Archive for the ‘Sex’ Category

10. Oktober 1989 - vergessenes “ich” in turbulenter Zeit

Sonntag, Oktober 18th, 2009

Das ND hat heute zwei Seiten voller Meldungen und Stellungnahmen gegen Randalierer - aber dabei gleichzeitig auch Meinungen, die zum Dialog aufrufen, über alles, was uns stört, Dialog mit Einsichtigen (die auf die Straße gegangen waren - Anzeichen erster vorsichtiger Differenzierung).

Doch auch dieses bringt die Tageszeitung:

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Honecker gleichzeitig beriet sich mit Delegation der VR China (!) - höchstes Einvernehmen. Im übrigen empfängt er arabische Gäste.

Die soeben gekaufte “Fotografie” 10/89 enthält nicht weniger als … Honeckerfotos, eine ganze Serie zur Geschichte der Arbeiterbewegung und weitere Politbilder; erfreulicherweise auch diese starke Nackte.

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C. ist nun den zweiten Abend weg. Ich genieße es, Ruhe und Zeit zu haben. Stelle fest, daß ich des Nachsinnens über mich entwöhnt bin.

Habe frühere Protokollbände neu gesichtet, mich an Bildern nackter Frauen delektiert. Habe kein Begehren nach C. aber Lust auf Abenteuer (jedoch keinen ausreichenden Antrieb dafür). Erwarte voller Vorfreude die heutige späte Fernsehsendung “Der Pornojäger”. Meine derzeitige Beschäftigung mit dem Thema “Ficken” hat etwas von der schwächlichen Art eines alten Mannes.

Das Durchblättern der Protokollbände gibt mir doch den Eindruck, als sei da eine ganze Menge (Liebes-)Leben aufgehäuft. Ich sehe mich als einen Naiven, der sich immer mit der “Philosophie” auch noch der banalsten Liebelei beschäftigte. Das schlichte, gekonnte Lustficken war bis zuletzt nicht meine Sache. Würde ohne C. (d.h. allein) ein Techniker der Lüsternheit werden.

Bin in letzter Zeit nicht gerade gut zu C. Bin nicht herzlich, bin angestrengt. Warum?

08. Oktober 1989 – Gethsemanekirche

Sonntag, Oktober 18th, 2009


C. und ich gehen abends von ihrer Wohnung # Erich Weinert Str.# nach Hause # zum Arkonaplatz. # Wir kommen dabei in der Nähe der Gethsemanekirche vorbei.

# Wir sehen eine Menge Polizeimannschaftswagen, denken uns aber nichts weiter dabei..#

Abends lesen wir Sowjetliteratur. Später Sondersendung im Westfernsehen. Polemik zwischen uns, Sekt (mit zwei verschiedenen Toasten), Erotik, jedoch kein Sex.

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17. September 1989 – Sexfotos

Samstag, Oktober 17th, 2009

Am Freitag ein Brief von H. Gross # mein Lieferant “pikanter” Fotos #, mit diesen Angeboten:

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24. Juli 1989 – “Kohlenkutte”

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Abends “Kohlenkutte”. Drastische Szenen (Selbstbefiedigung). Danach und nach schwarzem Tee kann ich abends nicht einschlafen.

# Ganz interessant damals (finde ich aber erst heute) Rolf Schneider im “Spiegel” zu “Kohlenkutte”.#

polnisches Requiem” von Penderezki,

Verteidigung der Kollektivarbeit des 44. Lehrgangs, erfolgreich.

Morgen langer Tag mit Vorlesung Graichen (“Materialökonomie”).

12. April 1989 - zwei Filme von Krzysztof Kieslowski

Sonntag, Juni 7th, 2009

Mit C. im Fischrestaurant, dann spazieren und noch in der Eisbar.

Schließlich 3 1/2 Stunden Film bei den Polen. 890412p1010040.jpg

Der erste Film ist recht gut: Zum Problem der alltäglichen Gewalt, des brutalen Verbrechens und der Menschlichkeit des Verbrechers. (Erinnert an den sowjetischen Dokfilm über den Doppelmörder.)

Der zweite Film war mehr ein Salonstück: Der Zusammenprall des Liebenden mit der Nichtliebenden - es war aber dieser Ansatz nicht groß genug bewältigt. Sexuell animierend die Szene, als sie - nackt unter ihrem Kittel - mit gespreizten Beinen vor ihm auf den Füßen hockt. Er streichelt schüchtern ihre Knie und Schenkel und wandert furchtsam, zögerndmit seinen Händen zur Mitte. Sie sagt, daß sie da drinnen feucht sei. Der suggestive Moment: Ihr die Hand auf die geöffnete feuchte Votze zu legen. Oder sie in dieser Haltung vorsichtig auf den Rücken legen und mit der Zunge eindringen. Für ihn - 19-jährig- der unübersteigbare Punkt.

