Archive for the ‘meine DDR’ Category

25. Februar 1990 – im Garten

Mittwoch, Januar 11th, 2012

So schön wie das Wetter war der ganze Aufenthalt in Schmachtenhagen. Gestern habe ich alle Bäume und Sträucher geschnitten…und war fleißig beim radikalen Aufräumen… Nun ist Raum für Neuwuchs. Er soll jung und dicht werden, Zitterpappeln vor allem, die nun mal zu diesem Grundstück gehören, durchsetzt mit einigen Schönheiten, wie Vogelbeeren, Haselnüssen, Sanddorn, Heckenröschen. Lebenskräftig und dicht soll es an etlichen Stellen wachsen, damit Unterschlupf da ist, für Vögel und für uns…

So viel junges Grün, so viel Knospen! Geschlafen habe ich dort, wie immer, ausgezeichnet. Beim Aufwachen träumte ich von Hans Modrow. Er saß neben mir auf einer Bank. Ich fasste ihn um, zog ihn an mich uns sagte: “Hans, wenn du nicht kandidierst, ist die Partei kaputt, wenn ja, dann haben wir eine Chance.“ Dann wachte ich auf. Als ich im Rundfunk den Mitschnitt vom Parteitag hörte, den erleichterten Beifallsaufschrei, als er „Ja“ sagte, kamen mir die Tränen in die Augen.

900225-2.jpg

Irgendwo las ich von den Problemen des Mannes jenseits der 50. Pro Jahr nehme seine Kraft um 1% ab…. Fast immer wollen Männer in dieser Situation Leistung erzwingen. Eigentlich aber müssten sie etwas Neues tun, was ihren abnehmenden Kräften angemessen ist. Auch unter diesem Gesichtspunkt sehe ich meinen  Entschluß, die andere Arbeit zu machen.

Ich fühle mich gut erholt – abgelenkt und aufgeheitert  - durch Schmachte.

900225.jpg

23. Februar 1990 – Streit um Weiterbildung. Wer ist der beste Kapitalist?

Dienstag, Januar 10th, 2012

900223-1.jpg

Nun, 16 Uhr, nach der Beratung bei Dr. W., ist wohl entschieden, daß meines Bleibens hier nicht länger ist.

# Im Tagebuch steht nur dieser Satz. Dahinter verbirgt sich aber eine Erfahrung von Gewicht. Dr. W., vormals Kaderchef des Ministeriums für Elektroindustrie, war nun Kader- und Bildungschef des neuen Wirtschaftsministeriums. Er war ein äußerst flexibler Mensch und konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt bereits (wie ich später erfuhr) voll und ganz auf die Bildungszusammenarbeit mit der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Kiel. (Später sollte aus dieser Zusammenarbeit seine eigene private Weiterbildungsakademie hervorgehen; doch ich greife vor.) In irgendeiner Form die Zusammenarbeit mit Dozenten aus der DDR fortzusetzen, diesen allesamt belasteten Kadern, kam ihm nicht in den Sinn. Folgerichtig hatten wir in dieser Beratung sofort einen Frontalzusammenstoß. Ich war sofort und komplett abgemeldet.

Zwei Tage später wurde das von mir vorgeschlagene Sofortprogramm der Weiterbildung von Dr. W. voll und ganz akzeptiert und in Kraft gesetzt. Was war geschehen? Eine Gewerkschaftsberatung hatte stattgefunden und Dr. W. war auf das Heftigste kritisiert worden, daß er nichts für die Weiterbildung der Mitarbeiter tue. Da holte er mein Konzept aus der Tasche, es war genau das Richtige. Er war gerettet. Ich war gerettet. Und die Mitarbeiter hatten ihren Rettungsstrohhalm Bildung. #

 Auf der Suche nach Schreibpapier für den folgenden Brief habe ich diese Zeitungsauschnitte gefunden („Sonntag“ Nr. 45 von 1982).

 900223-21.jpg

# Im Tagebuch folgt hier ein Brief an meinen Freund Kurt. Ausnahmsweise habe ich dessen vollen Wortlaut nicht hier, sondern ins opablog eingestellt. #

900223-31.jpg

 

 

22. Februar 1990 – ZF nicht totzukriegen

Montag, Januar 9th, 2012

Wie hier zu sehen, nehme ich nun wieder den Kampf ums Überleben der ZF auf. – Sechs Briefe/Angebote an die Hauptabteilungsleiter des Ministeriums geschickt.

