Archive for the ‘Malerei und Plastik’ Category

09. Februar 1990 – von der Euphorie zur Überlegung?

Montag, Januar 2nd, 2012

Wir sahen gestern Fernsehgespräch mit Modrow und H. Schmidt. Mir wurde so richtig bewußt, daß die Menschen beginnen, sich ernsthaft Sorgen um ihre soziale Sicherheit zu machen. Ich denke (und hoffe noch mehr), daß die Euphorie langsam in kühles Überlegen übergeht. Herr Abend hat mit seinen Ausführungen zu Schüleressen und Schulhort hier wie ein Katalysator gewirkt. Daraus wächst bei mir die Idee zu einer WBA- bzw. Bürgeraktivität. Bald dazu mehr.

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Bei Frau Beringer, HPA8, Kadervorgespräch. Sie nimmt mich auf eine Warteliste.

07. Februar 1990 – DDR nicht wegwerfen!

Donnerstag, Dezember 29th, 2011

Wir sollten die Souveränität der DDR nicht einfach wegwerfen. Sie ist das einzige Instrument, das die Menschen hier zum Schutz ihrer Interessen haben. Und: Man kann 40 Jahren DDR nicht mit der Haltung gegenübertreten, möglichst viel möglichst schnell zu verdrängen. Die Vergangenheit holt uns immer ein.

 Hinaufarbeiten zum Marxschen „enormen Bewußtsein für das Gesellschaftsganze“. Nur so wird reale ´Demokratie möglich. Aber noch mehr umgekehrt: Dies wird nur bei realer Demokratie (Basisdemokratie!) möglich.

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Anruf von Marion Grothe, die mir einen Kontakt zum Postamt 8 vermittelt. Meine Vorstellungen zum Bürgerrat teilt sie. Zu diesem Thema auch Gespräch mit Noeske und dem Bürgerkomitee 14 (Prenzlauer Berg) zur Vorbereitung des 15.2. (WBA).

Gespräch mit Thierfeld zur Konzeption der Zentralschulen und der ZF.

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31. Januar 1990 – am Punkt 0

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Anruf von Kerstin Kluge, die wohl wegziehen wird.

Filter # unser vorläufiger WPO-Sekretär # stimmte gestern meinem Beschlußpapier zu.

Ich erlebte mit den Parteiaustritt des Oberstleutnant Jeromin - schäbige Typen.

Heute bei Döring, der energisch die Auflösung der ZF betreibt. Wir sind für weitermachen. Dem  Minister wir der Entscheidungsvorschlag zugeleitet. 

Kurzer Besuch bei Anneliese. # unsere langjährige Sekretärin an der ZF, die bereits eine andere Arbeit angenommen hatte # Dann im „Haus der Demokratie“ Programmpapiere eingesackt.

15x mein Beschlußpapier für die WPO abgezogen und noch einmal 15 x.

Döring meint, nach aufgelöster ZF soll ich im Bereich Weiterbildung des MMB anfangen. # MMB – neugebildetes Super-Ministerium für Maschinenbau #

Ich stehe am 0-Punkt.

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13. Januar 1990 - Ein Versuch der Besinnung im Handgemenge – Vorschläge lokale Selbtverwaltung

Montag, November 28th, 2011

# Ich greife zur Orientierung beim Lesen noch einmal auf die kommentierende Bemerkung zurück, die ich bereits zum 8.12 1989 gepostet habe:

Die letzten Wochen des Jahres 1989 und die ersten des Jahres 1990 waren voller politischer (und auch menschlicher) Dramatik. Für mich persönlich war es die Zeit, in der mir klar wurde, daß die DDR untergehen würde. Mein Tagebuch zeugt von intensiver Informationsaufnahme. Es enthält besonders viele Zeitungsausschnitte (die ich hier nur in Auswahl posten konnte) und andere Dokumente. Eigene Notizen sind dagegen fast immer kurz und bruchstückhaft. Es war einfach nicht die Zeit für lange Betrachtungen. Die Ereignisse ermöglichten blitzartige, klare Einsichten. Aber auch verzerrte Wahrnehmungen und extreme Wertungen passierten mit mehrfach. Am 13. und 14. Januar fand ich erstmals ein wenig Zeit zur Reflexion was sich in einem längeren Text niederschlägt. #

Gestern Abschiedsbegegnung mit Dieter Papsch. Er hat einen Brief an Gysi geschrieben (Anlage dazu von Dr. Exner). Wider die Kadermafia des ZK. Papsch sympathisiert mit der Plattform Michael Brie. Er geht jetzt zum KAB # „Kraftwerksanlagenbau“#  -Beimlerstr.

