L. ist für 10 Tage nach Polen geflogen.
(Und damit beginnt für mich eine Zeit, in der ich unseren Sohn Franz („Schnurkel“), der gerade ein halbes Jahr alt geworden ist, allein zu versorgen habe. Ich pendle oft zwischen unserer Wohnung in Berlin und dem Garten, zu dem es 30 Minuten Fußweg sind. Im Garten gibt es Wasser, keinen Strom, ein Zelt und reichlich stadtmüde Besucher.)
Kurz vorm Start ist – wie immer – die Reiselust wie weggeblasen.
Sie hat wenigstens für ein paar Viertelstunden die Sonne gesehen. Über den Wolken. Hier unten rauscht aber gerade wieder ein friedlicher Regen, wie jeden Tag seit nun schon vier Wochen.
Geregnet hat es heute fast den ganzen Tag, Niesel-, Sprüh- oder richtig. Uns hat es trotzdem im Garten gefallen. F., die „Halbwaise“, grinste breit, als sich der Kinderwagen in Bewegung setzte. Im Laufe der Tour hat er dann aber ein ernstes Gesicht aufgesetzt, mit lange Zeit würdig geschlossenem Mund. Der regentrübe Tag, das dämmrige Zelt, haben wohl dazu geführt, daß er heute viel geschlafen hat. Dafür wurde er abends, als ich es wagte, ihn gegen 19 Uhr hinzulegen, ziemlich ungehalten, so daß wir uns fast noch eine Stunde die Olympia-Eröffnung angesehen haben. Danach schlief er bald ein, und ich war froh, daß nicht die Abwesenheit der Mutter Grund seines Geschreis war.
Den Rückweg vom Garten hab ich übrigens über die Kolonie „Märchenland“ gewählt. Daraus wurde ein Marsch von anderhalb Stunden, nachdem ich dort im Gewirr der Wege völlig die Orientierung verloren hatte.
Der Gartenfreund aber war beruhigt, zu sehen, daß auch in anderen Gärten die Pflanzen nur dahinvegetieren.
Heute habe ich zum ersten Mal Hand an den einen Weinstock gelegt – Entfernen der Geiztriebe. Und für den zweiten habe ich einen „Lichtschacht“ geschlagen. Sonst war die Zeit mit Jäten ziemlich ausgefüllt, ach ja und mit dem Ernten von Himbeeren, die erstaunlicherweise rot werden und sogar schmecken und einigen Stachelbeeren.
Bei dem Schweizer Autor Federspiel habe ich den Satz gelesen: „Ihm kam es nicht darauf an, Macht zu haben, sondern lebendig zu sein.“
Nicht schlecht gesagt.