Archive for November, 2007
16. Mai 1982 - F. im Garten
Donnerstag, November 15th, 2007
[…]
Anstrengender aber schöner Tag im Garten. 13 Tomaten gepflanzt, 1 Pfd. Spargel geerntet, vieles gewässert, weitere Pflanzbeete vorbereitet, sehr sonnig und warm (über 25°C).
F., als das Wasser aus dem Schlauch zu den Himbeeren fließt: “Das Wasser rauscht.” Ein Camping-Fahrrad, das wir unterwegs sehen, ist “ein junges Fahrrad”. Er hatte zum ersten Mal über Mittag draußen geschlafen, und es ging gut (aber zu kurz). Als ich ihn jetzt, 19 Uhr, fragte, ob er müde sei, antwortete er: “ja”.
Die Sicherheit und Kraft, mit der sich der Bengel im Garten bewegt, sind begeisternd.
Er wird dadurch sowohl robuster als auch geschickter, z. B. beim Helfen, wo er erstaunlich mithält. Er kann nicht genug mit dem Wasser plantschen, ist natürlich prompt erkältet, gerät tatsächlich “aus dem Häuschen”. (Wie er versuchte auf dem Wannenrand zu balancieren, erinnerte er mich an Euphorion, Fausts und Helenas Sohn, wie der höher und höher strebte…) Jeder Absturz ist von fürchterlichem Protestgebrüll begleitet, ihm folgen verdoppelte Anstrengungen, es doch zu schaffen, was dann oft zu verdoppeltem Gebrüll führt.
Er erlebt eine glückliche Zeit und macht mich (uns) glücklich.
(F.s Respekt, als ich ihn anweise vom Tischtuch zu klettern, nachdem das L. wiederholt verlangt hatte, der ihn so hastig absteigen läßt, daß er abstürzt. - Diese Autorität vorsichtig gebrauchen!)
[…]
15. Mai 1982 - Marita
Mittwoch, November 14th, 2007
Samstag, 5.00 Uhr aufgewacht, weiter geduselt,
7.45 zur Krippe von F., Subbotnik
# Subbotniks waren freiwillige, unbezahlte Arbeitseinsätze. Sie gehen auf ein Ereignis im frühen Sowjetrußland zurück, das Lenin in seiner Schrift “Die große Initiative” (1919) zu weitreichenden (auch heute noch interessanten) Verallgemeinerungen bezüglich der kommunistischen Arbeit anregte. In der Praxis des Realsozialismus gab es durchaus noch “echte Subbotniks”, meist waren es aber zusätzliche (bezahlte) Arbeitseinsätze, um irgendwelche Löcher zu stopfen, Mißstände auszugleichen. Dementsprechend schlecht, zumindest zwiespältig, war ihr Ruf.
Bei einem Subbotnik in der Kinderkrippe ging es etwa um Verschönerungs- und Aufräumarbeiten, auch Reparaturarbeiten. Es ergaben sich Kontakte zwischen den Eltern und auch mal Kontakte etwas anderer Art zu den Krippenkräften. #
11.00 Uhr vom Subbotnik nach Hause, ca. 15 Teilnehmer,
12.30 in den Garten, 3 Hänger Mist, gemäht,
[…]
Die Zwänge, unter denen Marita handelt, wurden deutlich sichtbar. Das arme Kind sehnte sich (”verzweifelt”) nach Liebe. Doch zugleich sagt sie: “Ich kann mich nicht verlieben.” Sie hat sich in ein Geflecht von Illusionen und Erfolgszwängen gespannt, die ihr einen Ausweg aus ihrer Situation verbauen (auch die Erkenntnis ihrer Situation verbauen). Sie kann ihre “schlechten Seiten” nicht annehmen (we ich das kann), verdrängt sie, möchte sie abhacken und bleibt somit undialektisch (hilflos). Ihr Kummer, auch angesichts der Aussichtslosigkeit unserer Beziehung, für die sie sich aber noch engagiert, wurde deutlich sichtbar.
Im Laufe des Abends begehrte ich sie zum ersten Mal etwas aktiver, verhielt mich ganz richtig, was ihr gut tat, dann aber erfolgte ziemlich abrupt die Trennung, von mir war es eine Art Flucht, für sie eine weitere Niederlage. Das dürfte das Ende sein. (Von mir aus würde ich an einer freundlich-kameradschaftlichen Beziehung interessiert sein, doch dies wohl kaum möglich.)
Gewiß kein aufregendes Aktphoto, mehr eine Unterwäschereklame. Doch es bringt mich auf die Idee: Ich müßte mal einen Akt versuchen, bei dem der Körper durch einen Blumenfülle hindurchschimmert, eine Situaion also, in der der Körper zugleich verdeckt, enthüllt und geschmückt ist.