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Mit C. „Juvenilmeer“ # Platonow # weiter gelesen.

Nach WB, Ausstellung der Russin Werefkin (Jawlenski) im Haus am Waldsee (Empfehlung von L.) Es war nichts Besonderes. Danach sind wir um den Schlachtensee spaziert.

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Flugblatt des NF hier im Wohngebiet, Leerstandswohnungen betreffend. Ich bin unheimlich ärgerlich auf mich – da haben sie uns mit unseren eigenen Waffen mich auf meinem ureigensten Gebiet geschlagen. – (Daraus muß gelernt werden!) 

„ND“ meldete am 11.1.90 den Zusammenschluß von Bürgerinitiativen zur Stadterneuerung. Das berührt sich direkt mit meinen Vorstellungen vom Bürgerrat. Auf diesen – jetzt in Bewegung kommenden Zug – werden wir WBA 12 (und wenn er mitmacht der WBA14) aufspringen zur Frage: Endgültige Gestaltung des Wohngebietes Arkonaplatz. Eine große Einwohnerversammlung vorbereiten.

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 Und das gehört noch zur Informationsflut des Tages:

-                      die Neugründung der SPD aus der SDP

-                      die Gründung einer Deutschen Gesellschaft (für die Helga Schubert erklärt, dass sie nicht noch einmal ein Sozialismusexperiment erleben möchte)

-                      die offene Situation nach Gorbatschows Besuch in Litauen.

-                      der beginnende Krieg zwischen Armenien und Aserbaidshan. Der Zerfall (zumindest der bisherigen) Sowjetunion wird Realität.

-                      unser Spaziergang durch das Nobelwohngebiet Zehlendorf (Haß und zunehmendes Gefühl d Ohnmacht gegenüber dieser Ausbeuterwelt)

-                      die Erfahrung der „Baugrube“

-                      die bundesdeutschen Politiker und Industrieherren, die sich in unserem Fernsehen wie die Herren aufführen, die sich mit gerade noch geduldeten Statthaltern abgeben.

 

Meine Urlaubswünsche: 2.- 4.5. – 3 Tage, 28.4. – 6.5. – Rügen, 15.8. -7.9. – 18 Tg. Bulgarien, 27. u 28.12.  – 2 Tg Skaby

 

Wo hat unsere Niederlage angefangen?

Vielleicht mit dem Einsatz von Gewalt gegen persönliche Arbeit (vgl. „Baugrube“)?

Mit der Abkehr von Lenins „festen Stegen der materiellen Interessiertheit“ (Okt. 21) und der Ersetzung durch Stalins Marsch der Gewalt?

 

Für mich ist dies eine durchaus schwere, persönlich tiefgreifend krisenhafte Situation.

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Auf der ganz allgemeinen Ebene meiner Ideale wird es anscheinend Verschiebungen geben (ich möchte ja im Sinne Tucholskis sehr radikal prüfen). Es geht um die Bedeutung dieses Gefühls „der Freiheit im Blut“ # Siehe Artikel Weltbühne 2/90 #.

Es geht um die „Souveränität des Individuums“ als dem Grundwert.

Ist es nicht erst dieser Ansatz, der es dem Marxismus erlaubt, auch eine vollgültige Theorie des Überbaus zu entwickeln? Es kann doch kein Zufall sein, daß es der Marxismus zu einer solchen Theorie nicht gebracht hat.

Nach der Anerkennung der Souveränität des Individuums (die aber absolut notwendig ist) folgt dann gleich die Krux:

Souveränität des ausbeutenden Individuums versus

Souveränität des ausgebeuteten Individuums. 