900222-1.jpg

900222-2.jpg

# Unerwartet traf ich mit diesen Angeboten voll ins Schwarze. Bei all den Mitarbeitern der früheren Industrieministerien, die nun im neuen Super-Wirtschaftsministerium gelandet (oder geparkt) waren, bestand ein enormes Informationsbedürfnis. Was würde auf sie zukommen? Was müßte man wissen? Ich, mit meinem Ein- Mann-Unternehmen ZF (jedoch meiner langen Erfahrung der Mitarbeiterweiterbildung) unterbreitete das allererste Weiterbildungsangebot. Die Mischung mir bekannter profilierter DDR-Dozenten (die sich so schnell wie möglich auf die neuen Fragen einstellten) und neu gewonnener Dozenten aus Westberlin war richtig. Alle diese Veranstaltungen waren erfolgreich.  #

900222-3.jpg

Begegnung mit Peter Röske, der nun endgültig die Räume für seine Galerie hat.

Eben mit Udo Weigelt freundlich telefoniert. Er ist jetzt 2. Parteivorsitzender des Landes Berlin und heftig im Wahlkampf engagiert.

900222-4.jpg

Ich bereite mich mit einigen Thesen auf die morgige Perspektivendiskussion vor. An Döring denkend, fällt mir das Bonmot ein: Früher war er Stalinist, jetzt ist er ein kopfloser Stalinist.

Demo der Vereinigten Linken. Dort treffen wir D. und R. Schließlich gemeinsames Abendessen bei uns zu Hause.

C. hatte nun Erfolg mit ihren ersten beiden Befragungen.

900222-5.jpg

Ist es nicht schön, daß uns hier festgehalten, aufbewahrt wurde, was vor 140 Jahren war?.

 

20. Februar 1990 – Kleine Ereignisse, Einzelmomente, aus denen sich der historische Prozess zusammensetzt

Sonntag, Januar 8th, 2012

900220-1.jpg

Mir scheint, daß dieser Brief viel Wahlkampfdemagogie enthält. Vielleicht ist das aber die Form und der Ausgangspunkt des Weges, der damit beginnt, daß man irgendwie versucht wieder miteinander zu sprechen.

Mein gestriger ötv-Partner in WB jedenfalls lehnte eine Teilnahme an der Veranstaltung am 27.2., an einer PDS-Veranstaltung, ab. #Vergl unser Flugblatt# Man akzeptiere PDS nicht als Partner, kaum den FDGB, der ähnlich diskreditiert sei.

900220-2.jpg

# Damals freute man sich noch über Bonmots dieser Art. Das war doch mal ein Parteiführer, der rhetorisch etwas drauf hatte. Erst später begriff ich, daß nun Bonmots und rhetorische Floskeln klare (und theoriegeleitete) Aussagen ersetzen würden. #  

Der Linie des nebenstehenden Briefes entspricht übrigens der von Henrich vor einigen Tagen im ND, der das weiterbestehende Medienmonopol meiner Partei anprangerte. Diese Leute reden schon mit uns in unseren Zeitungen aber noch und vor allem, um uns anzuklagen und uns möglichst viel zu unterstellen. Ihr Verhalten ist noch zweispältig.

Übrigens gestern auch bei der AL in WB. Sie wollen nach Möglichkeit jemanden zu uns schicken.900220-7.jpg

 Ich war dann noch in der dortigen Staatsbibliothek und hab mich orientiert. Dort gibt es passable Arbeitsbedingungen. Eigenartiges Erinnern an Studentenzeiten. Bei mir leider alles von sexueller Unbefriedigung überschattet.

900220-8.jpg

 # Den guten Herrn Thomae hab’ ich dann doch nicht geschafft, gründlich zu lesen. # 

Auf dem Rückweg treffe ich Peter ..?  von der Betriebsschule M-L. # Marxismus-Leninismus # Für seine Arbeit „Berufsbildung“ sieht er auch künftig eine gute Perspektive. Auch für ihn löst die völlige Niederlage des Systems des realen Sozialismus die Frage aus, ob nicht das kapitalistische System für den Menschen das bessere sei. Den guten, den reformierten („sozial-ökologisch“) Kapitalismus wollen viele enttäuschte Fortschrittler (so auch Günther Just im Fernsehen). Sozialdemokratismus.

