Archive for the ‘zu diesem Tagebuch’ Category

PC-Ausfall

Samstag, Dezember 15th, 2007


Ganz plötzlich hat mein Windows und dann sogar der ganze PC seinen Geist aufgegeben.
Dabei habe ich selbst kräftig Hand angelegt.
Eigentlich wollte ich nur das Spracherkennungsprogramm „Dragon Naturally Speaking“ installieren, um damit dieses Blog viel rationeller betreiben zu können. Der „Dragoner“ hat aber einen enormen Speicherbedarf und zwang mich deshalb zu etwas, vor dem ich schon lange zurückgeschreckt bin, nämlich die Partitionierung meiner Festplatte zu ändern. Damit fing eine Kette von Fehlern und Ausfällen an.
Mein „Helfer in höchster Not“ war gerade auf Lehrgang und hat jetzt sowieso vorweihnachtlich knappe Zeit.
Noch kann ich nicht sagen, wann ich wieder stabil online bin.

29. April 1982 - französische Fotografien

Samstag, November 3rd, 2007



[…]

# Seminare, Krankenbesuch bei meinem Chef, Seminare #

[…] Die Art des Tagebuchschreibens hat sich merklich verändert. Es ist nicht mehr so sehr gründliche Selbstanalyse, vielmehr wird notiert, was so abfällt. (Doch stehe ich sowohl durch die Arbeit, als auch durch das Marita-Erlebnis unter Zeitdruck.)

# (In der Zeitschrift „Fotografie“ Bericht über eine Ausstellung historischer französischer Fotografien.) #

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22. April 1982 - mein unerotisches Ich

Samstag, Oktober 27th, 2007



[…] Tagebuch: Das Aufschreiben dient immer auch dazu, bestimmte Möglichkeiten zu objektivieren und dabei zuzuspitzen zum Extrem. Danach können sie wie fremde Tatsachen geprüft und eventuell auf ihr reales Maß zurückgeführt werden. (Sich was von der Seele schreibe, das ich vielleicht selbst nicht ganz ernst nehme.)

Marita lehnte eine gewisse Art des Küssens ab, die sie „Zutschen“ nannte, ebenso gewisse andere (unsinnliche) Spielereien. (Dabei erinnerte ich mich an meine damalige Negerin, die sagte, ich küsse sie - weil ohne Zunge - wie ihr Vater. Sie wurde richtig verlegen.) Mar. war so frei, mir zu sagen oder vorzumachen, was sie unter richtigem (sinnlichem) Küssen versteht. (Am Morgen, ausgeruhter, gelang mir dies auch selbstverständlich und ohne Anleitung.)

Dieser ganze Komplex von Empfindungen und Verhaltensweisen spielte auch zwischen L. und mir eine entscheidende Rolle. Es ist ein Nicht-wirklich-in-den-Partner-Hineingehen, ein Beisichbleiben, ein Unerregtsein bei mir, ein Woanderssein, das die Partnerin dann unbefriedigt läßt […]. Solches Verhalten von mir drückt wahrscheinlich bei Marita neben meiner Ermüdung vor allem Unsicherheit, anderweitige Belastung aus, bei L. aber vor allem meine Selbstzufriedenheit, Routine, eine Einstellung: Ich hab den Anderen ja sicher und bediene mich gelegentlich seiner zum Vergnügen (durchaus beidseitigem). Das ist die bei mir liegende Wurzel, die L.s Liebe abgekühlt hat. Die Frau will immer wieder, unter Einsatz von allem, was der Mann hat, erobert sein, d.h. von ihm mit allen Sinnen wahrgenommen und mit allen Sinnen angeeignet sein. Das ganze soll möglichst noch explosionsartig, wie im Rausch vor sich gehen.

Für solches Verhalten (als Dauerverhalten in einer Liebesbeziehung) bin ich zu kühl und zu schwach, zu rational. Jedoch war da auch überhebliche Selbsteinschätzung im Spiel, die Überzeugung, mich doch recht gut auf die Partnerinnen einzustellen und sie zu befriedigen. Die ernsthafte Kritik dieses Egoismus ist wohl sehr angebracht.