Ich spreche nur von einer Verschiebung des Ideals, denn angenähert an diesen Standpunkt bin ich schon lange.

Die großen Veränderungen, keine Verschiebungen, sondern wahrhaft einen Zusammenbruch, gibt es hinsichtlich der REALITÄT meiner Ideale. 

Der Glaube, wir würden uns auf dem Weg der Verwirklichung dieser Ideale befinden, d.h. wir hätten bestimmte Grundwerte (Enteignung des Privateigentums an den Pm als Grundlage der Gesellschaft) unumkehrbar gesichert, dieser Glaube ist im Begriff völlig zusammenzubrechen. Zumindest die reale Möglichkeit, dass wir alles Erreichte, die doch wichtigen Grundlagen des Sozialismus verlieren (nämlich die Entmachtung des Privateigentums), diese reale Möglichkeit muß ich anerkennen.

Für mich persönlich kann das bedeuten, mich in der Position eines deutschen Kommunisten der 20er Jahre wieder zu finden. 

Da ist es schade, dass ich schon 50 Jahre alt bin. Meine 20, 25 besten Jahre sind verschlissen. Ich glaube, weder die geistige Frische noch die physische und nervliche Kraft für einen großen Aufbruch zu haben. Da ist Müdigkeit. Da fehlt der Tatenmut, einfach frei ins Ungewisse zu handeln. Jetzt sich an den Anfang eines Handlungsbogens stellen, der erst jenseits meines 80. Jahres wieder den Boden berühren würde? Nein, das wäre töricht.

Nein, ich kann nur – ohne jede Illusion über meine realen Wirkungsmöglichkeiten – das mir Mögliche beitragen:

-                      indem ich für eine wahre Erneuerung meiner Partei eintrete

-                      indem ich versuche, meine Stimme in meiner Partei hörbar zu machen (im Rahmen der Plattform 3. Weg)

-                      indem ich in neuer, viel kühnerer Weise versuche Bürgerinteressen zu kennen, zu formulieren, zu organisieren.

 

Es geht um den Bürgerrat „Arkonaplatz“ und um eine Konzeption zur Selbstverwaltung des Wohngebietes Arkonaplatz.

Was gehört dazu?

-                      Abriß des Holzteils der Baubaracke

-                      Umwandlung des massiven Teils der Baubaracke in ein Wohngebietszentrum mit guter Speisegaststätte

-                      gärtnerisch-kulturelle Ausgestaltung des Platzes (Pergola, Sitz- und Spielmöglichkeiten, Konzerte)

-                      Eröffnung von Läden in unmittelbarer Nähe des Arkonaplatzes

-                      Fortführung der Buslinie bis zum Grenzübergang Eberswalder Str.

-                      großzügiger Ausbau einer verkehrsberuhigten Zone vom A. bis zur Mauer bei gleichzeitiger Entwicklung eines Gestaltungskonzepts für das Grenzgelände/Mauerstreifen. (Diese Gestaltung sollte Park- und Kinderspielzonen vorrangig berücksichtigen daneben aber auch Raum für kommunale Dienste, Handwerker, Gewerbe schaffen.

-                      Erarbeitung eines entsprechenden Gesamtkonzepts Arkonaplatz als Bestandteil eines Projektes „Stadterneuerung“.

-                      Konstituierung eines (ehrenamtlichen) Bürgerrates „Arkonaplatz“, (der in sich wesentliche Teile der Wahlkreise 3 und 4 vertritt) und ein Mitspracherecht bei der bei der Planung und Durchführung des o.g. Konzepts hat (und überhaupt bei allen kommunalpolitischen Fragen im allgemeinen und das eigenen Gebiet betreffend)

-                      Sicherung der materiellen und finanziellen Bedingungen des Bürgerrates, hauptamtlich ist der Sekretär des Bürgerrates (der bisherige staatliche Beauftragte)

-                      Fixierung der Stellung und Kompetenz gewählter (im wesentlichen auf Wahlkreisebene) Bürgerräte in einer neuen Kommunalverfassung („Legislative zum Anfassen“). (Die gewählten Mitglieder der Bürgerräte sind zugleich Abgeordnete der Stadtbezirksversammlung (Personenwahl) und beanspruchen 50% der Mandate. Die andere Hälfte der Mandate wird von den Parteien nach der Verhältniswahl belegt.