 

04./05. März 1989 - Rückblick 1951

Freitag, März 13th, 2009

Der 44. Lehrgang ist gut angelaufen, die erste PC-Abend-Veranstaltung bei ZF.

Nach Skaby raus. Lange geschlafen - der Streß der Woche. Schnittarbeiten am Skaby-Weinstock, Fenterputzen.

Abends versucht mit C. “Die Kommissarin” # bedeutender sowjetischer Film #, ist aber ausverkauft. Zurück: Gelesen in “Budapester Rundschau” und Polemik dazu.

Halsschmerzen.

Gutes, bestes Verhältnis zwischen uns, schon seit langem.

dokumentiert: “Sonntag” 10/89

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# Ein Auszug aus der Wochenzeitung des Kulturbundes (einst auf Initiative von Johannes R. Becher gegründet). Diese kulturpolitische Zeitung hat nach dem Untergang der DDR als “Freitag” überlebt. Kürzlich in den Besitz von Herrn Augstein jr. übergegangen, ist sie gerade in Verwandlung begriffen.

Der hier reproduzierte Auszug bringt einige historische Fakten von 1951, der Zeit der Formalismusdiskussion in der DDR, also der - sage ich verkürzt -stalinistischen Phase der Kulturpolitik der SED. Ich erinnere mich, daß mich damals bei ruhigem Lesen verwundert hatte, welch bedeutende künstlerische Leistungen in dieser Zeit, 1951, vollbracht wurden. Um welchen Preis?

Die Oper von Brecht/Dessau “Die Verurteilung des Lukullus” ist ein grandioses Werk. Wolfgang Staudtes Film “Der Untertan” ist, ebenso wie Heinrich Manns Roman, einfach wunderbar. Ich bekenne es den Heutigen, den Nachgeborenen - solche Werke tief in sich aufgenommen zu haben, das gehört maßgeblich zu meiner DDR-Identität.

Das erwähnte “Hochhaus an der Weberwiese” war ein populärer Neubau im Hinterland der Stalinallee. Noch im Ohr ist mir ein flotter Schlager: “Was ist den an der Weberwiese los, dort steht ein Haus ganz riesengroß…” Eines Nachts, Ende der 60-er Jahre, habe ich im Schatten des Hochhauses an der Weberwiese (ich bin geschwätzig) zum ersten Mal meine Frau betrogen. #

 

07. Februar 1989 - Karneval in Wasungen

Dienstag, März 10th, 2009

In “Gesellschaftswissenschaften” 4/88 u.a. guter Artikel von Abalkin (über die historischen Erfahrungen der sozialistischen Wirtschaft) und Jonin über “Die Reue”

# Der Film “Die Reue” des georgischen Regisseurs Tengis Abuladse war damals eine der schärfsten und zugleich künstlerisch bedeutsamsten Abrechnungen mit dem Stalinismus. Natürlich wurde er in der DDR nicht gezeigt. Etwas später wurde er im Westfernsehen gebracht. Man sagte, daß Schewardnadse als georgischer Parteichef den Film ermöglicht habe. Ergo baute ich auf Sch. und war lange nicht fähig, seine Deutschlandpolitik zu verstehen. Ein “schönes” Beispiel, wie Informationsmangel mich manchmal zu einer erstaunlichen Klein-Fritzchen-Sicht führte. #

Fernsehberichte, gefahrvolle Situation in Afghanistan im Moment des Abzugs der sowjetischen Truppen.

 Gestern Rosenmontag mit Heide im “Thüringer Hof”, “Wasunger Tor”, “Ratskeller”, “Bären”, “Erholung”, “Paradies”, wieder “Bären”, dann ging ich endlich. Zu Hause lese ich noch 2 Stunden “Magazin”. Eine erotische Spannung stellt sich aber nicht (mehr) ein.

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Blick auf W.s Rosemarie, das Weibchen. Als ich nachmittags zu ihnen reinkomme, um den Fernseher zu holen, schlafen sie, tief in Kissen vergraben. Das Weibchen, schlaftrunken ermuntert sich und deckt ihr ganzes Bein bis zur Hüfte auf. (Sie hat ein schwarzes Strumpfhösel an.)