Und so stehts ums Geld:
14. Mai 1982 - Massenkundgebungen in Polen
Dienstag, November 13th, 2007
[…]
Kreativitätstraining im Lehrgang, 
Kadergespräch mit Gen. L, Ministerium für Materialwirtschaft. Er gibt mir einen Personalfragebogen, relativiert aber gleichzeitig. da ein zweiter Kandidat im Spiel sei. […]
Im Garten, herrliches, wildes Spiel mit F. in der erstmals gefüllten Badewanne. Vorbereiten weiterer Tomatenpflanzen […]
Im Westfernsehen Bilder von Massenkundgebungen der Konterrevolution in Polen. So etwas muß einfach (über die aktuelle Sorge, Empörung und Enttäuschung hinaus) das Gewissen eines Genossen wach machen. Wie kann eine Kommunistischer Partei nur so abwirtschaften?
Wenn Gogol sagte, die Jugend sei schon deshalb glücklich, weil sie eine Zukunft hat, so möchte ich entgegenhalten: Jeder kann eine Zukunft haben. Der Jugend freilich wird sie geschenkt.
13. Mai 1982 - Exkursion zum SHR Wildau
Dienstag, November 13th, 2007
[…]
Exkursion mit dem Lehrgang in den “Schwermaschinenbau Heinrich Rau Wildau”, 2,5 Std. Betriebsrundgang, 2 Std. Vortrag (gut, Dr. Marten) mit Diskussion
[…]
Im Fernsehen bei uns Film über Nikaragua. Beeindruckende Frauengestalt Lätitia Herrera.
[…]
SHR Wildau bietet wieder ein interessantes Bild. Ohne Beschönigung wird berichtet, mit welchem Kraftaufwand der Industrieroboter entwickelt wurde. Nun ist kein Absatz da.
Ein solcher Betrieb veranschaulicht immer die Gewalt des vorhandenen Potentials und die relative Geringfügigkeit von Veränderungen, die (z. B. durch Wissenschaft und Technik) eingeführt werden können.
# Schwermaschinenbau Heinrich Rau Wildau” war ein bedeutender Zulieferbetrieb im Rahmen des SKET (=”Schwermaschinenbaukombinat Ernst Thälmann”) mit etwa 3200 Beschäftigten. Eindrucksvoll dort die Fertigung (Freiformschmieden, Gesenkschmieden) riesiger Kurbelwellen für Schiffsdiesel. Imposant. aber auch das automatisierte Ringwalzwerk. Der traditionsreiche Industriestandort aus dem 19. Jahrhundert (Lokomotivbau) beeindruckt auch heute noch durch seine zum Werk gehörende Arbeitersiedlung. #
[…]
Seemannslieder im Radio, ich empfinde Fernweh, nachempfinde Seemannslos. Schade, daß mich das in meiner Jugend gar nicht reizen konnte. Heute würde ich gern mal die Welt umsegeln.
[…]
In den Straßen Budapests.
[…]
12. Mai 1982 - Tücken der Überzeugungsarbeit
Montag, November 12th, 2007
[…]
Einkaufsbummel, nach Laubenfarbe und Dachrinnen, vergeblich.
Lektüre “Mozart” von Hildesheimer.
[…]
Ich berate mich mit verschiedenen Genossen darüber, wie mit Gerhard Kl. zu arbeiten wäre. Im Grunde sagen sie alle, daß man nichts erzwingen kann. (Anneliese:”Günther resigniert dann immer gleich.”) […]
Wir arbeiten beschämend wenig mit den Menschen. Wie “mit mir gearbeitet wurde”, wie ich zur Ausbildung oder nicht meiner Stärken angeregt wurde, ist selbst ein typisches Beispiel. In der mangelnden Sorgfalt auf diesem Gebiet gibt es massenhafte Verluste an Leistungsvermögen (und an menschlicher Zufriedenheit, Freiheit).
“Wehret den Anfängen!” Bis zum welchem Grades die PVAP # Polnische Vereinigte Arbeiterpartei # zerrüttet ist. Das war eine langer schleichender Prozeß. Der Kadavergehorsam von Genossen ist der erste Schritt auf diesem Weg. Diese Verwechslung von Parteidisziplin und Kadavergehorsam gibt es auch bei uns.