900220-3.jpg

Erstaunlich, dass in dieser Zeit weitreichender Verwirrung, meine innere Stimme nicht im geringsten zweifelt an der Notwendigkeit, dass große Privateigentum an den Pm abzuschaffen. Und ich glaube auch nicht, dass das 1917 anders als gewaltsam möglich war. Diese Enteignung bleibt die größte Tat des realen Sozialismus (der damals übrigens noch kein stalinistischer war). Seine größte Untat war, dass ihr keine gesellschaftliche Aneignung folgte.

Parteigruppenversammlung abends. Wir sind wenige. Aber wir werden optimistischer. Wir beginnen zu handeln.  

900220-4.jpg

900220-5.jpg

 900220-6.jpg

17. Februar 1990 - Arbeiten für den Kapitalismus

Freitag, Januar 6th, 2012

# Zu den Tagebucheintragungen dieser Tage auch mal im opablog aus Sicht von 2012. #

Ich gehe morgens einkaufen (ND mit Statutenentwurf PDS). C. geht zu ihrer Meinungsbefragerschulung.

Vormittags lese ich viel, # u.a. kluge Gedanken des Schrifstellers Joochen Laabs #

 900217-3.jpg

mache sauber in der Wohnung, koche mir was, nachmittags dann wieder zur ötv, audi max der TU. Und wieder findet dort nichts statt. Es ist ärgerlich. # Politisch habe ich das damals nicht interpretiert. # Das folgende Papier ist aus der TU, aus dem audi max, wo die ÖTV-Versammlung stattfinden sollte.

900217-1.jpg

900217-2.jpg

Ich mache einen langen Spaziergang durch die Straße des 17. Juni, zur Siegessäule und durch den Tiergarten zum Übergang Potsdamer Platz.

Abends, gegen 20 Uhr, kommt C. (Sie hatte übrigens keine Lust mitzukommen, weder zu Eva Gürtler, noch zur ötv - was mich kränkte – aber es interessiert sie nun einmal meine PDS-Arbeit nicht.)

Sie erzählt von ihrer Einweisung (USUMA), ist ganz begeistert, praktisch ist sie EMNID-Befragerin. Ich sage ihr, daß nicht auszuschließen sei, daß sie damit Unterlagen zu erarbeiten helfe, die Kohl und Dregger im Kampf gegen die DDR brauchen. Sie könne es aber machen, denn sonst mache es ein anderer. Für mich verbiete es sich ja schon von vornherein, eine Arbeit zu machen, bei der ich politisches Wohlverhalten zeigen muß (keine frühere SED-Mitgliedschaft). Sie kriegt pro Interview (30‘-60‘) 6,- bis 15,-DM, was sie angeblich schon vergessen hatte. Zur Wahl am 18.3. machen sie eine spezielle Untersuchung. Sie will pro Woche 5 Std. dafür verwenden. Ich nehme an, daß es ein ziemlicher Aufwand wird. 

 900217-4.jpg

Was für eine Arbeit ist es? Es ist eine „ganz normale“ Arbeit, die der Markt verlangt. Es ist daher eine Arbeit, die ganz normal denjenigen BRD- Kräften dient, die den Markt beherrschen. Wenn sie einst die absoluten Herrscher sind, muß jeder ihnen dienen. (Auch ich werde in meinem Kiosk entsprechende Zeitungen verkaufen.) Solange sie nicht die absoluten Herrscher sind, werde ich meine Kraft meiner Partei und nicht ihnen geben, und ich werde ihnen immer so wenig wie möglich geben. So, wie es einst die Opposition in der DDR tat.

C. reizt die Befragungsmöglichkeit, das zuerst; ihr imponiert die Seriosität der Unternehmung; sie findet das Geld sehr passabel.

Für uns ergibt sich Konfrontation, Spaltung, Nebeneinanderherleben? 2x Sb  #Selbstbefriedigung#

900217-5.jpg

 

 

16. Februar 1990 – bei einer alten Genossin

Freitag, Januar 6th, 2012

Gestrige erweiterte WBA-Sitzung erfolgreich.