28. März 1982 - Band 2 des Tagebuchs beginnt

Donnerstag, Oktober 4th, 2007


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07. März 1982 - Sinn meines Tagebuchs

Mittwoch, September 5th, 2007

[…]

Hebbel S. 17, 24.10.1839: Aufgabe der Kunst ist Darstellung des Lebens, d.h. Veranschaulichung des Unendlichen an der singulären Erscheinung.“ S. 18:“Ich halte es für die größte Pflicht eines Menschen, der überhaupt schreibt, daß er Materialien zu seiner Biografie liefere. Hat er keine geistigen Entdeckungen gemacht und keine fremden Länder erobert, so hat er doch gewiß auf mannigfache Weise geirrt, und seine Irrtümer sind der Menschheit eben so wichtig, wie des größten Mannes Wahrheiten.“ (Tagebücher als Barometer des Jahreszeitenwechsels der Seele und rückblickend Entdeckung geistiger Wendepunkte) S. 20: Das erste und einzige Kunstgesetz: An der singulären Erscheinung das Unendliche veranschaulichen.

Auch ich will am Einzelfall das Allgemeine erfassen, aber durchaus nicht in künstlerischer Gestaltung. Für mich ist das Tagebuch nicht Hintergrund, Gegenpart eines künstlerischen oder wissenschaftlichen offiziellen Werkes. Für mich ist es Selbstdarstellung und Selbstverständigung zugleich die Basis des wissenschaftlichen Werkes selbst. Daher ist das oberste Gesetz dieser Darstellung: uneingeschränkte Wahrheit. Ich bin mir bewußt, daß ich mit jeder Notiz empirische Daten für spätere wissenschaftliche und das heißt natürlich historisch-materialistische Verallgemeinerung schaffe.

Deshalb kann ich nicht so sehr Schlußfolgerungen oder gar Aphorismen bieten, mir kommt es darauf an, Sachverhalte möglichst genau und aktuell (also immer unter Zeitdruck) festzuhalten.

[…]

Über einige abstrakte theoretische und weltanschauliche Potenzen dieser Sache bin ich mir durchaus im Klaren. Hier wird der Mensch direkt gefaßt. Hier wird er als Ganzer gefaßt (nicht Teilung in verschiedene Wissenschaften, Künste, Biologie, Ideologie, Politik usw.), hier werden gesellschaftliche Tabus bzw. Verbote unwirksam. Es gilt auch mehr berühmte Tagebücher zu lesen. Auch „Anne Frank“, „Tagebuch der Armut“. Denkbar wäre es auch, dazu mal in einer Zeitschrift („Neues Leben“, „Magazin“) zu schreiben, z. B. berühmte Tagebücher vorstellen und sagen wie und warum ich selbst schreibe.

[…]

04. März 1982

Donnerstag, August 30th, 2007

Traum: Ich und eine mir zufällig bekannt gewordene Frau schwimmen, paddeln im Wasser bei einer Dampferanlegestelle Die Heckteile mehrerer Schiffe und Boote sind uns zugewandt, so daß wir von 3, 4 verschiedenen Schiffsschrauben umgeben sind. Das Schiff, mit dem wir fahren wollen, soll bald starten. Bekannte sind schon drauf, wir machen keine Anstalten aus dem Wasser zu gehen und auch einzusteigen. Ich sage: „Bald geht es los, wir sollten uns etwas von den Schrauben entfernen.“ Dann fährt unser Schiff rückwärts (im Bogen) von der Anlegestelle ins offene Wasser. Ich kriege den Bug zu fassen und werde in sausender Fahrt mitgezogen, meinerseits habe ich die Frau an der Hand gefaßt. Dann stoppt der Kahn, groß wie ein Dampfer der Weißen Flotte. Ich höre den Kapitän sagen:“ Na, 80 Std/km hatten wir erreicht.“ Dann beginnt die langsame Fahrt vorwärts, und ich glaube, wir steigen ein. […]

Ein Beispiel, wie es in einem „geistig arbeitet“, ohne daß man dies bewußt tut: Am 23.2. hatte ich mit E. Lassow telefoniert,

Prof Dr. E. Lassow ein Bekannter, früherer Arbeitskollege an philosophischen Institut der Humboldt Universität zu Berlin

Termin ausgemacht für 10.3. zwecks Information über Arbeitsmöglichkeit für mich an der HUB. Damals schien mir nichts besonders mitteilenswert von diesem Gespräch. Er sagte (sinngemäß):“Unser Gespräch muß aber ganz unverbindlich sein. Ich kann Dir keinerlei Zusagen machen, Du kannst Dich nicht darauf berufen, und daraus können sich keine weiteren Aktivitäten ergeben.“