# Obwohl ich Parallelen sehe, hätte ich mir damals nie träumen lassen, daß wir bald denselben Weg gehen würden. #
Wie arbeite ich mit Gerhard Kl.? Ich will seine Schwenkung nicht einfach hinnehmen. Im ersten Moment würde ich dazu neigen, Druck auszuüben. Doch das ist kein Weg. Wie sind hier gesellschaftliche und persönliche Interessen übereinander zu bringen?
Ich kenne völlig ungenügend seine Beweggründe, Motive, Bedingungen, Stärken, Schwächen, seinen Lebensplan und den seiner Familie.
Im Fallspiel von Prof. Polaschewski heute hat er sich ausgezeichnet. Er ist der fleißigste Annoncenleser. Er ist phlegmatisch und intelligent. Er ist sexuell interessiert.
Der nebenstehende Satz trifft teilweise auf ihn zu. 
10. Mai 1982 - Kaderarbeit
Sonntag, November 11th, 2007
[…]
“Iphigenie”, ein ungewöhnlicher Film, kein Monumentalschinken, ein langer Film.
Ausstellung von Stefan Plenkers in der Galerie Mitte.
[…]
Genosse K., der fast zugesagt hatte, kommt am Wochenende zurück und teilt mit, daß er nicht im Ministerium arbeiten wird. Das ist gleichermaßen überraschend und enttäuschend für mich und macht mich ratlos.
Wie kann ich ihn gewinnen?
# Eine typische Situation meiner damaligen Arbeit - unsere sehr oft vergeblichen Bemühungen, einen Teilnehmer unserer Führungskaderlehrgänge zum Einsatz im Ministerium zu gewinnen. Das Ministerium konnte alles in allem nicht mit Vergünstigungen locken. Unsere fähigen jungen Leute hatten in ihren Betrieben und Kombinaten meist die attraktiveren Entwicklungsmöglichkeiten.
Das war eine ungute Situation, aber sie wirft ein bezeichnendes Licht auf die Diskussionen späterer Jahre über Privilegien von Funktionären. #
09. Mai 1982
Sonntag, November 11th, 200708. Mai 1982 - Individualität - Moralität - Asozialität (?)
Samstag, November 10th, 2007
[…]
Im Individuum liegt letztlich keine Wahrheit. Was liegt in ihm? - Rohmaterial, Rohstoff. Was sagen Philosophie, Ökonomie zur Bedeutung des Rohstoffs (Arbeitsgegenstand)?
Ich höre im Rundfunk “Rock für den Frieden”, bin ergriffen, möchte vereint sein in dieser Schar.
Wohin führt es mich, wenn ich rücksichtslos meiner Individualität nachgehe (und das habe ich vor, im sexuellen Bereich)? Es führt mich zu etwas, was landläufig mit Pornografie zu bezeichnen wäre. (?) Aktstudien, die meinen Wünschen entsprächen, würden Geilheit ausdrücken und steigern. Die Praxis mußte es zeigen. Mit der entsprechenden Partnerin würde ich in einen Furor der Schamlosigkeit verfallen. Schamlosigkeit, Geilheit als Selbstzweck - nicht als Moment glühender Leidenschaft.
(Doch vielleicht könnte mich solche Partnerin restlos fesseln.
Was brauche ich von der Frau? Erst heute, mit 41 Jahren, tappe ich mich langsam an die Antwort heran. (Habe Frauen bisher immer nach der Illusion erwählt, die ich von mir hatte.) Brauche wahrscheinlich eine Frau, die (u. a.) eine große natürliche Vulgarität hat. Daher die süße Schärfe bei Hegrü, weil wir uns in unserer Vulgarität treffen. (Als sie vor dem Rundfunk hockte und ich von hinten an sie herantrat, ihre Brüste packte und mein hartes Glied an ihre Schultern und ihren Nacken preßte, sie gleichsam besteigend, während sie ihren Kopf in den Nacken legte…, alles bekleidet!)
Auch K. O. hätte ich, wäre ich schon damals mir meines innersten Wunsches bewusst gewesen, sofort, schon in der ersten Minute vorgenommen. Nicht erst nach einem Imbiß. (Sie war darauf eingestellt.)
Was wird mir die Befriedigung dieser Wünsche geben? Ist es die Befriedigung meiner Asozialität? Ich will Verantwortung in der Gesellschaft tragen (und zwar aus aktuellen Gründen mehr als bisher), doch wie ist das mit obiger Befriedigung zu vereinbaren?
Ich werde zum Kader-Direktor “ja” sagen.
L.:”Na, dann Gute Nacht. Das ist doch ein Kackposten, wo Du Dich totläufst und nichts zuwege bringst.”