C. die sich bei der USUMA-Firma beworben hat wegen Intervieweranzeige, findet sich dort am Samstag zu einer Beratung ein. Sie hatte angerufen, war am Telefon gefragt worden, ob sie ehemaliges SED-Mitglied sei, hatte das bestätigt und sich dazu noch etwas länger ausgelassen # ihre Maßregelung erwähnt # Nun will sie mal hin, „um zu sehen“. C. – im Denken oft radikal, oft illusionslos (und immer mit diesem Anspruch), im Handeln dagegen manchmal gerade dann kompromißlerisch, wenn es darauf ankäme. Na gut, ich fühle mich nicht zum Richter berufen.

Es beginnt die Zeit, wo man zum ersten Mal stolz darauf sein kann, Mitglied der Partei (PDS) zu sein.

900216-1.jpg

Frau Luft ist zu einer politischen Wertung solcher Meldung nicht fähig.

900216-2.jpg 

Solche Meldungen (ND von heute) charakerisieren einmal mehr, wie konsequent die „Große Koalition“ funktioniert. Es gibt gelegentlichen SPD-Theaterdonner aber davon abgesehen ist die SPD auch heute was sie immer war, kleinbürgerlicher Partner, Helfer, auch Korrekturfaktor der großbürgerlich-imperialen Partei.

Anruf bei Frau Beringer mit meiner 90%igen Zusage, daß ich bei der Post anfange.

# Diese später nicht realisierte Perspektive wäre mit erheblichen Gehaltseinbußen verbunden gewesen. #

Fahrt nach WB zur ÖTV-Veranstaltung, die aber ausfällt (auf morgen verschoben). 

Dann zu Eva Gürtler, # eine alte Genossin aus meinem Wohngebiet #  anderthalb Stunden Gespräch. Es passiert eigentlich nichts weiter; wir sprechen eben miteinander; man darf sich nicht allein lassen; und besonders die Alten sollen nicht denken, daß jetzt gar nichts mehr zählt und daß auch die neuen Genossen sie jetzt möglichst schnell vergessen wollen. 

Abends warten wir auf den Erotikfilm in SAT1 – C. schon im Bett, ich bleibe bis spät auf – so ein Unsinn.

900216-3.jpg

15. Februar 1990 – Parteiaustritte

Donnerstag, Januar 5th, 2012

900215-1.jpg

 Einsam bei ZF.

 Vorbereitung der heutigen WBA-Beratung.

900215-2.jpg 

Die Austritte aus der PDS gehen munter weiter. Rolf Bauer sagte mir heute, dass er auch ausgetreten sei. Der Druck auf die Seele ist nicht gering.

900215-3.jpg

 

14. Februar 1990 – Letzter Tag meines Arbeitskollektivs (bzw. des von ihm verbliebenen Restes)

Donnerstag, Januar 5th, 2012

900214-3.jpg900214-2.jpg 900214-4.jpg

Letzter Tag mit R. und Nasdala. Ab morgen allein.

# Nach 23 Jahren Zusammenarbeit mit R. und A. auf dieser Arbeitsstelle! Leute im Realkapitalismus, die nur „Jobs“ machen, können nicht ermessen, was das bedeutet. #

Diese Stunden und Tage zeigen: Wir haben kein Konzept, uns selbst zu erlösen. So werden wir zu Recht untergehen. Bestehen wird nur, was wir uns selbst nehmen.

Abendliche WPO-Versammlung mit sehr geringer Beteiligung. Wir kommen nur unter sehr großen Mühen und Zeitaufwendungen in Gang. Ich habe eine öffentliche Diskussionsrunde vorgeschlagen und werde sie durchführen.

900214-1.jpg

Erfahre, dass der Schuldirektor Schuster aus der PDS ausgetreten ist. Das ist ein Gewinn.

 900214-5.jpg

13. Februar 1990 – Pressekonferenz Modrow – Kohl

Montag, Januar 2nd, 2012

R. hat mich heute in die Arbeit als Finanzsachbearbeiter eingewiesen.

# Ich war als einziger der früheren Mitarbeiter der ZF übrig geblieben und mußte nun alle Arbeiten der Abwicklung dieser Einrichtung erledigen. #

Seit Mittag war ich zu Hause – für den WBA und den Fensterputzer.

Pressekonferenz Modrow/Kohl original gesehen. Modrow hat nicht kapituliert und keinen Stich verschenkt. Es bleibt die Hoffnung, dass die DDR ein zu sperriger Fisch ist, als dass sie ihn einfach schlucken könnten. 