Der letzte Nebensatz ist es, der für mich zunehmend meine ganze Erwartung, Einstellung auf dieses Gespräch bestimmt, dieser Nebensatz in seiner peinlich übervorsichtigen Ablehnung möglicher Verbindlichkeit. […]

Man schaue sich Angelika G. an, Petra K., Petra H., auch Bernd Wagners Freundin (?). Wie eh und je ist ihr Dasein nicht erfüllt, wenn sie nicht ein Kind hervorgebracht haben. Die Weiber sollen (und wollen) gebären.Neu ist vielleicht, daß sie den Mann nur als „Initialzünder“ brauchen, dann nicht mehr (bzw. glauben sie es, bzw. geht es nicht anders) und daß sie (vielleicht deswegen) nur ein Kind haben wollen.

Daß das alles geht - ist es nicht Ausdruck des neuen Humanismus, der Toleranz und Freundlichkeit in unserer Gesellschaft? Und wohin wird sich solche Tendenz verlängern?

Bewegung ist absolut, auch im menschlichen Leben. Doch jeder Mensch braucht auch relative Ruhemomente. Ganz bewußt die Relativität der Ruhe (in jeder Hinsicht) leben! Für Viele ist jedes kleine Moment relativer Ruhe ein konsequentes, (teilweises) pflichtbewußtes Gestorbensein. (Daher der starre oder verbiesterte Gesichtsausdruck vieler Menschen. - Sie haben stets ein Ziel, Motiv, dem sie nachstreben und müssen dabei ständig über ärgerliche Hindernisse steigen.) […]

Habe ich ein Recht so viel Zeit für dieses Buch zu verwenden? B. Wagner erzählte, daß er zeitweilig nichts anderes tat, als ein immer ausgefeilteres Tagebuch zu schreiben (freilich mehr ein Sudelbuch nach Art von G. Chr. Lichtenberg).[…]

Frauen, die du gehabt hast, haften an dir und wecken das Interesse neuer Frauen, vielleicht sogar noch mehr als Interesse: Eine Lust, sich zu messen (mit deiner Vergangenheit). Freilich mußt du gern und froh die Aura der von dir geliebten oder zumindest gern besessenen Frauen tragen, darfst es nicht verdrängen. Dein bisheriger „Erfolg“ (Glück) gebiert neuen „Erfolg“ (Glück). Dass habe ich heute deutlich im Bus gespürt. Das Erlebnis, A. zu besitzen hat mir Mut und Reiz gegeben, die Aufmerksamkeit einer wirklich schönen (Ähnlichkeit mit Angelika Domröse), beherrschten, und befriedigten modernen Frau zu erregen, obwohl sie ursprünglich wirklich uninteressiert war.

 

27. Februar 1982 - Objektivierung durch Tagebuch

Mittwoch, August 22nd, 2007

Wohl den Menschen, die nach dem Aufwachen noch liegenbleiben und sinnen können, wie ich heute. Das heißt, das Gold zu bergen, das die Morgenstunde im Munde hat. Am Abend bis du ganz von Streben, vom Handeln, vom Ausgesetztsein des Tages zerfetzt. Am Morgen bist du in allen Teilen, besonders in deinen besten Teilen, die am schnellsten ermüden (dem Geist), hellwach, bist ganz.

Eine Menge Träume; wußte morgens keinen mehr. Doch ein Bruchstück fiel mir ein: Wir hatten Besuch (eine Legierung aus Bernhard Zmsyslony und Leifer) und von einem Dritten erfuhren wir, was er über uns gesagt hatte: „Bei ihnen wird nicht gesungen…..“

Mit Erstaunen stelle ich fest, daß „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, die ich gerade anfange, ziemlich erotisierend auf mich wirken. Dabei gibt es doch kaum äußerliche Anreize dafür. Ich denke immer entschiedener: Alles ist wert, erlebt zu werden. Freilich, manches wird man halten, bewahren (und „aufheben“), manches wird man hinter sich lassen. Ich kann auch das Miese, das mir anhaftet, nur dann hinter mir lassen, wenn ich es durchlebt habe. So muß ich mich auch in Zukunft dazu bekennen, wenn das Sexuelle sich bei mir verselbständigt. Bekennen heißt, es hier im Protokoll als Tatsache aufschreiben und es bedenken.