Der Hauptgrund ist: Ich traue es mir zu, wenn ich mich voll fordere, und das will ich. Der zweite Hauptgrund ist politisch-moralisch: Ich will meine ganze Kraft der Republik in dieser Zeit geben (meine doch nun wirklich gebildete und angereicherte Individualität ganz in diese Waagschale werfen), gerade, weil so viele “kostbare Individualitäten” sich in Freiräume zurückzuziehen versuchen. Im Grunde ist das eine Prinzipentscheidung gegen L.s Lebensweise, ein Fehdehandschuh.[…]
Ich will Lehrgeld zahlen aber ich bin überzeugt, daß ich es schaffen werde.

[…]
Strittmatter (Erwin): “Der Sinn meines Lebens besteht darin, hinter den Sinn meines Lebens zu kommen.”
Frauen wollen Männer besitzen - K. O., Hepa, Marita - ein Greuel!
Das Zwangsverhalten vieler Menschen! Zwanghaftes im eigenen Verhalten. Das wird mir jetzt krass bewusst, da ich vom Goethe-Abend von “Karls Enkel” komme.
# Ich bin verwundert, daß ich im Web (nach zugegeben oberflächlicher Recherche) über dieses wunderbare Liedertheater fast nichts finde. Auch Wikipedia kennt es nicht. Da müßte jemand sich wirklich mal die Zeit nehmen, festzuhalten, was nicht vergessen werden darf. Ich sage nur: Letztes aus der Da Da eR. Hier aber ist doch ein lesenswerter Beitrag von Lutz Kirchenwitz #
“Dahin! Dahin!” ist sein Titel. (Daß das auch hinweisend “Da hin!” verstanden werden kann, hab ich in meiner Phantasielosigkeit nicht gespürt, erst im Programmverlauf mitgekriegt) Goethe, der immer, so alt er auch wurde, fähig war, für Schönheit und Liebe zu entflammen.
Das ist es, was ich Gefahr laufe zu verlieren - das Edle in mir soweit zurücknehmen, daß es nicht mehr zu Tage treten kann. Oder muß ich meinen Rohstoff ganz nackt zu Tage fördern, um überhaupt erst das Mögliche aus ihm machen zu können? (Derartige Fragen sind nicht bloß rhetorisch, dennoch sind sie nicht frei gestellt. Trotz dieser Fragen muß ich mich - nach meiner individuellen Logik - jetzt so verhalten.)
Ein Geist ist auch so schön, wie er fähig ist, sich bezaubern zu lassen. Daher war Goethe “Olympier”, daher ist L. schön. Ich bin mehr ein “Wagner”, ich überzeuge mich erst davon, daß der Zauber sich meiner bemächtigen darf. (Doch bin ich nicht, Gott sei Dank, ganz und gar “Wagner”. Ich habe einen Funken, der mich auch das Andere ahnen läßt (und bin zugleich immer dem Dumpfen verbunden). (Ich fühle mich wohl in feuchter, dumpfer Wärme, im Russisch-Römischen Bad.)
[…]
07. Mai 1982 - Vater und Sohn
Freitag, November 9th, 2007
[…]
5.45 aufstehen
6.10 Straßenbahn zur Arbeit (Denken an Roderich)
7.00 Lektüre, Zeitung, Eule
7.30 Diskussion mit Roderich
# Mit dem Phantasienamen “Roderich” bezeichnete ich meine Kontakte zu meinem Führungsoffizier der Staatssicherheit. Abgesehen von den letzten ein, zwei Jahren der DDR hielt ich mich diszipliniert an die Regeln der Konspiration und fertigte mir keine Notizen meiner IM-Tätigkeit an. Nur den Zeitauwand hielt ich im Protokollbuch fest. #
8.50 Büroarbeit
9.30 Protokoll
10.30 Wege zum HdM, Beratungen
12.00 Mittagessen
12.40 Lehrgangsplanung, Telefonate, Büroarbeit
14.40 Protokoll
15.30 Straßenbahn nach Hause (Sw GB 1/82 in der Bahn)
# “Sw GB” ist meine Abkürzung für die Zeitschrift “Sowjetwissenschaft Gesellschaftswissenschaftliche Beiträge”, eine deutschsprachige Fachzeitschrift, in der monatlich eine Auswahl interessanter Veröffentlichungen aus den sowjetischen Gesellschaftswissenschaften erschien. #
16.10 Kaffeepause, im Rundfunk “Rock für den Frieden”
17.30 mit dem Rad in den Garten, etwas Obstbaumpflege, schön, wie alle neugepflanzten Obstgehölze treiben, selbst die trockene Stachelbeere, das ist geradezu spannende! An der Baumbank gebaut.