Brief an meinen Freund K.:

„… daß Euch zu allem Überfluß nun auch noch die LPG beunruhigen muß! Oder haben sich Eure Befürchtungen inzwischen nicht bestätigt?

Deine Gefühle der Müdigkeit, der Resignation, sind mir sehr vertraut. Darüber soll mein „progressives Papier“ nicht hinwegtäuschen. Diese Gefühle sind kostbar. Dieses unser Unglück müssen wir annehmen. Diese Niederlage, diese Schmach und Schande sind unsere Chance. (Du solltest wegen solcher Worte keine christliche Anwandlung bei mir vermuten.)

Zu diesem Thema die Kopie eines Tucholsky-Briefes von Dezember 1935….

# Diese Kopie findet sich nicht in meinem Tagebuch. Es handelt sich zweifellos um die bekannten Äußerungen Tucholkskys, in denen er die Unfähigkeit aller Demokraten und Linken anprangert, aus der historischen Niederlage gegen die Faschisten wirklich tiefschürfende Lehren zu ziehen. #

Nur so können wir uns von allen Wendeärschen wirklich absetzen. Du bist natürlich viel stärker als ich betroffen, gegenwärtig, weil Du viel direkter und ausschließlicher auf praktische Umsetzung orientiert warst. Für mich ist es dagegen schon ein gewisser „Trost“, daß das, was wir heute erleben unsere vergangenen 40 Jahre in keiner Weise wirklich geistig überwindet. Das, was heute –nach massenhafter Übereinkunft – tot ist, wird so leicht keine Ruhe finden/geben. Ob es nun erstmal 15 Jahre lang nur in Zirkeln weiter existieren wird oder doch bald wieder einen politischen Raum findet – das weiß keiner, ist mir auch nicht so wichtig.

Ich mache jedenfalls aus meinem Herzen keine Mördergrube und bekenne mich sehr deutlich zu dem, was ich in mir lebendig spüre.

Auf Brüche muß man sich einstellen.

Die Zentralstelle scheint mir zwar noch weiter Lohn und Brot zu geben, aber ich werde immer schwankender, ob ich das wollen sollte. Neugier und „Ungebundenheit“ (was natürlich eine andere Art Gebundenheit ist) könnte für uns (C. und mich) die Übernahme eines kleinen Buchladens oder Zeitungskiosks bedeuten (ist ernst gemeint).

Vielleicht für Dich/Euch käme in diesem Sinne die Übernahme der künftigen LPG-Nobel-Pension auf Rügen in Frage. Könntest Du Dich der LPG nicht als Aufbauplaner und –leiter unentbehrlich machen oder auch als Chefökonom? (Auch diese Vorschläge meine ich ein bißchen ernst.)…“

 Keinerlei Illusionen darüber, daß es in der Frage des DDR-Anschlusses in der BRD – mit Ausnahme der Grünen – eine große Koalition gibt.

 

 

12. Februar 1990 – Zeichen der Ernüchterung?

Montag, Januar 2nd, 2012

900212-1.jpg

Einkäufe am Freitagabend und Sonnabendfrüh in sehr geleerten Kaufhallen. Unter dem BRD-Druck flüchten die Leute so gut es geht in Sachwerte.

# Zwei oder drei Jahre später lernte ich zufällig eine Frau kennen, die ihre ganze Garage mit Lebensmittelkonserven angefüllt hatte und sich immer noch (notgedrungen, denn zum Wegwerfen waren sie ihr zu schade) weitgehend von diesen Vorräten ernährte! #

Am Samstag - C. arbeitet bei der Berlinale – mit F. zum Flughafen Tegel, danach zum Wachsfigurenkabinett am Kudamm und Zauberwurm Fipo. Am Sonntag mit F. in „Und rückwärts laufen kann ich auch“, guter DEFA-Film.

Bei L. und Johannes sorgenvolles (ernüchtertes) Gespräch über Zukunft der DDR.

Zu Hause Arbeit am Zukunftspapier für die Weiterbildungseinrichtungen des MMB

# („Ministerium für Maschinenbau“, das an Stelle der fünf  Industrieministerien gebildet worden war und in das ich später übernommen wurde.) #

In der heutigen BZ die Antworten der neuen Minister deuten auch auf eine gewisse DDR-Besinnung hin.

„Atame“, „Fessle mich“, mein erster Berlinale-Film. Nichts! Das sollte unterhaltend sein. Es war „frauenfeindlich“.

900212-2.jpg