07. Februar 1982 - Bildbetrachtung
Samstag, Juni 30th, 2007Bilder anschauen:

In der Mitte breitbeinig und die Hände vorm Geschlechtsteil verschränkt (wie es einst „Arturo Ui“ einübte) steht die Macht. Sie schweigt. Sie nimmt Erklärungen entgegen. Sie scheint leidlich zufrieden. Weiß Du, was sie denkt? Unmut möchte ich aus diesem Mund nicht erfahren.
Links die Ko-Macht. Befehlsgewohnt auch sie, doch jetzt im Schatten eines Größeren.
Rechts die beiden Gehilfen. Der eine scheint, noch während er spricht, daran zu denken, wie er noch beflissener aussehen kann. „Stillgestanden“ ist immer gut. Bin ich im richtigen Augenblick devot, kann ich die Anderen später umso besser an die Kandare nehmen.
Daneben steht Gehilfe Pfiffikus „Hab Acht“. Im Moment heißt’s Schweigen, doch er wird die Lücke nicht verpassen, in die er - einem Gummiball gleich - hineinhopsen wird, vielleicht um Gehilfen Stramm den Rücken zu stärken, vielleicht um ihn in den Rücken zu treten oder beides.
Dahinter drängen sich dienstbare Geister. Du kannst sicher sein, daß ihnen kein Wort dieses historischen Augenblicks entgeht. Doch was heißt „entgeht“. Die Gehirn-Computer rasseln, Tatsachen werden registriert, Erklärungen gewogen, Varianten abgeschätzt, Strategien modifiziert, Interessen bedacht - denn sie alle kennen den Mund ihrer Macht.
Keinen dieser Leute hast Du jemals in der Straßenbahn gesehen oder beim Anstehen in der Kaufhalle nach einem leeren Korb oder beim Nachfragen nach den vor langer Zeit bestellten 10 Sack Zement oder in der Mehrzweckgaststätte beim Mittagessen oder im FDGB-Ferienheim oder beim Festival des politischen Liedes.
Doch sei nicht ungerecht und blind in Deiner Abneigung. Vertraust Du nicht gern dem Aussehen dieser Mächtigen, dann vertrau’ doch ihrem Problem. Um Äpfel geht es ja, um Früchte Dir zu Gesundheit und Genuß, auf daß Du nicht ungehalten knurrst. Nicht Köpfe werden verhandelt, nicht Rücken gekrümmt, Dein Wohlleben wird organisiert. Und nur zufällig bist Du gerade nicht anwesend..

Auch auf der anderen Seite bist Du zufällig nicht ins Bild gekommen. Ja, genau genommen bist Du froh darüber, Du mit Deinem Kartoffelleib und Schlenkergang. Die können besser die Zähne blecken. Und sie tun es ja für Dich.
Bleib nur draußen Du Köter, dann kannst Du alles von uns haben! Hier greif meine schlampigen Brüste, trotzdem nicht übel, wie? Halt die Ohren steif, ich kann noch viel mehr. Da, laß die Hand über meinen blanken Schenkel gleiten; ha, Du Triefmaul, wie Du Deine Fingerspitzen unter mein Höschen schiebst; lustig, daß Dein Atem so stoßweise geht. Wenn Du Dich anstrengst…
Blendende Zähne mußt Du haben, behaarte Arme, einige Sprays…. Ja, ja und einen weißen Anzug spar ich mir, und dann hab’ ich’s geschafft, dann will ich nur noch genießen, dieses kurze Leben.
Und keiner rede mir ein, ich sei nicht auf diesem Bild!