-                      Die Bürgerräte entscheiden selbständig über den lokalen Haushalt und setzen lokale materielle und finanzielle Kapazitäten selbständig ein. Sie verfügen (u.a.) auch über eigene lokale Einnahmequellen.

-                      Vergesellschaftung (Vergenossenschaftlichung) der KWV in Korrespondenz mit der Entwicklung eines Hof- und Hausmeistersystems.

 

10. Dezember 1989 - Hoffnungsträger Gysi

Montag, November 21st, 2011

Fernsehinterview mit dem neu gewählten Gregor Gysi…. Hoffnung!

Besuch Nationalgalerie, Max Ernst, H.v. Marees

Die Steinklopfer an der Mauer

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 # Ein Flugblatt der Vereinigten Linken #

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29. August 1989 – „Die Erklärung der Menschenrechte von 1789“

Freitag, Oktober 16th, 2009

Ein Rest aus dem Programmheft der Staatsoper „Graf Mirabeau“:

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R. erzählt von ihrem Urlaub in Ungarn („Unser Geld ist nichts wert.“)

Der Westen trommelt weiter zur „DDR-Flüchtlingsfrage“. (Sie bereiten Erstaufnahmebedingungen für anscheinend 15 T. Leute vor.)

Makarow beeindruckend.

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22. April 1989 - Konrad Knebel

Dienstag, Juni 9th, 2009


Filmtheater Friedrichshain, 890422p1010050.JPG

“Die Kommissarin”, zum 2. Mal gesehen, gefällt mir jetzt sehr gut, kann ihn erst jetzt als Kunstwerk würdigen.

# “Die Kommissarin” ein hervorragender sowjetischer Film, gedreht im Jahre 1967, Buch und Regie: Alexander Ashkoldow, lange verboten, kam erst jetzt in die Kinos. #

Erneut Ausstellung Konrad Knebel im Ephraim-Palais. Ich war um die 40 min dort, hab’ mich vertieft - und doch noch kaum ein Drittel der Bilder gründlich betrachtet. Beginne, mir eine “Theorie” über ihn zu machen. Seine Bilder sind von unaufdringlicher Dialektik tief durchdrungen. Mich beeindruckt die Kraft der Komposition und geistigen Spannung (die tief im Malerischen ist). Ich spekuliere: seine Bilder haben immer einen poetischen Schwerpunkt, einen “poetischen Fleck”, der von einem “häßlichen Detail” kontrapunktiert wird. Immer ist da ein Haken, der das Poetische relativiert (”bricht” wäre oftmals schon zu viel gesagt). Diese Spannung, Handlungspielt sich immer vor einem neutralen Hintergrund, bzw. in einem neutralen, gleichsam “bezeugenden” (also keineswegs stummen) Rahmen ab. Die Zeichnungen gehen den Strukturen nach. Die kleinen Aquarelle fassen den poetischen Reiz sozusagen pur.

Der Text von Richter im Knebel-Katalog ist gut. Die Anderen reden mir viel zu viel nur vom 

21. April 1989 - Grundbuchänderung; “Sonntag”

Montag, Juni 8th, 2009


Gestern Abend kleine Wahlveranstaltung, dann Handarbeiten. Zu Hause lese ich den “Tangospieler” zu Ende. Ich halte es für ein sehr gutes Buch.

Heute zum Notar; mit L. zum Notar, anschließend im Cafe “Ephraimpalais”. Brief an Liegenschaftsdienst Oranienburg abgeschickt wegen Grundbuchänderung Schmachte.

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In der Galerie “Ephraimpalais” Konrad Knebel, wirklich sehr gut.

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 Lesenswerte Beiträge aus dem “Sonntag” 16/89.

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# Hans Vent gehört für mich zu den wichtigsten bildenden Künstlern der DDR.#

24. Januar 1989 - Abrüstungsmaßnahmen der DDR

Montag, Februar 16th, 2009

Gestern # eingeladen als Gast in meiner Funktion als WBA-Vorsitzender # bei der Jahreshauptversammlung der LDPD… 

C. erzählt, daß ihr Kollege P. sie vor ihrem neuen Chef gewarnt habe (was sie beeindruckt).

Abends lesen wir “NZ”. C. trifft sich heute Abend mit L.