19.50 nach Hause
20.00 Fernsehen (Westen)
20.20 Abendessen, abwaschen
21.10 Protokoll
22.10 Fernsehen (überall gestöbert)
22.30 im Bett

L. hat bei den “100 Grafiken” einen 2.Preis bekommen.
Ein Rias-Kommentar beschäftigt sich mit der Korruption von Funktionären im Sozialismus. Dieses Geschwür ist tatsächlich überall zu finden. Würde ich konsequent meiner politischen Moral entsprechend handeln, würde ich z. B. einen Teil unseres Benzin-Kontingents zurückgeben und Günthers Mißbrauch offen aussprechen.
Wenn unsere Beziehung zum Staat z. T. Züge von Entfremdung enthält (Vergleich. Behandlung meines Wohnungsantrags), obwohl das doch seinem Wesen widerspricht, so auch deshalb, weil wir uns selbst dem Staat entfremden mit unserem individualistischen Egoismus. Der Staat schenkte uns Vertrauen, aber wir beuten ihn auch aus, wenns unbemerkt geschehen kann, sind gerne mal “Staatskassenplünderer” (Lenin).
Das ist so menschlich - und unversehens ist es polnisch .
Ich sollte Günther nicht vor irgendeine Tatsache stellen, sondern ihn einfach mal nach seinem Parteigewissen fragen.
Stefan besuchte uns und war neugierig auf mein (unser) Leben. Es hat ihn auch beeindruckt.
# Stefan, Christof, Clemens sind meine Söhne aus der Ehe, die 1975 geschieden wurde. #
Die Armeezeit hat ihn reifen lassen. (Vor dem Studium erst zu arbeiten, ist eine solches Zeichen von Reife.) Vor allem ist er offen und sucht Orientierung (von klaren, festen Grundpositionen aus). Er hatte sich bewußt auch für die Partei entschieden.
L. meinte danach, daß meine Frau eines sympathischen Sohn erzogen hätte.
Er erzählte interessant von seinem Grenzdienst, auch von seinen Vorstellungen des Lehrerberufs.
Interessant unser kurzes Gespräch, als ich ihn zur S-Bahn begleitete. Vorwürfe wegen meines Verhaltens damals zu Marlies Glöß. (”Das hast Du keine gute Figur gemacht.”) und wegen angeblicher Kleinlichkeit bei den Unterhaltszahlungen.
Das erste mußte ich eindeutig und selbstkritisch zugeben und tue es auch. Beim zweiten erkläre ich den Sachverhalt und weise Vorwürfe zurück. Er betont, dass er nicht gekommen sei, um irgend etwas “aufzufrischen”, sondern “aus reiner Neugier”. Ich verstehe das. Auch mir geht es so, daß ich keine übliche Vater-Sohn-Beziehung empfinden kann. Doch ich finde es nicht gut, auf immer in irgendwelchen Schützengräben zu hocken, in die man geraten ist. In diesem vorsichtigen Gespräch ist viel Ungesagtes, Unsagbares. Wir müssen das Sprechen erst wieder lernen.
[…]
Zum Schluß sagt er, daß nach diesem Besuch seiner “Neugier” nicht gestillt sein und daß Christof ähnlich denke.
Ich gebe ihm einen Fahrkarte der S-Bahn - und dann noch eine Rückfahrkarte.
Eine weite Landschaft der Hoffnung glänzt mir auf - die mich auch in die Verantwortung nimmt (Meine pornografischen Interessen kann ich diesem jungen Mann nicht so leicht begreiflich machen.)
Neue böse Härten für die Mutter, wenn nun die Kinder sich ablösen müssen! Ich bedauere sie, doch ihr ist nicht zu helfen.
Menschen, denen nicht zu helfen ist! (Jens Str., Christel, Klaus-Dieter K)
Es scheint diese Folgekette zu geben:
Zu spät aufstehen, Zeitnot > Appetitlosigkeit, dem Magen daher leichte Kost anbieten (calorien- und kohlehydratreich)> daher um 9 Uhr bereits wieder kräftiger Hunger> der Magen ist mittags bereits an voluminöse Nahrung gewöhnt und will wieder reichlich gefüllt sein> Übergewicht.
Möglicherweise fängt alles mit morgendlicher Zeitnot und einem zu leichten Frühstück an. Den Tag gefaßt und in aller Ruhe beginnen, das kann man nur, wenn man sich ganz und gar zu seinem Tag bekennt, ganz in ihm aufgeht.
[…]
Das Begrüßungslächeln vieler Menschen (Franz Fischer, letztens Barbara Bondzio) - oft nicht mehr als eine Grimasse.

















