Königin” (wie die Szene einer Oper!).

Na so eine komische Königin,

die hat ja Räder unten dran.

Na, das ist ja eine Königin,

Wärst Du da gerne Untertan?

Rollt sie durch ihr Reich,

Vom Gebirge bis zum Deich.

Sie rollt und rollt ganz ungeniert,

Wie toll sie dabei noch regiert,

Eine tolle Königin.

 

Bergab regiert sie ziemlich milde,

Bergauf schimpft sie auch manchmal wilde,

Bergab weht ihr Gewand, das Schöne,

Berauf senkt sie auch mal die Löhne.

In der Stadt ist ihr das Volk lieb und teuer.

Im Wald erhöht sie dann die Steuer…

Eine perfekte Königin,

Prima, prima

Mit Rädern unten dran.

Hebbel: Ich glaube eine Weltordnung, die der Mensch begreift, würde ihm unerträglicher sein, als diese, die er nicht begreift. Das Geheimnis ist seine eigentliche Lebensquelle, mit seinen Augen will er etwas sehen, aber nicht alles; sieht er alles, so meint er, er sieht nichts.” (182) Vergl. S. 188: “Der Mensch ist die Kontinuation des Schöpfungsaktes, eine ewig werdende, nie fertige Schöpfung.”

Interessant zum (systematischen) Denken, das nicht eine allgemeine Gabe, sondern ein ganz besonderes Talent sei…. (184). Er betont die Produktivität (Kreativität) des echten Denkens.

Beschäftigung, nur Beschäftigung, und man ist geborgen, man weiß solange nichts von sich, als man etwas tut.” (185)

Goethes spätere Urteile… sind nicht Urteile seines Magens, sondern seines Gaumens.” (186)

Einen Sachverhalt in ein richtiges, reiches, leicht verständliches Bild setzen, wie hier H. können wir heute so schlecht. Wir versuchn eine Gestalt durch Abstraktionen zu umreißen. Doch die Abstraktionen sollten selbst wieder in Gestalten sclüpfen, sollen “tanzen”, wenn sie für uns da sein wollen.

Ehemals waren die Erwachsenen, wie die Kinder; wie hoffnungslos sind die Zeiten, wo die Kinder wie die Erwachsenen sind. Warum lernen wir so viel und so schnell!” (187)

(Kaum ein Gedanke von H., der nicht “aufgehoben” werden muß.)

Es ist kaum ein Trost, daß wir immer höher kommen, da wir immer auf der Leiter bleiben.” (189)

Zum Geist: Es könnte sein, weil er aus fremden Welten stammt, daß er “uns nur besuchte, nicht aber in uns wohne.” (191)

(Er tappt auf etwas Richtiges, Tiefes. Das Wesen des Menschen ist kein dem Individuum innewohnendes Abstraktum.)

Nicht, was der Mensch soll: was und wie er’s vermag, zeige die Kunst!” (193) (Dann wird sie realistisch sein.)

Nichts kann bewiesen werden, als – was zu beweisen sich nicht verlohnt.” (193)

Man verfault im bloßen Umgang mit sich selbst.” (193)

Stoff ist Aufgabe:Form ist Lösung.” (194)

Die Prosa stellt das Gedachte, die Poesie das Gelebte dar.” (195)

Unsere Tugenden sind meist die Bastarde unserer Sünden.” (198)

Die Erinnerung ist das einzig Feste, was dem Menschen bleibt; dies sollte der Bösewicht bedenken, daqnn würd’ er sich nicht aus so vielen Stunden Höllen zusammenzimmern.” (198)

(Die Erinnerung! – ein großartiger Gedanke (für junge Menschen).)

Philosopheme: Verstandesträume” (199)

Das Aufbrausen ist die Lebensäußerung des Zorns und zugleich sein Tod.” (200)

Jeder Klotz paßt hin, wo man ihn hinstellt.” (201)!

Die Poesie soll alle Strahlen des Menschen, dieser Nebelsonne, auffangen, sie verdichtet auf ihn zurückleiten und ihn so durch sich slbst erwärmen.” (201) “Das Leben gehört soweit in die Poesie, als es innerlich produktiv ist.” (210)

Nur das Geendete ist unendlich.” (202)

Das Gemeine ist verloren, sobald es kämpft.” (205) (Wenn’s doch so wäre!)

Es ist ungleich sündlicher, das Göttliche inm unserer Nähe nicht zu ahnen, es ohne weitere Untersuchung für sein schzwarzes Gegenteil zu halten, als es in weltmörderischer Raserei zu zerstören, weil wir es nicht besitzen können.” (208)

Sagen wir “das Neue”, statt “das Göttliche”, wie steht es dann um uns?

Das Göttliche in seiner Nähe zu ahnen – ist das nicht der einzige wirkliche Auftrag des Menschen?

 “Schon Ratschläge sind in vielen Fällen Angriffe auf die Selbständigkeit;…” (211)

(Helfen heißt auf dem vom Subjekt eingeschlagenen Weg helfen.)

 

Das Bewußtsein ist nicht produktiv, es schafft nicht, es beleuchtet nur, wie der Mond;” (213)

Die Frucht des Baumes ist nicht für den Baum.”(218)

 

Notiz übert das Entleeren:

Mein Prinzip in diesem Buch ist doch, nichts Menschliches auszusparen, nichts “Unmoralisches” zu verdrängen. Es kommt viel Sex zur Sprache. Noch nie kam ich darauf, den Gang zum Abort zu registrieren (wohl aber die Orgasmen). Was ist dafür der eigentliche wesentliche Grund? Physische Selbstverständlichkeiten sind uninteressant; die Atemzüge usw.

Die Lidbewegungen lohnt es nicht, zu registrieren (solange sie sozial bedeutungslos sind).

Heidrun stimmte heftig zu, als ich sagte, nichts Menschliches sei mir fremd. (Für mich kulminiert dies in “Schweinereien”. Für sie offensichtlich in Mordgedanken. – Als wir hier nicht dasselbe meinten, nahm sie gleich zurück.)

Heidrun, eine sensibel-sinnlich-leidenschaftliche Frau mit einem (vielleicht von Kindheit herrührendem) Defizit an kluger Selbstlenkung, -führung. In dieser Hinsicht von gewisser Grobheit, Unbeholfenheit, Ratlosigkeit, die zu ihrer Depressivität führt. H. erwähnte, wie leicht sie manchmal zui rühren ist.

Ahne ich damit etwas von den “Ufern” dieses Stroms?

Jedenfalls bin ich ihr gut gesonnen. Doch werde ich mich nicht auffressen lassen.

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