Aber sich sexuelle Wünsche einzugestehen heißt nicht gleichzeitig, sich jeden sexuellen Wunsch zu erfüllen. Es darf verantwortlich gehandelt werden. Natürlich heißt, seine sexuellen Wünsche kennen, auch, sie nicht in alle Ewigkeit (und eigentlich aus Schwäche) zu verdrängen.

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Durch das Protokoll wird vieles nur Empfundene, unterhalb der Begriffsschwelle Liegende objektiviert (Eigentlich objektiviert in diesem Sinne jeder Künstler.), wenn auch zunächst nur in Schrift- bzw. Sprachgestalt, aber diese liegt dann ebenso vor, wie die Äußerung eines Fremden.* Ich kann sie mir wieder aneignen, mich erneut und von anderer Seite bzw. „unvoreingenommen“ damit auseinandersetzen. Ich werde von solcher Objektivierung mehr bestimmt, angeregt, eventuell fixiert als von der flüchtigen Empfindung. In diesem Sinne wirkt das Buch wie ein Katalysator, der Empfindung, denken und Handeln näher zusammenbringt….

Dabei scheint es so zu sein, daß nicht schlechthin das Bewegende, sondern das problematisch Bewegende niedergeschrieben wird. Die Politik Reagans, die Ereignisse in Polen u.v.a. bewegen mich außerordentlich, aber sie sind in diesem Buch kaum zu spüren.

Interessant, daß ich hiermit die genannten Ereignisse nicht als „problematisch bewegend“ einordnete. Sie schienen mir zwar wichtig, aber waren nicht Anstoß zu tieferem Nachdenken. Ich glaubte, die richtigen Wertungen zu kennen. Weiterdenken war nicht angesagt.

 

Viele tiefe, handlungsbestimmende Gefühle können an dieser Art Protokoll nicht abgelesen werden, doch es wäre nicht richtig, sie deshalb zu leugnen. (Sie müssen aus Taten rekonstruiert werden? In der ersten glücklichen Zeit der Liebe z. B. habe ich gar nichts ins Tagebuch eingetragen.)

Ich glaube, das ist eine wichtige Frage jeglicher Tagebuchschreiberei: In welchem Verhältnis steht das Aufgeschriebene zum nicht Fixierten. Gerade weil im Protokoll so viel aufgeschrieben wird, verdient das Beschwiegene besondere Aufmerksamkeit.

 

 

* Dieselbe Rolle spielen die hier gesammelten Aktfotos. Sie täuschen (berechtigt) einen weiteren Schritt der Objektivierung vor. Dabei kommt, glaube ich, ein starkes pornographisches Moment hinein, obwohl die Bilder selbst ja leider nicht pornographisch sind. Aber ich trage es hinein, indem ich völlig willkürlich, völlig nach meinem subjektiven Ermessen (gedanklich) mit der im Bild gegebenen Frau verfahre. Ich bin von allen Tabus befreit, und sie ist mir völlig willenlos ausgeliefert. Das kann man mit gutem Recht als säuisch (tierisch) bezeichnen, da frei von sozialer Wertung. (Dabei kommt es in meinem Erleben nicht zu irgendwelchen Perversionen, zu keinen Handlungen, die dem Objekt Schaden zufügen, wohl aber zum (gedanklichen) Ausschöpfen aller nur möglichen sexuellen Genußweisen. Die Geneigtheit des Objekts wird nicht mitgedacht, sondern von vornherein unterstellt.)

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17. Februar 1982

Freitag, August 3rd, 2007

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Mit dem Beginn des „Protokollierens“ in diesem Buch versuche ich schrittweise eine rationelle und zunehmend auch methodisch durchdachte Form zu finden, die letztlich auch theoretische Verallgemeinerung erlaubt. Mir ist klar, daß dies ein längerer Prozeß ist. (Vielleicht ist das ganze Jahr 82 dem Herausarbeiten dieses bewußten Herangehens gewidmet.)

Heute fange ich mit einer zweckmäßigeren, zeitsparenderen und übersichtlicheren Darstellungsweise an, etwa so:

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Ich wende maximal Abkürzungen an.
Eine weitere Rubrik ist „Leistungen, Erleben, Denken“. Sie enthält DEN wichtigsten sinnlichen Eindruck des Tages, überhaupt das Wichtigste des Tages, sowie Vornahmen für den Folgetag oder die weitere Zukunft.