 

23. Januar 1989 - halböffentliche Diskussionen

Montag, Februar 16th, 2009

Hölderlin-Collage in der Volksbühne. Es war enttäuschend….

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Übrigens gestern 80,- Mark von Osmenda für die Treppenreinigung (für 2x7 Monate)….

Jetzt gleich zur Gratulation wegen des 60. Geburtstages von E. # E. - die Arbeitskollegin, die das kleine Internat meiner Arbeitsstelle besorgte.# G. # mein nun ehemaliger Chef # auch bei der Gratulation. Als er gegangen ist, Gespräche über Westreisen zwischen R. und E….

Ich erinnere mich an den Diskussionsbeitrag von ???? (Geschonneck?) beim Kongreß der Film- und Fernsehschaffenden. Dort war u.a. als ein nicht zu ignorierendes Thema genannt worden: Was bedeutet die Existenz zweier Währungen in der DDR? In diesem Protokoll sowieso eine Vielzahl aufgeweckter Äußerungen. C. hatte den Band 2 des Protokolls mitgebracht (die eingereichten aber aus Zeitmangel nicht gehaltenen Beiträge). Den Band 1 hatte sie auf Arbeit schon gelesen und - so denke ich - erstmal L. ausgeborgt….

# Ein Beispiel dafür, daß in der DDR durchaus gesellschaftliche Probleme artikuliert wurden. Die “führendsten Genossen” (ein bezeichnender Ausdruck), hätten durchaus die Möglichkeit gehabt des Volkes Stimme (bzw. die Stimme anerkannter Intellektueller) zu vernehmen. Sie zogen es vor, ihre Ohren zu verschließen. Die Macht aber, weiterzugehen, über das Bitten und Vorschlagen hinaus, diese Macht hatte das Volk nicht. Die Macht “der Führendsten” war nicht relativierbar. Sie mußte sich nicht bestätigen - der sozialistische Krebsschaden. #

Der Übermut läßt mich Barbara K. und Lilo M-R. anrufen # die eine Freundin, die andere flüchtige Sexpartnerin vergangener Tage #. Bei der einen nimmt keiner ab, bei der anderen meldet sich ein Ausländer, keine Verständigung.

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20. Januar 1989 - Mozart

Mittwoch, Februar 11th, 2009

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 C. geht heute Abend mit Wulf und Werner in “Germania”.

# Heute, 12.2.2009, wird in der Zeitung über den Dokumentarfilm “Material. Deutschland 1988-2008″ von Thomas Heise berichtet. Ein Film, der mich enorm interessiert. Darin spielt auch diese Inszenierung von “Germania” eine Rolle:

“1988 inszeniert Fritz Marquardt Heiner Müllers »Germania Tod in Berlin« am BE. Das Stück ist da 18 Jahre verboten, durfte weder gespielt noch gedruckt werden. Ein Jahr vor dem Mauerfall verstand Klaus Höpcke nicht mehr, daß er es einmal mit auf den Index gesetzt hatte. Wer die Geschichte von 1989 erzählen will, muß spätestens 1988 beginnen. »Material« zeigt die Quälerei, die Ernsthaftigkeit der Probenarbeit.”#

Für mich habe Werner keine Karte mehr bekommen. Das ist zwar schade, auch weil sie damit unser Skaby-Wochenende platzen läßt. Ich habe aber keine Probleme damit, weil ich die Begründung glaube und kein absichtliches Ausschließen vermute. Daß Wulf freilich dieses Motiv haben könnte, ist dennoch nicht auszuschließen.

Wir waren gestern im Schauspielhaus (trafen G., Krebsverdacht bei K.). Ich sagte C., daß in Mozarts Musik immer vorhanden sind (verbunden, widerstreitend, immer recht hart und unvermittelt gegeneinander gesetzt) zarte, spielende (unschuldige) Kindlichkeit und Gewalt, erhabene oder/und erschreckende Macht. Und ich sagte ihr, daß das genau auch ihr Persönlichkeitserleben, ihre Persönlichkeitstruktur sei. (Sie fand das treffend.)

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Wie doch der sexuelle Reiz einer Frau allein durch etwas mehr Fleischlichkeit zunimmt.

