26. Oktober 1982 – Frauen, Kälte, Aussteigen
Samstag, Januar 3rd, 2009Lesen: Gedichte Czechowski, Katalog IX Kunstausstellung
Gartenarbeit. Nach der Gartenarbeit heute bin ich völlig kaputt. Die Gesundschreibung erfolgte zu schnell.
Als nun älter werdender Einspänner wird’ ich wohl öfter Frauen treffen, die sexuelle Probleme haben. (Das könnte ein Grund sein, Witwen zu bevorzugen.) Eigentlich sind solche so genannten kalten Frauen wie Marita oder Heidrun tragische Figuren. Wie sie sich fiebernd endlos unterhalb des Gipfels quälen! Letztendlich freudlos an die Kette der Lust gelegt! Innerlich (einschließlich des sexuellen Reizes) bin ich mit Heidrun fertig. Nur eine Frau, die mich überwältigt, wie einst L. und nur solange sie es kann, kann mich leidenschaftlich sehn. Ist das nicht der Fall, ergibt sich spontan, daß ich mit großer Sympathie ihre Lebensgeschichte aufnehme, daraus Zärtlichkeit schöpfe und sobald die Wiederholungen deutlich werden, erkalte. Mein Interesse zieht diese Frauen an. Ich bin mir frühzeitig klar, daß keine Liebe bei mir ist. Was ist mein Motiv? Ein Grundbegehren ist sexueller Art, doch wird es interessanterweise von der zärtlichen Anteilnahme überformt, die wie eine Quasi-Liebe wirkt und den gedankenlosen sexuellen Genuß be- oder verhindert. Ja, das Grundbegehren ist wohl das nach zärtlicher Anteilnahme, gütig zu sein. Doch scheint es, als erweisen sich diese Partnerinnen als dafür nicht aufnahmefähig genug. Die bloße physiologische Befriedigung des Mannes ist nur wenig von der Frigidität der Frau verschieden.
Verrückter Traum heut Nacht: Vor einem Betrieb ein billiger Marktstand . Darauf Bücher aus der ZF-Bibliothek, Teilnehmerlisten der Lehrgänge, einige Grafiken von L. Alles wahllos angeboten. Als ich später aus dem Betrieb komme hatte es geregnet, und alles ist durchweicht. Ich nehme zuerst Grafiken an mich, schiebe sie vorsichtig in meinen schon recht vollen Campingbeutel, stopfe Bücher und vertrauliche Dokumente hinterher.
Gestern: Den Dichter Czechowski empfinde ich besonders in seiner Kritik an unserem Sozialismus als geistesverwandt. Ich fühlte mich bestätigt in Vielem und konnte nicht einschlafen. Meine freie Meinung zur IX. Kunstausstellung werde ich aufschreiben und als Brief an Bekannte schicken.
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Ich möchte weiter eine verantwortliche, normale Arbeit machen. Wirkliche oder innere Emigranten, Ausflipper gibt es genug. Um Kritik dieser Gesellschaft konstruktiv machen zu können, muss man Teil dieser Gesellschaft, möglichst wesentlicher Strukturen dieser Gesellschaft bleiben, sein.
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* Wenn die Arbeit bei Sero nicht klappen sollte, möchte ich trotzdem von der ZF weggehen, oder nein, genauer gesagt, kann ich an der ZF nicht so weiterarbeiten, wie bisher, werde ich eine prinzipielle Kritik geben und prinzipielle Vorschläge machen.
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* Dies mir vorstellend, kommt mir zum 1. Mal der Gedanke (ernsthafter Gedanke), wenn notwendig auszusteigen. Kohlenträger kann ich nicht mehr werden. Vielleicht Imker? Wann kann dieses Aussteigen notwendig werden? Dieses Aussteigen wäre ein anderes Einsteigen!