Hier deutet sich an, wie die Bemühungen, zu einer methodologisch begründeten und letztlich empirisch lückenlosen Aufzeichnung meiner Lebensdaten, einen wachsenden Raum in meinen Tagebüchern einnehmen.

Ich hatte jahrelang die Absicht, auf dieser Basis eines (fernen) Tages eine persönlichkeitstheoretisch begründete und mittels Budgetanalyse empirisch umfassend abgesicherte Einzelfallstudie über ein Individuum im (Real-)Sozialismus zu schreiben.

Dieses Ziel habe ich aufgegeben, vielleicht aus theoretischem Unvermögen, vielleicht noch mehr wegen der veränderten Zeitumstände. Heute ist es mir viel wichtiger, meine persönlichen realsozialistischen Lebensverhältnisse wahrheitsgemäß zu dokumentieren.

Bei meiner künftigen Tagebuchwiededergabe hier im Blog werde ich also viele Passagen, die sich mit Methodologie und Theorie beschäftigen, auslassen (größere Auslassungen aber markieren.).

Abends Ausstellungseröffnung L. Fremdheit und Kälte zwischen L. und mir, auch während der nachfolgenden Feier.
Reden mit Barbara B. Da ist natürlich sofort eine gewisse erotischen Spannung. Ich rede kritisch von ihren Arbeiten, es entsteht aber eine auch schmeichelnde Form, indem ich von dem Eindruck von Stärke spreche, den sie persönlich macht und der gewissen Enge ihrer Arbeiten (der innere Zensor). Ich hatte nicht bewußt die Absicht, ihr zu schmeicheln, verfolge auch kein Ziel. Ich hab’ auch nicht gelogen. Wirkt möglicherweise das (gut gesonnene) Aussprechen der verborgenen, inneren Wahrheit, wodurch der Partner sich gut verstanden fühlt, vertrauenserweckend und schmeichelhaft?

Erstaunlich, wie gern sich Frauen schmeicheln lassen!

08. Februar 1982 - Sex im Kopf

Dienstag, Juli 3rd, 2007

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Auf dem Wege zur Arbeit, erst halbwach (zu Hause war noch Stromausfall), im milden gelben Dämmerlicht der Friedrichstraße sehe ich eine ganz kleine Frau, fast knabenhaft und doch sind da weibliche Formen angedeutet, an den richtigen Stellen zu ahnen, keimhaft. Doch es war kein Kind, eine erfahrene, propere, flinke Frau war es. (Die eine Verkäuferin in der Sämereienhandlung Friedrichstraße ist derselbe Typ.)
Ich stelle mir vor, diesen Grashüpfer zu ficken, in diesen leichten, grazilen Körper mein Glied zu bohren. Ich werde wieder erstaunt sein (ähnlich wie früher bei anderen kleinen Frauen), daß, mit den Worten des Apulejus „das ganze große Gerät Platz findet“, und es ist ebenso überraschend, wie lustvoll, zu spüren, wie dieser winzige Körper fiebert, wie er preßt und reißt und wie das Erleben, unabgelenkt von sekundären Reizen, sich ganz auf den Geschlechtsteil konzentriert.
Und dann ermatten, der männliche Hochmut ist davongespült. Demütig ziehe ich meinen Schwanz ein und erkenne wieder, daß es fast einem Floh gelingt, meine 80 kg zu bändigen. Dankbar bin ich dem kleinen Wesen für die gemeinsame Lust.

Während des ganzen Aktes habe ich nicht einmal daran gedacht, daß auf diese Weise Kinder entstehen, daß der kleine Körper vielleicht eine riesige Frucht tragen muß, daß er mit Schmerz und Blut einstmals für diese Lust bezahlt - und ein Kind herausbringt.
Weit entfernt ist das von unserer diesmaligen Lust. Das sind Ereignisse, die mich dann von außen treffen; anders die Frau, deren Lust in einer direkten körperlichen Weise im Kind aufgehoben ist.
Daran ändert sich Vieles im modernen Leben, mit der Gleichberechtigung der Geschlechter und neuen technischen Mitteln.