 

28. Oktober 1982 – zwei Arten Orgasmus

Sonntag, Januar 4th, 2009

Hörspiel Günter Rücker “Einer Reise zusehen”

Lesen: “Temperamente” 2/82 Report “Kutscher und Solotänzer” (Hanusch), “Deutsche Zeitschrift für Philosophie” 9/82, Geerdts über Goethe 74-96)

Nach dem Hörspiel von Rücker: Kunst darf es, schafft es, uns innerst anzuregen, spricht uns aus dem Herzen. Darf, kann Wissenschaft das heute nicht mehr, speziell die Philosophie?

Es gibt Zeiten, wo Gedanken für dies Tagebuch geradezu sprudeln, Gedankenknäuel würgen sich hervor. Es wäre gut, dazu Näheres mitzuteilen. Doch dazu nachher. Jetzt erstmal das Knäuel zu Tage gebracht:

Das Sinken meines sexuellen Begehrens Heidruns geht einher mit einem (noch schwachen) Aufflackern meines Aktinteresses. […]

Davon ausgehend wurde ich zum Nachdenken, eigentlich nur Staunen, über mich angeregt: Mit welcher Gier betrachte ich meist Aktfotos. […] Wobei die Gier das eindeutige Ziel hat, das weibliche Geschlechtsteil in den vielfältigsten Darbietungen oder Verstecknissen zu erspähen. Was hab’ ich nur davon? Da hast du eine Viertelstunde lang, meinetwegen auch eine halbe Stunde, dies Teil nach Herzenslust ausgekaut (wobei Geschäftigkeit waltet, Bemühtheit aber nicht Erschütterung). Und nun?

Der Stier stößt nach dem roten Tuch, in Wirklichkeit aber in die Luft.

Mephisto lässt die Studenten in Auerbachs Keller begehrlich zugreifen, der Zauber entgleitet, Nasen und Ohren haben sie gepackt.

Diese Entzauberung (meine, nicht die der Studenten) wird durch die Triebbefriedigung vermittelt. Also: Ich bin vor dem Geschlechtsverkehr ein anderer Mensch als nachher. Mein ganzes Empfinden ist geändert (aus physiologische Ursachen). Mein ganzes?

Es gibt auch einen anderen Erlebnisablauf. […]

Der sexuelle Ablauf entsprach dem oben erwähnten (und war durchaus momentan relativ verselbständigt), jedoch war er eingebettet in einen “Orgasmus des Menschlichen, Psychischen, Sozialen”. Ich war von Gier auf diesen Menschen, diese Persönlichkeit erfüllt und schleuderte mich selbst als ganze Persönlichkeit in sie hinein. Mir entriss sich Samenflüssigkeit, und dies gab die bekannten elementaren Emotionen ; doch dieser Vorgang verschmolz mit einem anderen. Er war nur das Pferd, der andere der (spornende) Reiter. Es war zugleich mein menschlich Innerstes, Keimhaftes, Zartestes, Zukünftigstes, das sich mir entriss, also verschenkt wurde (und gleicherweise von mir empfangen wurde).

Dieses Erlebnis war Seligkeit […], und dies Erlebnis zerstörte keinen Zauber, sondern machte ihn eigentlich ganz wirklich. (All das ist etwas Besonderes, nicht beliebig reproduzierbar, obwohl es sicher viele Menschen irgendwann mal erleben. Hoffentlich machen sie es sich bewußt.) Das menschliche Erlebnis ist nur maximal als zugleich physischer Vorgang. Die Physis drängt, soweit geschlechtlich, rhythmisch auf Betätigung, gleichgültig ob all die anderen Bedingungen für solch Gipfelerlebnis erfüllt sind oder nicht. Sind sie es nicht, so gaukeln die Reflexe Erinnerungen als Erwartungen vor, und schon kommt es dazu, daß ich vom Reiben des Schwanzes ein Paradies erwarte.

Übrigens, wenn menschliche Beziehungen als physische maximal sind, so ist zu fragen, welches die physische Gestalt von Freundschaftsbeziehungen sein kann.

Wenn dies alles so halbwegs durchdacht, was also tun?

Natürlich offen sein für die Menschen, für die Liebe. Jedoch solange sie nicht kommt? Die Verzauberung nicht schmähen! Die Entzauberungen durchleben! So wie der Schmied das Eisen immer wieder in die Glut legt, dann ihm einige Schläge versetzt, dann wieder in die Glut usf., viele Male wiederholt, bis dem plumpen Kloben seine Schlacken herausgedroschen sind und Festigkeit, Leichtigkeit, vielleicht sogar edle Form erreicht sind (manchmal zerbricht ein halbfertiges Stück).