Ich sage, daß ich zu dem polnischen Film gehe.

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Danach werde ich 20 Uhr zur Komischen Oper gehen, wo im Foyer “junge Musiker spielen”.

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Vorher gehe ich zum Computerzirkel im Jugendklub Wilhelm Pieck Str., so daß dieser Abend gut ausgestaltet ist.

DDR reduziert einseitig ihre Rüstung.

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C. sagt, sie freue sich über diese Abrüstungsmaßnahmen, aber… Im selben Atemzug prangert sie an, daß sich “das System” deshalb noch lange nicht ändere. Die Systemkontroverse hindert sie sehr, reale Schritte gebührend zu werten.

Sie liebt das Groteske, das Absurde, das Zerstörte. Das ist nicht nur Rhetorik. Sie lebt auch so. Mit der Beziehung zu L. pflegt sie gerade die Ruine einer Beziehung. Sie tut etwas dazu, daß die Ruine erhalten bleibe. W. und sein Verhalten haben ähnliche Tendenz. Solche Menschen (und sie gehört teilweise dazu) haben keine Inhalt, wenn sie kein unlösbares Problem haben. Sie müssen Aussichtslosigkeit erleben, um sinnvoll dazustehen. Kultivierung des Absurden: L. C. und ich sitzen zusammen im Kino (z. B. an einem Tisch im Becher-Club oder nicht an einem Tisch im Becher-Club).

# Heute bin ich verblüfft, wie gut sich dieses beobachtetete menschliche, psychologische Problem mit der Stellung der Individuen in der beginnenden Endkrise der DDR erklären läßt. Damals war ich natürlich weit von solcher Deutung entfernt. Kein Jahr später war es an mir, mit der Aussichtslosigkeit zu leben. Im Persönlichen entpuppt sich (oftmals aber schwer erkennbar) das Soziale. #

# Brief an den Leiter eines beliebten Grafikabonnements #

” Sehr geehrter Herr Rentsch!         24.1.89

Ich bedanke mich für Ihr “Mahnschreiben” vom 7.1.89. Tatsächlich habe ich nicht die Absicht, aus der Plauener Grafikgemeinschaft auszuscheiden. Nach weniger eiliger Durchsicht des Heftes zur Auswahl 20 bestelle ich hiermit von

- Christ Jahr, “Angler”, (Nr. 21)

- Thea Kovar, “Sich ankleidende Frau”, (Nr. 25)

- Max Uhlig, “Männerkopf”, (nr. 62).

Ich hab’ mir auch Besserung gelobt und will nun endlich die beiden bei mir verbliebenen Transportrollen zurückschicken.

Mit freundlichem Gruß”

21. Oktober 1982 – Ehrentag der Mitarbeiter des Gesundheitswesens am 11. Dezember

Samstag, Januar 3rd, 2009

Lesen: Gedichte Rühmkorf, “Bildende Kunst”, ND, Magazin

Ausstellung “100 ausgewählte Grafiken”, Walter Libuda gefällt mir gut.

Viele Ehrentage der Werktätigen gibt es in unserer Gesellschaft. Mit dem Ehrentag am 11. Dezember kann ich heuer erstmals was anfangen. Gedanken für den Brief an Dr. Steglich zum 11.12.:

# Dr. Steglich war der Direktor der Physiotherapieklinik, in der ich gelegen hatte. #

Nicht Krankenhaus, sondern Gesundungshaus, völlige Heilung, kein voreiliges Schneiden, Suchen bis zum Erkennen der tieferen Ursachen, Aktivieren der eigenen Hilfskräfte, Suchen “um jeden Preis” (wird manchmal belächelt); mitdenkende Mitarbeiter (Frau Rudolph) – das ist nicht leichter für den Leiter, allmählich aber nachhaltige Wirkung. Liebe der Mitarbeiter zum Beruf; etwas von Ethos war zu spüren.