Wer erlaubt mir, so etwas aufzuschreiben? „Der Bär tanzt“, wie Tucholsky sagt?
Ich versuche Tatsachen, auch innere, ungeschminkt hervorzuzerren (aber nur für mich, nicht für andere) und faßte meinen Entschluß, bevor ich Henry Miller las. Was kommt dabei heraus, wenn ich versuche, die Wahrheit rückhaltlos herauszureißen?
Die Wahrheit über das, was in mir liegt, will ich sachlich-objektiv formulieren. Oder falle ich hier in einen logischen Widerspruch? Es gibt keine direkte Entsprechung von Empfindung und Sprache (= Gedanken); der Inhalt von triebhaften Begierden ist kaum mit der Sprache faßbar, die die Menschen zum Austausch ihrer Überlegungen benutzen.
Die Formen der Kunst sind geschaffen, um auch Empfindungen auszudrücken und Triebe zu umschreiben.

Und wie drücken wir Triebe direkt aus? Durch verstohlene Gesten, durch Augensprache, durch Tasten, durch alle möglichen Handlungen - fast immer stumm oder doch wortarm oder durch Worte, die gegen die Gesellschaft gerichtet werden (Zynismen z. B.)

Mein Schreiben ist noch von einer weiteren Halbheit durchdrungen: Einerseits versuche ich kraß und unbewertet zu äußern, was in mir sich abspielt, und fast im selben Moment beginne ich darüber zu reflektieren, d.h. die Sprache der Gesellschaft, der mitmenschlichen Beziehung zu benutzen.
Kein sehr genießbarer Brei, der hier entsteht.

Doch ich will noch auf diesem Wege bleiben, denn für mich ist er neu, wenn er sich auch als Irrweg herausstellen sollte.
Tatsache ist doch, daß Triebe wirken, daß Unbewußtes wirkt, daß wir auch biologische Wesen sind. Den Menschen ganz zu befreien., heißt ihn auch als biologisches Wesen zu befreien. Das sind doch ernstzunehmende Fragen, ihnen will ich mich weiter stellen (auch wenn es mir nüchtern betrachtet, peinlich ist), zunächst halt so dilletantisch, wie ich das kann.

Ich spüre auch Gefahren auf diesem Weg. Die Selbstanalyse, zumal des so interessierenden Sexuallebens , kann einen immer weiter von der Welt wegführen, sich verselbständigen, selbst zur Lust werden. Deshalb muß ich darauf achten, in der Tagesarbeit, in der Familie, zu L., immer ein tätiger „normaler“ Mensch zu sein, um so möglichst den ganzen Spannungsbogen in mir zu erhalten.
Im Augenblick gelingt mir das, wie ich an vielen Ideen spüre, die mir zu allen möglichen Problemen und nicht zuletzt zur Arbeit kommen. (Beiläufig: Heute ist mir zum ersten Mal irgendwas von Pornografie verständlich geworden.) Was nützt hier die schnelle moralische Wertung? Millionen konsumieren Pornografie. Sie ist zur Industrie geworden. Auch ich würde mich gern an manchem davon ergötzen. Ja, viel der Aktbilder auf diesen Seiten schaue ich keineswegs nur ästhetisch und auch nicht nur frivol, sondern ganz eindeutig sexuell bzw. pornografisch an.

Ein anderes Erlebnis des heutigen Tages war auch das Referat des Ministers auf der Betriebskonferenz des MSAB. Diese Klarheit und Konzentration und zugleich Differenziertheit!
Viele neue Ideen für unseren Lehrgang - einer der wichtigsten: Wir müssen Wege finden, um die Leitungsprobleme der Kombinatsebene in unserem Lehrgang zu fassen. Mit etlichen genossen des MSAB habe ich mich verabredet, um die Führungsproblematik der verschiedenen Fachabteilungen besser zu erkennen. Nicht reden will ich hier von der Menge neuer Gedanken zu den Formen des Lehrgangs.

Die Woche habe ich begonnen mit 30,-M. Wenn ich nächst Woche nochmal mit 30-40,-M hinkomme, bin ich wieder im Sparrythmus drin.
Meine Wunsch-Monatsbilanz:
1180,- brutto

240,-Unterhalt
100,- Beiträge
90,- Miete
300,- eig. Unterhalt und Familie
400,- Sparbetrag

Das schaffe ich fast nie. aber seit ich mir das Geld pro Woche zuteile, gelingt es mir doch einigermaßen zu sparen.

Die heute sichtbaren Gartenarbeiten des Jahres:
Obstschnitt, Winterspritzung, Holzgerümpel, Obstpflanzung, Mistversorgung, Dachrinne der Laube, ihr Anstrich, Kackecke, Graunke-Tür, Kultur von Kartoffeln, Broccoli, Fenchel, Tomaten, Zwiebeln, Kürbis, Gurken, Salat, Radies, Bohnen. Spaliere, Kompost, Düngung u.a.

