Archive for April, 2007

23. Juli 1980 (Babyzeit)

Montag, April 16th, 2007
DAS Ereignis dieses Tages war schon gewesen, bevor der Tag richtig begonnen hatte. 2 Uhr 15 Anruf aus Polen. Mein erster Gedanke beim Warten nach den ersten Worten der polnischen Fernsprechdame:“L. ist wohl völlig besoffen, oder es ist was Schlimmes passiert.“ Es war weder noch, es war nur die Sehnsucht.
Heute langsam Umzug in den Garten, in dem dann auch Jana, Anja und Katja erscheinen.
Abends die ganze ZF-Meute (= meine Arbeitskollegen und die Teilnehmer unseres aktuellen Lehrgangs). Es ging bis nach 1 Uhr. Allen hat es gefallen. Kunststück. Trotz der Tanzerei sind alle Bäume heil davon gekommen, nicht aber der alte Liegestuhl.
				

22. Juli 1980 (Babyzeit)

Montag, April 16th, 2007
Endlich, dieser Trubeltag geht auch langsam herum. Meine Gäste sind abgereist, und mir reicht es auch.
F. war auch dauernd im Gezerre und ist erst gegen 21 Uhr eingeschlafen. 
Er nimmt mit Vorliebe meine Brille ab, und wenn sie ab ist, greift er fest nach und würde am liebsten auch noch das Auge abnehmen.Mit K. in „Plastik und Blumen“ (beliebte alle zwei Jahre stattfindende Plastik-Freiluftausstellung im Treptower Park am Ufer der Spree).
Fränzes Holzplastik „Hahn“ macht sich gut. Er soll bald Flügel kriegen, wie sie sagt. Ganz schön vielleicht eine Arbeit von ….Metzkes? Wirklich wichtig, schön, sensibel und bedeutend nur die Arbeiten von Sabine Grzimek („Familie“ und „stehender Mann“).Im Garten kleine Aufräumungsarbeiten. Die nächsten Tage bringt mich dort keiner raus, um endlich mehr Grund reinzukriegen, zumal sich jetzt erstmal das Wetter wendet.
				

21. Juli 1980 (Babyzeit)

Montag, April 16th, 2007
Auch dieser Tag geht schon bald zu Ende. K. und E. bringen oben gerade die Kinder zu Bett. F. schläft seit 19.30 Uhr, aber der viele Trubel hat ihn ganz schön aufgeregt. Gut, daß ich heute unten schlafe. Neuigkeit ist, daß er mit fester Hand meine Haare faßt und keineswegs losläßt, wenn ich das wünsche. Lustig auch, wenn er im Wagen liegt und den Kopf und Nacken reckt, um irgendetwas zu sehen, wie ein rückenkranker Opa.
Mit dem Wagen hat ihn heute E. ausgefahren, die mich gut abgelöst hat, als ich zur Versammlung mußte. Mittags hab’ ich Möhrengemüse angeboten, was er köstlich fand, abends gabs Grießbrei mit Heidelbeeren, er fand Gefallen dran.
Vormittags hatte ich das Referat fertig geschrieben, und es ist auch gut angekommen, wie überhaupt die Versammlung, gemessen an der urlaubsdezimierten Teilnahme, nicht schlecht war. Unsere Lehrgangsleute aber völlig passiv.
Heute noch oben saubergemacht, Matratzen ausgelegt, Laken aufgezogen, Reiswein abgefüllt. Er kühlt gerade.
So rast ein Tag herum, doch er bringt mich dem eigentlichen Urlaub näher. Nur das Wetter wendet sich immer noch nicht.
Es bewährt sich der „easy rider“. Zwar ist es schwierig, ihn alleine umzulegen (aber man schafft es), und man ist auch ganz schön beschwert und eingezwängt, und schließlich heizt der kleine Körper einem ganz schön ein, aber entscheidend ist doch, daß man dabei allerhand erledigen kann, und der Kleine sich in bester Obhut fühlt. Er hält eine ganze Stunde vergnügt und ohne einen Mux aus, und danach ist er rechtschaffen müde und schläft gleich ein.
				