Festzuhalten ist Friederikes Brief und das Thema Margot:

Friederike ist eine Studienfreundin von L. Sie hatte einen polnischen Mitkommilitonen, Jacek, geheiratet. Beide sind „praktizierende Katholiken“. Damals lebte sie inmitten einer Schar von sechs oder acht Kindern glücklich in Krakow. Bei einem Besuch erzählte mir Jacek mit leuchtenden Augen, daß eines ihrer Kinder vom Papst Johannes Paul II als der noch Bischof in Krakow war, gesegnet worden sei.

Bei diesem Besuch hörte ich von Jacek zum ersten Mal, daß die Morde von Katyn von sowjetischer Seite begangen worden seien. Ich glaubte es nicht, aber er war sich völlig sicher.

Fr. schreibt, das Volk sei sich einig wie noch nie, seinen passiven Widerstand nicht aufzugeben. Durch Leid und Krieg müßten sie durch, dann kommt das Glück.

Margot schrieb einen Brief voller brennender Sehnsucht. Ihre Qual tut mir weh. Von der ersten Stunde an kann ich in ihr immer nur das mißhandelte Kind sehen. Wozu war meine Zuwendung gut, wenn ihr nun doch bloß die verzweifelte Sehnsucht bleibt? Wo habe ich einen Fehler gemacht, so daß ich ihr jetzt von dem wieder wegnehme, von dem ich ihr gegeben habe und viel geben wollte?

Ich hätte nach dem Theater den Bus nehmen müssen. Bei ihr zu übernachten war ehrlich von mir aber es war sträflich naiv (und auch eine Spur bequem).

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03. Februar 1982

Dienstag, Juni 26th, 2007

5.30 Wecken, Heizen 2 Öfen, 6.10 Uhr 20 min Fußweg,7.00 Arbeit, 1 Std. Zeitung (ND, Eule), 8-10 Uhr Lektüre, J. Schmidt/Alberg,

Anruf von Dorow, das beginnende D-Abenteuer belebt mich (Ich überhöre leise Skrupel.) 10-12 Uhr 5. Versuch Nähmaschine kaufen, mit Erfolg, 722,-Mark 20 min Mittagsweg, 0,70 M Wurstgulasch,

21/2 Stunden weiter Schmidt/Alberg, bis zu Ende. Der Artikel hat mir einen klaren theoretischen Zugang zum Kreativitätstraining erschlossen, mein theoretisches Gewissen in dieser Frage geweckt. Morgen als erstes werde ich ihn wiederholen und Schlußfolgerungen für meine Arbeit, sowie abgeleitete theoretische Fragen aufschreiben.
Vorgemerkt sind weitere Artikel aus dieser Vorwerg-Brochüre („Selbstkontrolle“, von Vorwerg), die ich noch vor dem Trainerlehgrgang aufnehme.

20 min Fußweg zum HdM.

HdM- „Haus der Ministerien“ - Sitz der meisten DDR-Industrieministerien, vormals Görings Reichsluftfahrtministerium, nachmals Sitz der Treuhandanstalt.

In diesem Haus hatte ich oft zu tun: Meine Arbeitsstelle zur Heranbildung von Führungskadern im Schwermaschinen- und Anlagenbau (ZF) war zwar juristisch selbständig, in ihrer inhaltlichen Ausrichtung aber natürlich auf die enge Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Schwermaschinen- und Anlagenbau (MSAB) angewiesen. Außerdem war auf Ebene der Partei und der Gewerkschaft unsere kleine Einrichtung den betreffenden Organisationsstrukturen des MSAB angeschlossen.)

Nachher noch Sitzung der Kulturfunktionäre, danach Abholung der Nähmaschine vom Centrum-Warenhaus.
1 Std. „Kulturfunktionäre“, (Bürokratie)
18 Uhr zu Hause, Kinder von Fränze, dann Fränze, Lomas (mit Sohn Peter), ihr Kinder- und Familienglück.