20. Juli 1980 (Babyzeit)

Sonntag, April 15th, 2007
Bei flottem Regenrauschen war ich gestern eingeschlafen, bei ebenso flottem Rauschen wachte ich wieder auf. (Die Nacht hatte es freilich nicht durchgehend geregnet.)
….
Und nun ist dieser zweite Tag auch schon vorbei. Ein Tag mit viel Tun und dabei einigen Premieren – so haben wir heute zum ersten Mal geturnt, F. hat’s Spaß gemacht; ich hab zum ersten Mal Blumenkohlpürree gekocht. Es war sehr mild gewürzt aber trotz Verfeinerung mit einem Eigelb nicht ganz sein Geschmack. Am Staubsaugen nahm er im „easy rider“ teil und war’s zufrieden.
(Den Tragegurt „easy rider“ hatte L. von ihrer Westverwandschaft bekommen. Aktuelle Infos zu diesem Produkt liefert:
http://ladenx.com/ccr/product_info.php?products_id=80)
Später trug ich ihn dann noch ‘ne halbe Stunde vorne umgeschnallt. Das scheint ihn mehr anzustrengen als hinten.
Beiläufig Olympia-Fernsehen und Referat für die APO-Versammlung ausarbeiten – so war die Zeit ganz schön knapp.
Von F. im Gitter hab’ ich ‘ne Fotoserie geschossen (nachdem er ermattet eingeschlafen war).
Abends gab es kleine Unstimmigkeiten, aber er war im Recht, denn meine Wickeltisch-Erweiterungsbastelei verzögerte den ganzen Ablauf. Schließlich aber auch noch diese Premiere: Wickeln auf dem „Wickelfeld“ (Multimax, der neuen Borhmaschine, sei Dank!). Ende gut , alles gut.
Nur das Referat ist noch nicht ganz fertig und schon zu lang. Da gibt es morgen früh nochmal konzentriert zu tun.
Dann noch Betten Beziehen, ab morgen sind K. und E. mit Kindern zu Gast, und dann ab Dienstag geht hoffentlich bald die Hetzjagd zu Ende und der eigentliche Urlaub los.
Übrigens: Schäbige Olympiaberichterstattung des Westfernsehens. Man flickt am Zeug, wo man nur flicken kann.
				

19. Juli 1980 (Babyzeit)

Sonntag, April 15th, 2007
L. ist für 10 Tage nach Polen geflogen. 
(Und damit beginnt für mich eine Zeit, in der ich unseren Sohn Franz („Schnurkel“), der gerade ein halbes Jahr alt geworden ist, allein zu versorgen habe. Ich pendle oft zwischen unserer Wohnung in Berlin und dem Garten, zu dem es 30 Minuten Fußweg sind. Im Garten gibt es Wasser, keinen Strom, ein Zelt und reichlich stadtmüde Besucher.)
Kurz vorm Start ist – wie immer – die Reiselust wie weggeblasen.
Sie hat wenigstens für ein paar Viertelstunden die Sonne gesehen. Über den Wolken. Hier unten rauscht aber gerade wieder ein friedlicher Regen, wie jeden Tag seit nun schon vier Wochen.
Geregnet hat es heute fast den ganzen Tag, Niesel-, Sprüh- oder richtig. Uns hat es trotzdem im Garten gefallen. F., die „Halbwaise“, grinste breit, als sich der Kinderwagen in Bewegung setzte. Im Laufe der Tour hat er dann aber ein ernstes Gesicht aufgesetzt, mit lange Zeit würdig geschlossenem Mund. Der regentrübe Tag, das dämmrige Zelt, haben wohl dazu geführt, daß er heute viel geschlafen hat. Dafür wurde er abends, als ich es wagte, ihn gegen 19 Uhr hinzulegen, ziemlich ungehalten, so daß wir uns fast noch eine Stunde die Olympia-Eröffnung angesehen haben. Danach schlief er bald ein, und ich war froh, daß nicht die Abwesenheit der Mutter Grund seines Geschreis war.
Den Rückweg vom Garten hab ich übrigens über die Kolonie „Märchenland“ gewählt. Daraus wurde ein Marsch von anderhalb Stunden, nachdem ich dort im Gewirr der Wege völlig die Orientierung verloren hatte.
Der Gartenfreund aber war beruhigt, zu sehen, daß auch in anderen Gärten die Pflanzen nur dahinvegetieren.
Heute habe ich zum ersten Mal Hand an den einen Weinstock gelegt – Entfernen der Geiztriebe. Und für den zweiten habe ich einen „Lichtschacht“ geschlagen. Sonst war die Zeit mit Jäten ziemlich ausgefüllt, ach ja und mit dem Ernten von Himbeeren, die erstaunlicherweise rot werden und sogar schmecken und einigen Stachelbeeren.
Bei dem Schweizer Autor Federspiel habe ich den Satz gelesen: „Ihm kam es nicht darauf an, Macht zu haben, sondern lebendig zu sein.“
Nicht schlecht gesagt.
				

7. April 1979

Sonntag, April 15th, 2007
Am Abend, da es kühle war, ward Adams Fallen offenbar.
Am Abend drücket ihn der Heiland nieder.
Am Abend kam die Taube wieder
und trug ein Ölblatt in dem Munde.
O schöne Zeit! O Abendstunde!“
Ich bin erschüttert von der Matthäuspassion und bedrückt davon, daß sie in manchem so aktuell ist.
Es stehen Auseinandersetzungen bevor (zunächst in der Parteigruppe mit Günther). Ich selbst muß damit anfangen, in der Art Lenins zu arbeiten. Es reicht nicht, dies nur zu studieren und von Anderen zu verlangen.
Die Produktivkräfte in der kapitalistischen Gesellschaft und der bürgerliche Individualismus erweisen sich immer noch für Entwicklung als weit genug. Sie wirken mächtig in unserem Leben und pervertieren viele Seiten seines sozialistischen Charakters.
Insofern Jeder unmittelbar gesellschaftlich arbeitet, verfügt jeder unmittelbar über den größten gesellschaftlichen Reichtum mit, die Zeit. Das ist die Gelegenheit für die „Staatskassenplünderer“ (ein Ausdruck Lenins) aller Schattierungen. Dagegen kann nur die „Kontrolle von unten“ wirken. Ich bin unten. Ich darf mich nicht der Macht begeben.