Zur Nähmaschine sagt L. mißbilligend: “Die wollte ich doch im Intershop kaufen.“

Wenn ich F. zu Bett bringe, ist es immer ein deutlich hörbarer und angenehmer Augenblick, wenn er auf Schlafen „umschaltet“. Das ganze Zubettbringen, beginnend mit dem Waschen, ist ja ohnehin ein ziemlich stabiler Ritus. Wenn er dann schon liegt, meine letzten beruhigenden Worte kommen, und ich beginne zum Schlafen zu singen, dann hat er das „Schninki-Ohr“ gepackt, dreht sich seitlich, und in sein Nuckeln mischt sich ein schnarchartiges Geräusch. Dann weiß ich, daß er den Frieden der Nacht vor sich spürt.

L.s Schwierigkeit zärtlich zu sein. Wahrscheinlich würde sie sich andernfalls ganz wehrlos machen, vielleicht sogar ihre Aktivität, sogar ihr Leben töten. Ich brauche zutiefst eine derart maßstabsetzende Frau. Jedoch mein Bedürfnis nach zärtlichem und wärmendem Spiel bleibt unbefriedigt. Ich möchte es im spielerischen Umgang mit Freundinnen erleben, jedoch ohne L. allzu sehr zu schaden.

L. hat zwei Lithos von F. gemacht, beide sind ähnlich und doch ganz verschieden und sehr, sehr gut.

In Nr.? des „Sonntag“, als Titel, war eine Radierung der Quevedo. Meine Erwartung, diese Künstlerin persönlich kennen zu lernen, wächst zu einem Punkt, an dem ich die Initiative ergreife. Vielleicht gibt die Goltzsche-Ausstellung am 17.2. dazu sogar einen zufälligen Anlaß.

Morgen, wie angekündigt, der Artikel über Selbstkontolle. Vielleicht gibt er mir einige Hinweise zur Verbesserung dieser Aufzeichnungen.
Alle
objektiven Daten müßten so knapp, konkret, weitgehend schematisiert wie nur irgend möglich erfaßt werden.
Die
subjektiven Daten müßten nach irgend welchen (aber nach welchen?) Kriterien geordnet werden. (Ordnung in der ein theoretischer Geist waltet und zugleich dem Leben abgelauscht.)
Wenn ich z. B. beantworten sollte: Was war heute mein wichtigstes Erlebnis? so fällt mir dies ungeheuer schwer.
Gebe ich den allerersten, blitzartigen Einfall an? So war es der Anruf von Dorow, um sich unseres morgigen Treffens zu versichern, der mich sofort in eine kräftige, gleichsam triumphierende sexuelle Erregung versetzte.

Besinne ich mich einen Augenblick länger, so kann ich nicht unterschlagen: Meine Empfindungen beim Blick auf ein Bild im ND von den Opfern eines Massakers in El Salvador (Wie flüssig solch Begriff wie „Massaker“ aus der Feder fließt!)

Auch die Empfindungen beim Stehen in der Schlange für die Nähmaschine, diese Spannung: Reicht es, reicht es nicht?, die einen eigentlich zum Herdenvieh macht, waren wichtig.
Wichtig als kalte Dusche, obwohl nicht prägend, auch L.s Reaktion auf die Nähmaschine.
Schön auch die Wahrnehmung des (präsentierten) Lomasschen Mutter- und Familienglücks.

Meine Studien der Texte zum Kreativitätstraining kann ich hier nicht direkt zählen. Das war mehr Begriffenes, weniger Erlebtes, obwohl auch dieses keineswegs fehlte.
Das werde ich morgen als Erstes machen: Resümieren, was ich begriffen habe und was dabei und wie geistiges Erlebnis wird.

Das war 1 Std. Protokoll, 22 Uhr Gute Nacht!

An dieser Stelle meiner Aufzeichnungen habe ich begonnen, Bilder und kleine Texte einzukleben. Meist sind es Zufallsfundstücke des Tages, oft besondere Perlen aus unserem realsozialistischen Alttag. Mitunter haben sie direkten Bezug zu dem, was ich schreibe, oft aber nicht.

Ein „besonders Kapitel“ sind Aktfotografien. Wahrscheinlich mein ständig waches erotisches Interesse (zu dem ich mich bekennen wollte), veranlaßte mich, alle mir greifbaren erotischen Abbildungen hier zu verewigen

Eine Fundstück aus dem “Eulenspiegel” 4/1982

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Allmonatlich brachte „die Eule“ eine Sonderseite, „Funzel“ genannt, auf der sich regelmäßig ein, zwei Nackedeis befanden, wie z.B. diese züchtige Dame.

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Und hier ein Kalenderspruch:

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